mini|Altes Logo Die American International Group, Inc. (AIG) ist ein börsennotierter Versicherungskonzern mit Hauptsitz in New York City. Das Unternehmen war lange Zeit der größte Erstversicherungs-Konzern der Welt; im Jahr 2008 stand es nach der Allianz SE und der ING Groep an dritter Stelle.Allianz zieht bei Börsenwert mit AIG gleich, Financial Times Deutschland (Printausgabe) vom 25. Juni 2008, Seite 17.
Das Unternehmen bietet Versicherungen für Geschäfts- und Privatkunden sowie viele weitere Finanzdienstleistungen an. Im Geschäftsjahr 2007 machte AIG einen Umsatz von 110,1 (Vorjahr: 113,2) Milliarden US-Dollar und wies einen Gewinn von 6,2 (Vorjahr: 14,0) Milliarden USD aus. AIG beschäftigt etwa 116.000 Mitarbeiter in 130 Ländern (Stand 2007) und zählt 74 Millionen Kunden – unter ihnen Banken, Versicherungen, Großunternehmen, Städte und Gemeinden. 2008 verbuchte das Unternehmen einen Verlust von 99,3 Milliarden Dollar, allein auf das vierte Quartal entfallen 61,7 Milliarden Dollar – der höchste Verlust eines Unternehmens in einem Quartal in der Wirtschaftsgeschichte.AIG verliert 2008 fast 100 Milliarden Dollar – 62 davon im vierten Quartal
Geschichte AIG wurde 1919 von Cornelius Vander Starr in Shanghai, Republik China gegründet. Starr war der erste westliche Geschäftsmann, der Versicherungen an Chinesen verkaufte. Nachdem das Unternehmen in China gedieh, expandierte er weiter nach Asien, Lateinamerika, Europa und in den Nahen Osten. 1926 eröffnete Starr in New York die Versicherungsagentur American International Underwriters, das erste Büro in den Vereinigten Staaten. Das Geschäft in den Vereinigten Staaten lief jedoch nicht so erfolgreich wie in den anderen Niederlassungen des Unternehmens. 1939 verlegte AIG wegen der drohenden Kriegsgefahr seine Firmenzentrale nach New York. Während des Zweiten Weltkrieges expandierte AIG in Lateinamerika und überflügelte dort die traditionell starken europäischen Versicherungen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges eröffnete AIG im Jahre 1946 neue Tochtergesellschaften in Deutschland, Japan, auf den Philippinen und in Westeuropa, wo die traditionell starken einheimischen Versicherungen aufgrund der Kriegsschäden nur eingeschränkt handlungsfähig waren. In den Anfangsjahren war die japanische Filiale der AIG auf Versicherungen für Angehörige der amerikanischen Besatzungsmacht beschränkt, seit 1951 durfte sie im Zuge der Öffnung des japanischen Versicherungsmarktes auch Versicherungen an japanische Kunden verkaufen. 1952 übernahm AIG die Mehrheit der Globe&Rutgers Fire Insurance Company.
Im Jahre 1962 übergab Starr das US-Geschäft an Maurice R. Greenberg, der den Konzern zu einem der Top-Unternehmen in den USA ausbaute. In den 1960er Jahren übernahm AIG unter anderem die New Hampshire Insurance Company und die National Union Fire Insurance Company mit Sitz in Pittsburgh, deren Tochtergesellschaft Lexington Insurance Company, die Commerce and Industry Insurance Company sowie die Transatlantic Reinsurance Company. 1967 wurde AIG in eine Holdinggesellschaft umgewandelt, deren Aktien seit 1969 an der Börse gehandelt werden. Seit 1984 werden die Aktien der AIG an der New York Stock Exchange gehandelt.
Die AIG gründete im Jahre 1979 als erste westliche Versicherungsgesellschaft Filialen in Ungarn, Polen und Rumänien. 1990 übernahm AIG die International Lease Finance Corporation. Am 8. April 2004 wurde AIG in den Dow Jones Industrial Average, den Index der 30 größten börsennotierten Unternehmen, aufgenommen.
Im Jahre 2005 erschütterte ein Falschbilanzierungsskandal in Zusammenhang mit Transaktionen zwischen AIG und dem Rückversicherer General Re der Holding Berkshire Hathaway das Unternehmen. Infolge dieser Unregelmäßigkeiten musste Maurice R. Greenberg zurücktreten. Sein Nachfolger ist Martin J. Sullivan.
Im August 2007 übernahm AIG die Württembergische und Badische Versicherungs-Aktiengesellschaft (Wüba) von der US-Beteiligungsgesellschaft J. C. Flowers & Co. LLC; bis Januar 2005 hatte die Wüba zur deutschen Finanzgruppe Wüstenrot & Württembergische gehört.Anja Krüger: AIG kauft Flowers-Tochter Wüba, Financial Times Deutschland vom 13. August 2007.
