Die Nuvolaugruppe () ist eine Berggruppe in den Ampezzaner Dolomiten. Sie befindet sich in der italienischen Region Venetien.
Geographie Lage Die Berggruppe liegt südwestlich von Cortina d’Ampezzo und nordöstlich von Alleghe in der Provinz Belluno zwischen dem Valle del Boite und dem Val Cordevole. Ihre höchste Erhebung ist der Monte Averau mit
Abgrenzung Die Gruppe wird im Südwesten vom Lauf des Cordevole im gleichnamigen Tal von der Marmolatagruppe abgegrenzt. Im Süden bildet das zum Passo Staulanza () führende Val Fiorentina die Grenze zur Cristallogruppe. Das auf etwa halber Länge vom Val Fiorentina nach Norden zum Passo di Giau () abbiegende Val Codalunga trennt die Croda-da-Lago-Gruppe von der Nuvolaugruppe ab. Vom im Südosten der Gruppe gelegenen Passo di Giau bildet das in das Valle del Boite führende Val Cernera die Grenze. Im Norden grenzt das von Val Costeana die Gruppe von den Tofane ab. Im Nordwesten bildet der Passo di Falzarego () die Grenze zur Fanesgruppe. Im Westen bildet das Valle d’Andraz die Grenze zum Fodom.Antonio Berti: Dolomiti orientali: Volume 1 - Parte 1º. S. 116.
Administrativ teilt sich die Nuvolaugruppe auf die vier Belluneser Gemeinden Livinallongo del Col di Lana, Cortina d’Ampezzo, San Vito di Cadore und Colle Santa Lucia auf.
Geologie Die Nuvolaugruppe setzt sich aus verschiedenen Gesteinseinheiten zusammen. Bestehen der Monte Averau und die Cinque Torri aus Dolomia Principale, besteht die Croda Negra und die La Gusela aus Cassianer Dolomit. Am Monte Nuvolau wird im Gipfelbereich der Cassianer Dolomit von der Dolomia Principale überlagert. Diese zwischen Obertrias und Unterjura entstandene Formationen sind nordöstlich und südwestlich des Hauptkammes von Sedimenten aus dem Pliozän und dem Quartären Eiszeitalter umgeben.APAT – Agenzia per la protezione dell’ambiente e per i servizi technici: Carta Geologica d’Italia. Foglio 29 Cortina d’Ampezzo.
Die nördlich und südlich des Monte Averau befindlichen Blockgletscher sind deutliche Spuren des letzteiszeitlichen Maximums. Zwei weitere Blockgletscher befinden sich westlich der Croda Negra und südwestlich der La Gusela.
Vulkanischen Ursprungs ist der Monte Pore am südwestlichen Rand der Gruppe. Seine oberen Bereiche bestehen aus Tuff aus dem Mitteltrias, die auf älteren Formationen aus dem Untertrias und dem Oberperm aufliegen.
Geomorphologie Geomorphologisch betrachtet bildet die Nuvolaugruppe eine in nordöstlicher Richtung geneigte Monoklinale mit zwei großen Hochebenen. Während die Ebene an der Südseite von Wiesenflächen gekennzeichnet ist, die von mehreren kleineren Tälern unterbrochen werden, ist die Nordseite dagegen wesentlich felsiger. Die bewaldete Nordostseite fällt zum Ampezzaner Becken ab. Zwischen Passo di Falzarego und Passo di Giau erheben sich die bedeutendsten Erhebungen der Gruppe, die den Rücken der Gruppe bilden.Agenzia regionale per la prevenzione e protezione ambientale del Veneto (Hrsg.): Atlante delle sorgenti del Veneto. S. 31.
Gliederung Die Nuvolaugruppe ist nach SOIUSA eine Untergruppe der westlichen Ampezzaner Dolomiten. Unabhängig davon wurde sie bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts als eigenständige Gruppe der Dolomiten betrachtet, so beispielsweise in dem von Antonio Berti verfassten und 1908 veröffentlichten Gebietsführer Dolomiti di Cadore, der 1928 erstmals in der vom Club Alpino Italiano herausgegebenen Reihe Guida dei Monti d’Italia unter dem Titel Dolomiti Orientali erschien.
Die Gruppe besteht demnach aus einem Bergkamm, dem Nuvolaurücken (ital. Dorso del Nuvolau) und zwei diesem vorgelagerten und klar abgegrenzten Einzelgruppen, den Cinque Torri und dem Monte Pore.
Nuvolaurücken Der Nuvolaurücken bildet den zentralen Teil der Gruppe. Er zieht sich südwestlich des Passo di Falzarego in südöstlicher Richtung fort und endet mit der Ra Gusella. Die höchste Erhebung des Bergrückens bildet der Monte Averau mit Er ist damit zugleich auch der höchste Berg der gesamten Nuvolaugruppe.
