Die Marala ist eine Luxusyacht, die 1931 auf der Werft Camper & Nicholsons gebaut wurde. Im Zweiten Weltkrieg war sie 1945 als HMS Evadne an der Versenkung des deutschen Unterseeboots U 300 beteiligt.

Geschichte Motoryacht Evadne Die Yacht wurde von Charles Ernest Nicholson entworfen und lief im Februar 1931 bei Camper & Nicholsons in Southampton als Baunummer 388 vom Stapel. Auftraggeber war der Industrielle (Napier & Son) Montague Napier. Da Napier im Januar 1931 im Alter von 60 Jahren wenige Wochen vor dem Stapellauf verstarb, blieb 388 das einzige ungetaufte Schiff in der langjährigen Werftgeschichte. Nicholson konnte Charles Richard Fairey (1887–1956), der 1915 die Fairey-Flugzeugwerke gegründet hatte, als Käufer der Motoryacht gewinnen. Nach einer Tochter Poseidons erhielt sie den Namen Evadne. Da Amelia Earhart nach ihrem Transatlantikflug 1932 ihren Zielort in Frankreich nicht erreicht hatte, brachte die Yacht Earhart 1932 nach Cherbourg. Fünf Jahre später war während der Krönungsregatta der norwegische Kronprinz Olav Gast an Bord des Schiffs.

Im den 1930er Jahren segelte Fairey insgesamt drei Segelyachten recht erfolgreich auf Regatten. Sie waren allesamt von Nicholson entworfen und auf seiner Werft gebaut worden: die 12mR-Yacht Flica, Baujahr 1929, die J-Klasse-Yacht Shamrock V, Baujahr 1930. die er 1934 von Thomas Lipton erwarb, sowie die neue 12mR-Yacht Evaine. Die Motoryacht Evadne diente ihm als Begleitboot dieser Rennyachten bei Regatten entlang der Küsten der Britischen Inseln. Sie schleppte auch bei Bedarf die Yachten und fungierte dabei als Mutterschiff. Die Familie Fairey unternahm mit der Motoryacht auch ausgedehnte Kreuzfahrten nach Schottland, Norwegen, in die Ostsee, nach Belgien und ab 1936 ins Mittelmeer.Nigel Sharp: Marala Mutterschiff und Promi-Gastgeberin, in: Goose, Heft 61, Autumn 2026, S. 44

HMS Evadne mini|links|HMS Evadne in Gibraltar (1945) Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs stellte Fairey seine Yacht der Royal Navy unentgeltlich zur Verfügung. Das Schiff wurde umgebaut und erhielt ein 10,2-cm-Schiffsgeschütz, ein QF 2-Pfünder-Marinegeschütz (4 cm) zur Flugabwehr sowie zwei Wasserbomben-Werfer zur Bekämpfung von Unterseebooten.

Die armierte Yacht HMS Evadne (FY009) diente in der Irischen See als Begleitung von Schiffskonvois, wobei sie eine Heinkel He 111 der Luftwaffe abschoss. Nach einer Zuweisung zur Geleitgruppe der Highlander wurde sie auf den Bermudas hauptsächlich zur U-Boot-Abwehr eingesetzt und zuletzt in Gibraltar stationiert. Hier gelang es ihr 1945, das deutsche U-Boot U 300 mit Wasserbomben außer Gefecht zu setzten, das sich einige Tage später ergab. Die 41 Überlebenden der U-Boot-Mannschaft gingen in britische Kriegsgefangenschaft. Nach der Rückkehr im September 1945 nach Portsmouth wurde das Boot außer Dienst gestellt, umfangreich umgerüstet und an den inzwischen zum Ritter geschlagenen Sir Richard Fairey zurückgegeben.

