Die Japanische Erdkröte (Bufo praetextatus, Syn.: Bufo japonicus jap. ) ist eine Art aus der Gattung der Echten Kröten, die in Japan auf den Hauptinseln Honshu, Shikoku und Kyushu sowie angrenzenden Inselgruppen verbreitet ist. Die Japanische Erdkröte bildet wie verschiedene andere Echte Kröten Giftstoffe in ihren Ohrdrüsen.
Merkmale Die Weibchen sind in der Regel etwas größer als die Männchen. Die Körperfarbe variiert lokal zwischen gelblich und dunkelbraun bis grünlich. An den Gliedmaßen, dem Rücken und der lateralen Seite des Rumpfes befinden sich zahlreiche Tuberkel. In der Fortpflanzungszeit haben Männchen und Weibchen eine glattere Haut und die Körperfarbe des Männchens wird tendenziell gelblicher. Die kürzeren Vorderbeine haben vier Finger. Dabei ist der dritte Finger am längsten, gefolgt vom zweiten Finger.
Lebensweise Ausgewachsene Tiere verbringen den Großteil ihres Lebens an Land und kommen nur zur Fortpflanzung im Februar bis März an flache Wasserstellen. Dabei treffen auf ein Weibchen oft drei bis zehn Männchen. Die Weibchen legen den Laich in Form von Schnüren ab, in denen sich zwischen 640 und 14.000 schwarze Eier befinden. Die Larven sind dunkelbraun und werden 3 bis 4 cm groß. Die Metamorphose erfolgt im Juni. Fortpflanzungsfähig sind die Männchen nach einem und die Weibchen nach zwei Jahren. Im Winter, wenn die Temperaturen unter 6 °C fallen, graben sich die Kröten für einen Winterschlaf in die Erde ein. Zur Nahrung der Kröten gehören verschiedene Insekten, darunter auch Käfer und Ameisen, die von anderen Tierarten wegen ihrer chemischen Inhaltsstoffe gemieden werden.
Toxizität hochkant|mini|Die Tigernatter macht sich die Giftstoffe der Japanischen Erdkröte zunutze Die Japanischen Erdkröten bilden Bufadienolide in ihren Parotiden (als paarige Wülste hinter den Augen angelegte Drüsen).Takato Inoue, Ryu Nakata, Alan H. Savitzky, Naoko Yoshinaga, Akira Mori, Naoki Mori: Variation in bufadienolide composition of parotoid gland secretion from three taxa of Japanese toads. In: Journal of Chemical Ecology. Band 46, Nr. 10, September 2020, S. 997–1009 link.springer.com (PDF). Diese nach der Gattung der Echten Kröten (Bufo) benannten Gifte verlangsamen die Schlagfrequenz des Herzmuskels (Myokard) und die Erregungsleitung der Herzmuskelzellen und wirken daher toxisch.D. L. Wang, F. H. Qi, W. Tang, F. S. Wang: Chemical constituents and bioactivities of the skin of Bufo bufo gargarizans Cantor. In: Chemistry & Biodiversity. Band 8, Nummer 4, April 2011, S. 559–567, doi:10.1002/cbdv.201000283. Eine Studie an der Unterart Bufo japonicus formosus zeigte, dass ihre Eier beim Verzehr auf Kaulquappen anderer Froschlurche (Rana pirica) toxisch wirken.H. Okamiya, K. Takai, O. Kishida: The Japanese common toad, Bufo japonicus formosus, contains toxin in the egg stage. In: Current Herpetology, 2021, S. 103–106, doi:10.5358/hsj.40.103.
Tigernattern (Rhabdophis tigrinus) machen sich die Toxizität zunutze, indem sie die Kröten fressen und die Giftstoffe der Kröte in ihren eigenen Nackendrüsen anreichern.D. A. Hutchinson, A. H. Savitzky, A. Mori et al.: Chemical investigations of defensive steroid sequestration by the Asian snake Rhabdophis tigrinus. In: Chemoecology. Band 22, 2012, S. 199–206, (PDF). Experimente mit unterschiedlichem Futter (mit und ohne Japanische Erdkröten) zeigen, dass die Schlange die Giftstoffe nicht selber herstellen kann.
