Modaladverbial oder Modalbestimmung ist in der deutschen Grammatik eine Bezeichnung für eine Bedeutungsklasse der Adverbiale, also einer Funktion von Satzgliedern. Der enthaltene Wortbestandteil „modal“ ist für sich genommen mehrdeutig. In der Germanistik bezieht sich die Bezeichnung Modaladverbial in der Regel auf „Modus“ im Sinne von „Art / Verfahrensweise“ (gemeint ist dann also nicht Modalität im Sinne von Möglichkeit oder Notwendigkeit). Modaladverbiale in diesem Sinn machen Angaben zur Art und Weise oder zur Intensität eines Vorgangs oder zu einigen weiteren verwandten Bedeutungskategorien. Die genaue Anzahl der Unterklassen wird unterschiedlich angegeben; jedenfalls ist der Begriff weiter gefasst als „Art und Weise“, nicht deckungsgleich damit.
In manchen Grammatiken begegnet ein ähnlich gelagerter Begriff modifikatives Adverbial, der enger eingegrenzt ist, aber auch nicht ausschließlich Art und Weise betrifft.
Wie es für Adverbiale generell der Fall ist, sind Modaladverbiale über ihre Bedeutungsfunktion definiert und können Ausdrücke verschiedener Wortarten umfassen. Häufig sind in dieser Funktion Präpositionalphrasen („mit großer Sorgfalt“), Nebensätze (sogenannte Modalsätze, z. B. „wie es sich gehört“) oder Adjektive („schnell, sorgfältig“ wie in „schnell/sorgfältig arbeiten“). Als Modaladverb (ähnlich: modifikatives Adverb) bezeichnet man ein Einzelwort gleichartiger Funktion, das im Gegensatz zu Adjektiven unveränderlich ist und sich auch sonst keiner anderen Wortart eindeutig zuordnen lässt, z. B. „flugs, blindlings, gerne“.
Mehrdeutigkeit der Bezeichnung
Hauptsächlich wird die Bezeichnung Modaladverbial in einem Sinn verwendet, in dem modal sich von einem lateinischen Wort für „Art und Weise“ herleitet.So in: Duden. Die Grammatik. 8. Auflage. Dudenverlag, Mannheim 2009, Randnr. 1192 / S. 784. – Auch: 10. Auflage 2022, Randnr. 864 / S. 516f.Helmut Glück (Hrsg.): Metzler Lexikon Sprache. 4. aktualisierte u. überarbeitete Auflage. Verlag J. B. Metzler, Stuttgart u. Weimar 2010, ISBN 978-3-476-02335-3. Lemma: „Modalbestimmung“ S. 433. In diesem Verständnis ergeben sich die weiter unten aufgeführten Untergruppen von Bedeutungen.
In geringerem Maß finden sich in der Literatur jedoch auch Verwendungen des Terminus „Modaladverbial“, mit der Begriffe der Modalität gemeint sind, etwa: „vielleicht, sicherlich, mit Sicherheit“ etc. (dies beruht auf einem anderen Sinn des Adjektivs modal, so wie er auch in den Wörtern „Modalverb“ oder eben „Modalität“ auftritt). Diese letztere Verwendung findet sich insbesondere bei einigen Autoren, die in der Tradition der IDS-Grammatik von Zifonun, Hoffmann et al. (1997)Gisela Zifonun, Ludger Hoffmann, Bruno Strecker (& al.): Grammatik der deutschen Sprache. Walter de Gruyter, Berlin 1997, ISBN 3-11-014752-1. Siehe S. 2302 für „Modaladverbiale“ im Sinne von Adverbialen der Modalität. stehen (wo die Modaladverbiale im Sinne dieses Artikels dagegen als „modifikative Adverbiale“ bezeichnet werden). Dieser Sprachgebrauch bewirkt allerdings, dass in der Fachliteratur zwei Bedeutungen kursieren, die in genau entgegengesetzte Adverbialklassen fallen: Modaladverbiale in der Standardbedeutung sind verbbezogene bzw. Situationsadverbiale, im Gegensatz zu Adverbialbedeutungen der Möglichkeit/Notwendigkeit, die Satzadverbiale sind.
Im vorliegenden Artikel wird nur die Deutung von „Modaladverbial“ als „Art und Weise und Verwandtes“ zugrunde gelegt.
