mini|Das belagerte Ismael Die Belagerung von Ismael fand zwischen dem 20. November und dem während des Russisch-Türkischen Krieges im Süden der Moldau an der Donaumündung statt. Dabei wurde eine starke türkische Garnison in der Festung Ismael durch ein russisches Belagerungskorps unter General Alexander Suworow belagert. Mit Hilfe der Ruderflotte, die vom Dnjepr herangeführt wurde, konnte die Stadt schließlich zur Übergabe gezwungen werden.

Vorgeschichte mini|Übersichtskarte im Kampfraum Der Diplomatie der russischen Zarin Katharina II. gelang es bereits achtzehn Tage nach der Reichenbacher Konvention, den Krieg mit den Schweden zu beenden und am 14. August den Friede von Värälä abzuschließen. Die türkische Seite, die sowohl auf die Erschöpfung Russlands als auch auf den diplomatischen Druck Großbritanniens und Preußens hoffte, hatte es nicht eilig, die Feindseligkeiten einzustellen und glaubte noch an den eigenen Erfolg. Am schlossen die Österreicher mit dem Osmanischen Reich in Giurgiu einen Waffenstillstand ab, wodurch das noch allein kämpfende Russische Reich gedrängt wurde, den Krieg mit den Türken zu beenden.

Der russische Oberbefehlshaber in Bessarabien Feldmarschall Grigori Potemkin hatte den Sommer wie ein regierender Fürst der Moldau in Jassy und später in Bender zugebracht, umgeben von einem glänzenden Hof, aber militärisch zauderhaft und abwartend. Katharina drängte auf einen großen Sieg, um die Hohe Pforte zum Frieden zu zwingen. Zwischen dem steppenhaften Budschak und der Dobrudscha sollten am wichtigen Donau-Zulauf mehrere Belagerungen erfolgen, die Angriffe auf die türkischen Festungen Kilija, Tulcea, Isaccea (heute beide in Rumänien) und Ismail sollten gleichzeitig erfolgen, dazu wurde die am Dnjepr liegende russische Küstenflotte herangezogen.

mini|links|Kilija im 15. Jahrhundert Die russische Ruderflotte unter Generalmajor José de Ribas war durch widrige Winde an der Mündung bei Otschakow aufgehalten worden. Am 13. Oktober erreichte sie die Dnjestr-Mündung und vereinte sich mit der verbündeten Kosakenflottille unter Oberst Golovati. Am 18. sandte General de Ribas 12 leichte Schiffe an die Kilija-Mündung und ankerte selbst mit den Hauptstreitkräften der Flottille in größerer Entfernung vor Sulina am Donaueingang. Am 20. Oktober wurden im Morgengrauen die feindlichen Befestigungen erkundet und dabei zwei Batterien erkannt, hinter denen zusätzlich eine feindliche Fluss-Flottille patrouillierte. Für einen erfolgreichen Kampf gegen die türkischen Schiffe war es zunächst notwendig, die Batterien auszuschalten. General de Ribas übertrug diesen Auftrag seinem Bruder, Oberstleutnant Ribas, der die türkische Besatzung bei Nacht mit 600 Mann erfolgreich überwältigte. Oberstleutnant Ribas richtete die erbeuteten Geschütze gegen die gegenüber stehende feindliche Batterie, schwächte deren Feuer, ließ auf das rechte Ufer übersetzen, nahm die Batterie in Besitz und zwang dann die türkische Flottille zum Abzug. Die russischen Truppen hatten insgesamt 13 Geschütze erobert. Als sich das Wetter besserte, drang die Flottille von General Ribas in den Kilija-Arm ein. Oberst Anton Golovati konnte mit seiner Flottille am 23. Oktober bis vor Kilija kommen. Diesen Erfolg nutzend, schickte General de Ribas am 6. November einen weiteren Flottenteil unter Kapitän Achmatow nach Tulcea, wo 19 türkische Schiffe, quer über dem Arm gelegt, den Zugang versperrten. Oberstleutnant Ribas schiffte seine Grenadiere aus und überrumpelte auch diesen Platz am 7. November, dabei fielen 10 Kanonen und 240 Fässer Schießpulver in russische Hände.

mini|Anton Golovati, Ataman der Kosakenflottille mini|Jose de Ribas

Am 29. Oktober 1790 konnten die Landtruppen unter General Iwan Wassiljewitsch Gudowitsch und Möller-Sakomelski das befestigte Kilija erstürmen, die Ruderflotte unter General de Ribas konnte am 18. (7.) November Tulcea und am 24. (13.) November Isaccea besetzen. Potemkin informierte seine Zarin über die Einnahme von Isaccea: „Dieser Ort ist voll von Geschäften, der den türkischen Armeen, Ismael und die andere Festungen immer ihre Vorräte lieferte“. Dieser Erfolg war wichtig, weil er die dort gelagerten bedeutenden Vorräte in die Hände der Russen brachte: 96 Geschütze, 300 Fässer Pulver, 20.000 Kugeln, 160.000 Pfund Blei und Lebensmittel. Ismael war jetzt strategisch isoliert und seine Besetzung sollte der logische Abschluss des Feldzugs von 1790 werden.