Zapala, Gaviota IV und Marala Zapala Fairey erhielt die Yacht im Oktober 1945 zurück und verkaufte sie sechs Jahre später an Richard Joshua Reynolds Jr., den Sohn des Gründers der Reynolds Tobacco Company. Dieser gab ihr den Namen Zapala, nach der Insel Sapelo () an der Atlantikküste vor Georgia, die ihm auch gehörte. Er hatte geplant, die Motoryacht nur ein Jahr lang zu behalten, während er auf die Fertigstellung seiner eigenen Camper & Nicholsons-Yacht, der 79-Fuß Ketch Aries wartete. Er unternahm eine kurze Reise von Gosport (New Hampshire) nach Panama und zurück. Auf der Rückfahrt überstand die Motoryacht einen Sturm in Orkanstärke ohne in der schweren See Schaden zu nehmen.Nigel Sharp: Marala Mutterschiff und Promi-Gastgeberin, in: Goose, Heft 61, Autumn 2026, S. 45

Gaviota IV Zwei Jahre später wurde der Mäzen Arturo López Willshaw Eigner des Schiffs, das er Gaviota IV taufte. Namensgeber war die Möwe (Gaviota). Seine Familie war mit dem Guanoexport aus Chile zu einem Vermögen gekommen. López Willshaw ließ einen Großteil der Innenausstattung der Motoryacht durch den renommierten französischen Innenarchitekten Georges Geffroy (1905–1971) umgestalten. Die Umbauten wurden bei Camper & Nicholsens vorgenommen. Er unternahm mit der Yacht ausgiebige Törns hauptsächlich im Mittelmeer, aber auch in der Karibik, nach Dänemark und Schweden. Obwohl er seine Cousine ersten Grades Patricia Lopez Huici geheirat hatte, lebte er seine Homosexualität offen aus und führte eine lange Beziehung mit Baron Alexis de Rede. Zu den berühmtesten regelmäßigen Gästen während Lopez Willshaws Zeit zählten Fürst Rainer und Fürstin Grace von Monaco sowie der surrealistische Künstler Salvador Dalí. Lopez Willshaw war dafür bekannt, sehr rücksichtsvoll und großzügig gegenüber der Besatzung der Gaviota IV zu sein. So schenkte er jedem der langjährigen Besatzungsmitglieder eine Rolex-Uhr mir persönlicher Gravur. Als er 1962 verstarb, hinterließ er jedem von ihnen 1.000 Pfund Sterling.

Marala Nach dem Tod von Lopez Willshaw im Jahr 1962 erwarb Robert de Balkany das Schiff, das er nach seinen beiden Töchtern Marinamit und Alexandra in Marala umbenannte. In den ersten Jahren als Eigner überquerte Robert de Balkany mit der Yacht mehrmals den Atlantik in die Karibik. Ab Anfang der 1970er Jahre blieb das Boot aber im Mittelmeer. Im Jahr 1972 lief die Yacht, nachdem sie vor dem Ornos-Strand auf der Insel Mykonos vor Anker gelegen hatte, auf der Fahrt nach Piräus auf einen Felsen und schlug leck. Der gesamte Maschinenraum wurde geflutet aber alle Personen an Bord konnten an Land gebracht werden. Die Yacht wurde abgedichtet und konnte in eine Werft zur Reparatur geschleppt werden.Nigel Sharp: Marala Mutterschiff und Promi-Gastgeberin, in: Goose, Heft 61, Autumn 2026, S. 45f

Robert de Balkany vercharterte die Yacht unter anderem an Frank Sinatra. Zu den Gästen an Bord gehörten König Juan Carlos und Alexandra von Kent. Heimathafen, der in Panama registrierten Yacht, war Piräus in Griechenland. Zu den regelmäßigen Reisezielen gehörten Venedig und die Küste Südfrankreichs. Balkany hatte das Konzept amerikanischer Shopping-Malls erfolgreich nach Frankreich übertragen.

Im Spielfilm The Cat’s Meow von 2001 wurde die Yacht Oneida des Medien-Tycoons William Randolph Hearst durch die Marala dargestellt.

Umbau und Restaurierung Unter ihren verschiedenen Eignern und der Royal Navy erfuhr die Motoryacht eine Reihe von Umbauten. Nachdem die neuen Eigner Chris und Jan Lawrence die Yacht im Jahr 2015 erworben hatte, stand sie vor einer wegweisenden Generalüberholung. Das Ziel der neuen Eigner war extrem ambitioniert: die Yacht technisch in das 21. Jahrhundert zu führen, ohne ihre historische Seele und Patina zu zerstören.