Formtypen
Die Bezeichnung Adverbial und insbesondere daher „Modaladverbial“ schließt beliebige Formen und Wortarten von Ausdrücken ein: Präpositionalphrasen, z. B. „mit hohem Tempo“, Nominalphrasen, z. B. „stolz erhobenen Hauptes (davongehen)“ (hier im adverbiellen Genitiv), Adverbialsätze, insbesondere hier Modalsätze: „...indem man mit dem Hammer draufhaut“, Adverbien: „blindlings, gerne“, Adjektive: „sorgfältig, schnell“. Die letzteren Beispiele gehören nicht zur Wortart Adverb, weil diese Wörter flektierbar sind, vgl.: „schnelle Fahrt, sorgfältige Arbeit“. Es handelt sich also um Adjektive in adverbialer Funktion (siehe unter Adverb #Adverb und Adjektiv). Als Modaladverb bezeichnet man vor diesem Hintergrund also nur Einzelwörter, die als Modaladverbial dienen können und sich keiner anderen Wortart eindeutig zuordnen lassen.
Die verschiedenen bedeutungsmäßigen Unterklassen unterscheiden sich darin, in welchem Ausmaß die verschiedenen Formtypen darin vorkommen.
Unterteilung der Bedeutungstypen
Modaladverbiale werden nach Bedeutungseigenschaften in verschiedene Untergruppen aufgeteilt. Eine allgemeine Charakterisierung, durch welche Eigenschaften diese Untergruppen zusammengehalten werden, bleibt in der Literatur oft aus, so dass die Modaladverbiale gegenüber den anderen Adverbialklassen eher als eine Restklasse erscheinen: Modaladverbiale sind dann Umstandsbestimmungen, die weder temporale, lokale noch kausale Bedeutung haben.
In jedem Fall handelt es sich um enger auf das Verb bezogene Angaben zu Eigenschaften von Ereignissen oder Zuständen, im Gegensatz zu den Satzadverbialen (wie „vielleicht, ehrlich gesagt“, die die Wahrheit/Falschheit oder Gewissheit der Aussage modifizieren oder auf die Äußerung als Sprechakt zielen) sowie zu den textbezogenen Adverbialen (wie z. B. „folglich“). Im Unterschied zu all diesen können Modaladverbiale meistens mit dem Fragewort „wie“ erfragt werden.Dudengrammatik 10. Auflage 2022, Randnr. 864 / S. 516 unten.
Art und Weise
Für den Untertyp „Art und Weise“ wird in der Fachliteratur eine einheitliche Definition oft ebenso wenig versucht wie für die Kategorie der Modaladverbiale als ganze. Statt einer Definition werden oft wiederum Untertypen aufgelistet oder nur leichter definierbare Bedeutungstypen dagegen abgegrenzt.So etwa das Vorgehen in Estelle Moline, Dejan Stosic: L'expression de la manière en français. Edition Ophrys, Paris 2016, ISBN 978-2-70801-461-9. Vgl. Kapitel 1.
Manchmal wird versucht, die Art-und-Weise-Modifikation damit zu erfassen, dass dadurch gewisse natürliche Arten von Ereignissen (event kinds) gebildet werden,Meredith Landman, Marcin Morzycki: Event-kinds and the representation of manner. In Nancy Mae Antrim, Grant Goodall et al. (eds.): Western Conference on Linguistics (WECOL), Vol. 14, S. 136–147. California State University, Fresno 2003. Das nachfolgende Beispiel entspricht dort Bsp. (28). somit untergeordnete Eigenschaften zu der Eigenschaft von Ereignissen, die die Verbbedeutung angibt. Dies steht dann im Gegensatz zu Maßangaben, Begleitumständen oder Lokalisierungen, die nur Angaben hinzufügen statt Unterarten zu bilden. Es fällt allerdings auf, dass vor allem manche Adverbiale, die äußerlich wie Lokaladverbiale aussehen, in ihrem Verhalten in den Bereich der Art und Weise hinüberreichen: „Sie schläft im Schlafsack.“ (Frage: „wie?“ / evtl.: „worin?“ / nicht unbedingt: „wo?“)
Eine Möglichkeit, Untertypen der Art und Weise zu unterscheiden, richtet sich danach, ob neben der Verbbedeutung auch noch auf einen bestimmten Teilnehmer der Situation Bezug genommen wird:Olivier Bonami, Danièle Godard, Brigitte Kampers-Manhe: Adverb Classification. In François Corblin, Henriette de Swart (eds.): Handbook of French Semantics. CSLI Publications, Stanford CA 2004, S. 143–184. Siehe Abschnitt 11.6; der hier unten verwendete Terminus „verbbezogen“ entspricht dort dem Typ „V-adverbs“, Abschnitt 11.6.4. agentiv Adverbiale, die den Vorgang im Hinblick darauf beschreiben, wie das Subjekt seine Handlung plant oder betreibt: „sorgfältig arbeiten“, „vorsichtig umrühren“. mental/emotional Adverbiale, die eine psychische Komponente nennen, mit der das Subjekt seine Handlung begleitet: „ruhig und gelassen antworten“, „traurig schauen“, „freudig mit dem Schwanz wedeln“. resultativ Adverbiale, die sich auf ein Resultat des Ereignisses und zusätzlich auf ein grammatisches oder mitverstandenes Objekt, etwa einen resultierenden Gegenstand, beziehen: „den Text ordentlich abschreiben“vgl. das Beispiel von Pittner S. 96 unten (= die Abschrift des Texts ist ordentlich), „sich elegant kleiden“ (= die Kleidung, die man anlegt, wirkt elegant), „tief graben“ (= das Loch, das man gräbt, ist tief). rein verbbezogen Adverbiale, die nicht zusätzlich auf Eigenschaften bei einem Teilnehmer verweisen, sondern nur auf Parameter der Verbbedeutung: „laut sprechen“, „schön singen“.
