Das Stadtmuseum Burghausen auf der mit 1051 Metern weltlängsten Burg ist ein Geschichtsmuseum von überregionaler Bedeutung. Es befindet sich in der Hauptburg der mittelalterlichen Familienresidenz und Landesfestung der Reichen Herzöge von Bayern-Landshut (1393–1503). Die umfangreichen Sammlungen des 1899 gegründeten Museums bieten einen eindrucksvollen Überblick über die Geschichte, Kunst und Kultur Burghausens und seiner Umgebung. Ab 2011 wurde das Stadtmuseum Burghausen umgebaut und als generationenübergreifendes Universalmuseum von Grund auf neu gestaltet. Die vier neu gestalteten Dauerausstellungen wurden 2025 mit dem Bayerischen Museumspreis ausgezeichnet.

Ein beliebtes Markenzeichen des Museums sind die zahlreichen interaktiven Stationen: Sie führen durch die Burghauser Stadt- und Kunstgeschichte, lassen die Welt des Spätmittelalters lebendig werden und eröffnen faszinierende Einblicke in den Naturraum zwischen Salzach und Wöhrsee.

Lage mini|Burg Burghausen, Hauptburg Die Burg Burghausen befindet sich in landschaftlich markanter Lage auf einem Bergrücken zwischen dem Alpenfluss Salzach und der Naturoase Wöhrsee. Mit ihrer Länge von über einem Kilometer erklärte sie das „Guinness-Buch der Rekorde 2010“ zur „längsten Burg der Welt“.Burghauser Anzeiger vom 31. August 2009 (64. Jahrgang, Nr. 200), S. 28. Die mittelalterliche Hauptburg markiert den End- und zugleich den architektonischen Höhepunkt der Burganlage, die zu den beeindruckendsten spätmittelalterlichen Befestigungswerken zählt. Hier befindet sich im sogenannten Kemenatentrakt das Stadtmuseum Burghausen. Mitte des 13. Jahrhunderts errichtet, wurde dieser westliche Flügel der Hauptburg unter Herzog Georg dem Reichen von Bayern-Landshut (1455–1503) und seiner Gattin, der polnischen Königstochter Hedwig (1457–1502), ab 1476 großzügig mit Gemächern für den weiblichen Hofstaat sowie mit Wirtschafts- und Vorratsräumen ausgebaut.

Geschichte mini|Innenhof der Hauptburg Burghausen mit dem Stadtmuseum Die Geschichte des Stadtmuseums beginnt im Grunde bereits 1891, als die auf der Burg stationierte Garnison nach über 125 Jahren Burghausen verließ. Für die aus der Hauptburg und fünf Vorhöfen bestehende Burganlage wurde fortan eine Nutzung gesucht. Ein Verkauf an Privat oder auch ein Abriss standen zur Debatte. Um dies zu verhindern, machte der Historische Verein von Oberbayern den Vorschlag, eine Galerie alter Meister in der Burg einzurichten. Die bayerische Regierung genehmigte die Idee einer „staatlichen Provinzgalerie Burghausen“. 1898 zog die „Staatliche Gemäldegalerie“ in den Palas der Hauptburg ein. Hier befindet sie sich auch heute noch unter dem Namen „Staatliches Burgmuseum“ mit den herzoglichen Wohnräumen und einer Filialgalerie der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen im 2. und 3. Obergeschoss.

Gleichzeitig mit der Gründung der Gemäldegalerie hatten sich Burghauser „Altertumsfreunde“ zusammengeschlossen und eine intensive Sammeltätigkeit von erhaltenswerten Exponaten begonnen. Sie gründeten am 23. März 1899 den Stadtmuseums- und Altertums-Verein Burghausen und eröffneten am 11. Juni 1899 das Stadtmuseum Burghausen in der Torwartstube am Eingang der Hauptburg. mini|Antike Keramik aus den Grabungen von Heinrich Schliemann in Mykene 1902 zog das Stadtmuseum Burghausen aufgrund der stetig wachsenden Sammlung in die große Gewölbehalle im Erdgeschoss des Palas. Die Museumsbestände wurden nicht nur durch Spenden, sondern auch gezielt durch Ankäufe erweitert. Mit dem Erwerb der Sammlung der Feuerwehr im oberösterreichischen Gilgenberg kamen historische Waffen und mit der Sammlung des Traunsteiner Justizrates Max Brunner zahlreiche archäologische Funde, zum Teil aus Ägypten und dem Mittelmeerraum, in das Museum. Darunter befinden sich auch Keramikscherben von Heinrich Schliemann aus seinen Grabungen in Mykene. Die Archäologie war zu jener Zeit ein wichtiges Forschungsgebiet für den Stadtmuseums- und Altertumsverein, der unter anderem hallstattzeitliche Hügelgräber im nahe gelegenen Höresham ausgrub und dokumentierte. Als auch Bestände der Bibliothek des ehemaligen Burghauser Jesuitenkollegs in das Stadtmuseum kamen, benötigte es abermals mehr Platz. 1907 bezog das Museum einige zusätzliche Räume im Kemenatenbau, wo sich das Museum bis heute befindet. Nach mehreren Erweiterungen umfasst das Stadtmuseum Burghausen heute den gesamten Westtrakt der Hauptburg mit rund 2.000 m².