General de Ribas brachte seine Flottille in der Donaumündung dann bis oberhalb Ismail hinauf, während gleichzeitig auf der andern Flussseite 12 Lansonen (flache zweimastige Kosaken-Boote) unter Oberst Golovati bis auf Kanonenschussweite unterhalb der Festung anlangten. Sofort wurde Generalmajor Arsenjew mit 4 Bataillonen und 600 Kosaken auf der Insel Tschatal (Ceatal, Bezirk Tulcea) gelandet.

Ismail lag zwischen dem Jalpuch- und Katlabuga-See auf einer flachen Erdzunge, die im Süden durch die Donau geschützt wurde, ausländischen Ingenieure hatten die Festung seit dem letzten Krieg im Auftrag der Hohen Pforte modernisiert. Am 18. (29.) November 1790 landete de Ribas seine Truppen auf Tschatal gegenüber von Ismael und begann sofort mit dem Bau von drei Batterien. Sie wurden am Morgen des 20. November 1790 fertiggestellt, woraufhin die Schwarzmeer-Kosakenflottille von Golovati im Schutz ihres Feuers die türkische Flottille und die Küstenbefestigungen von Ismael angriffen. Als Ergebnis dieser Seeangriffe verloren die Osmanen 20 Segelschiffe, es wurde aber auch 32 Transporter und 40 Fähren zerstört.

Die Belagerung Wie schon im Kriegsjahr 1787 näherten sich die russischen Landtruppen der Festung Ismail vom Norden her, dort waren die Befestigungen naturgemäß am stärksten. Im September 1790 brach in der Festung ein Aufstand gegen den Serasker aus, ein Teil der Garnison floh über die Donau, so dass die Garnison zu diesem Zeitpunkt maximal über 15.000 Mann umfasste, die Artillerie umfasste nach verschiedenen Angaben entweder 194 oder 265 Geschütze. Die Anzahl wurde aber fast verdoppelt, nachdem die Besatzung des gefallenen Killja aufgenommen wurde.

Am Abend des eröffnete die russische Flottille ein lebhaftes Feuer auf die Südwälle von Ismael, unter dessen Schutz die Belagerungsarbeiten auf der gegenüber liegenden Insel begannen. Die Divisionen unter Arsenjew, dem Brigadier Markow und dem Oberstleutnant de Ribas zogen eine Linie hoch, welche an den Flanken mit Batterien verstärkt wurde. Unmittelbar nach der Einnahme von Isaccea (24. November) befahl Potemkin dem General de Ribas: „Die feindlichen Schiffe vor Ismael zu verbrennen oder zu beschlagnahmen und mit den etablierten russischen Batterien die Stadt in Schutt und Asche zu legen.“ Die eigentliche Belagerung begann durch Teile der russischen Südarmee unter Generalleutnant I. W. Gudowitsch. Die Festung Ismail war mit Ausnahme des Festungswerkes von Tabia von einem Graben umgeben, der an einigen Stellen mit Wasser gefüllt war. Hinter den breiten und tiefen Gräben waren Holzpalisaden installiert. Der sehr hohe Schacht bestand aus dichtem Tuffstein. Der Hauptwall hatte 7 Bastionen und eine große Anzahl eckiger Kurtinen. Der nördlichste Kavalier ragte bis zu einer Höhe von 40 Fuß vor und war mit 22 Kanonen bestückt. Der Wall der Festung war 3–5 Meter hoch, der 6 Meter breite und 3 Meter tiefe Graben hatte mehrere gefüllte Stellen, wo das Wasser einem Soldaten bis zu den Schultern reichte. Der nördliche Wall war vollständig aus Stein errichtet, die Flussseite war schwächer, weil die Türken nicht glaubten, dass eine russische Marine in die Mündung der Donau eindringen könnte. Die Stärke der türkischen Garnison erreichte nach russischen Quellen die überaus hohe Zahl von 35.000 Mann, darunter 8.000 Reiter, 17.000 Janitscharen und mehrere Tausend Tataren. Der Kommandant von Ismael, der Serasker Aydozli Mehmet Pascha, war ein bereits grau gewordener, aber besonnener Militär. Weitere Unterführer waren Selim Pasha, Hadschi Mehmed Pascha und der ehemalige Gouverneur von Kilija, Mehmed Pascha. Die verbündeten Tatarenreiterei wurde von Qaplan II. Giray, dem Bruder des Krim-Khans, befehligt, der von seinen fünf Söhnen Gazi, Selim, Ahmed, Muhammad, Bahadur und dessen Neffe Maqsud Pascha unterstützt wurde. Lebensmittel- und Munitionsvorräte ermöglichten es, einer Belagerung von mindestens anderthalb Monate standzuhalten.