Angaben der Art und Weise erfolgen am häufigsten durch adverbiell gebrauchte Adjektive: „schnell fahren“, „sorgfältig arbeiten“ etc. Oft können hierzu auch Varianten mit Präposition und Substantiv gebildet werden: „schnell“ = „mit hohem Tempo“, „sehr sorgfältig“ = „mit großer Sorgfalt“. Ein anderer häufiger Typ von Präpositionalphrasen der Art und Weise sind solche, die die Substantive „Art“ bzw. „Weise“ explizit benutzen: „Er tanzt auf ziemlich unbeholfene Art.“ – „Ihr Name wird von verschiedenen Leuten auf alle möglichen Weisen ausgesprochen.“
Beispiele für Adverbien mit einer Bedeutung der Art und Weise sind: „kopfüber, blindlings, jählings, eilends, hinterrücks“. Ferner gibt es Nebensätze, die eine Art und Weise bezeichnen. Der häufigste Typ ist ein Nebensatz mit dem Relativadverb „wie“, z. B. „(so), wie die Lehrerin es ihr gezeigt hat“.Dudengrammatik (2022), S. 517 Seltener sind Art-und-Weise-Adverbiale, die aus einer Nominalphrase in einem Adverbialkasus bestehen, wie in: „Unsicheren Schrittes ging er auf sie zu“.
Instrumental
Unter der Rubrik Modaladverbiale werden oft auch Instrumentale aufgelistet.Dudengrammatik (2009), S. 784; Dudengrammatik (2022), S. 517Pittner 1999, S. 99f. Meist handelt es sich hierbei um Präpositionalphrasen, etwa „mit einem Hammer“. Einfache Adverbien dieses Typs werden in der Literatur zum Deutschen nicht genannt. Instrumentale Adverbialsätze können mit der Konjunktion „indem“ gebildet werden, hierbei ist die Abgrenzung von Bedeutungen der Art und Weise jedoch schwierig. Bei Präpositionalphrasen ist die Abgrenzung klarer, obwohl in beiden Fällen die Präposition „mit“ erscheinen kann: Bei „mit“ der Art und Weise erscheinen jedoch abstrakte Substantive, bei Instrumentalen (und Komitativen) konkretePittner S. 95. (vergleiche: „mit großer Sorgfalt / mit einem großen Hammer“).
In manchen Sprachen werden Instrumentale auch durch Deklinationsformen von Substantiven ausgedrückt, siehe den Artikel zum Kasus Instrumentalis. Die Einordnung besonders dieser Instrumentale ist unklar, da sie vielfach nicht als Umstandsangaben aufgefasst werden, sondern als Satzteile, die Teilnehmer des Ereignisses („Aktanten“ oder „Partizipanten“) einführen.Siehe z. B. Jean-Pierre Koenig, Gail Mauner, Breton Bienvenue: Arguments for Adjuncts. In: Cognition 89 (2003), S. 67–103. Dies deckt sich allerdings nicht mit der Unterteilung zwischen Adverbial und Objekt, daher ist es möglich, sie in einer formalen Klassifikation trotzdem als Grenzfall der Adverbiale aufzufassen.
Grad und Maß
Für die graduierende Untergruppe der Modaladverbiale ist vor allem die Wortart Adverb zuständig: „überaus, äußerst, einigermaßen, halbwegs, sehr, größtenteils, kaum, haufenweise“, sowie der Frageausdruck „wie (sehr)“.
Grad-Abstufung ist zwar typischer für die Wortart Adjektiv („groß / sehr groß / größer“), jedoch liegt auch manchen Verbbedeutungen eine Skala zugrunde, etwa eine Größenskala für die Veränderung bei „wachsen“: „Er ist sehr gewachsen“ (= Er ist sehr viel größer geworden). Graduierung bei Verben kann auch Intensivierung bedeuten, die Skala hierfür kann für viele Verbbedeutungen zumindest inferiert werden:Jens Fleischhauer: Graduierung nicht-skalarer Verben. In: Zeitschrift für Germanistische Linguistik. Vol. 46-2, 2018, S. 221–247. Siehe insbesondere S. 225 für die Unterscheidung Intensivierung vs. Ausmaß. „Er hat sehr gelitten.“ „Er hat sehr geschrien.“