Von 1899 bis 1901 leitete Hauptmann a. D. Joseph Halder (1842–1906) das Stadtmuseum. Ihm folgte von 1901 bis 1929 der Hauptlehrer, Bezirksschulrat und Heimatforscher Karl Stechele (1863–1936). Stechele begründete die sogenannte Burghauser Galerie, eine umfangreiche Sammlung von Stadtansichten renommierter zeitgenössischer Künstler. In seiner Amtszeit begann der Verein zudem mit der Herausgabe der „Burghauser Geschichtsblätter“, einer bis heute bestehenden Publikationsreihe zur Burghauser Geschichte. mini|Der Bayerische Museumspreis 2025 im Foyer des Stadtmuseums Auf Karl Stechele folgten von 1929 bis 1942 der Studienprofessor Anton Asböck (1882–1942) und von 1942 bis 1953 der Hauptlehrer und Volksmusikforscher Hans Kammerer (1891–1968) als Museumsleiter. Unter dessen Leitung wurde nach dem Zweiten Weltkrieg das neu eingerichtete Stadtmuseum am 29. Mai 1949 offiziell wieder eröffnet. Mit dem Historiker Josef Pfennigmann (1923–1978) wurde 1953 erstmals ein hauptamtlicher Museumsleiter eingestellt, der auch das Stadtarchiv betreute. 1964 kam die Sammlung des Heimatvereins Burghausen – so lautet der offizielle Name seit 1954 – als Dauerleihgabe an die Stadt Burghausen. Mit den Kunsterziehern Christine und Josef Schneider erhielt das Stadtmuseum von 1973 bis 2005 eine Museumsleitung, die die Abteilung der Burghauser Kunst umfassend ausbaute und Grundlagenforschung dazu betrieb. Die Dauerausstellung wurde erstmals systematisch nach Schwerpunktthemen gegliedert. Die Volkskundlerin Eva Gilch leitete von 2005 bis 2025 zugleich das Stadtmuseum und das Stadtarchiv Burghausen. Seitdem ist sie weiterhin als Stadtarchivarin tätig.

2012 fand die Bayerisch-Oberösterreichische Landesausstellung „Verbündet. Verfeindet. Verschwägert. Bayern und Österreich“ in den Räumen des Stadtmuseums Burghausen auf bayerischer Seite und im Schloss Mattighofen sowie im Kloster Ranshofen auf oberösterreichischer Seite statt. Im Vorfeld der Landesausstellung konnten das Stadtmuseum umgebaut und die Infrastruktur nachhaltig verbessert werden. 2011 wurde ein neues zentrales Museumsdepot auf der Burganlage mit 650 m² eingeweiht. Es entstanden ein neuer Museumseingang, ein museumspädagogischer Bereich sowie neue Räume für den Betrieb und die Verwaltung des Museums. Ein Fahrstuhl erschließt nun das 1. und 2. Stockwerk. Die Stadt Burghausen als Trägerin des Stadtmuseums seit 1970 nahm die Landesausstellung auch zum Anlass, um die aus den Jahren 1950 bis 1990 stammende Dauerausstellung inhaltlich und gestalterisch zu erneuern: 2016 eröffnete das Stadtmuseum die Abteilungen „Leben auf der Burg im Mittelalter“ und „Stadtgeschichte“, 2019 die neue Dauerausstellung zur „Kunststadt Burghausen“, 2025 den naturkundlichen dritten Stock zum „Naturraum Salzach-Wöhrsee“. Für diese Abteilung, sowie den didaktisch und gestalterisch gelungenen Umbau wurde das Stadtmuseum im gleichen Jahr mit dem Bayerischen Museumspreis ausgezeichnet.

