Belfast ist ein Filmdrama von Kenneth Branagh, das im September 2021 beim Telluride Film Festival seine Premiere feierte und am 24. Februar 2022 in die deutschen Kinos kam. Im Rahmen der Oscarverleihung 2022 erhielt der Film insgesamt sieben Nominierungen, darunter als bester Film und Kenneth Branagh für die beste Regie. Zudem wurde er mit dem Oscar für das beste Originaldrehbuch ausgezeichnet.
Handlung Der neunjährige Buddy lebt zusammen mit seinen Eltern und seinem älteren Bruder Will Ende der 1960er Jahre in Belfast. Sein Spielplatz sind die Gassen des Arbeiterviertels, in dem sie alle geboren wurden und auch zu sterben hoffen. Um den Lebensunterhalt seiner Familie zu bestreiten, muss der Vater zwischen Belfast und England, wo die Bezahlung besser ist, hin und her pendeln. Daher ist er für zwei Wochen jedes Monats weg und überlässt einen Großteil der Kindererziehung seiner Frau, aber auch die in der Nähe wohnenden Großeltern prägen Buddy.
Im August 1969 wird Buddy Zeuge, wie Protestanten im Zuge des Nordirlandkonflikts durch das größtenteils katholische Wohnviertel ziehen und randalieren. Zwar können die Kämpfe durch Einschreiten der Armee unterbunden und die Konfliktparteien durch Straßensperren samt Personenkontrollen voneinander getrennt werden, doch Buddy sieht sich fortan mit einem innerlichen Konflikt konfrontiert: seine eigene Familie ist protestantisch, hat aber viele Freunde unter den katholischen Nachbarn und ist an einer Eskalation nicht interessiert. Von seinem Vater bekommt Buddy gepredigt, Menschen nur nach ihrem Charakter und nicht nach ihrer Konfession einzuordnen. So fühlt er sich auch weiterhin dazu ermutigt, seiner katholischen Mitschülerin Catherine seine Liebe zu gestehen.
Währenddessen gerät die Familie durch Sportwetten des Vaters und einen abzubezahlenden Kredit in immer größere finanzielle Not. Buddys Vater spielt mit dem Gedanken, mit seiner Familie nach Sydney oder Vancouver zu ziehen, da Arbeitern in den Commonwealth-Ländern unter anderem kostenlose Wohnhäuser zur Verfügung gestellt werden. Auch Billy Clanton, ein Mitglied der protestantischen Bewegung, spielt für die Auswanderungsgedanken des Vaters eine maßgebliche Rolle. Billy sieht die Nähe der Familie zu Katholiken als eine Gefahr und fordert den Vater auf, sich der eigenen Protestbewegung anzuschließen, andernfalls drohe Gewalt. Als Buddys Vater in England schließlich ein besser bezahlter Job in Aussicht gestellt wird, kann er auch seine in Belfast stark verwurzelte Frau von einem Umzug überzeugen. Einzig Buddy stellt sich quer, möchte er doch nicht seine Freunde, seine Großeltern und Catherine verlassen.
Buddy wird von seiner Cousine Moira überzeugt, in einem Süßigkeitengeschäft Ladendiebstahl zu begehen. Als er Moira in einer darauffolgenden Befragung bei der Polizei nicht verrät, nimmt diese ihn zu ihrer „geheimen Bande“ – protestantischen Randalierern – mit. Als die Meute einen Supermarkt plündert, bekommt auch Buddys Mutter etwas von den erneuten Ausschreitungen mit und zwingt ihren Sohn dazu, das Diebesgut zurückzugeben. Dies ruft wiederum Billy Clanton auf den Plan, der die Familie als menschlichen Schutzschild gegenüber der eintreffenden Polizei benutzt. Buddys eintreffender Vater kann den Geiselnehmer überwältigen, und Billy wird von den Einsatzkräften abgeführt. Trotzdem fühlt sich die Familie in Belfast nicht mehr sicher. Als auch noch Buddys Großvater krankheitsbedingt verstirbt, fällt der Entschluss, nach England zu ziehen. Buddy verabschiedet sich von Catherine und verlässt Belfast zusammen mit seiner Familie per Bus; einzig seine Großmutter bleibt noch in der Stadt zurück.