Verbreitungsgebiet und Gefährdungsstatus
Die Krötenart ist in Japan endemisch und dort auf den Hauptinseln Kyūshū, Shikoku und Honshū verbreitet sowie auf der angrenzenden Insel Iki, den Gotō-Inseln und den Ōsumi-Inseln Tanegashima und Yakushima. Darüber hinaus wurde eine Population im Westen Hokkaidōs eingeführt sowie auf der Insel Sado und den Izu-Inseln Izu-Ōshima, Niijima, und Miyake-jima.T. Tokuda: Compact picture guide to Hokkaido reptiles and amphibians. In: Hokkaido Shimbun Press, Sapporo, 2011.D. Suzuki, T. Kawase, T. Hoshina, T. Tokuda: Origins of nonnative populations of Bufo japonicus formosus (Amphibia: Bufonidae) in Hokkaido, Japan, as inferred by a molecular approach. In: Current Herpetology, Kyoto. Band 39, 2020, S. 47–54. Die Kröten leben auf Höhen bis zu 2500 m. Aufgrund ihres großen und insgesamt stabilen Verbreitungsgebietes wird die Art von der IUCN als nicht gefährdet (Least Concern) eingestuft. Die Population ist vor allem in urbanen Gegenden rückläufig. Bedrohungen sind für die Kröten insbesondere der Bau von Straßen und eingeführte Raubtiere wie Waschbären. Zudem stört nach einer japanischen Studie aus dem Jahr 2018 nächtliche Beleuchtung die Fortpflanzung der Kröten und wird von den Tieren gemieden, wohingegen Lärm keinen Einfluss zu haben scheint.H. Ishiguro, N. Iwai: Effects of noise and light on breeding and oviposition site selection by frogs in urban ponds. In: Japanese Journal of Conservation Ecology. Band 23, 2018, S. 177–186.
Taxonomie Die Japanische Erdkröte wurde 1838 von dem niederländischen Zoologen Coenraad Jacob Temminck und dem deutschen Ornithologen und Herpetologen Hermann Schlegel als Bufo vulgaris japonicus erstbeschrieben. Der US-amerikanische Zoologe Stejneger beschrieb sie 1907 dagegen als Unterart (Bufo bufo japonicus) der Erdkröte (Bufo bufo) sowie zwei weitere eigenständige Arten Bufo formosus und Bufo smithi innerhalb Japans. Yaichiro Okada erkannte dagegen 1966 drei Unterarten (Bufo b. japonicus, Bufo b. formosus und Bufo b. montanus)Y. Okada: Fauna Japonica. Anura (Amphibia). In: Biogeographical Society of Japan, Tokio 1966. L. Stejneger: Herpetology of Japan and adjacent territory. Bulletin of the United States National Museum, Band 58, 1907. Nakamura und Ueno (1963) vereinten diese drei Unterarten unter Bufo b. japonicus aufgrund morphologischer Kriterien und ihres Verbreitungsgebietes.K. Nakamura, S.-I. Ueno: Genshoku Nihon ryosei hachuri zukan [= Japanese Reptiles and Amphibians in Color]. Osaka, Japan: Hoikusha Publishing Company, 1963. Nach mehreren Studien wiesen u. a. unfruchtbare Hybride zwischen den europäischen und asiatischen Kröten auf den Status der Japanischen Erdkröte als eigene Art mit allopatrischen Unterarten hin.T. Kawamura, M. Nishioka, H. Ueda: Inter- and intraspecific hybrids among Japanese, European and American toads. In: Scientific report of the Laboratory for Amphibian Biology, Hiroshima University. Band 4, 1980, S. 111–112. PDF Es wurde daher zwischen der Europäischen Erdkröte (Bufo bufo) und der Japanischen Erdkröte (damals noch unter dem Namen Bufo japonicus) unterschieden.
