Die Fregatte Klasse 127 (kurz F127) ist ein seit 2018 laufendes Beschaffungsprogramm der Deutschen Marine für den zeitgerechten Ersatz von drei vorhandenen Fregatten der Sachsen-Klasse (F124).
Geschichte Das Programm, auch unter dem Arbeitsnamen „Projekt Next Generation Frigate – Air Defence (NGFrig-AD)“ bekannt, wurde durch die Abteilung Planung im Bundesministerium der Verteidigung im Jahr 2018 initiiert und befand sich im Jahr 2024 in der Analysephase Teil 2 unter Federführung des BAAINBw. Eine Auswahlentscheidung durch den Generalinspekteur der Bundeswehr war für Beginn des Jahres 2025 vorgesehen.
Die Planungen sahen mit Stand 2024 fünf Schiffe vor, die ab 2033/34 zulaufen sollten, was einen Bauvertrag sowie die Beschaffung der relevanten Einsatzsysteme spätestens im Jahr 2026 bedingte.
Am 2. September 2024 genehmigte das Bundeskartellamt die Bildung eines Gemeinschaftsunternehmens zwischen thyssenkrupp Marine Systems GmbH (tkMS) und der NVL B.V. & Co. KG (NVL). Die Projektgesellschaft wollte sich gemeinsam für die Konstruktion und den Bau von 5 Schiffen (plus eines als Option) der F127 bewerben. Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr wollte den Auftrag Mitte 2025 vergeben.hartpunkt.de: Fregatte F 127 – tkMS und NVL wollen Gemeinschaftsunternehmen gründen, abgerufen am 3. September 2024.
Am 18. Dezember 2024 billigte der Haushaltsausschuss einen Vertrag für Vorbereitungsmaßnahmen des Projektes Fregatte F127.
Eine ursprünglich angedachte Kooperation (Letter-of-Intent) zwischen dem Bundesministerium der Verteidigung und dem niederländischen Verteidigungsministerium vom 17. Dezember 2020 bezüglich einer gemeinsamen Entwicklung der Schiffe, der Radare und des Führungs- und Waffeneinsatzsystems stand infolge der seit Februar 2022 geänderten geopolitischen Situation und der stringenten zeitlichen Notwendigkeit zur fähigkeitslückenlosen Ablösung der Schiffe der Sachsen-Klasse auf dem Prüfstand.
Im 2023 von der Bundeswehr veröffentlichten Zielbild Marine 2035+ wird ein Bedarf von sechs statt der bis dahin projektierten fünf Einheiten genannt. Diese Planung wurde im Strategiepapier „Kurs Marine“ im Mai 2025 bestätigt. Laut diesem sollten die Fregatten außerdem durch drei Large Remote Missile Vessels ergänzt werden. Hans Uwe Mergener: Zwischen Abschreckung und Zukunftsfähigkeit: Kurs Marine 2025, Europäische Sicherheit und Technik, 14. Mai 2025, abgerufen am 14. Mai 2025
Im Jahr 2026 genehmigte das Außenministerium der Vereinigten Staaten den Export von Rechnersystemen, Software, Waffen, Sensoren und Kommunikationsausrüstung, die auf den Fregatten der Klasse 127 Verwendung finden sollen. Mit der genehmigten Anzahl wäre die Beschaffung von bis zu acht Fregatten möglich.
Auftrag Der Hauptauftrag der F127 wird der Schutz eines Einsatzverbandes oder -gebiets gegen Bedrohungen aus der Luft (Air-and-Missile-Defence, AMD) sein, dabei zukünftig auch die Raketenabwehr gegen ballistische Raketen und Hyperschallgleiter. Die Schiffe der Klasse F127 sollen sich dabei in den Wirkverbund der boden- und luftgestützten Luftverteidigung integrieren können bzw. auch einen Beitrag zur territorialen Flugkörperabwehr zum Heimatschutz leisten.
Darüber hinaus sollen die Fregatten neben der Hauptaufgabe Luftverteidigung auch zur Über- und Unterwasserseekriegführung, weitreichende Bekämpfung von Landzielen sowie zum Wirken im Cyber- und Informationsraum befähigt werden.
Schiffsentwurf Das Design des Schiffes wird im Wesentlichen durch die Waffensysteme bzw. Startanlagen für Flugkörper und die umfangreiche Sensorik bestimmt werden. In der Größe und Fähigkeitsvorgabe orientiert die F127 sich an den Zerstörern der Arleigh-Burke-Klasse in der Konfiguration Flight III, allerdings ist für die F127 ein deutlich reduziertes Besatzungskonzept vorgesehen.
Mit Stand 2024 waren Bewaffnung und Sensorausstattung nicht abschließend festgelegt, es zeigte sich aber aus den Marktsichtungen, dass für die geforderten AMD-Fähigkeiten marktverfügbar voraussichtlich nur das US-amerikanische Aegis-Kampfsystem in Verbindung mit den zugehörigen US-amerikanischen Lenkflugkörpern alle Forderungen erfüllen bzw. zeitgerecht bereitstellen könnte.
Um neue Fähigkeitsanteile flexibel nachrüsten zu können, wird einer der beiden für den Bordhubschrauber Sea-Tiger vorgesehenen Hangars als Flex-Bereich für die Aufnahme modularer Ausrüstung konzipiert. So können alternativ z.B. Einsatzboote, unbemannte Unter- oder Überwasserwasserfahrzeuge, Unbemanntes Luftfahrzeuge oder Seeminen mitgeführt werden.
