Der FEI Nations Cup 2021 im Dressurreiten (2021 FEI Dressage Nations Cup) war die achte Saison des Nations Cups der Dressurreiter.
Ablauf der Turnierserie Bedingt durch die COVID-19-Pandemie blieb der CDIO von Wellington das einzige Dressur-Nationenpreisturnier des Jahres 2020. Die Nations-Cup-Saison 2020 wurde komplett abgebrochen,FEI Dressage Nations Cup™ - Season 2020, fei.org so dass erst im Jahr 2021 eine achte Saison der Turnierserie ausgetragen werden konnte.
Doch auch die Saison 2021 war eine besondere: Neben weiterhin vorhandenen Einschränkungen durch die COVID-19-Pandemie kam es zudem im Frühjahr 2021 bei einem Springreitturnier in Valencia zu einem Ausbruch einer Mutation des Equinen Herpesvirus 1 (EHV-1), der durch weiterreisende Pferde in Folge auf anderen Turnieren eingeschleppt wurde. Daher untersagte die FEI alle europäischen Turniere vom Anfang März bis zum 11. April 2021.Herpes-Ausbruch: FEI verlängert Turniersperre bis 11. April, Weltcupfinals abgesagt, Pamela Sladky / Pferderevue, 12. März 2021 Der als zweite Etappe des Nations Cups vorgesehene CDIO im portugiesischen Alter do Chão Ende April entfiel. Ebenso entfiel der Dressurnationenpreis der Falsterbo Horse Show, der ansonsten nur wenige Tage vor Beginn der verschobenen Olympischen Sommerspiele in Tokio ausgetragen worden wäre. Der CDIO von Hickstead war aufgrund dieser Terminüberschneidung gar nicht erst ausgeschrieben worden.Turnierkalender der FEI
Der Auftakt zur Nations-Cup-Saison fand Mitte März 2021 in Wellington statt. Den Saisonabschluss bildete der CHIO Aachen, der in den September verschoben wurde.
Das Regelwerk änderte sich gegenüber den Vorjahren nicht. Die Turniere wurden auf CDIO auf 3*-, 4*- oder 5*-Niveau ausgerichtet. Für die Veranstalter standen drei unterschiedliche Ausschreibungsmodi für die Nationenpreise zur Verfügung: Das Ergebnis des Grand Prix de Dressage (drei oder vier Reiter pro Mannschaft) wurden mit den Ergebnissen aus Grand Prix Spécial (zwei Reiter pro Mannschaft) und Grand Prix Kür (ein oder zwei Reiter pro Mannschaft) addiert, Der frühere olympische Mannschaftswettbewerbsmodus: Grand Prix de Dressage und Grand Prix Spécial zählten für den Nationenpreis oder abweichende Ausschreibung (nur außerhalb Europas, Genehmigung durch die FEI erforderlich)
Der Modus, das Mannschaftsergebnis bei den einzelnen Nationenpreisen zu ermitteln, wurde ebenso auf zwei unterschiedliche Weisen ermittelt: Vielfach entschied die Platzierung des Reiters über die Anzahl seiner Punkte: Ein Punkt für den ersten Platz, zwei für den zweiten usw. Dabei gewann die Mannschaft mit dem niedrigsten Ergebnis den Nationenpreis. Aber auch eine Addition der Prozentergebnisse (abzüglich eventueller Streichergebnisse) hätte zum Einsatz kommen können.
Die Vergabe der Wertungspunkte für die Nationen wurde anhand ihrer Platzierungen vorgenommen, gestaffelt nach der Kategorie des Turniers (Die siegreiche Mannschaft erhielt bei einem CDIO 5* 15 Punkte, bei einem CDIO 3* hingegen 10 Punkte).FEI Dressage Nations Cup™ Rules, Effective 01 January 2021 (PDF; 193 kB)
Die Etappen Vereinigte Staaten Die mehrwöchigen Dressurturnierserie Global Dressage Festival, die parallel zum wenige Kilometer entfernten Winter Equestrian Festival der Springreiter in Wellington in Florida stattfindet, bildete auch in der Saison 2021 den Rahmen für den Auftakt zum Nations Cup. Das Nationenpreisturnier, welches neben dem CDIO 3* auch einen Nationenpreis für U25-Dressurreiter (CDIOU25) umfasste, wurde vom 16. bis 21. März 2021 ausgerichtet.
Beim Nationenpreis von Wellington kommt stets ein besonderes Reglement zum Einsatz: Die Mannschaften gingen hierbei nicht nur auf Grand Prix-Niveau an den Start. Stattdessen traten die Reiter entweder im Grand Prix de Dressage und im Grand Prix Spécial oder im Prix St. Georges und in der Intermediaire I an. Um den Schwierigkeitsunterschied zu berücksichtigen, wurden die Ergebnisse der Grand Prix-Tour jeweils um einen Faktor von 1,5 Prozent pro Reiter erhöht.
