Der Galatische Vulkankomplex (Köroğlu-Işık Dağları) ist eine langgestreckte, partiell vulkanische Gebirgsregion südlich der Nordanatolischen Verwerfung im Inneren des westlichen Schwarzmeergebietes in der Türkei zwischen dem Sakarya-Tal um Bilecik im Westen und der Kızılırmak-Kurve um Osmancık im Osten. Sie bildet den Übergang zwischen Zentralanatolien und der westlichen Schwarzmeerregion.
Generelles zur Lage links|mini|Die Flugaufnahme zeigt mit Blick nach Norden die Sommersiedlungsgebiete von Kızık-Yayla auf dem Aladağ-Massiv südlich Bolu (Bolu Ovası am oberen linken Bildrand) mini|Auf den weitgespannten Hochflächen des Aladağ-Massivs in den Körgoğlu Dağları südlich Bolu liegen ausgedehnte seit Jahrhunderten genutzte Sommerweidegebiete (Yayla) der tiefer gelegenen Dörfer, wie Değirmenözü-Yayla oder Kızık-Yayla. Im Hintergrund der Anstieg zum Skigebiet Kartalkaya mini|Die Flugaufnahme zeigt (mit Blick von Süden) das von Nadelwäldern eingefasste Wintersportgebiet von Kartalkaya in den Köroğlu Dağları auf dem Aladağ-Massiv südlich Bolu. Am oberen Bildrand das Becken von Bolu. Im unteren linken Bildbereich erkennt man regelmäßig geformte Aufforstungsgebiete.
Zwischen dem tief eingeschnittenen Durchbruchstal des Sakarya Nehri bei Osmaneli im Westen und der breiten Talaue des Kızılırmak im Becken von Osmancık (Osmancık Ovası) im Osten bildet der Galatische Vulkankomplex der Köroğlu-Işık Dağları (oft auch nur Köroğlu Dağları genannt) südlich der Nordanatolischen Verwerfung als äußerster südwestlicher Ausläufer des Nordwestanatolischen Randgebirges einen über 400 km langen und bis zu 60 km breiten Gebirgskörper innerhalb des westlichen Pontischen Gebirges in der Türkei. Sein vulkanisches Zentrum aus andesitischen Lavagesteinen und Tuffen eozänen bis pliozänen Alters, in der Literatur unter wechselnden Namen als Galata-Massiv (türkisch: Galatya Masifi), Galatische Masse (türkisch: Galatya kütlesi), Galata Komplex, galatisches Andesitgebiet, oder galatischer Vulkanit-Komplex (englisch: Galatian Volkanic Complex) bezeichnet, nimmt eine über 8000 km² große Fläche zwischen Ankara, Beypazarı, Bolu und Çerkeş ein.
links|mini|Die Köroğlu Dağları gelten als die letzte deutliche Barriere für feuchte Luftmassen von Nordwesten aus dem Schwarzmeergebiet Richtung Inneranatolien. Entsprechend wald- und niederschlagsreich zeigen sich die markant von 700 m auf über 1500 m ansteigenden nördlichen Partien des Aladağ-Massiv unmittelbar südlich von Bolu.
Seine höchste Erhebung ist der Köroğlu Tepesi (2400 m) auf dem Aladağ-Massiv (türkisch: Aladağ Kütlesi) südlich von Bolu (nicht zu verwechseln mit dem Aladağ in der türkischen Provinz Ağrı oder den Aladağlar im Antitaurus). An seinem Nordnordwestfuß liegt das bekannte von Nadelwäldern umgebene Wintersportzentrum Kartalkaya Kayak Merkezi. Die Köroğlu Dağları gelten als die letzte deutliche südliche Barriere für feuchte Luftmassen von Nordwesten aus dem Schwarzmeer-Gebiet Richtung Inneranatolien. Entsprechend wald- und niederschlagsreich zeigen sich ihre markant von 700 m auf über 1500 m ansteigenden nördlichen Partien im Aladağ-Massiv unmittelbar südlich von Bolu. Dagegen macht sich zum Südrand der Köroğlu-Işık Dağları hin die zunehmende Trockenheit auf der Leeseite des Gebirges deutlich am lichteren Baumbestand bemerkbar. Bis noch vor wenigen Jahren galten die einsamen Hochflächen der zentralen Köroğlu-Işık Dağları zwischen Bolu im Norden und Beypazarı im Süden als landschaftlich eindrucksvoller Geheimtipp, ehe man Anfang des 21. Jahrhunderts auf türkischer Regierungsseite begann, das dortige landschaftliche, geothermische und hydrologische Potential touristisch in Wert zu setzen.
