Das Bergwerk Kukiswumtschorr () ist ein seit 1929 in Förderung stehendes Apatit-Nephelin-Bergwerk im gleichnamigen Berg Kukiswumtschorr bei Kirowsk in den Chibinen in der Oblast Murmansk auf der Halbinsel Kola in Russland. Es ist auch unter dem Namen Kirow-Bergwerk () bekannt. Abgebaut wird ein zonierter Apatitkörper, der in eine obere, reiche, und eine untere, arme Zone unterteilt wird. Beide Zonen weisen die gleiche mineralische Zusammensetzung auf (Apatit, Nephelin, Aegirin, Feldspat, Titanit), unterscheiden sich jedoch im quantitativen Anteil der einzelnen Minerale und im Gefüge. Die Erze können fein- bis grobkörnig, fleckig oder gebändert sein.

Lage und Name links|mini|300px|Die Lagerstätte Kukiswumtschorr wurde nach dem gleichnamigen Plateauberg im Zentrum der Chibinen benannt Die Lagerstätte Kukiswumtschorr erhielt ihren Namen nach dem gleichnamigen Berg mit Seehöhe, der sich im zentralen Teil des Massivs der Chibinen befindet und dessen achthöchste Erhebung darstellt. Der Name Kukiswumtschorr (Кукисвумчорр) entspricht der auf amtlichen russischen Karten gebrauchten Schreibung des ursprünglich samischen Namens des Berges in der Bedeutung „Bergmassiv nahe dem Langen Tal“ (wörtlich „langes-Tal-Hochfläche“).

Weitere Lagerstättenteile mit ähnlichem Aufbau und gleicher Mineralisation schließen sich unmittelbar östlich an: Juksporr (), Apatitowy Zirk ( „Apatit-Kar“), Raswumtschorr-Plateau bzw. -Tagebau ( oder ) mit dem Tagebau Zentralni (), dem Steinbruch Koaschwa () mit dem Tagebau Wostotschni () sowie dem Steinbruch Njorkpachk () und Oleni rutschej ( „Rentierbach“). Die Apatitlagerstätten befinden sich im südwestlichen Bogen des Massivs der Chibinen, wo sie einen zusammenhängenden Lagerstättengürtel von 11 km streichender Länge und 2 km in der Richtung ihres Einfallens bilden. Die Bezeichnungen der Lagerstätten leiten sich in der Mehrzahl von Bergmassiven in den Chibinen ab, die fast ausschließlich samische Namen tragen.

Geschichte Das Innere der Halbinsel Kola und die Chibinen blieben bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts so gut wie unbekannt. Erst in der Folge der von finnischen Wissenschaftlern im Frühjahr und Sommer 1888 durchgeführten großen Kola-Expedition rückten die Massive der Lowosero-Tundra und der Chibinen in den Fokus des wissenschaftlichen Interesses. Wilhelm Ramsay und Victor Axel Hackman identifizierten für das Massiv der Chibinen ein postarchäisches Alter, eine lakkolithische Form und eine nephelinsyenitische Zusammensetzung. Aus den Chibinen wurde eine größere Zahl von exotischen Alkaligesteinsarten erstbeschrieben, wobei viele Bezeichnungen – oft von lokalen Namen abgeleitet – von Ramsay und Hackman eingeführt wurden. In allen Fällen handelt es sich um Nephelinsyenite und andere Alkaligesteine, wozu Chibinit, Lujavrit, Foyait, Ijolith, Malignit, Melteigit, Rischorrit, Turjait und Urtit zählen. Ramsay und Hackman definierten auch eine Kristallisationssequenz für die wichtigsten Gesteinsarten: Augitporphyrite → Nephelinsyenite (Khibinite und Foyaite) → Theralite, Ijolithe, Urtite → Umptekite und aplitische Nephelinsyenite → Monchiquite und Tinguaite → Pegmatite → Eudialyt-Aegirin- sowie Titanit-Gänge. Obwohl keine Mineralogen, identifizierten bereits Ramsay und Hackmann drei neue Minerale (Loparit – heute Loparit-(Ce) –, Yuksporit und Mangan-Neptunit – heute Manganoneptunit).

