Hans Lenk (* 23. März 1935 in Berlin; † 30. Juli 2024 in Karlsruhe) war ein deutscher Ruderer, Philosoph und Hochschullehrer. Er war Professor am Institut für Philosophie an der Universität Karlsruhe (KIT).Trauer um Hans Lenk. In: FAZ, erschienen am 31. Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024.
Leben Nach dem Abitur an der Lauenburgischen GelehrtenschuleRudertraum am Ratzeburger Seefestvortrag von Hans Lenk zum 50-jährigen Jubiläum des Ratzeburger Ruderclubs, aufgerufen 24. Mai 2010. studierte Lenk Mathematik, Philosophie, Soziologie, Sportwissenschaft und Psychologie in Freiburg im Breisgau und Kiel. Er war zudem Ruderer (Ratzeburger Ruderclub), wurde zweimal Europameister, viermal Deutscher Meister und gewann bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom mit dem von Karl Adam trainierten Deutschland-Achter die Goldmedaille. Adam war schon in der Schule sein Lehrer gewesen. In den 1960er Jahren war er in Berlin selbst als Rudertrainer tätig und errang als Trainer eine Weltmeisterschaft (Achter 1966).
Nach seiner Promotion in Kiel 1961 und Habilitation (in Philosophie und Soziologie) an der TU Berlin lehrte Lenk zunächst in Berlin, bis er 1969 einem Ruf auf den Lehrstuhl für Philosophie an der Universität Karlsruhe folgte. Lenk wurde 1981 in die National Academy of Kinesiology, 1995 in die Internationale Akademie für Philosophie der Wissenschaften und 2003 in die Russische Akademie der Wissenschaften berufen. Nach seiner Präsidentschaft der Allgemeinen Gesellschaft für Philosophie in Deutschland (1990–1993) wurde er Vorstandsmitglied der Weltgesellschaft für Philosophie FISP (1993–2008) und war deren Vizepräsident (1998–2003). 2005 wurde Lenk als erster Deutscher zum Präsidenten des Institut International de Philosophie (der „Weltakademie“ des Faches) gewählt.
Neben Fragen der angewandten Philosophie (Wissenschaftstheorie, Moral-, Technik-, Sozial-, Sport- und Wirtschaftsphilosophie) lag ein Schwerpunkt von Lenks Philosophie in der Theorie der Interpretationskonstrukte. Hiernach haben wir immer nur mittels Interpretationen Zugang zur Welt, es gibt keine nichtinterpretative Beschreibung der Welt. Die Interpretation geschieht immer durch sogenannte Schemata, die formierende Grundlage unserer Erkenntnis und Handelns sind. Diese Unhintergehbarkeit der Interpretation führt nach Lenk jedoch zu keinem Relativismus, sondern zu einem pragmatischen Realismus. Lenks hat Parallelen mit Hilary Putnams Konzeption des internen Realismus, ist aber stärker sozialpsychologisch, sozialphilosophisch und neurowissenschaftlich orientiert. Er hat Studien verfasst zu „Interpretationskonstrukten“, zu systematisierten Verantwortungstypen und -stufen, zur „Eigenleistung“ und zur „konkreten Humanität“.
Lenk hat auch Bücher zur Sozialphilosophie, Philosophie des Geistes und der Wissenschaftstheorie geschrieben. Seine Publikationsliste umfasst fast 150 Bücher (davon etwa 30 zum Thema Sport) und insgesamt über 3000 Titel. 2013 erschien sein autobiografisches Werk Ratzeburger Goldwasser – vom Lago Albano bis Lambarene, in dem er auf sein Leben als Sportler und Geisteswissenschaftler zurückblickt. Der WorldCat hat 668 Werke von/über ihn.Abfrage bei WorldCat, aufgerufen am 24. Nov. 2019. Aus Anlass seines 75. Geburtstages wurde er durch eine internationale Festschrift geehrt.Renate Dürr: Pragmatisches Philosophieren: Festschrift für Hans Lenk. Münster: Lit. ISBN 978-3-8258-7131-4
Lenk ist neben vielen Auszeichnungen Träger des erstmals 2010 verliehenen DOSB-Ethikpreises, eine Ehrung, die besondere Verdienste um die Förderung der ethischen Werte im Sport würdigt. 2012 wurde Hans Lenk in die Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen. Auch mit 85 Jahren befand er sich im annähernd täglichen sportlichen Training.Arnd Krüger: Hans Lenk zum 85. Geburtstag. Leistungssport 50 (2020), 4, 30–31; mit Foto von Hans Lenk Am 30. Juli 2024 starb Lenk im Alter von 89 Jahren in Karlsruhe.
Im Film Adams Acht von Hannu Salonen wurde Hans Lenk von Felix Kammerer verkörpert.
Schriften Zu seinen wichtigsten Werken zählen die Bücher:
Neuere Veröffentlichungen:
Auszeichnungen Silbernes Lorbeerblatt des Bundespräsidenten 1959, 1960 Wiss. Diem-Plakette 1962 Sievert-Preis (Olympian International) 1972/3 Noel Baker Research Prize (UNESCO) 1978. Outstanding Academic Book Award (USA) 1979. Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland, 2005Vom Ruder-Olympiasieger zum Philosophen: Hans Lenk 75 Jahre auf rudern.de Neun Ehrendoktortitel (u. a. Moskau, Budapest, Pécs, Rostow/Don, Córdoba/Arg., DSHS Köln), den zehnten wird Hans Lenk nach eigenen Aussagen während einer Griechenland-Reise im November 2023 von der "Olympia-nächsten Uni" Patras entgegennehmen. Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften 2003 Ehrenpräsident des Institut International de Philosophie 2008 International Plato Award 2010. DOSB-Ethikpreis 2010 Hall of Fame des deutschen Sports 2012 Ehrenbürger des Karlsruher Instituts für Technologie 2021Jahresbericht 2021 des Karlsruher Instituts für Technologie, S. 105
Weblinks
„Der Kopf ist hauptsächlich zum Denken da“ – Karlsruher „Philosophie des Gehirns“ wird Bestseller. (Onlinevorlesungen im DIVA der Uni Karlsruhe) Wissenschaftsethik und Technikethik: Vortrag am 10. November 2005 (Onlinevorlesungen im DIVA der Uni Karlsruhe)
Einzelnachweise
Kategorie:Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes Kategorie:Träger des Silbernen Lorbeerblattes Kategorie:Hochschullehrer (Karlsruher Institut für Technologie) Kategorie:Philosoph (20. Jahrhundert) Kategorie:Philosoph (21. Jahrhundert) Kategorie:Ruderer (Deutschland) Kategorie:Olympiasieger (Rudern) Kategorie:Europameister (Rudern) Kategorie:Deutscher Meister (Rudern) Kategorie:Olympiateilnehmer (Deutschland) Kategorie:Teilnehmer der Olympischen Sommerspiele 1960 Kategorie:Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Ehrendoktor einer Universität Kategorie:Ehrendoktor einer Universität in Argentinien Kategorie:Ehrendoktor einer Universität in Russland Kategorie:Ehrendoktor einer Universität in Ungarn Kategorie:Ehrendoktor der Deutschen Sporthochschule Köln Kategorie:Absolvent der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Kategorie:Mitglied der Hall of Fame des deutschen Sports Kategorie:Ehrenbürger des Karlsruher Instituts für Technologie Kategorie:Sportler (Ratzeburg) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1935 Kategorie:Gestorben 2024 Kategorie:Mann