Wie beim Einsatzsystem auch, soll auf einem (voraussichtlich nationalen) verfügbaren und ausgereiften Schiffsentwurf aufgesetzt werden, da nur auf Basis der damit entfallenden Design- und Qualifizierungs-/Nachweisphasen eine Bereitstellung der ersten Einheit der Klasse F127 einsatzbereit bis Ende 2033 möglich ist. Nach Schätzung aus dem Jahre 2024 werden die Fregatten einen zweistelligen Milliardenbetrag Euro kosten.
Im Juli 2024 stellte ThyssenKrupp Marine Systems einen Entwurf für eine Luftverteidigungs-Fregatte unter der Bezeichnung MEKO A 400 AMD vor, der als Vorschlag für die Klasse F127 gilt. Der Entwurf war mit zwei Mk 41 Vertical Launching Systems (VLS) mit insgesamt 64 Zellen ausgestattet und verwendet das Aegis-Kampfsystem. Des Weiteren verfügte der Entwurf über eine Bordkanone 127/64 Lightweight, Starter für die Naval Strike Missile und Nahbereichsschutzsysteme.
Laut einer im September 2025 von Politico veröffentlichten Liste der Vorlagen für Beschaffungsprojekte, die dem Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages zur Genehmigung vorgelegt werden sollen, sind rund 26 Mrd. Euro als Finanzbedarf für das Projekt F127 veranschlagt.
Anfang Oktober 2025 veröffentlichte der zum RTX-Konzern gehörende US-Rüstungshersteller Raytheon, dass die Bundesregierung Deutschlands das Radar SPY-6(V)1 für die Fregatten der Klasse F127 bestellt hat.
Am 18. Dezember 2025 wurde berichtet, dass die Kapazität auf 96 VLS-Zellen ausgeweitet werden soll. In diesem Zuge wurde die Frage gestellt, ob die verlautbarte Klassifizierung dieser Schiffsklasse als Fregatte weiterhin zutreffen oder es sich um einen Lenkwaffenzerstörerentwurf oder Lenkwaffenkreuzer handeln würde.
Zur Ausfuhr freigegebene US-Systeme Am 17. April 2026 gab das US-amerikanische Außenministerium bekannt, dass es den möglichen Verkauf von Material sowie Dienstleistungen im geschätzten Wert von 11,9 Milliarden US-Dollar für das Rüstungsprojekt genehmigt hat. Im Rahmen des US-Exportkontrollrechts wurde unter dem Programm Foreign Military Sales der Verkauf von Ausrüstung in den übergeordneten Kategorien Major Defense Equipment und Non-Major Defense Equipment genehmigt. Für die Kategorie Major Defense Equipment gibt es bei Ausfuhr die Pflicht zur Lizenzanmeldung unter den International Traffic in Arms Regulations (ITAR) beim Directorate of Defense Trade Controls im US-Außenministerium und die Pflicht zu einer Mitteilung an den US-Kongress.
Zum Exportbereich Major Defense Equipment gehören: Je acht komplette Schiffsausrüstungen mit Rechnerausstattungen für das Aegis-basierte Integrated Combat System (ICS) Mark 6 Mod.X, S-Band-AESA-Radar AN/SPY-6(V)1, MK 41 Baseline VIII Vertical Launch Systems, Cooperative Engagement Capability, Global-Positioning-System-basierte Navigations- und Zeitmesssysteme, Vielzweckradare AN/SPQ-9B, Trägheitsnavigationssysteme AN/WSN-12 je neun Command and Control Processors und Mark-45-Leichtgewichtsgeschütze zehn Datenfunksysteme Multifunctional Information Distribution Systems on Ship Modernization drei EloKa-Systeme AN/SLQ-32(V)6 aus dem Surface Electronic Warfare Improvement Program
Zum Exportbereich Non-Major Defense Equipment gehören: das vernetzte System für die Befehlskette Global Command and Control System for Maritime zur Lagedarstellung, Missionsplanung, Aufklärung, Bewertung der Gefechtsbereitschaft etc. Sensoren und Waffensysteme: Feuerleitradare für das Mark 99 Mod.14 Fire Control System, Mark 38 Mod.4 Gun Weapon Systems (Marineversionen der M242 Bushmaster), zur Feuerleitung der Mark-45-Leichtgewichtsgeschütze Komponenten des Mark 34 Gun Weapon System mit Feuerleitrechner Mark 160 und optoelektronischen Sensoren Mark 20 Identification-Friend-or-Foe-Ausrüstung für Sekundärradar mit zivil-/militärischem Abfragemodus Mode 5/S Datenübertragungssysteme und Kryptografieausrüstung Dienstleistungen durch die US-Regierung und Vertragsunternehmen, Software, Hardwaretests in Einrichtungen der Vereinigten Staaten, Installationsmaterial, eine Grundausstattung mit Ersatzteilen, Ausbildungs- und Unterrichtsmaterial, geheimhaltungsbedürftige und nicht-geheimhaltungsbedürftige Unterlagen
Literatur
Hans Uwe Mergener: Zielbild Marine 2035+ – F127 soll deutschen Beitrag zur maritimen Raketenabwehr leisten. In: Europäische Sicherheit & Technik, 16. Mai 2023, online Hans Uwe Mergener: Status-Update: Die Abteilung See (S) im BAAINBw. In: Europäische Sicherheit & Technik, 22. Dezember 2022, online N.N.: Abteilung See (S), In: Europäische Sicherheit & Technik, 12. Dezember 2021, online
Einzelnachweise
Kategorie:Fregatte (Bundeswehr) 127 Kategorie:Fregattenklasse