Die ersten systematischen mineralogisch-geochemischen Untersuchungen der Chibinen fanden unter der Leitung von Akademiemitglied Alexander Jewgenjewitsch Fersman statt. Zu seinem Team gehörten u. a. Elsa Maximilianowna Bonschtedt-Kupletskaja (), Irina Dmitriewna Borneman-Starynkewitsch (), Pjotr Nikolajewitsch Tschirwinskij (), Michail Pawlowitsch Fiweg (), Wasilij Iwanowitsch Gerasimowskij (), Nina Nikolajewna Gutkowa (), Ekaterina Jewtichijewna Kostyljowa-Labunzowa (), Wladimir Iljitsch Kryshanowskij (), Boris Michailowitsch Kupletskij (Борис Михайлович Куплетский), Aleksander Nikolaewitsch Labunzow () und Wladimir Iwanowitsch Vlodavets (). Im Verlauf dieser Expedition wurden 1920 seltene alkalische Minerale entdeckt. Der im südlichen Teil der Chibinen operierende, durch Aleksander Nikolaewitsch Labunzow und Boris Michailowitsch Kupletskij geleitete Expeditionsteil entdeckte im Sommer 1923 an den Hängen des Südlichen Raswumtschorr („Berg des grasigen Tales“) Bruchstücke feinkörnigen Apatits. Zwei Jahre später konnte Labunzow auf einer Fläche von über 10.000 m² Ausbisse von Apatit-Nephelin-Gesteinen lokalisieren. Fersman und Kupletskij entschlüsselten den geologischen Bau des Massivs und prognostizierten Flächen mit Vorkommen von Apatiterz, die sich später als die weltgrößten Apatitlagerstätten herausstellten. Im Bereich der Berge Kukiswumtschorr, Juksporr und Raswumtschorr wurden große Körper von Apatit-Nephelin-Gesteinen gefunden; in der Folge konnte die geologische Struktur des Massivs weiter verfeinert und die wichtigsten Arten von Pegmatit-Erzgängen sowie deren geologische Position entschlüsselt werden. Die ersten Untersuchungsergebnisse zur Petrografie, Mineralogie und Geochemie der Chibinen veröffentlichten Fersman und seine Mitarbeiter bereits 1923. Die Entdeckung der Apatitlagerstätten wurde 1928 mitgeteilt.

Die Bergbaugeschichte der Chibinen begann 1928, als V. I. Vlodavets die erste industrielle Bewertung der Apatitlagerstätten vornahm, welche die große industrielle Bedeutung der Lagerstätte demonstrierte. Kurz darauf wurde der „APATIT-Trust“ mit dem Ziel gegründet, Apatitkonzentrate herzustellen. Die gesamte spätere Geschichte der Untersuchungen der Chibinen und der industriellen Entwicklung der gesamten Kola-Halbinsel war mit der Tätigkeit des „APATIT-Trusts“ verbunden, der heute in „APATIT Joint-Stock Company“ („Apatit JSC“, ) umbenannt wurde. Von 1930 bis 1933 wurden zunächst nur die reichhaltigen gefleckten und gebänderten Erze im Tagebau abgebaut, doch im Jahre 1933 wurde ein unterirdisches Bergwerk aufgefahren. Es wurde in sowjetischer Tradition nach Sergei Mironowitsch Kirow, einem wichtigen sowjetischer Staats- und Parteifunktionär, als „Kirow-Bergwerk“ () benannt.

„APATIT JSC“ ist eine Tochter der PhosAgro-Gruppe (), einem russischen Düngemittelhersteller mit Firmensitz in Moskau und derzeit größter Europa|europäischer Hersteller von Phosphat-Düngern.

Geologie

links|mini|300px|Geologische Übersichtskarte der Chibinen mini|300px|Vertikalschnitt durch die Lagerstätte Kukiswumtschorr Die Chibinen gelten als größte Nephelinsyenit-Intrusion und als eines der größten Alkaligesteinsgebiete der Welt der Welt. Das gesamte Massiv stellt eine komplizierte, mehrphasige Intrusion dar, weist variszisches Alter auf und ist in archaische Granitgneise, Schiefer und proterozoische vulkanosedimentäre Gesteine entlang steiler Außenkontakte eingebettet, die mit geophysikalischen Methoden bis in eine Tiefe von 7 km verfolgt wurden. Während der Intrusionsphasen bewegte sich das Zentrum der magmatischen Aktivität von West nach Ost, wodurch auch die hufeisenförmige Ausbildung der beiden Massive entstand.

Aus den Chibinen wurde eine größere Zahl neuer Gesteinsarten beschrieben, wobei viele Bezeichnungen – oft von lokalen Namen abgeleitet – von Wilhelm Ramsay eingeführt wurden. In den meisten Fällen handelt es sich um verschiedene Varietäten von Nephelinsyeniten, wozu Chibinit, Lujavrit, Foyait, Ijolith, Malignit, Melteigit, Rischorrit, Turjait und Urtit zählen. Die frühesten Intrusionen sind alkalische und nephelinische Trachyte und Rhomben- und Nephelinporphyre, die im westlichen Teil des Massivs einen steil einfallenden Körper mit einer Mächtigkeit von 0,5 km bilden. Die acht verschiedenen Zonen des Komplexes können – ausgehend von der Peripherie bis zum Zentrum – wie folgt beschrieben werden: Alkalisyenite (Umptekit) und Nephelinsyenite → massive und trachytische Khibinite → Rischorrite (Biotit-Nephelinsyenite), Ijolithe, Urtite, Apatit-Nephelin-Gesteine → Melteigite, Ijolithe und Urtite → heterogene Nephelinsyenite und Foyaite → Karbonatite.