Produktion Filmstab und Biografisches Regie führte Kenneth Branagh, der auch das Drehbuch schrieb.Zurück nach Belfast: Kenneth Branaghs persönlichster Film. In: oviejones.de, 18. Dezember 2020. Es handelt sich bei Belfast, den Branagh selbst als „autofiktional“ bezeichnet, um seinen bislang persönlichsten FilmBrian Welk: Kenneth Branagh’s ‘Belfast’ With Caitriona Balfe, Jamie Dornan Acquired by Focus Features. In: thewrap.com, 16. Dezember 2020., weil dieser autobiografisch geprägt ist und von der Kindheit des Regisseurs in Belfast erzählt. Betrachtet werden die Geschehnisse durch die Augen eines neunjährigen, filmverrückten Kindes.Debbie McGoldrick: Kenneth Branagh’s Belfast biopic gets backing for worldwide distribution. In: irishcentral.com, 23. Dezember 2020.Peter McGoran: Irish actress Caitriona Balfe says she was ‘starstruck’ working with Judi Dench on new Kenneth Branagh film Belfast. In: belfastlive.co.uk, 7. Januar 2021. Branagh wurde 1960 in Belfast geboren, seine Familie zog jedoch nach England, als er selbst sich in diesem Alter befand. Zu seiner Kindheit dort als Teil einer Großfamilie erklärte der Regisseur: „Wir hörten ausgiebig Radio, hörten ausgiebig Schallplatten und schauten uns ausgiebig Filme an und wenn wir das nicht taten, besuchten wir uns gegenseitig.“Peter McGoran: Kenneth Branagh speaks about ‘very personal’ new film based on his childhood in 1960s Belfast. In: belfastlive.co.uk, 11. November 2020.
Besetzung und Dreharbeiten mini|hochkant=0.75|Jamie Dornan spielt Pa
Der Nachwuchsschauspieler Jude Hill spielt den neunjährigen Buddy.Pamela McClintock: Kenneth Branagh’s ‘Belfast’ Sets Early November Theatrical Release. In: The Hollywood Reporter, 17. März 2021. Jamie Dornan und Caitríona Balfe spielen seine Eltern, Ciarán Hinds und Judi Dench seine Großeltern.Belfast. In: tiff.net. Abgerufen am 12. November 2021. Dench hatte zuvor in Branaghs Film Artemis Fowl gespieltDavid Gerard: ‘Belfast’ Movie: Kenneth Branagh Shooting ‘Most Personal Film’. In: altfg.com. Abgerufen am 14. Oktober 2021.Orlando Parfitt: Kenneth Branagh’s ‘Belfast’ starring Judi Dench and Jamie Dornan begins UK shoot. In: screendaily.com, 8. September 2020., ebenso Lara McDonnell, die im Film Buddys Cousine Moira verkörpert.Peter Hammond: ‘Belfast’ Telluride Film Festival Review: Kenneth Branagh’s Memorable Story Growing Up In A Volatile Northern Ireland Circa 1969. In: deadline.com, 2. September 2021. Lewis McAskie spielt dessen älteren Bruder Will.Leah Greenblatt: ‘Belfast’ review: Kenneth Branagh’s drama is soft-focus coming-of-age nostalgia. In: Entertainment Weekly, 3. September 2021. Michael Maloney spielt in einem Cameo-Auftritt Frankie West. Der im November 2020 verstorbene britische Schauspieler John Sessions ist im Film in seiner letzten Rolle zu sehen und spielt den Belfaster Bühnenschauspieler Joseph Tomelty in A Christmas Carol.Peter Bradshaw: Belfast review – Kenneth Branagh’s euphoric eulogy to his home city. In: The Guardian, 12. Oktober 2021.
Gedreht wurde ab Anfang September 2020, größtenteils in Belfast im Freien. Als Kameramann fungierte wie bei Mord im Orient Express und Artemis Fowl Haris Zambarloukos. Der Film wurde größtenteils in Schwarzweiß gedreht. Farbe wird lediglich in einzelnen Szenen verwendet, in denen sich die Protagonisten aus dem Belfaster Alltag in Fantasiewelten flüchten, so bei gemeinsamen Besuchen der Filme Eine Million Jahre vor unserer Zeit und Chitty Chitty Bang Bang im Kino oder bei einer Aufführung von A Christmas Carol im Theater.Stephen Farber: ‘Belfast’: Film Review. In: The Hollywood Reporter, 4. September 2021.Donald Clarke: Belfast review: Already an Oscars favourite, Kenneth Branagh’s film is irresistible. In: The Irish Times, 12. Oktober 2021.
Verwendete Musik und Veröffentlichung Der Film verwendet überwiegend Musik des nordirischen Singer-Songwriters Van Morrison, der acht alte und den neuen Song Down to Joy beigesteuert hat, der für den Oscar und den Golden Globe 2022 nominiert wurde.
