mini|277x277px|Zengarten (Ryōan-ji) Die Kultur Japans vereint vielerlei Einflüsse aus Asien, Ozeanien und China sowie der westlichen Welt. Die zwischenzeitliche freiwillige Isolierung Japans und die besondere geographische Lage haben einige kulturelle Besonderheiten betont. Auch wenn die Abschließung Japans bei weitem nicht so dicht war wie oft angenommen, spielt sie eine wichtige Rolle im Selbstbild der Japaner.
Kulturgeschichte Die japanischen Inseln wurden in mindestens zwei Wellen besiedelt: In der Jōmon-Zeit wanderten Menschen wahrscheinlich von Nordostsibirien nach Japan ein, in einer zweiten Phase, der Yayoi-Zeit, über die koreanische Halbinsel. Aus dieser Zeit sind auch erste Landwirtschaftstechniken (Trockenfeldbau) nachgewiesen.
Im 7. Jahrhundert kamen mit koreanischen buddhistischen Mönchen neben der Religion auch die chinesische Schrift, die chinesischen Klassiker und der Konfuzianismus nach Japan.
In der Heian-Zeit kam es zu einer ersten Blüte, als der Hofadel unter chinesischen Einflüssen eine eigenständige Dichtkunst und Literatur entwickelte.
In den darauffolgenden Epochen wurde das Land immer wieder von Bürgerkriegen verwüstet, wodurch der Schwertadel, die Bushi, später als Samurai bezeichnet, zur wichtigsten Schicht aufstieg. Neben der Kriegs- und der Schwertschmiedekunst bildete sich auch eine neue Form des Buddhismus, der Zen heraus, der den Kriegern zusprach.
Erst in der Edo-Zeit im 17. Jahrhundert, unter den Tokugawa, kam das Land wieder zur Ruhe. Die Samurai wurden zu einer Beamtenschicht, die ihre Kriegertugenden in den Kampfkünsten, Bujutsu bzw. Budō, bewahrte. Der Einfluss des Zen spiegelte sich nun auch in Dichtkunst, Gartenkunst und Musik wider. Durch Frieden und wirtschaftlichen Aufschwung kam in dieser Zeit auch die vierte Schicht, die Händler, zu Reichtum. Da ihnen der soziale Aufstieg verwehrt war, suchten die Händler in der Kunst einen Weg, die Samurai zu übertrumpfen. Sie förderten Teehäuser, in denen die Geisha die Teezeremonie, Blumensteckkunst, Musik und Tanz praktizierten. Sie förderten auch das Kabuki-Theater. In den Städten bildeten sich besondere Vergnügungsbezirke, besonders in Edo, wo die Daimyō das halbe Jahr unter der direkten Kontrolle des Shōgun verbringen mussten.
Eine dritte Blütezeit der Kultur erlebt Japan in der Nachkriegszeit, in der Japan eine lebhafte Popkultur hervorgebracht hat, die westliche Einflüsse und japanische Tradition verbindet.
UNESCO-Weltkulturerbe in Japan
1993: Die buddhistischen Heiligtümer des Hōryū-ji 1993: Die Burg Himeji 1994: 19 Baudenkmäler und Gärten in Kyōto und Ōtsu 1995: Historische Dörfer von Shirakawa-gō und Gokayama 1996: Die Atombombenkuppel, die Ruine der Industrie- und Handelskammer in Hiroshima 1996: Der Itsukushima-Schrein auf der Insel Miyajima 1998: Baudenkmäler und Gärten in Nara 1999: Tempel und Schreine von Nikkō 2000: Archäologische Stätten der Ryūkyū-Inseln 2004: Heilige Stätten und Pilgerstraßen in den Kii-Bergen 2007: Iwami-Ginzan-Silbermine in Ōda, Präfektur Shimane 2011: Tempel, Gärten und archäologische Stätten von Hiraizumi 2013: Vulkan Fuji 2014: Seidenspinnerei und Seidenfabrik in Tomioka 2015: Stätten Japans industrieller Meiji-Revolution: Eisen und Stahl, Schiffsbau und Kohlebergbau 2016: Nationalmuseum für westliche Kunst, das architektonische Werk von Le Corbusier
Sprache und Schrift mini|Die Vier Schätze des Gelehrtenzimmers Japanische Sprache Japanische Schrift Japanische Anrede Japanischer Name Japanische Kalligraphie (Shodō)
Literatur
Literarische Bewegungen Kokugaku
Literaturformen Hōjōki Monogatari Otogizōshi Setsuwa
Berühmte Schriftsteller
Dichtkunst
Formen Waka (Unterformen Tanka, Chōka usw.) Renga Haiku
Wichtige Dichter Ono no Komachi Ki no Tsurayuki Fujiwara no Sadaie Matsuo Bashō
Wichtige Sammlungen Hachidaishū: Acht kaiserliche Waka-Sammlungen Man’yōshū
Symbolik Die Kirschblüte und Hanami
Religion mini|Torii des Itsukushima-Schreins, Miyajima
In Japan haben immer mehrere religiöse Glaubensformen nebeneinander bestanden. Die wichtigsten sind die verschiedenen Formen des ShintōNaokazu, Miyaji. “What Is Shinto?” Contemporary Religions in Japan, vol. 7, no. 1, Nanzan University, 1966, pp. 40–50., und der Buddhismus, der Japan im 5. oder 6. Jahrhundert aus Korea erreichte. Daneben gab es chinesische Einflüsse durch Taoismus und Konfuzianismus, die von Shintō und Buddhismus aufgenommen und integriert wurden. Heute gehören die meisten Japaner beiden Hauptreligionen an, daher kann man die religiöse Grundeinstellung in Japan als synkretisch bezeichnen. Das Christentum spielt in der Geschichte Japans nur eine untergeordnete Rolle. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs herrscht eine besonders große religiöse Toleranz in Japan: Um die 180.000 Religionsgemeinschaften werden zurzeit als staatlich anerkannt angegeben.