Köroğlu Dağları – Namensherkunft links|mini|Zum Südrand der Köroğlu-Işık Dağları hin macht sich die zunehmende Trockenheit auf der Leeseite des Gebirges deutlich am lichteren Baumbestand bemerkbar. Im Hintergrund die von Schnee bedeckten Höhen des 2400 m hohen Vulkans Köroğlu Tepesi.
Köroğlu (übersetzt „Sohn des Blinden“) ist ein nach seinem Protagonisten benanntes zentralasiatisches Epos aus der Zeit der Jahrhundertwende des 16./17. Jahrhunderts (ca. 1550 – ca. 1670). Köroğlu war Volksdichter und Barde und galt als Symbolfigur des Freiheitskampfes, der während der Herrschaft von Murats III. (1574–1595) mit der osmanischen Armee an den Perserkriegen (1578–1584) teilnahm. Er ist in diesem Zusammenhang eine Gestalt auch der türkischen Volksliteratur Anatoliens und verkörpert die Figur des edlen Räubers und Volkshelden à la Robin Hood, in dem verschiedene heldenhafte Figuren zu einem mystischen Idol verschmelzen: Hinter dem „türkischen“ Epos steht zum einen ein nachweislich gelebter revolutionärer Anatolier der Celali-Aufstände im Widerstand gegen die Safawiden unter Schah Abbas I. Zum anderen agiert in der bei der türkischen Bevölkerung bekanntesten Version ein Held aus Bolu namens Ruşen Ali als Hauptfigur. Sein Spitzname Köroğlu (Sohn eines Blinden) soll darauf zurückzuführen sein, dass ein osmanischer Pascha (Bolu Bey) seinen Vater Yusuf blenden ließ, worauf Köroglu als Widerständler in die Berge (Köroğlu Dağları) ging und schwor, seinen Vater zu rächen. Er stand somit als Rebell gleichzeitig gegen zwei der damals herrschenden großen Dynastien in der muslimischen Welt.
Zur Forschungsgeschichte Die Köroğlu-Işık Dağları wurden zuerst von Richard Leonhard als Galatia-Massiv in die wissenschaftliche Literatur eingeführt. Obwohl die Geologen V. Stchepinsky, N. Stefansky und E. Lahn später in den 1960er Jahren geologische Karten der Gebiete des Massivs erstellten, erregten diese Krater damals weder ihre Aufmerksamkeit noch ihr Interesse. Richard Leonhard sprach von den caldera-ähnlichen Eruptionszentren auf den Köroğlu Dağları, und Besim Darkot vermutete, dass es sich dabei um ein Kar handelte.
Die erste genauere Untersuchung lieferte Oğuz Erol Mitte der 1950er Jahre. Anfang der 1960er Jahre vermerkte dann Nazario Pavoni, dass die mächtige vulkanischen Masse, das sogenannte Galatische Andesit-Massiv (Köroğlu – Işık Dağları von heute) zwischen Ankara und Bolu angeblich «senonischen Alters» (Senon, Kreidezeit, heute Santonium, Campanium und Maastrichtium) sei, die ursprünglich mit der von tertiären Graniten und Granodioriten, andesitischen Laven und Tuffen durchsetzten gewaltigen Masse südlich von Ordu-Giresun altersmäßig und petrographisch-lithologisch eine Einheit gebildet hätte, ehe sie durch die nordanatolische Verwerfung abgetrennt wurde. Allerdings bestehen die Ordu-Giresun-Massive (Oberkreide) als östliche Teile des pontischen Gebirgszuges und 350 km entfernt hauptsächlich aus oberkretazisch-alttertiären, submarin eruptierten und gefalteten Laven und Tuffen, während die Galatische Masse (Köroğlu-Işık Dağları) in der Hauptsache aus den jungtertiären, andesitisch-basaltischen Lavadecken eines Oberflächenvulkanismus besteht, der die oberkretazisch-alttertiären Schichten durchstoßen hat. Etwa ein halbes Jahrzehnt später schreibt Öner Gümüş, der die Gegend von Kızılcahamam nordwestlich Ankara eingehend untersuchte, dass die Galatische Masse größtenteils aus neogenen Vulkaniten bestehe.