Nach der Finanzkrise ab 2007 Für das 4. Quartal 2007 meldete AIG infolge der Subprime-Krise Abschreibungen in Höhe von 11 Milliarden Dollar auf ihr Kreditversicherungsportfolio und demzufolge einen Rekord-Quartalsverlust von 5,3 Milliarden Dollar.Finanzkrise erfasst die Assekuranz, Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 1. März 2008Torsten Riecke: Kreditkrise beutelt Versicherer AIG, Artikel im Handelsblatt vom 3. März 2008 Hauptgrund für die Verluste des Unternehmens ab Ende 2007 sind ausfallende (Hypotheken-)Kredite von AIG-Kunden, welche über die AIG per Credit Default Swaps abgesichert (rückversichert) waren.
AIG bat am 14. September 2008 die US-amerikanische Notenbank Fed und damit den US-amerikanischen Steuerzahler um einen Überbrückungskredit von rund 40 Milliarden Dollar, um eine Abstufung ihres Ratings zu verhindern. – 15. September 2008Welt.de: Banken Finanzkrise spitzt sich dramatisch zu – 15. September 2008New York Times: A.I.G. Seeks $40 Billion in Fed Aid to Survive – 14. September 2008 Am 16. September 2008 gewährte die Fed dem Konzern einen Kredit von 85 Milliarden US-Dollar, übernahm aber im Gegenzug 79,9 Prozent der Anteile. Es kam also de facto zu einer Notverstaatlichung. Der Staat erhielt zugleich ein Vetorecht bei der Dividendenausschüttung.boerse.ARD.de: vom 17. September 2008.ANDREW TAYLOR/Associated Press 2008: (via Internet Archive)
Die US-amerikanische Regierung unterstützte Anfang November 2008 die American International Group mit insgesamt rund 150 Milliarden Dollar; dies war bis dato die größte finanzielle staatliche Unterstützung für ein privates Unternehmen in der Geschichte der Vereinigten Staaten.marketwatch:Washington dramatically alters AIG bailout
Das Unternehmen wies über die ersten drei Quartale im Jahr 2008 Verluste in Höhe von 37,6 Milliarden US-Dollar aus. Im letzten Quartal 2008 hatte AIG alle bisherigen Grenzen gesprengt und den höchsten je von einem Unternehmen gemeldeten Verlust von 61,7 Milliarden US-Dollar verbucht.AIG macht 100 Milliarden Dollar Verlust – FAZ vom 3. März 2009
Aufgrund erhöhten Abschreibungsbedarfes auf Privat- und nunmehr auch Geschäftsimmobilien stellte die Fed darüber hinaus bereits weitere Kredite über 22,5 Milliarden Dollar und 30 Milliarden Dollar bereit. vom 24. Februar 2009 Weitere Rettungsspritzen des Staates waren jedoch erforderlich. Im Rahmen einer Restrukturierung musste sich AIG von einigen ihrer Tochtergesellschaften und Sparten trennen. Für die Lebensversicherungssparte American Life Insurance soll die Metropolitan Life Company vorläufig 11,2 Milliarden Dollar geboten haben.
AIG verkaufte seinen US-Autoversicherer 21st Century Insurance für zirka 1,9 Milliarden US-Dollar an Farmers Group, eine Tochtergesellschaft der Schweizer Zurich Financial Services. Der US-Autoversicherer hatte 2008 ein Prämienaufkommen von 3,6 Milliarden US-Dollar.Financial Times Deutschland – vom 16. April 2009
Das deutsche Nachrichtenmagazin Der Spiegel bezeichnete AIG im Jahre 2009 als „Die gefährlichste Firma der Welt“ und veröffentlichte eine Titelgeschichte darüber, „Wie der amerikanische Versicherungskonzern AIG die Banken ins Risiko und die Finanzwelt fast in den Kollaps trieb“. Allerdings lagen die Ursachen der Finanzkrise sehr viel tiefer und waren nicht etwa nur auf AIG zu beschränken.
Die US-Regierung hatte erwartet, dass die Staatsbeteiligung mit einem positiven Saldo enden würde:
Unter der Überschrift „AIG füllt die Staatskasse“ berichtete das Handelsblatt im März 2011:
In der Spitze hielt die Regierung 92,1 Prozent an AIG, Ende 2012 wurden die letzten Anteile wieder verkauft. Insgesamt machte das US-Finanzministerium nach eigenen Angaben einen Gewinn von 22,6 Milliarden US-Dollar mit dem AIG-Bailout.
2014 wurde ILFC für 7,6 Milliarden USD an die niederländische AerCap verkauft und mit dieser verschmolzen.