Siehe dazu: Buddhismus Zen Shintō Japanische Feiertage Ōmu Shinrikyō
Kampfkunst und Kriegerkultur Samurai Bushidō
Alltagskultur Die Schenkkultur: Omiyage
Zur Reisekultur: Ryokan
Hygiene Onsen (Bad mit heißer Quelle) Sentō (traditionelles Badehaus) Toiletten in Japan
Ess- und Trinkkultur Die traditionelle japanische Küche arbeitet mit dem, was auf der Insel zu finden war. Reis (seit der Yayoi-Zeit), Gemüse, Fisch (schließlich ist das Meer an keiner Stelle mehr als 150 km entfernt), Bohnen, besonders die Soja-Bohne, Hirse, Süßkartoffel und Seetang Nori. Reis nimmt eine besondere Stellung ein. Bis zur Meiji-Restauration mussten Bauern ihre Abgaben in Reis (gemessen in koku) abliefern. Auch der Wert des Landes wurde daran gemessen, wie viel Reis es abwirft. Weil Reis als Zahlungsmittel so wertvoll war, aßen die Bauern vor allem Hirse.
Seit dem Zweiten Weltkrieg verändern sich die Essgewohnheiten in Japan. Der gestiegene Lebensstandard hat dazu geführt, dass Reis zwar ein Grundnahrungsmittel wurde, nun aber auf dem Rückzug ist. Der Verzehr von Rind- und Schweinefleisch hat stark zugenommen.
Einen weiteren Einfluss übt die Verbreitung von Fast-Food-Ketten aus. Neben amerikanischen Ketten wie McDonald’s und Kentucky Fried Chicken gibt es auch viele japanische Ketten, die entweder westliche Ketten nachahmen oder aber Essen im japanischen Stil bieten, etwa Yoshinoya.
Obst wird in Japan ebenfalls angebaut, etwa natsumikan, der Bedarf wird aber nicht gedeckt, weswegen viel importiert wird. Japanische Verbraucher sind bei Obst sehr anspruchsvoll, es wird nur hochwertige Qualität eingeführt, daher ist Obst in Japan sehr teuer, z. B. Melonen. In speziellen Läden lässt sich daher einzeln verpacktes Obst als Geschenk erwerben.
Eine weitere Besonderheit der japanischen Esskultur ist die sogenannte Bentō-Box, eingepacktes Essen für die Mittagspause in der Schule oder der Firma. In diesen Boxen wird das Essen kunstvoll hergerichtet. Die Bentō-Box wird entweder, wie in Japan üblich, von Hausfrau oder Mutter hergerichtet, oder man kann sie in kleinen Bentō-Läden erwerben.
Das traditionelle alkoholische Getränk in Japan ist Sake, ein Reiswein. Sake ist eine Gabe an die Götter in buddhistischen und shintoistischen Schreinen. In der Meiji-Zeit entstanden aber auch die ersten Bierbrauereien, so dass Bier heute gerne getrunken wird. Bei Frauen beliebt ist auch Pflaumenwein. Japaner nehmen bei Trinkgelagen gerne warme und kalte Snacks zu sich, weswegen die Izakaya, die japanischen Kneipen, auch eine Küche haben.