Obwohl dieses vulkanische Massiv der Köroğlu-Işık Dağları zwischen Ankara und Bolu unweit und sogar durchschnitten von den Fernstraßenverbindungen zwischen der neuen türkischen Hauptstadt Ankara und der alten Metropole Istanbul liegt, waren ihre abgelegenen Gebiete aufgrund ihrer relativ steilen und bewaldeten Natur noch bis in die 1960er Jahre kaum erforscht. Selbst während der geologischen Untersuchungen Oğuz Erols im Auftrag des Mineral Research and Exploration Institute (M.T,A. Maden Tetkik ve Arama Genel Müdürlüğü) erwähnte niemand ihm gegenüber die beiden großen Vulkankrater in den Köroğlu Dağları, ehe er sie selbst dort als solche erkannte. Das damals geringe Forschungsinteresse des Staates an der Region erkennt man auch an der Entwicklung des Thermalbad-Ortes Kızılcahamam:
Die Geschichte der heißen Quellen von Kızılcahamam reicht bis in die Zeit des Römischen Reiches zurück. Ruinen der alten römischen Thermenlagen neben dem großen neuen Kurbad zeigen zwei große Becken und ein großes Depot für das aus dem Untergrund kommende Thermalwasser. Die römische Anlage, die bis Anfang der 1940er Jahre aufgrund jahrhundertelanger Renovierungen immer wieder aktiv genutzt worden war, hatte man mit der Eröffnung der Großen Therme 1941 ihrem Schicksal überlassen. Ali Cevad Efendi erwähnte noch 1895 in seinem Werk „Memâlik-i Osmaniyye'nin Tarih ve Coğrafya Lügatı“ die heißen Quellen in Kızılcahamam und dass viele Menschen aus Ankara und den umliegenden Provinzen dorthin kamen, um sich behandeln zu lassen und in Gasthäusern mit 60 Zimmern zu übernachten. Davon ist später offensichtlich aber keine Rede mehr. 1739 war zwar im Tal der heutigen Kasaba Kızılcahamam bereits eine warme Quelle bekannt gewesen, aber auch 1849 hatte es dort erst eine Hütte gegeben. Bis 1894 waren dann zwei Badehäuser, mehrere Wohnhäuser (Familien) und 10–15 kleine Hütten für Fremde hinzugekommen, und 1 km talabwärts hatte sich ein Dorf mit 6 Behausungen entwickelt. Zwischen 1927 und 1945 wurde das inzwischen gebildete Nahiye-Zentrum Kızılcahamam zum Kreiszentrum, so dass der Ort 1970 bereits 6017 Einwohner verzeichnete. Erst der Besuch Atatürks dort am 16.–17. Juli 1934 hatte den Anschub für die spätere Entwicklung gebracht.
links|mini|Die Flugaufnahme zeigt den Trassenverlauf der in den 1990er Jahren im Bau befindlichen Autobahn Istanbul-Ankara durch die Köroğlu Dağları südlich von Gerede im Nordteil der Bayındır-Depression. Rechts am mittleren Bildrand erkennt man die westlichen Ausläufer des Ovacık-Kraters. mini|Die Flugaufnahme zeigt den Thermalbad-Ort Kızılcahamam (linke untere Bildecke) mit Eğretkaya-Talsperre (Bildmitte) und den Verlauf der Fernstraße D755 im Tal des Bulak Çayı in Richtung Gerede (linke Bildseite zum oberen Bildrand).
Das vulkanische Hinterland mit seinem geothermischen Potential allerdings blieb von der Entwicklung unberührt und war lange kaum bekannt. Erst nach der Erschließung der Thermalquellen von Kızılcahamam und der Gründung 1959 bzw. Erweiterung 1997 des dortigen Soğuksu Millî Parkı (Nationalpark Soğuksu) kam es zu intensiveren Forschungen zu Vulkanismus und Thermalquellen in der Region. Inzwischen wird die Gegend aufgrund der in den 1990er Jahren trassierten Autobahn zwischen Bolu/Gerede und Ankara täglich von Tausenden von Reisenden mehr und mehr benutzt, wodurch eine sehr abwechslungsreiche Landschaft mit vielen Erosionsmerkmalen der Öffentlichkeit nähergebracht wird. 2011 wurde ein 2000 km² großer Teil des Galatischen Vulkankomplexes von den autorisierten türkischen Institutionen als Geo-Schutzgebiet namens Kızılcahamam-Çamlıdere Geopark mit drei „Geosites“ eingerichtet, um die Umweltbedingungen des Miozäns und die sedimentären Reaktionen auf einen langfristigen, großräumigen Vulkanismus während der neotektonischen Periode zu demonstrieren: Ein versteinerter Wald in der Nähe des Dorfes Pelitçik, Basaltsäulen und eine Seeabfolge mit Blatt-, Fisch- und Insektenfossilien.
Geologisch-tektonische Hintergründe zentriert|mini|650x650px|Die Karte zeigt die wichtigsten Strukturen des Galatischen Vulkankomplexes (Köroğlu-Işık Dağları)