Die ausgedehnten, spätmagmatischen Apatit-Akkumulationen der Chibinen sind räumlich und genetisch mit der Intrusion der Ijolith-Urtite verbunden. Diese Gesteine sind entlang der Grenze des äußeren Chibinit- und inneren Syenitkomplexes eingedrungen. Das Apatitgestein tritt in großen, linsenförmigen Körpern am Kontakt der stratifizierten Ijolith-Urtite (Liegendes) und Rischorrite (Hangendes) auf. Die Apatitlagerstätten befinden sich im südwestlichen Bogen des Massivs, wo sie einen zusammenhängenden Lagerstättengürtel von 11 km streichender Länge und 2 km in der Richtung ihres Einfallens bilden. Der Apatitkörper kann in zwei verschiedene Zonen unterteilt werden, von denen die obere reicher mineralisiert ist als die untere, deutlich ärmere Zone. Die qualitative mineralische Zusammensetzung ist mit Apatit, Nephelin, Aegirin, Feldspat und Titanit in beiden Zonen identisch. Sie unterscheiden sich jedoch im quantitativen Anteil der einzelnen Minerale sowie im Gefüge. So existieren Erze, die fein- bis grobkörnig, fleckig oder gebändert sind. Illustrationen zur Textur und zum Gefüge der der verschiedenen Erze in den Chibinen existieren u. a. in den Arbeiten von Victor N. Yakovenchuk und Kollegen sowie Gregory Yu. Ivanyuk und Kollegen.

Lagerstätte Kukiswumtschorr mini|300px|Übersichtsaufnahme von Lagerstätte und Bergwerk Kukiswumtschorr Derzeit stehen in den Chibinen sieben Apatitlagerstätten in Förderung: „Kukiswumtschorr“ mit „Kirow-Schacht“, „Juksporr“, „Apatitowy Zirk“, „Raswumtschorr Plateau“ mit dem Centralnij-Tagebau, „Koaschwa“ mit dem Tagebau „Wostotschny“, „Njorkpachk“ und „Oleni Rutschej“. „Kukiswumtschorr“ wurde als erste entdeckt und ist damit die älteste Apatit-Nephelin-Lagerstätte der Chibinen, steht aber immer noch in Förderung. Ihr geologischer Aufbau ist – verglichen mit den östlicher gelegenen Lagerstätten – einfach, aber besonders typisch (vgl. dazu den nebenstehenden Vertikalschnitt durch die Lagerstätte).

mini|links|Apatit-Nephelin-Erz aus den Chibinen Die Apatit-Nephelin-Lagerstätte Kukiswumtschorr wurde 1921 von einer Gruppe von Geologen unter der Leitung von Akademiemitglied Alexander Jewgenjewitsch Fersman entdeckt, als im Tal am Südhang des Berges reiche Apatiterze gefunden wurden. Die Lagerstätte besteht aus Apatit-Nephelin-Gesteinen in einer großen linsenförmigen Struktur, die mit 26° bis 32° nach Nordosten einfällt. Sie ist an der Nordflanke 40 m und im Süden bis zu 180 m mächtig und weist eine streichende Länge von 1850 m auf. Die Linse besitzt eine zonierte Struktur, bei der der Apatitgehalt vom liegenden Kontakt mit dem Urtit des Nebengesteins zum oberen Kontakt im Hangenden zunimmt. Vom Liegenden zum Hangenden wechselt die Zonierung von apatithaltigem Urtit über retikulierte, dann linsenförmige, gebänderte, blockförmige (etwa 27 Gew.-% P2O5), fleckige und brekziierte (etwa 17 Gew.-% P2O5) Apatit-Nephelin-Gesteine („Apatiterze“) hin zum hangenden Kontakt mit Feldspaturtit, Malignit und Rischorrit, der durch eine dünne Zone aus titanitreichem Gestein gekennzeichnet ist. Eine zweite parallele, 5 bis 30 m breite Linse aus Apatit-Nephelin-Gesteinen befindet sich etwa 10 bis 50 m unterhalb des Haupterzkörpers.