Externer Linkzu einem Porträtfoto von Adam Cullen.(Bitte Urheberrechte beachten) mini|228px|Adam Cullens Signatur Adam Frederick Cullen (* 9. Oktober 1965 in Sydney; † 28. Juli 2012 in Wentworth Falls, Blue Mountains) war ein australischer Maler, Bildhauer und Performance-Künstler, der als einer der wichtigsten Vertreter des Grunge in Australien gilt. Er gewann die renommierten australischen Kunstpreise Archibald Prize (2000) und Sulman Prize (2003). Das Leben des Künstlers, der Kontroversen nicht scheute und sein subversives Image als Bad-boy-artist (Bürgerschreckkünstler, Provokateur) pflegte, war von psychischen und physischen Problemen sowie Konflikten mit dem Gesetz überschattet.

Leben und Werk Frühe Jahre Adam Cullen war der Sohn des Bauunternehmers, Lehrers und Vietnamkrieg-Veterans Kevin Cullen und dessen Ehefrau Carmel (geb. O’Loughlan), einer irischen Schauspielerin in verschiedenen australischen Bühnen- und Fernsehproduktionen,Carmel Cullen. In: benny-hill.fandom.com die auch als Töpferin arbeitete.Erik Jensen: Acute Misfortune. The Life and Death of Adam Cullen. Black Inc., Carlton 2014, ISBN 978-1-86395-693-2, S. 46. Adams sieben Jahre älterer Halbbruder Mark, mit dem er sich nicht verstand, ging aus einer früheren Beziehung seiner Mutter mit einem deutschen Steward hervor. Adam wuchs an Sydneys Northern Beaches in Collaroy auf, wo „er von liebevollen, nachsichtigen Eltern wie ein Goldjunge behandelt wurde“.John McDonald: Acute Misfortune. In: Artist Profile, Ausgabe 47, 2019.„[…] a family in which he had been treated as a golden boy by loving, indulgent parents.“

mini|hochkant=0.7|Francisco de Goya: Saturn verschlingt seine Kinder, um 1823 Während eines Aufenthaltes im spanischen Madrid besuchte Cullen mit seinen Eltern als 9-Jähriger das Museo del Prado, wo er sich eine gute Stunde vor das Werk Goyas Saturn verschlingt seine Kinder setzte und das Bild ehrfürchtig und emotional aufgewühlt in Augenschein nahm. Cullen sah hierin eine Initialzündung, eine tiefsitzende Inspiration für sein weiteres Schaffen.Adam Cullen. Lets’s get lost - Anything I say or do - Australian Saints. In: Art Gallery of New South Wales, Sydney 2008, S. 5.Originaltext: „I was in Spain with my parents, in the Prado, when I was nine and a half, and apparently I was in awe of this image. It was called "Saturn devouring his children". It was a small work by Goya, and he was there chewing on this infant’s head. I was overtaken with as much emotion as a nine and a half year old person can endure and/or fathom. I was there for almost an hour staring at this thing, and it’s stuck with me until now… It’s incredible how uplifting and inspiring artworks can be, even if they’re repulsive, or demonic or black – they still inspire you.“ Nach der Rückkehr aus Spanien besuchte Adam seinen Cousin, der mit seiner Familie auf einem Grundstück im australischen Busch lebte. Mit Hilfe einiger Kelpie-Hunde fingen sie dort mit einem Lasso ein Känguru ein, hielten das Tier am Boden fest und schnitten ihm bei lebendigem Leib mit einer Kettensäge den Schwanz ab.Adam Cullen. Lets’s get lost - Anything I say or do - Australian Saints. In: Art Gallery of New South Wales, Sydney 2008, S. 5.Originaltext: „Cullen recalls visiting his cousins that lived on a property in the bush. He remembers them lassoing a kangaroo with the help of some kelpie dogs, and while they held the animal down, the cousins cut off the kangaroo’s tail with a chain-saw while it was still alive. The roo hobbles horribly, trying to balance without a tail. This happened after Cullen saw the Goya Disaster series in the Prado with his parents.“