mini|Bufo formosus Es wurden zwei Unterarten unterschieden: Östliche Japanische Erdkröte (Bufo japonicus formosus, jap. ) Westliche Japanische Erdkröte (Bufo japonicus japonicus, jap. ) Die Unterart Bufo japonicus formosus wurde im Jahr 2022 als Bufo formosus wieder in den Artrang erhoben. Sie ist mit einer Kopf-Rumpf-Länge von 43–162 mm kleiner als die ursprünglich unter Bufo japonicus bekannte Art (80–176 mm). Sie lebt in wärmeren Regionen Japans.
Von Dufresnes und Litvinchuk wurde der ältere Name Bufo praetextatus vorgeschlagen, der schon von Boie 1826Heinrich Boie: Merkmale einiger japonischen Lurche. Isis von Oken. 18, 1826, S. 203–215. für Populationen aus Vitikairu, Fikikojeru und Nakfudo vergeben worden war.C. Dufresnes & S. N. Litvinchuk: Diversity, distribution and molecular species delimitation in frogs and toads from the Eastern Palaearctic. Zoological Journal of the Linnean Society, 195, 2022, S. 695–760. Nach der Prioritätsregel wurde dann der wissenschaftliche Name Bufo praetextatus nach den Internationalen Regeln für die Zoologische Nomenklatur akzeptiert.
Ähnliche Arten Bufo gargarizansBufo torrenticolax100pxx100px
Zwei weitere in Japan verbreitete Kröten derselben Gattung sind Bufo gargarizans und Bufo torrenticola. Bufo gargarizans kommt innerhalb Japans nur auf Miyako-jima und angrenzenden Ryūkyū-Inseln vor und ist im Wesentlichen im Osten Chinas bis Russland und Korea verbreitet. Bufo torrenticola bewohnt dagegen die Bergregionen der japanischen Regionen Chūbu und Kinki im Zentrum Honshūs. Ihr Verbreitungsgebiet liegt in Höhen von 50 bis 1690 m.Matsui, M. 1988. A review of the Japanese stream toad. Natural History of Japan 1988: 48-55. Zwischen der Östlichen Japan-Erdkröte Bufo formosus und Bufo torrenticola wurde Introgression festgestellt.Y. Yamazaki, S. Kouketsu, T. Fukuda, Y. Araki, H. Nambu: Natural hybridization and directional introgression of two species of Japanese toads Bufo japonicus formosus and Bufo torrenticola (Anura: Bufonidae) resulting from changes in their spawning habitat. In: Journal of Herpetology. Band 42, 2008, S. 427–436.
Weblinks
Weiterführende Literatur T. Hirai, M. Matui: Feeding ecology of Bufo japonicus formosus from the montane region of Kyoto, Japan. In: Journal of Herpetology. Band 36, Nr. 4, 2002, S. 719–723. S. Ishii, K. Kubokawa, M. Kikuchi, H. Nishio: Orientation of the toad, Bufo japonicus, toward the breeding pond. In: Zoological Science. Band 12, Nr. 4, 1995, S. 475–484. T. Kawamura, M. Nishioka, M. Sumida, M. Ryuzaki: An electrophoretic study of genetic differentiation in 40 populatons of Bufo japonicus distributed in Japan. In: Scientific report of the Laboratory for Amphibian Biology, Hiroshima University. Band 10, 1990, S. 1–51. N. Maeda, N. M. Matsui: Frogs and Toads of Japan, 2nd edition. Bun-Ichi Sogo Shuppan Co., Ltd., Tokio 1990.
Einzelnachweise A. Dubois, R. Bour: The nomenclatural status of the nomina of amphibians and reptiles created by Garsault (1764), with a parsimonious solution to an old nomenclatural problem regarding the genus Bufo (Amphibia, Anura), comments on the taxonomy of this genus, and comments on some nomina created by Laurenti (1768). In: Zootaxa. Band 2447, 2010, S. 1–52.
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