Fürst Potemkin versuchte zunächst vergebens, die türkische Garnison dazu zu bringen, die Festung auf freien Abzug zu verlassen. Auf russischer Seite gab es weder ein nominelles Oberkommando noch einen einheitlichen Plan für die Cernierung der Festung, drei Generale führten die ihnen zugewiesene Aufgabe nach eigenem militärischen Sachverstand aus. Es gab auch bald Probleme mit der Nahrungsversorgung und zudem brachen bald wegen Unterernährung und Erkältungen Krankheiten aus. Die drei zuerst kommandierenden russischen Generale I. W. Gudowitsch, P. I. Möller-Sakomelski und P. S. Potemkin beschlossen daher beim Kriegsrat in Abwesenheit von Feldmarschall Grigori Potemkin am 7. Dezember (26. November), die Truppen früher in die Winterquartiere zurückzuziehen.

Potemkin sah noch eine Chance zum Erfolg: am 8. Dezember (27. November) schickte er nach General A. W. Suworow, dem er befahl, den Angriff gegen Ismael zu organisieren, die geheime Weisung lautete: „Ihre Exzellenz, ... unsere Flottille hat bei Ismael fast alle türkischen Schiffe zerstört, die Seite der Stadt zum Fluss hin ist offen. Es müssen, mit Gottes Hilfe noch Anstrengungen unternehmen werden, um die Stadt zu erobern. Dazu beeilen Sie sich bitte, alle Einheiten unserer Armee zu übernehmen und am Ort angekommen, die Lage und Schwachstellen durch die Ingenieure zu begutachten. Die Seite der Stadt zur Donau halte ich für die schwächste ...“.

mini|General Suworow beim Kartenstudium Suworow traf über Galatz kommend am in Ismail ein und begann sofort mit der Vorbereitung des Angriffs. Am gleichen Tag kehrte auch der Teil der bereits Ende November abgerückten russischen Truppen wieder zurück. Die Stärke der russischen Truppen bestand aus 14.500 Mann (33 Bataillone) regulärer Infanterie, 8.000 Don-Kosaken (ohne Pferde, die beim Kampf um Otschakow umgekommen waren) und 4.000 Schwarzmeer-Kosaken (ehemalige Kosaken als Marinetruppen eingesetzt), 2.000 Arnauten (Albaner und in Süd-Russland rekrutierte Söldner). Die russische Kavallerie war wegen der speziellen Aufgabe, die Festung zu stürmen, sehr klein (11 Eskadronen und 4 Kosakenregimenter, etwa 2.500 Reiter). Insgesamt waren Suworow vor Ismael inklusiv der Ruderflotte 31.000 Mann und über 500 Geschütze unterstellt. Suworow begann demonstrativ mit dem Bau von Belagerungsbatterien, um den Feind eine lange Belagerung vorzutäuschen. Er leitete sofort die Vorbereitungen für den Angriff ein: Dazu wurde ein gleicher Festungsgraben und -wall in ausreichender Entfernung gebaut, abends trainierten dort die Truppen: darunter die Technik, die Gräben mit Faschinen zu überqueren, die Sturmleitern am Schacht anzulegen und den Wall zu erklimmen. Suworow schwebte die Idee vor Augen, die Festung von drei Seiten durch einen plötzlichen Nachtangriff mit Unterstützung der Flussflottille zu überrumpeln.

Am 18. (7.) Dezember übergab Suworow ein Schreiben des Fürsten Potemkin an den Gouverneur Mehmet Aydozli mit der Aufforderung zur Kapitulation und fügte eine kurze Notiz hinzu: „Ich bin mit frischen Truppen hier angekommen. 24 Stunden zum Nachdenken werden gewährt, mein erster Kanonenschuss bedeutet schonungslosen Kampf, sowohl die Garnison als auch die Stadtbewohner werden dann getötet.“ Wenn man sich weigere, könne niemand begnadigt werden, weder die Frauen, noch die unschuldigen Babys auf ihren flehenden Armen. „Ich überlasse es dir, darüber nachzudenken.“ Aydozli Mehmet erbat am nächsten Tag zehn Tage Bedenkzeit, die Suworow ablehnte, denn für ihn war es klar, dass die Türken nur Zeit gewinnen wollten.