mini|hochkant|David Baltimore (2013)
David Baltimore (* 7. März 1938 in New York, USA; † 6. September 2025 in Woods Hole, Massachusetts) war ein US-amerikanischer Mikrobiologe und Virologe, der als einer der Wegbereiter der Gentechnik gilt.
1975 erhielt er zusammen mit Renato Dulbecco und Howard M. Temin den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin „für ihre Entdeckungen auf dem Gebiet der Wechselwirkungen zwischen Tumorviren und dem genetischen Material der Wirtszelle“.
Leben David Baltimore wurde 1938 in Manhattan als Sohn von Gertrude (geborene Lipschitz) und Richard Baltimore geboren. Sein Vater war orthodoxer Jude und seine Mutter Atheistin; David Baltimore besuchte regelmäßig die Synagoge. Baltimore besuchte die High School in Great Neck, New York. Er studierte Biologie am Swarthmore College (Bachelor 1960), war 1960/61 am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und danach an der Rockefeller University, wo er 1963 promovierte.
Als Post-Doc war er am MIT, dem Albert Einstein College of Medicine in der Bronx und dem Salk Institute (bei Renato Dulbecco). Ab 1968 war er als Associate Professor am MIT, wo er 1972 Professor wurde. 1982 war er dort Gründungsdirektor des Whitehead Institute, an dem er bis 1990 blieb, als er Präsident der Rockefeller University wurde.
1991 wurde er im Verlauf von Fälschungsvorwürfen (die später nicht erhärtet werden konntenDas Office of Research Integrity (ORI) sah aufgrund von Geheimdienst-Analysen der Laborbücher 1994 zwar die Fälschungsvorwürfe bestätigt, das US-Gesundheitsministerium kam aber nur ein Jahr später zu gegenteiligen Ergebnissen und sah keine Beweise für Fälschungen vorliegen. Baltimore selbst wurde zu keiner Zeit wissenschaftliches Fehlverhalten vorgeworfen. Daniel Kevles schrieb darüber das Buch The Baltimore Case, Norton 1998 und auch der Mathematiker Serge Lang schrieb darüber. David Baltimore selbst veröffentlichte ebenfalls eine .)Das war nicht die einzige Affäre, die Baltimores Ko-Autoren berührte. 2007 untersuchte das Caltech auch Fälschungsvorwürfe gegen Luk van Parijs (auch auf Veranlassung von Baltimore selbst). Van Parijs hatte ebenfalls mehrere Arbeiten mit Baltimore veröffentlicht, und die Untersuchung ergab, dass aufgrund von dessen Fälschungen vier gemeinsame Arbeiten korrigiert werden müssten. um eine Professorin des MIT (Thereza Imanishi-Kari), die er in der Affäre stark unterstützte und mit der er auch am MIT gemeinsam veröffentlichte, zum Rücktritt als Präsident der Rockefeller University gezwungen. Er blieb zunächst Professor, wechselte aber 1994 wieder zum MIT.
1997 wurde er Präsident des California Institute of Technology (Caltech), ein Amt, das er bis 2005 innehatte. Er war später Professor an einem nach ihm benannten Labor am Caltech.
David Baltimore war seit 1968 mit Alice S. Huang verheiratet, einer Biologin, die ebenfalls auf Virologie spezialisiert ist. Das Paar hat eine Tochter.
Werk Baltimore entdeckte unabhängig von Temin das Enzym Reverse Transkriptase, das die Ribonukleinsäure (RNA) in Desoxyribonukleinsäure (DNA) umschreibt. RNA und DNA spielen eine wichtige Rolle in der Synthese von Proteinen und der Weitergabe des Erbguts. Die reverse Transkriptase ist für die Vermehrung von sogenannten Retroviren wie dem Aidsvirus essentiell und spielt eine wichtige Rolle in der Gentechnik.
1981 baute er mit seinem Mitarbeiter Vincent Racaniello das Genom des Poliovirus über einen Plasmid in eine Säugerzelle ein, so dass sich dort das Virus vermehrte.