In Tokio fungiert die Kappabashi-Straße in ihrer Gesamtheit als Einkaufsstraße für Restaurant- und Küchenbedarf.
Wohnkultur Fusuma (Schiebetüren) Irori (eingelassener Herd) Kotatsu (beheizter Tisch) Shōji (Schiebewände) Sudare (abnehmbare Jalousien) Tatami (Strohmatten) Tokonoma (traditionelle Nische)
Kleidung Geta (Holzsandalen) Hakama (traditionelles Beinkleid) Haori (formelles Jackett) Happi (Jacke) Keikogi (Sportbekleidung) Kimono Obi (Gürtel) Tabi (Socken mit abgeteiltem Zeh) Waraji (Strohsandalen)
Kunst
Eine Geisha (wörtlich: „Künstler“) ist eine Unterhaltungskünstlerin, die traditionelle japanische Künste darbietet. Der berühmte Stadtteil Gion in Kyōto ist das Zentrum der japanischen Geisha-Kultur. Die harte Grundausbildung einer maiko (Geisha-Schülerin) ist ab dem Alter von etwa zehn Jahren möglich und dauert drei Jahre. In dieser Zeit lernt sie die Grundlagen der traditionellen japanischen Künste wie Kalligrafie, Ikebana (Blumensteckkunst) und das Spiel auf mehreren japanischen Musikinstrumenten, z. B. Shamisen, Hayashiflöte und Tsuzumitrommel. Eine Geisha muss auch geübt in Konversation und eine perfekte Sängerin, Tänzerin und Gastgeberin sein und die Teezeremonie beherrschen. Die hohen Kosten für die Ausbildung werden von den Besitzerinnen der ochiyas (japanische Teehäuser) übernommen und müssen von den Geishas später zurückgezahlt werden. Viele Geishas üben ihren Beruf bis ins hohe Alter aus.
Kunstbegriffe und ästhetische Konzepte Wabi-Sabi
Malerei und Grafik mini|Ukiyo-e, Porträt eines Kabuki-Schauspielers von Toshusai Sharaku (1794) Ukiyo-e Japanischer Farbholzschnitt Sumi-e Japanische Tuschemalerei
Papierfalten Origami (, 'ori': falten und 'kami': Papier) ist eine alte japanische Papierfaltkunst. Üblicherweise werden quadratische Blätter als Ausgangspunkt verwendet, und ohne Hilfe von Schere und Klebstoff entstehen kunstvolle Motive in drei Dimensionen. Bekannte traditionelle Motive des Origami sind Tiere, Vögel, z. B. Tsuru (Kranich) und Gegenstände wie der Kabuto (Helm).
Figuren Netsuke Kokeshi
Theater Kabuki Nō-Theater Kyōgen Bunraku Takarazuka Revue
Blumengestecke Ikebana ( auch , wörtlich „lebende Blumen“) ist die japanische Kunst des Blumensteckens. Sie wird auch Kadō (, „Weg der Blumen“) genannt. Im Gegensatz zur dekorativen Form des Blumensteckens in der westlichen Welt schafft das Ikebana eine Harmonie von linearem Aufbau, Rhythmik und Farbe. Wo im Westen hauptsächlich die Blüten beachtet werden, legen die Japaner Wert auf die linearen Aspekte der Anordnung. Vase, Stängel, Blätter, Zweige haben in dieser Kunst den gleichen Stellenwert wie die Blüte.
Gartenkunst mini|230x230px|Kōraku-en, Okayama Japanische Gärten sind ein Ausdruck der japanischen Philosophie und Geschichte. Im Gegensatz zu europäischen Gärten werden kaum Blumen gepflanzt, stattdessen wird versucht, durch Moos, Steine, Bäume und Teiche ein harmonisches Gesamtbild zu schaffen, in das auch die umliegende Szenerie, wie etwa Berghänge hinter dem Garten, einbezogen werden. Das Fehlen von Blumen heißt aber nicht, dass in japanischen Gärten nichts blüht. Im Frühjahr blühen nacheinander Pflaume, Pfirsich- und Kirschbäume. In den Teichen der Gärten werden häufig Koifische gehalten.
Stark beeinflusst durch die Ästhetik des Zen-Buddhismus gibt es eine Sonderform, der viele der berühmtesten japanischen Gärten angehören, ist der Zengarten im Kare-san-sui-Stil, bei dem auf Wasser und größere Pflanzen ganz verzichtet wird. Beim Tsukiyama-Stil (künstliche Hügel) werden dagegen Berge von Steinen und kleinen Hügeln dargestellt, und ein Teich repräsentiert das Meer, um eine Miniaturlandschaft zu formen.