Cinque Torri Die Cinque Torri () sind eine dem Novulaokamm nördlich vorgelagerte charakteristische Monolithengruppe auf der zum Val Costeana sanft abfallenden Seite der Nuvolaugruppe. Der höchste Monolith ist die Torre Grande mit
Monte Pore Nördlich von Colle Santa Lucia am Rand des Val Cordevole gelegen, ist der Monte Pore () dem Hauptkamm der Gruppe vorgelagert. Er hebt sich aufgrund seiner geologischen Vergangenheit, seiner Geomorphologie und seines dunklen aus Vulkaniten bestehenden Gesteins von der übrigen Nuvolaugruppe ab.
Gipfel Monte Averau Monte Gusela, La Gusela oder Ra Gusela Monte Nuvolau Croda Negra Monte Pore Torre Grande
Gewässer Die Gewässer der Nuvolaugruppe gehören östlich des Nuvolaukammes dem Einzugsgebiet des Boite an, während sie westlich davon den Cordevole speisen. Beide sind Zuflüsse des Piave. Sowohl die östlich abfließenden Wildbächen Rio Falzarego und Rio Costeana, als auch die dem Cordevole zufließenden Codalunga, Andraz variieren je nach Niederschlag und Schneeschmelze stark in ihren Abflussmengen. Mit dem in der Nähe der Großen Dolomitenstraße gelegenen Lago Bain de Dones und dem nordwestlich des Monte Averau gelegenen Lago Limedes befinden sich zwei kleine Bergseen an der Nordseite der Gruppe. Der Wasserstand der beiden Karstseen ist ebenfalls starken Schwankungen ausgesetzt, so dass der kleinere Lago Limedes oder Limides im Herbst auch trocken liegen kann.Giunta Regionale del Veneto (Hrsg.): Piano regolatore Generale 2003. Cortina d’Ampezzo. Allegato H. Schede normative delle zone di interesse naturalistico. S. 10. PDF
Natur Trotz anthropogener Einflüsse bedingt durch die touristische Erschließung der Gruppe, weist die Nuvolaugruppe eine nicht unbedeutende Biotopvielfalt und eine damit verbundene Artenvielfalt auf. Sie ist gekennzeichnet durch subalpine und alpine Höhenstufen. Neben ausgedehnten Nadelwald- und Wiesenflächen sind aber auch einige Feuchtgebiete zu finden, die sich auf wasserundurchlässigen Stellen der sonst eher karstigen Oberfläche bilden konnten.
Flora Die Monolithentürme der Cinque Torri mit ihren Felswänden und Überhängen sind der Standort einiger in den Dolomiten endemische vorkommender Arten, wie die Dolomiten-Glockenblume. Um die Cinque Torri befinden sich bedeutende, in der Vergangenheit als Magerwiesen genutzte Flächen. Südlich der Torre Grande liegen in einer Mulde eine kleine basenreiche Moorfläche und Alluvialböden, die aus ehemaligen Gletscherabflüssen entstanden sind. Der Feuchtstandort ist der Lebensraum einiger seltener und bedrohter Arten wie dem Echten Erdbeerspinat, dem Dolomit-Streifenfarn, die Graugrüne Nabelmiere, dem Dolomiten-Mannsschild oder die Niedrige Schwarzwurzel.Michele Da Pozzo, Carlo Argenti, Cesare Lasen: Atlante floristico delle Dolomiti d’Ampezzo: specie notevoli, valori ecologici e fitogeografici. S. 262–263.
Die Almflächen um den Passo di Falzarego mit ihren Lehmböden weisen trotz der dort befindlichen Aufstiegsanlagen und Skipisten eine reiche biologische Vielfalt auf. Hier kommen unter anderem das Duftende Mariengras, das Nickende Weidenröschen, der Alpen-Tragant, das Blutrote Knabenkraut oder die Hechtblaue Weide vor.Michele Da Pozzo, Carlo Argenti, Cesare Lasen: Atlante floristico delle Dolomiti d’Ampezzo: specie notevoli, valori ecologici e fitogeografici. S. 263.
Die Magerwiesen rund um den Passo di Giau fallen mit ihren reichen Arnika- und Tüpfel-Enzian-Beständen auf. Des Weiteren kommen zwischen dem Pass und den unterhalb der La Gusela liegenden Felsblöcken, die Überbleibsel eines Blockgletschers sind, unter anderem der Gelbe Frauenschuh der Südliche Tragant und der Alpen-Mauerpfeffer vor. An den nordöstlichen Ausläufern der Gruppe finden sich Hochwälder aus Lärchen und Zirbelkiefern. In den feuchteren und schattigeren Rinnen findet sich auch die Grün-Erle. Der westliche Teil der Gruppe gehört zu den Bereichen, der am wenigsten anthropogenen Einflüssen ausgesetzt ist. Die dort nicht mehr genutzten Magerwiesen sind das Biotop zahlreicher Arten wie dem Brand-Knabenkraut.