Auf David Baltimore geht die „Baltimore-Klassifikation“ von Viren zurück.
Baltimore, Alejandro Balasz und andere gehörten 2012 zu einem Team, das eine neue Impfstrategie gegen Aids entwickelte unter Verwendung von Methoden der Gentherapie (Vector Immuno Prophylaxis, IVP). Der Impfstoff umgeht die Produktion von Antikörpern durch das körpereigene Immunsystem (das durch das HI-Virus angegriffen wird), die Gene für die gewünschten Antikörper werden direkt in Zellen des Körpers eingebaut. Baltimore testete das Prinzip, indem er Gene für die Antikörper b12, VRC01 gegen Aids in Muskelzellen von Mäusen einbaute, was diese wirksam gegen Aids schützte.Alejandro B. Balazs, Joyce Chen u. a.: Antibody-based protection against HIV infection by vectored immunoprophylaxis. In: Nature. 481, 2011, S. 81–84, doi:10.1038/nature10660.
Die Furin-Spalte des SARS-CoV-2 betrachtete Baltimore als Indiz einer menschengemachten Labor-Mutation.Joachim Müller-Jung: Die Pandemie wird zur Elitenfalle. FAZ, Nr. 109/2021, S. N2.
1975 gehörte er zu den Organisatoren der Asilomar Conference on Recombinant DNA, eine internationale wissenschaftliche Tagung, um über die potenziellen biologischen Gefahren der Gentechnik und über deren Regulierung zu diskutieren.
Ehrungen, Preise und Mitgliedschaften (Auswahl) 1970: Gustav Stern Award in Virologiehttps://www.aai.org/About/History/Notable-Members/Nobel-Laureates/DavidBaltimore 1971: Eli Lilly and Company Research Award 1974: Gairdner Foundation International Award 1974: National Academy of Sciences Award in Molecular Biology 1974: Aufnahme in die American Academy of Arts and Sciences 1974: Aufnahme in die National Academy of Sciences 1975: Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 1990: AAI Behring-Heidelberg Award 1997: Mitglied der American Philosophical Society 1999: National Medal of Science 1999: Auswärtiges Mitglied der Academia Europaea 2000: Warren Alpert Foundation Prize 2004: Ehrendoktor der Rockefeller University 2009: AAI Excellence in Mentoring Award 2021: Lasker~Koshland Special Achievement Award in Medical Science
Literatur James Darnell, Harvey Lodish, David Baltimore: Molekulare Zellbiologie. De Gruyter, Berlin / New York 1993, ISBN 3-11-011934-X. Daniel Kevles: The Baltimore Case: A Trial of Politics, Science, and Character. Norton, 1998. Nancy C. Andrews und George Q. Daley: David Baltimore: Scientist, leader, and mentor. Nachruf in: PNAS. Band 123, Nr. 4, 2016, e2528373123, doi:10.1073/pnas.2528373123.
Weblinks
in sciencegarden Laboratory of David Baltimore David Baltimores Webauftritt beim Caltech Remembering David Baltimore, a titan who transformed biology and spoke bluntly. Nachruf auf dem Server von Science vom 9. September 2025.
Einzelnachweise
Kategorie:Virologe Kategorie:Zellbiologe Kategorie:Nobelpreisträger für Physiologie oder Medizin Kategorie:Träger der National Medal of Science Kategorie:Träger des Canada Gairdner International Award Kategorie:Mitglied der National Academy of Sciences Kategorie:Mitglied der American Academy of Arts and Sciences Kategorie:Mitglied der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Mitglied der Académie des sciences Kategorie:Präsident der American Association for the Advancement of Science Kategorie:Auswärtiges Mitglied der Royal Society Kategorie:Mitglied der Academia Europaea Kategorie:Mitglied der American Philosophical Society Kategorie:Hochschullehrer (Massachusetts Institute of Technology) Kategorie:Hochschullehrer (California Institute of Technology) Kategorie:Person (New York City) Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1938 Kategorie:Gestorben 2025 Kategorie:Mann