Im Jahr 2021 wurde dieser Modus, der den Start weiterer amerikanischer Nationen möglich machen sollte, ad absurdum geführt: In der kleinen Tour trat kein einziger amerikanischer Reiter an. Stattdessen gingen die Equipen Deutschlands und Australiens überwiegend in der kleinen Tour an den Start. Diese Strategie ging für die deutsche Mannschaft auf, sie gewann mit knapp unter einem Prozent Vorsprung den Nationenpreis.
MannschaftReiterPferdeProzentErgebnis Nationenpreis Wellington 2021 (PDF; 168 kB)Wertungs-punktePrix St. GeorgesGrand PrixErgebnis Grand Prix, CDIO 3* Wellington 20211. Tag (GrandPrix: + 1,5 %)Inter-mediaire IGP SpécialErgebnis Grand Prix, CDIO 3* Wellington 20212. Tag(GPS: + 1,5 %)Endergebnis1 Michael Klimke Domino 68,853 — (68,853) 68,000 — (68,000) Kevin Kohmann Five Star 74,177 — 74,177 74,206 — 74,206 Frederic Wandres Quizmaster 74,765 — 74,765 76,529 — 76,529 Christoph Koschel Eaton — 72,891 74,391 — 73,000 74,500 223,333 225,235 448,568 102 Katherine Bateson Chandler Alcazar — 70,239 (71,739) — 69,511 (71,011) Jennifer Williams Millione — 71,783 73,283 — 73,958 75,458 Benjamin Ebeling Illuster van de Kampert — 72,152 73,652 — 73,064 74,564 Adrienne Lyle Duval — 73,935 75,435 — 74,489 75,989 222,370 226,011 448,381 82 Naima Moreira Laliberté Statesman 69,718 — (71,218) 71,957 — 73,457 Chris von Martels Eclips 72,870 — 74,370 72,319 — 73,819 Brittany Fraser-Beaulieu All In 70,391 — 71,891 70,447 — 71,947 Lindsay Kellock Sebastien 70,087 — 71,587 67,787 — (69,287) 217,848 219,223 437,071 74 Sally Lofting Quinlan 62,147 — 62,147 64,441 — 64,441 Hope Beerling Alpha 64,853 — 64,853 62,824 — 62,824 Kelly Layne Samhitas 63,739 — 65,239 70,085 — 71,585 196,734 192,913 389,647 6 (Ausgeklammerte Prozentpunkte zählen als Streichergebnis nicht für das Mannschaftsergebnis)
Frankreich Der erste europäische Nationenpreis der Dressurreiter fand vom 27. bis 30. Mai 2021 statt: Das französische Nationenpreisturnier, ein CDIO 5* wurde in Compiègne durchgeführt.
Im Grand Prix, der am Turniersamstag auf dem Programm stand, belegten mit einer Ausnahme nur skandinavische Reiter die Plätze eins bis acht. Dänemark lag nach dieser Prüfung mit einem Punkt Vorsprung vor Schweden in Führung.Ergebnis Grand Prix, CDIO 5* Compiègne 2021Compiègne: Patrik Kittel gewinnt Fünf-Sterne-Grand Prix, Dominique Wehrmann / St. Georg, 29. Mai 2021
Der nächste Tag begann mit dem Grand Prix Spécial. Der Sieg in dieser Prüfung ging an die Dänin Carina Cassøe Krüth und die Stute Danciera mit einem Ergebnis von 77,872 Prozent. Nicht profitieren konnte von diesem Ergebnis die dänische Equipe: Cathrine Dufours Wallach Bohemian erschrak sich noch vor Beginn der Prüfung so, dass er sich nicht mehr in das Prüfungsviereck reiten lassen wollte. Cathrine Dufour schied daher aus. Da die Mannschaften in Compiègne nur je drei Pferd-Reiter-Paare umfassten und damit kein Streichergebnis vorgesehen war, schied damit auch die dänische Mannschaft aus der Wertung des Nationenpreises aus. Platz zwei und vier im Grand Prix Spécial durch die Schwestern Juliette und Antonia RamelErgebnis Grand Prix Special, CDIO 5* Compiègne 2021 sowie der Sieg von Patrik Kittel mit seiner Stute Well Done de la RocheErgebnis Grand Prix Kür, CDIO 5* Compiègne 2021 in der nachfolgenden Grand Prix Kür brachten Schweden den Nationenpreis-Sieg.Compiegne: Schweden gewinnt Nationenpreis, Kittel die Kür und Cassøe Krüth den Special, Dominique Wehrmann / St. Georg, 30. Mai 2021
Punktgleich, aber mit enormem Abstand hinter Schweden, folgten Portugal und Großbritannien punktgleich. Aufgrund des besseren Ergebnisses im Grand Prix wurde Portugal vor Großbritannien auf Rang zwei geführt. Im Nationenpreisklassement wurden die Platzierungen der Reiter, die nicht für eine Mannschaft starteten, herausgerechnet. Daher wurden zum Beispiel für João Miguel Torrao acht Punkte für den Grand Prix angerechnet, obwohl er dort auf Rang neun gekommen war. Die Platzierung des finnischen Einzelreiters Henri Ruoste auf Rang sechs blieb somit unberücksichtigt.
