Beim Bankeinbruch in Berlin-Steglitz am 14. Januar 2013 bohrten die Täter über ein Jahr lang unbemerkt einen Tunnel aus einer benachbarten Tiefgarage in den Tresorraum einer Filiale der Berliner Volksbank. Sie erbeuteten neun bis zehn Millionen Euro. Der Bankeinbruch gilt als einer der spektakulärsten in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Die Täter konnten bis heute nicht ermittelt werden.
Ausgangslage mini|Volksbankfiliale in Berlin-Steglitz (April 2013) Die Berliner Volksbank nutzte 2013 ein zweigeschossiges, unterkellertes Gebäude aus den 1960er-Jahren als Filiale in Steglitz. Das Gebäude liegt am südlichen Ende der Schloßstraße an der Ecke zur Wrangelstraße und verfügte über eine nahe Tiefgarage.
Hergang Im Herbst 2011 mietete ein unbekannter Mann mit einem gefälschten niederländischen Pass auf den Namen Pavel Hatira ein Bankschließfach in der Volksbankfiliale. Ebenfalls unter falschem Namen wurde Anfang 2012 in der angrenzenden Wrangelstraße ein Tiefgaragenstellplatz unter dem Namen Simon Segura gemietet. Dieser hatte Platz für bis zu vier Autos. Unter dem Vorwand, an Motorrädern zu arbeiten, ließ er die Stellplätze mit Wänden und einem Rolltor blickdicht verschließen. Laut Ermittlererkenntnissen verließen sich die Täter hinsichtlich des Lärmschutzes auf die in der Tiefgarage befindlichen dämmenden Decken. Im Februar 2012 begann die Bande, von der Tiefgarage aus mit Hilfe eines Kernbohrers einen 80 cm breiten und 1,50 m hohen Tunnel in den 45 Meter entfernten Tresorraum der Volksbank zu graben. Dabei gelang es den Tätern, 120 Tonnen ausgehobenen Sand unbemerkt zu entsorgen. Mit Holzbohlen schützten die Täter den Tunnel vor Erdeinbrüchen. Mehrmals wurde der Kurs des Tunnels korrigiert, um den Tresorraum gezielt zu treffen.
Am 12. Januar 2013 um 7:02 Uhr erhielt die von der Bank beauftragte Sicherheitsfirma einen Alarm aus dem Tresorraum der Filiale. Obwohl das Display der Alarmanlage Alarm Tresor anzeigte, quittierte der zuständige Mitarbeiter der Sicherheitsfirma die Alarmmeldung, ohne im Tresorraum nachzuschauen. Am frühen Morgen des 14. Januars 2013 wurde von einem Wachmann ein Feuer im Tresorraum der Bank bemerkt, woraufhin er die Feuerwehr verständigte. Kurz darauf wurde ebenfalls ein Feuer in der Tiefgarage gemeldet.
Laut Angaben der Polizei gelang es den Tätern, 294 bis 309 der 1600 Schließfächer zu knacken und deren Inhalt zu entwenden. Der Gesamtwert des Diebesgutes betrug neun bis zehn Millionen Euro.
Ermittlungen Der Tunnel wurde von der Polizei freigelegt. Da im Stahlbeton des Tresorraums der Bank der Durchbruchschutz fehlte und die Überwachungskameras genau den Bereich nicht erfassten, in dem der Durchbruch und das Aufbrechen der Schließfächer erfolgte, gingen die Ermittler von Insiderkenntnissen aus.
Durch das zur Spurenvernichtung absichtlich gelegte Feuer konnte nur eine einzige DNA-Spur gefunden werden. Trotz über 800 eingehenden Hinweisen und nach vermeintlichen Zeugenaussagen gefertigten Phantombildern konnten die Täter nicht ermittelt werden. Am 7. August 2013 wurde der Fall in der Sendung Aktenzeichen XY … ungelöst vorgestellt, ebenfalls ohne Erfolg.
Der schwere Bandendiebstahl verjährte nach zehn Jahren im Januar 2023. Folgen Der Tunnel wurde fünf Monate nach der Tat zugeschüttet. Sein Eingang ist heute im Museum Berliner Unterwelten ausgestellt.
Die Berliner Volksbank plante 2021 den Ersatz des Gebäudes, da es nicht mehr aktuellen Sicherheitsstandards entspreche. Im Jahr 2024 zog ihre Filiale an den neuen Standort in der Schloßstraße um. Das bisherige Gebäude soll durch einen Neubau ersetzt werden.
Siehe auch
Banküberfall in Berlin-Zehlendorf 1995 Bankeinbruch in Gelsenkirchen 2025
Einzelnachweise
BerlinSteglitz Kategorie:Berliner Geschichte (21. Jahrhundert) Kategorie:Kriminalfall 2013 Kategorie:Kriminalfall in Deutschland Kategorie:Ungeklärter Kriminalfall Bankeinbruch 2013