Fauna Vögel stellen die bedeutendste Klasse von Wirbeltieren dar, die in der Nuvolaugruppe heimisch sind. Darunter befinden sich auch einige Arten, die hier brüten, wie das Alpenschneehuhn an der Nordseite der Gruppe oder das Birkhuhn. Die Felswände der Cinque Torri sind das Habitat der Mauerläufer. In den Wälder an der Ost- und Nordostseite ist der Dreizehenspecht heimisch. Der ebenfalls in den Ampezzaner Dolomiten aber nicht in der Novulaugruppe brütende Steinadler kann auf seinen Streifzügen ebenfalls hier beobachtet werden. Unter den Säugetieren sind neben den Alpenmurmeltieren, die am Falzarego-Pass eine größere Kolonie bilden, in der Gruppe auch Schneehasen anzutreffen.
Schutzgebiete In der Nuvolaugruppe befinden sich mehrere als Schutzgebiete ausgewiesene Biotope. Unter anderem sind dies von Ost nach West: Ciòstego – Val De Ra Fontanes: Lärchenwald nordöstlich der Ra Gusela.Giunta Regionale del Veneto (Hrsg.): Piano regolatore Generale 2003. Cortina d’Ampezzo. Allegato H. Schede normative delle zone di interesse naturalistico. S. 27. Muraglia di Giau: Moorgebiet nordöstlich der Ra Gusela.Agenzia regionale per la prevenzione e protezione ambientale del Veneto (Hrsg.): Censimento delle aree naturali “minori” della Regione Veneto. S. 28. Naerou: Feuchtgebiet südlich der Cinque Torri.Giunta Regionale del Veneto (Hrsg.): Piano regolatore Generale 2003. Cortina d’Ampezzo. Allegato H. Schede normative delle zone di interesse naturalistico. S. 27. Lago Bai de Dones: Karstsee an der Großen Dolomitenstraße, nördlich der Cinque Torri.Giunta Regionale del Veneto (Hrsg.): Piano regolatore Generale 2003. Cortina d’Ampezzo. Allegato H. Schede normative delle zone di interesse naturalistico. S. 11. Prati palustri di Giau: Feuchtwiesen am Passo di Giau. Lago di Limides – Pian dei Menìs: Nicht zusammenhängendes Schutzgebiet mit dem Karstsee Limides nordwestlich des Monte Averau und unterhalb an der Großen Dolomitenstraße gelegenen Moorgebietes Pian dei Menis. Piani di Falzarego: Feuchtwiese, südlich des Passo di Falzarego.
Zudem sind große Teile der Gruppe als Natura 2000 Schutzgebiet ausgewiesen. Zusammen mit dem Monte Pelmo und der Croda-da-Lago-Gruppe bilden sie das nach der FFH-Richtlinie geschützte Gebiet Monte Pelmo - Mondeval - Formin (WDPA-ID 555528630Monte Pelmo - Mondeval - Formin, auf protectedplanet.net).
Tourismus Schutzhütten Rifugio Nuvolau , CAI Cortina Rifugio Averau , privat Rifugio Scoiattoli, , privat Rifugio Cinque Torri , privat Rifugio Col Gallina , privat Rifugio Fedare , privat
Winterskigebiet Auf die Nuvolaugruppe führen sowohl von der Nordseite als auch vom Südwesten mehrere Aufstiegsanlagen. Das Skigebiet um Averau und Cinque Torri gehört zum Skigebiet von Cortina d’Ampezzo und ist Teil der Skischaukel Dolomiti Superski. Der weitere Ausbau des Skigebietes und damit verbundener Infrastrukturen auch im Hinblick auf die Olympischen Winterspiele 2026 löste 2020 den Protest von Umweltschützern aus.
Alpinismus Die Alpinisten begannen sich für die Gruppe erst zu interessieren, nachdem höhere oder prestigeträchtigere Berge wie die Tofana di Mezzo (1863), die Marmolata (1864) oder die Große Zinne (1869) durch die Pioniere der alpinistischen Erschließung der Dolomiten wie Paul Grohmann bestiegen waren. 1874 begann mit der Besteigung des Averau über die östliche Rinne durch Richard Issler und den einheimischen Führer Santo Siorpaes die Erschließung der Nuvolaugruppe. Insbesondere die Monolithen ähnlichen Cinque Torri sollten das Interesse zahlreicher Klettergenerationen wecken. Die Nordspitze der Torre Grande wurde erstmals 1880 durch den Briten G. C. Wall und den einheimischen Führer Giuseppe Ghedina bestiegen, die Südspitze zwölf Jahre später durch den Berliner Leon Treptow und den Sextner Bergführer Sepp Innerkofler.Antonio Berti: Dolomiti orientali: Volume 1 - Parte 1º. S. 117.