In der Schule mischte sich Adam gerne unter die „starken Jungs“.Erik Jensen: Adam Cullen’s secret desires. In: Sydney Morning Herald vom 11. September 2014.Originaltext: „At school, Adam liked mixing with the strong boys.“ Er zeichnete bereits in jungen Jahren, schon als Kind veröffentlichte die lokale Zeitung Collaroy Plateau regelmäßig seine Cartoons. Seine Lehrerin zeigte sich derart verstört über die beklemmenden Motive seiner Zeichnungen, dass die Schule seinen Eltern psychiatrische Hilfe für ihren zehnjährigen Sohn empfahl.Martin Edmond: In: Sydney Review of Books vom 30. September 2014. Eine Zeit lang lebte er mit seinen Eltern in den Blue Mountains westlich von Sydney und besuchte dort eine örtliche Schule. Im Alter von 18 Jahren eröffnete er seinen Eltern: „Ich kann hier nicht mehr leben, ihr seid zu langweilig.“Elizabeth Fortescue: Tears and respect for a ‚genius‘ at rebel artist Adam Cullen funeral. In: Perth Now vom 4. August 2012.Originaltext: „At the age of 18 he told his parents: ‚I can’t live here any more, you’re too boring […]‘“.

Cullen zog nach Annandale im Inner West of Sydney,Cullen hatte später auch sein Studio in Annandale.Kit Messham-Muir: Review: The Life and Death of Adam Cullen by Erik Jensen. In: The Conversation vom 15. September 2014.Originaltext: „[I]n the course of my investigations visited him in his studio in Annandale a number of times[…].“ einem nicht allzu weit von der Innenstadt entfernten Vorort, und studierte an der Kunstschule City Art Institute (heute School of Art & Design) der University of New South Wales (UNSW) in Sydney, wo er 1987 sein Diploma of Professional Art erhielt.Wendy Frew: Archibald winner and ‚grunge‘ painter Adam Cullen dead at 47. In: Sydney Morning Herald vom 30. Juli 2012. Hier gehörte er zu einer Schar experimentierfreudiger Studenten, denen es ein Anliegen war, die Grenzen der Kunst auszureizen.Academics remember grunge artist Adam Cullen. In: The Conversation vom 30. Juli 2012.

An der Schule rückte er sich erstmals in das Licht der Öffentlichkeit, als er in einer Performance für zwei Wochen einen verwesenden Schweinekopf an seinen Knöchel kettete und hinter sich in den Hörsaal zog. In: University of New South Wales Sein Freund, der Kunstkritiker Andrew Frost, erinnerte sich, dass Cullen „wegen des Gestanks mit dem Bein aus dem Fenster schlafen musste und die Performance erst abbrach, als der Busfahrer sich weigerte ihn weiter mitfahren zu lassen“.Catharine Lumby: Artist was drawn to darker side of human existence. In: Sydney Morning Herald vom 31. Juli 2012.Originaltext: „Art critic and friend Andrew Frost recalls […] that Cullen had to sleep with his leg out the window because of the smell and abandon the performance when the bus driver refused to let him on.“ In einer anderen Vorlesung trug er als ein weiteres seiner Kunstobjekte an seiner Lederjacke das Fell einer Katze mit ausgestopften Kopf,Andrew Frost: Vale Adam Cullen 1965-2012. In: theartlife.com.au vom 30. Juli 2012.Originaltext: „This was in the context of a time when a punk kid wore the skin and stuffed head of his cat attached to his leather jacket to painting classes.“ zu der er angab, dass er sie „selbst getötet und abgezogen“ habe.Ashley Crawford: Brush with controversy and creative brilliance. In: Sydney Morning Herald vom 31. Juli 2012.Originaltext: „After that episode he wore a bald taxidermied cat which he claimed to have killed and skinned.“