Leitung des Museums

von 1899 bis 1901: Joseph Halder von 1901 bis 1929: Karl Stechele von 1929 bis 1942: Anton Asböck von 1942 bis 1953: Hans Kammerer von 1953 bis 1973: Josef Pfennigmann von 1973 bis 2005: Christine und Josef Schneider von 2005 bis 2025: Eva Gilch seit 2025: Patrick Charell

Dauerausstellungen Leben auf der Burg im Spätmittelalter mini|hochkant|Leben auf der Burg im Spätmittelalter, 2016 eröffnete Abteilung Im Erdgeschoss des Stadtmuseums Burghausen erfährt der Besucher in stimmungsvollen Räumen, wie man an einem Fürstenhof Ende des 15. Jahrhunderts lebte. Zu dieser Zeit residierte Herzogin Hedwig (1457–1502), Tochter des polnischen Königs Kasimir IV. (1427–1492) und seiner Frau Elisabeth von Habsburg (1436–1505), auf der Burghauser Burg. Hedwig hatte 1475 Herzog Georg den Reichen von Bayern-Landshut in einem der prunkvollsten Feste des gesamten Mittelalters geheiratet. Die sogenannte Landshuter Hochzeit wird bis heute alle vier Jahre in Landshut nachgespielt. Nach der Hochzeit zog Herzogin Hedwig mit ihrem großen Hofstaat in die Familienresidenz auf der Burghauser Burg.

In dieser Abteilung vermitteln anschauliche Inszenierungen und Mitmachstationen auf kurzweilige und spannende Weise Wissenswertes zu Themen wie Burgenbau, Wohnkomfort, Hygiene, Essen, Mode und Freizeitvergnügen im Spätmittelalter. An einem nachgebauten Baugerüst werden einstige Bautechniken mittels Werkzeugen und eines bedienbaren Tretradkrans veranschaulicht. Ein ornamental verzierter originaler Balken zeugt vom großen Burgausbau ab 1476. Lebensgroße Puppen bilden den Hintergrund, um sich in historischen Gewandungen zu fotografieren und dabei Interessantes über die Mode des Mittelalters zu erfahren. In der Küche locken heimische sowie exotische Gewürze. Die Freizeitgestaltung war bei Hofe groß geschrieben, war sie doch ein Mittel zur Selbstdarstellung mit Jagden, Turnieren, Festen und Spielen. Gäste können selbst einen Tjost reiten und den Schwarzen Ritter besiegen, die Plattenrüstung eines Adeligen bewundern oder eines der damals üblichen Gesellschaftsspiele ausprobieren.

Kunst in Burghausen mini|hochkant|Baumodell der Wallfahrtskirche Marienberg, 1760 Das 1. Obergeschoss des Stadtmuseums ist der Kunst in Burghausen vom Mittelalter bis in die Gegenwart gewidmet. In dieser Abteilung werden Themen wie Fassmalerei, Freskomalerei, Porträtmalerei oder Theatrum sacrum interaktiv, gut verständlich und unterhaltsam erklärt. Architektonisch besondere Räume wie beispielsweise ein gotisches Kreuzrippengewölbe bieten hierfür die passende Kulisse. Als Residenzstadt und später als Regierungsstadt beherbergte Burghausen zahlungskräftige Auftraggeber: Landesherr, Klerus, Adel und Bürgertum ließen Bauwerke errichten, Kirchen ausstatten und Porträts von sich malen. Für diese Aufträge gab es seit dem Mittelalter spezialisierte Handwerker wie Baumeister und Steinmetze sowie ab dem Ende des 16. Jahrhunderts stets zwei Malerwerkstätten und eine Bildhauerwerkstatt. Die wohl bedeutendsten Künstler in Burghausen zur Zeit des Barock waren der Maler Johann Nepomuk della Croce (1736–1819) und der Bildhauer Johann Georg Lindt (um 1733–1795). Ihre Kunstwerke und die der zahlreichen anderen Burghauser Künstler können in dieser Abteilung entdeckt werden. Herausragend ist das Baumodell der 1760/64 neu errichteten Wallfahrtskirche Marienberg bei Burghausen. Es handelt sich um das einzige erhaltene süddeutsche Baumodell des 18. Jahrhunderts, das die architektonische Gliederung, die komplette Innenausstattung und die Farbigkeit des Außenbaus und des Innenraumes zeigt. Auch das detailreiche Modell des Marienberger Hochaltares mit 32 Engeln ist in der Ausstellung zu sehen. Am Neubau dieser Kirche waren nicht nur bekannte Burghauser Künstler, sondern auch der bedeutende Rokoko-Freskant Martin Heigl beteiligt.

Um die Wende zum 20. Jahrhundert prägten die drei „Künstlerfürsten“ Maximilian Liebenwein (1869–1926), Walter Ziegler (1859–1932) und Richard Strebel (1861–1940) die Burghauser Kunst. Durch ihre Kontakte als Mitglieder der Wiener Secession sowie der Innviertler Künstlergilde schufen sie in Burghausen eine lebendige Kunstszene. Im Zweiten Weltkrieg siedelte Albert Figel (1859–1932) von München nach Burghausen über, wo er 1947 ein Gründungsmitglied der modernen Künstlergruppe "DIE BURG" wurde. Mit weiteren Exponaten aus den 1950er bis 1960er Jahren schließt die Ausstellung.

Stadtgeschichte