2022 wurde Corebridge Financial im Zuge der strategischen Neuausrichtung von AIG als eigenständiges Unternehmen ausgegliedert und an die Börse gebracht.Corebridge flat following IPO; wider market down after August inflation report Die Unternehmenseinheit geht auf die 2001 übernommene American General Insurance Company aus Houston zurück.
Asiengeschäft AIA
Anfang März 2010 teilte AIG mit, dass man seine Asiensparte an den britischen Konkurrenten Prudential verkaufen und die Erlöse zur Rückzahlung der Schulden an den US-amerikanischen Staat verwenden werde. Das Geschäft umfasste ein Gesamtvolumen von 35,5 Milliarden Dollar, wovon 25 Milliarden bar und der Rest in Wertpapieren gezahlt werden.. Abgerufen am 7. April 2024. Die mit AIA Group Ltd. benannte Asiensparte umfasste mehr als 20 Millionen Kunden.Prudential kauft AIG-Asien-Sparte für 35,5 Milliarden Dollar Der geplante Verkauf an Prudential scheiterte jedoch, so dass AIA im Oktober 2010 an die Börse ging. Der Börsengang der mit einem Volumen von 159,08 Milliarden Hong-Kong Dollar (20,51 Milliarden US-Dollar) der zum bis dahin weltweit drittgrößten Börsengang. Am 21. Dezember 2012 verkaufte AIG ihre gesamte Beteiligung an AIA in Höhe von 13,69 %.
AIG Europe Die AIG-Europe-Gesellschaften wurden Mitte Oktober 2009 in Chartis Europe S. A. bzw. Chartis Europe Limited umbenannt. In Deutschland firmierte sie als Chartis Europe S. A. – Direktion für Deutschland. Zum 1. Dezember 2012 wurde die Struktur in Europa vereinfacht und die Chartis Europe S. A. auf die Chartis Europe Limited, die nun als AIG Europe Limited firmiert, verschmolzen.. Abgerufen am 7. April 2024.
Auswirkungen der Unternehmenskrise auf deutsche Gemeinden Aufgrund der in der Vergangenheit häufiger gewordenen Cross Border Leasings deutscher Kommunen für städtische Anlagen (Müllverbrennungsanlagen, Kanalnetze etc.) gerieten diese durch die Schieflage der AIG in Bedrängnis, da die AIG ihr bisher gutes Rating verlor. Dadurch mussten für die Cross Border Leasings eine neue Versicherung gefunden werden, die die Leasingverträge absichert, falls der Leasingspartner der Kommunen ausfällt oder sich die Bonität des Versicherers ändert (in diesem Fall wird eine Vertragsstrafe fällig). Da eine solche Versicherung in einer Finanzkrise schwer zu finden war – zumindest zu annehmbaren Konditionen – bleiben die Kommunen auf diesen Ausfallrisiken bzw. der Vertragsstrafe sitzen, die sie nun selber tragen mussten. Der Grund dafür ist die Gestaltung der Cross Border Leasings als eine Art Credit Default Swap. Ein einfacher Vertragsausstieg ist nicht möglich, da die Leasingverträge meist eine Laufzeit von mindestens 30 Jahren haben.US-Versicherer AIG ist für Deutschland gefährlich. In: Die Welt Online vom 2. März 2009, zuletzt abgerufen am 13. Januar 2010.
Aktionärsstruktur Mit Stand vom 31. März 2025 waren folgende Hauptaktionäre publiziert: AnteilseignerAktienStandAnteil in %WertVanguard Group Inc62.45MMar 31, 202510,84 %4,944,390,120Blackrock Inc.51.48MMar 31, 20258,93 %4,075,340,733State Street Corporation27.1MMar 31, 20254,70 %2,145,306,333Capital Research Global Investors26.06MMar 31, 20254,52 %2,063,427,613Wellington Management Group25.43MMar 31, 20254,41 %2,013,332,163Harris Associates L.P.22.32MMar 31, 20253,87 %1,767,351,137GQG Partners LLC18.91MMar 31, 20253,28 %1,497,068,168Invesco Ltd.17.88MMar 31, 20253,10 %1,415,735,087Geode Capital Management, LLC13.26MMar 31, 20252,30 %1,049,694,421Aristotle Capital Management, LLC12.34MMar 31, 20252,14 %976,991,266
Steuervermeidung Durch die Luxemburg-Leaks wurde bekannt, dass AIG „durch komplizierte Finanzkonstrukte Geld am US-Fiskus vorbeigeschleust hat“.Süddeutsche Zeitung, Steuertricks des Versicherers AIG: Vom Staat gerettet, den Staat geprellt
Verschiedenes mini|American International Building