In der Epidemiologie ist eine Hyperendemie, auch hyperendemische Krankheit eine Krankheit mit konstant hoher Inzidenz und/oder Prävalenz, die alle Altersgruppen gleichermaßen betrifft.John M. Last: A Dictionary of Epidemiology., 4. Auflage, 2001 International Epidemiological Association, Oxford UP 2001, S. 89. Eine Hyperendemie ist einer der verschiedenen Grade der Endemie (ständiges Vorhandensein eines Infektionserregers innerhalb eines bestimmten geografischen Gebiets oder einer bestimmten BevölkerungsgruppeJohn M. Last: A Dictionary of Epidemiology., 4. Auflage, 2001 International Epidemiological Association, Oxford UP 2001, S. 59.).
Definitionen Nach dem Merriam-Webster’s Collegiate Dictionary bedeute das Beiwort hyperendemisch: „eine hohe und anhaltende Inzidenz aufweisen“.Hyperendemic. In: Merriam-Webster Online Dictionary, abgerufen am 6. August 2020. Originaltext: exhibiting a high and continued incidence.
Nach einer genaueren Definition des RKI sei eine Hyperendemie allerdings nicht notwendigerweise mit einer hohen Inzidenz verbunden. Unter einer Hyperendemie verstehe man nach dem RKI die allgegenwärtige Präsenz und laufende Zirkulation der Erreger in einem Endemiegebiet bei hoher Durchseuchung (Infektionsprävalenz) der Bevölkerung. Als Folge bestehe in einer hyperendemischen Region (Hyperendemiegebiet) eine relativ geringe Inzidenz, bei gleichzeitig hoher Infektionsgefahr für in die Region Zugewanderte.Wolfgang Kiehl: Hrsg.: Robert Koch-Institut, Berlin 2015, ISBN 978-3-89606-258-1, S. 32 f., Stichwort Endemie
Abgrenzungen zu anderen epidemiologischen Konzepten Abgrenzung zu unterschiedlichen „Hotspot“-Konzepten Justin Lessler und andere von der Johns-Hopkins-Universität berichteten Ende der 2010er Jahre von einer Zunahme der Verwendung des mehrdeutigen Begriffs „Hotspot“ in Forschungs- und Politikdokumenten. Lessler und andere schlagen vor, eine hyperendemische Region (definiert als eine Region mit erhöhter Inzidenz oder Prävalenz von Krankheiten) von einem Gebiet mit einer hohen Häufigkeit des Auftretens oder Wiederauftretens von Krankheiten oder arzneimittelresistenten Stämmen () und einem „Übertragungs-Hotspot“ (), also einem Gebiet mit einer erhöhten Übertragungseffizienz (durch eine erhöhte Basisreproduktionszahl), zu unterscheiden.Justin Lessler et al.: What is a hotspot anyway? In: The American journal of tropical medicine and hygiene. (2017). Seiten 1270–1273, , hier: S. 1271.
Endemizität eines Malaria-Endemiegebietes Im Fall von Malaria wurde von der WHO die Milzrate (der Anteil der Personen mit einer tastbaren („palpablen“) Vergrößerung der Milz) verwendet, um das Ausmaß der Endemie bei Kindern im Alter von 2–9 Jahren zu kategorisieren. Von einer Hyperendemie spricht man in diesem Fall, wenn die Milzrate konstant über 50 % (bei Erwachsenen für gewöhnlich bei über 25 %John M. Last: A Dictionary of Epidemiology., 4. Auflage, 2001 International Epidemiological Association, Oxford UP 2001, S. 109.) liegt (genauer: 51–75 %). Ein anderer Ansatz liegt in der Verwendung der Parasitenrate.
Einzelnachweise
Kategorie:Infektiologie Kategorie:Epidemiologie