Die Jüdische Gemeinde Wachenheim an der Weinstraße (ehemals Wachenheim an der Haardt) im rheinland-pfälzischen Landkreis Bad Dürkheim bestand vom 16. Jahrhundert bis 1940. Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat Frankenthal.

Geschichte Die Geschichte der Juden in Wachenheim reicht bis in die Mitte des 14. Jahrhunderts zurück. Vermutlich siedelten schon vor 1341, als Wachenheim durch Kaiser Ludwig den Bayern das Stadtrecht verliehen wurde, Juden auf dem Gebiet von Wachenheim. 1343 wurde den Juden von Wachenheim der Ritualmord an einem Einsiedler angelastet. In der Folge wurden die jüdischen Einwohner am 19. April 1343 verbrannt. Ob dies tatsächlich, wie es der Chronist Johannes von Winterthur berichtet, auf Anordnung des Herzogs von Heidelberg Ruprecht des Roten geschah, ist unklar. Der Geschichtsschreiber und Abt des Zisterzienserklosters Viktring Johann von Viktring erwähnt in seiner Chronik über die Vorgänge in Wachenheim Ruprecht den Roten in diesem Zusammenhang nicht. Wenige Wochen später erließ Ludwig der Bayer einen an die Stadtbehörden von Speyer gerichteten Erlass, in dem er diese aufforderte den in der Diözese (zu der auch Wachenheim gehörte) lebenden Juden jedweden Schutz gegen Übergriffe zu gewähren. Dies verhinderte allerdings nicht, das es während der Pestpogromen 1348/49 erneut zu Übergriffen kam. Nach 1349 werden erst wieder 1511 zwei in Wachenheim ansässige Juden genannt. Ab diesem Zeitpunkt begann die Zahl der jüdischen Gemeindemitglieder stetig zu wachsen. Ihren höchsten Stand erreichte sie mit 124 Gemeindemitgliedern im Jahr 1830. Ab diesem Zeitpunkt nahm die Zahl der Mitglieder der Kultusgemeinde in Folge von Ab- und Auswanderung stetig ab. 1933 lebten noch 16 Juden in Wachenheim. Ab 1933, nach der Machtergreifung Adolf Hitlers, wurden die jüdischen Einwohner immer mehr entrechtet. Zudem kam es immer wieder zu antijüdischen Aktionen. Dies hatte zur Folge, dass viele jüdischen Familien die Gemeinde verließen. Zum Zeitpunkt der Novemberpogromen 1938 lebten noch 10 Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft in Wachenheim. Die letzten sieben Einwohner jüdischen Glaubens wurden im Oktober 1940 im Zuge der sogenannten Wagner-Bürckel-Aktion in das französische Internierungslager Gurs deportiert. Von diesen überlebten drei den Holocaust.Stefan Fischbach, Ingrid Westerhoff: „… und dies ist die Pforte des Himmels“. Synagogen Rheinland-Pfalz und Saarland. Herausgegeben vom Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz, Staatliches Konservatoramt des Saarlandes, Synagogue Memorial Jerusalem. (Gedenkbuch der Synagogen in Deutschland, 2). Verlag Philipp von Zabern, Mainz 2005, ISBN 3-8053-3313-7, S. 376.

Entwicklung der jüdischen Einwohnerzahl Jahr Juden Jüdische Familien Bemerkung1515217228174371804411808141820871823901830124184912118755118874219002519141719331619381019407 Quelle: alemannia-judaica.de; jüdische-gemeinden.de

Einrichtungen

Synagoge

Die Synagoge in wurde Anfang des 19. Jahrhunderts in der Bleichstraße 5 errichtet. 1939 wurde sie an einen Privatmann verkauft und zu einem noch heute genutzten Wohnhaus umgebaut.

Friedhof Die Toten der Gemeinde wurden seit dem 16. Jahrhundert auf dem jüdischen Friedhof in Wachenheim beigesetzt.

Schule Die Kultusgemeinde verfügte über eine Religionsschule. Zeitweise war ein eigener Religionslehrer angestellt, der auch die Aufgaben des Vorbeters und Schochet innehatte.

Mikwe Die Mikwe befand sich im Keller in der Synagoge. Sie wurde vom ehemaligen Burgbach gespeist. 1835 wurde sie neu angelegt.

Opfer des Holocaust Das Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 1933–1945 und die Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer von Yad Vashem führen vier Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft Wachenheim an der Weinstraße (die dort geboren wurden oder zeitweise lebten) auf, die während der Zeit des Nationalsozialismus ermordet wurden.

Name Vorname Todeszeitpunkt Alter Ort des Todes Bemerkung QuellenManéHelene4. September 194239 JahreKonzentrationslager AuschwitzDeportation ab Baden am 22. Oktober 1940 nach Internierungslager Gurs. Deportation am 10. August 1942 ab Sammellager Drancy nach Konzentrationslager Auschwitz (Transport 17, Zug 901-12).Yad Vashem (Datenbank, Datensatz Nr. 7761027, Nr. 5393105, Nr. 5238832, Nr. 3201066 und Nr. 11587554) / Gedenkbuch für die Opfer der NS-Judenverfolgung in DeutschlandManéSimon11. Oktober 1942 48 JahreKonzentrationslager AuschwitzVom 12. November 1938 bis 16. Dezember 1938 im Konzentrationslager Dachau inhaftiert. Deportation ab Baden am 22. Oktober 1940 nach Internierungslager Gurs. Deportation am 10. August 1942 ab Sammellager Drancy nach Konzentrationslager Auschwitz.Yad Vashem (Datenbank, Datensatz Nr. 5397538, Nr. 5238830 und Nr. 11587557) / Gedenkbuch für die Opfer der NS-Judenverfolgung in DeutschlandMehlingerFlora8. September 194168 JahreInternierungslager GursDeportation ab Baden am 22. Oktober 1940 nach Internierungslager Gurs.Yad Vashem (Datenbank, Datensatz Nr. 9044182, Nr. 3202470 und Nr. 4908784) / Gedenkbuch für die Opfer der NS-Judenverfolgung in DeutschlandScheuerEmil6. Mai 1944 71 JahreInternierungslager GursDeportation ab Baden am 22. Oktober 1940 nach Internierungslager Gurs.Yad Vashem (Datenbank, Datensatz Nr. 11624758) / Gedenkbuch für die Opfer der NS-Judenverfolgung in Deutschland

Einzelnachweise

Wachenheim an der Weinstrasse Kategorie:Judentum im Landkreis Bad Dürkheim Kategorie:Wachenheim an der Weinstraße