1999 schloss er sein Studium an der UNSW als Master of Fine Arts ab. Von 1994 bis 2000 arbeitete Cullen als Präparator und Ausstellungsbauer im Australian National Maritime Museum in Darling Harbour.Daina Fletcher: Remembering Adam Cullen. In: Australian National Maritime Museum In den 1990er Jahren entwickelte er sich zum Enfant terrible der Kunstszene in SydneyKen McGregor, Janet Hawley, Jenny Zimmer: Adam Cullen. Macmillan Art Pub., Sydney 2009, ISBN 1-92139-423-4, Klappentext. und neben Dale Frank,Hany Armanious. Egypt born 1962, arrived Australia 1969. Untitled work, 1996, polyvinyl chloride, Purchased 1997. In: Katalog mit ‚Artwork Labels‘ zur Ausstellung Every Brilliant Eye: Australian Art of the 1990s in der National Gallery of Victoria, 2017. Mikala Dwyer und Hany ArmaniousAshley Crawford: Adam Cullen. When the weird turned Pro. In: artcollector.net.au, 2005.Originaltext: „[H]e was one of the hot names, alongside artists Mikala Dwyer and Hany Armanious when grunge was of the moment in the early 90s.“ zu einem der wichtigsten Vertreter des australischen Grunge.

Seit dem vierzehnten Lebensjahr hatte Cullen regelmäßig Marihuana konsumiert, als Student bald auch umfänglicher. Nach sechs Monaten auf der Kunstschule nahm er zum ersten Mal Speed intravenös zu sich. In den Toiletten des Pubs Marlborough Hotel im Stadtteil Newtown begann Cullen 21-jährig mit seinem Konsum von Heroin, in einem Versuch „vom Speed wegzukommen“, dessen Gebrauch er als „äußerst toxisch“ empfand.Auszug aus Erik Jensens Buch anlässlich des Victorian Premier’s Literary Awards 2015. Wheeler Centre, 2015.Originaltext: „I used to shoot the f*cking speed and it was awful. […] That shit was toxic, it was really f*cking toxic.“

Künstlerisches Schaffen Die Gemälde des kontroversen Künstlers hinterfragten kulturelle und soziale Rollen in der australischen Kultur und ihren Subkulturen, wobei sie provokativ die dunkleren Aspekte des menschlichen Daseins in Form von Satire und sozialer Allegorie thematisierten.Manya Sellers: Adam Cullen. In: Museum of Contemporary Art Sydney Er beschäftigte sich dabei mit Themen wie Kriminalität, der Überschneidung zwischen menschlichem und tierischem Verhalten sowie der veränderlichen Rolle der Männlichkeit in der heutigen Gesellschaft. In seinen karikativen Gemälden bildete er neben toten Kängurus und Katzen oft Vertreter aus – wie er es nannte – Loserville (Verliererstadt) ab; Menschen der australischen Unterschicht wie Punks, kopflose Frauen,The Maker: Adam Cullen. In: Australian Broadcasting Corporation vom 6. März 2005. Tarts (australische Bezeichnung für „Flittchen“ oder „Nutten“),Suchwort tart. In: leo.org Stockmen (australische Bezeichnung für „Cowboys“), Bogans (australische Bezeichnung für „Prolls“),Suchwort bogan. In: leo.org an Fettleibigkeit und Missbildungen leidende Personen oder der Volksheld Ned Kelly, die alle nach Ansicht des Kunstkritikers Ashley Crawford „in triefendes Chaos verpackt“ waren.Ashley Crawford: Brush with controversy and creative brilliance. In: Sydney Morning Herald vom 31. Juli 2012. „Wenn Cullen sich bitter fühlt, ist seine Malerei ätzend. Wenn Cullen das Gefühl hat, dass die Welt ein humorvoller Irrtum ist, nimmt seine Malerei eine in ihrem Zynismus scharfsinnige, teuflische Albernheit an“, sagte Crawford.Ashley Crawford: Adam Cullen. When the weird turned Pro. In: artcollector.net.au, 2005.Originaltext: „When Cullen is feeling bitter, his painting is acidic. When Cullen feels that the world is a humorous mistake, his painting takes on a devil-may-care silliness, albeit one that is perceptive in its cynicism.“ Die Beziehung zwischen Mutter Carmel und Sohn Adam war nicht konfliktfrei. Nach eigenem Bekunden waren Cullens Frauenporträts eigentlich Abbilder seiner Mutter. Seine Frauen wirkten jedoch „nie wie nette, sanfte Mütter“.Lindy Kerin: Grunge artist Adam Cullen dead at 47. In: Australian Broadcasting Corporation vom 30. Juli 2012.Originaltext: „Adam’s women were never nice, gentle mothers“.