Die Weltpremiere erfolgte Anfang September 2021 beim Telluride Film Festival.Jordan Ruimy: Kenneth Branagh’s ‘Belfast’ Set to World Premiere at the Telluride Film Festival. In: worldofreel.com, 1. September 2021.Rebecca Keegan: Telluride Unveils Lineup, With ‘Bumper Crop’ of Movies and a Plan to Keep Out COVID-19. In: The Hollywood Reporter, 1. September 2021. Ebenfalls im September 2021 wurde er beim Toronto International Film Festival gezeigt.Thomas Schultze: Erste Titel: Toronto prescht vor. In: Blickpunkt:Film, 23. Juni 2021. Anfang Oktober 2021 wurde der Film beim Filmfest Hamburg gezeigt.Barbara Schuster: Filmfest Hamburg lockt mit weiteren Highlights aus Cannes und Venedig. In: Blickpunkt:Film, 31. August 2021. Ebenfalls im Oktober 2021 wurde er beim Chicago International Film Festival vorgestellt.First Look at the 57th Chicago International Film Festival. In: chicagofilmfestival.com. Abgerufen am 9. September 2021. Der Kinostart in den USA erfolgte am 12. November 2021. Im Vereinigten Königreich erfolgte der Start am 21. Januar 2022, in Deutschland und in der Deutschschweiz am 24. Februar 2022.Starttermine Deutschland. In: insidekino.com. Abgerufen am 9. Oktober 2021.Vorschau Deutsche Schweiz. In: movies.ch. Abgerufen am 27. November 2021. Am 25. Februar 2022 startete der Film in den irischen Kinos. Im Juni 2022 wurde er beim Filmfest Emden-Norderney gezeigt.Belfast. In: filmfest-emden.de. Abgerufen am 21. Mai 2022. Im August 2022 wurde er beim Open Air des Fünf Seen Filmfestivals vorgestellt.Kino Open Air. In: fsff.de. Abgerufen am 5. August 2022. Im März 2023 erfolgten Vorstellungen im Rahmen der SchulKinoWochen in Bayern.SchulKinoWoche Bayern. In: bayern.de. Abgerufen am 2. Dezember 2023. (PDF; 4,29 MB) Die weltweiten Rechte des Films liegen bei Focus Features.
Rezeption Altersfreigabe In den USA wurde der Film von der MPAA als PG-13 eingestuft.Danny Brogan: Belfast. In: commonsensemedia.org. Abgerufen am 25. Februar 2022. In Deutschland wurde der Film von der FSK ab 12 Jahren freigegeben. In der Freigabebegründung heißt es, da der Film zwar Straßenschlachten und Gewalt zeige, aber auf drastische Bilder verzichte und immer wieder harmonische Passagen die dramatischen Momente ablösten, könnten ab 12-Jährige bereits mit dem Film umgehen.Belfast. In: spio-fsk.de. Abgerufen am 25. Februar 2022.
Antje Wessels erklärt, generell profitiere Belfast im Gesamten von der strengen Konzentration auf Buddys Kinderaugen, durch die das Publikum die Ereignisse miterlebt, was das Drama seinem Genre zum Trotz weitaus weniger dramatisch wirken lasse, als es die Prämisse andeutet. Wirklich harte Szenen der verbalen Gewaltandrohung oder auch der ausgeübten Zerstörung, wenn die gesellschaftspolitischen Spannungen in der Nachbarschaft eskalieren, existierten nur in den wenigen Szenen abseits von Buddys Wahrnehmung.Antje Wessels: Belfast. In: wessels-filmkritik.com, 24. Februar 2022.
Kritiken und Einspielergebnis Der Film konnte bislang 86 Prozent der bei Rotten Tomatoes aufgeführten Kritiker überzeugen bei einer durchschnittlichen Bewertung mit 7,8 von 10 möglichen Punkten und erhielt auf Metacritic einen Metascore von 75 von 100 möglichen Punkten. Hierbei wurde Belfast immer wieder mit anderen autobiografisch geprägten, in Schwarzweiß gedrehten Filmen wie Roma und Cold War verglichen.David Katz: Review: Belfast. In: cineuropa.org, 14. Oktober 2021.Richard Lawson: Kenneth Branagh Goes Home in ‘Belfast’. In: Vanity Fair, 13. September 2021.Fionnuala Halligan: ‘Belfast’: Review. In: screendaily.com, 15. September 2021.Monica Castillo: Kenneth Branagh’s ‘Belfast’ Is A Stirring Coming-of-Age Portrait With Magnificent Performances. In: theplaylist.net, 4. September 2021.