MannschaftReiterPferdePlatzierungErgebnis Nationenpreis Compiègne 2021Wertungs-punkteGrand PrixGP SpécialGP Kür1 Antonia Ramel Brother de Jeu 7 3 — Juliette Ramel Buriel 4 1 — Patrik Kittel Well Done de la Roche 1 — 1 17 152 Maria Caetano Fenix de Tineo 16 6 — Rodrigo Torres Fogoso 12 8 — João Miguel Torrao Equador 8 — 2 52 133 Louise Anne Bell Into the blue 25 — 5 Emile Faurie Dono di Maggio OLD 11 4 — Charlotte Fry Dark Legend 5 2 — 52 114 Domien Michiels Intermezzo van het Meerdaalhof 10 — 4 Larissa Pauluis Flambeau 13 10 — Alexa Fairchild Dabanos 15 7 — 52 95 76 76 88 67 Carla Aeberhard Delioh von Buchmatt CH 20 13 — Birgit Wientzek Pläge Hot Secret 18 12 — Antonella Joannou Dandy de la Roche CH 23 — 6 92 5
Niederlande Das Nationenpreisturnier der Niederlande, der CHIO Rotterdam, fand 2021 vom 1. bis 4. Juli 2021 statt. Der Dressurnationenpreis hatte mit drei Mannschaften zwar nur ein übersichtliches Starterfeld, dennoch war er sportlich von besonderer Relevanz. Einen Tag nach Ende des Turniers, am 5. Juli 2021, mussten die Nationen spätestens ihre Reiter und Pferde für die Olympische Dressurwettbewerbe in Tokio benannt haben.
Die Niederlande sichteten im Nationenpreis sowie einer parallel durchgeführten national ausgeschriebenen Grand Prix-Tour ein letztes Mal ihre möglichen Olympioniken. Teil von Belgiens Mannschaft waren drei Reiter-Pferd-Paare, die auf der belgischen Longlist für die Olympischen Spiele standen. Da der irische Verband aufgrund nicht mehr im Jahr 2021 zur Verfügung stehenden Paaren auf seinen Mannschaftsstartplatz bei den Olympischen Spielen verzichtet hatte, fiel Belgien dieser Mannschaftsstartplatz für Tokio zu. Somit bestand für Belgiens Reiter in Rotterdam die letzte Chance, sich zu präsentieren.Belgian Olympic Dressage Team for 2021 Tokyo Games Named, eurodressage.com, 3. Juli 2021
Deutschland hatte seine Olympiamannschaft zwar schon am vorherigen Wochenende aufgestellt. Doch da der CHIO Aachen, der sonst immer eine Woche nach Rotterdam stattfindet, auf den September verschoben wurden, brachte Deutschland eine deutlich stärkere Equipe als in früheren Jahren in Rotterdam an den Start. Isabell Werth und Dorothee Schneider brachten beide ihre aktuellen „Zweitpferde“, die schon bei Olympischen Spielen bzw. Weltmeisterschaften erfolgreich waren, mit nach Rotterdam. Ergänzt wurde die Mannschaft durch zwei Paare, die an den deutschen Olympia-Sichtungsturnieren teilgenommen hatten.
Irland und die Vereinigten Staaten waren in Rotterdam mit je zwei Einzelreitern am Start; Portugal, Schweden und Kanada mit je einem Einzelstarter. Ihre Ergebnisse wurden bei der Vergabe der Punkte für die Mannschaftsreiter nicht berücksichtigt.
Die Niederlande und Deutschland dominierten in einem engen Zweikampf die Prüfungen des Nationenpreises. Im Grand Prix belegten niederländische und deutsche Paare die Plätze eins bis acht, im Grand Prix Spécial und in der Grand Prix Kür waren die ersten vier Plätze jeweils in der Hand der zwei Equipen. Im Grand Prix sicherte sich Isabell Werth mit ihrer Rappstute Weihegold OLD den Sieg mit 80,717 Prozent vor Hans Peter Minderhoud mit 77,174 Prozent.Ergebnis Grand Prix, CDIO 5* Rotterdam 2021 Im Grand Prix Spécial gewann Hans Peter Minderhoud mit über fünf Prozent Vorsprung vor seiner Landsfrau Dinja van Liere.Ergebnis Spécial, CDIO 5* Rotterdam 2021 In der Grand Prix Kür hingegen sicherte sich Isabell Werth wieder den Sieg mit 87,530 Prozent, dieses Mal vor Edward Gal mit dem Totilas-Sohn Total Us (84,280 Prozent).Ergebnis Kür, CDIO 5* Rotterdam 2021
In der Summe ging der Sieg mit knappem Vorsprung an die Niederlande. Da weniger als vier Mannschaften am Nationenpreis von Rotterdam teilnahmen, wurden keine Wertungspunkte für die Gesamtwertung vergeben.