In den Jahren 2017/2018 und 2019–2022 wurde die Marala in zwei Phasen auf der Melita Marine Werft in Malta und bei der Pendennis-Werft in Falmouth umfassend überholt und restauriert.yachtmarala.com: Yacht Marala Refit 2017/20. (englisch, abgerufen am 17. Juni 2021)yachtmarala.com: yachtmarala.com: Yacht Marala – Now & The Future (englisch, abgerufen am 17. Juni 2021)superyachttimes.com: Refit works begin to restore classic 1930s 59m superyacht Marala. (englisch, abgerufen am 17. Juni 2021)

Erhalt der originalen Schiffsmotoren: Die Sensation der Restaurierung ist der Erhalt ihrer beiden originalen, 750 PS Achtzylinder MAN-Schiffsdieselmotoren von 1931 auf der Melita Marine Werft. Diese wurden komplett zerlegt, reaktiviert und sind heute die ältesten noch im aktiven Dienst befindlichen Superyacht-Motoren der Welt.

Stahlbau mit Charakter: Melita Marine Werft erneuerte auch über 100 Tonnen Stahl überwiegend im vorderen Teil des Schiffrumpfes. Um den authentischen Look der 1930er Jahre zu wahren, verzichtete die Werft bewusst auf modernes, glattes Spachteln (un-faired). Die charakteristische, leicht wellige Optik der alten Platten- und Nietbauweise blieb so erhalten.

Mit dem Ziel das klassische Yachtdesign von Charles E. Nicholson wieder herzustellen, umfasste die zweieinhalb Jahre dauernde, denkmalpflegerische Restauration auf der Werft Pendennis die wesentlichen Punkte:

Annäherung an das Original-Exterieur: Umbauten aus den 1950er- und 1960er-Jahren, die das Schiff topplastig wirkten ließen, wurden zurückgebaut, um der eleganten Silhouette von Charles E. Nicholson wieder gerecht zu werden. Ein neuer, maßgefertigter Spa-Pool auf dem Oberdeck wurde mit recyceltem Teakholz der alten Schanzkleid-Abdeckungen verkleidet.

Interieur im Geiste des Art déco: Das Londoner Designstudio Muza Lab gestaltete die Innenräume völlig neu. Inspiriert vom legendären Oceanliner SS Normandie, zieht sich opulenter Art-déco-Glamour durch den Eignerbereich. Originale Möbelstücke und 22 historische US Post Office Telephone aus den 1930er Jahren wurden sorgfältig restauriert. Jede Gästekabine erzählt zudem gestalterisch eine andere Epoche aus dem Leben des Schiffes (inklusive dezenter Anspielungen an die Militärzeit). Anders als geplant wurde die Passagierkapazität von 12 Gästen nicht erhöht.

Für die erfolgreiche Balance aus Denkmalschutz und modernster Technik wurde die Marala bei den „World Superyacht Awards 2023“ als „Rebuild Superyacht of the Year“ ausgezeichnet.

Eigner mini|hochkant=1.3|Die Marala in Venedig (2012) Charles Richard Fairey (1887–1956), 1931–1951 Richard Joshua Reynolds Jr. (1906–1964), 1951–1953 Arturo López Willshaw (1900–1962), 1953–1962 Robert Zellinger de Balkany (1931–2015, verh. I. mit Maria Gabriella von Savoyen), 1962–2015 Chris (Lawrie) und Jan Lawrence, seit 2015Nigel Sharp: Marala Mutterschiff und Promi-Gastgeberin, in: Goose, Heft 61, Autumn 2026, S. 46

Rezeption Über die Einsätze im Zweiten Weltkrieg verfassten ihr Kommandant Harold Taylor und der US-amerikanische Kriegsfreiwillige Alex Cherry von der RNVR jeweils ein Buch.

Siehe auch Lady Hutton / HMS Troubadour

Weblinks

yachtmarala.com: Webpräsenz der Yacht Marala (englisch) yachtmarala.com: The History of Yacht Marala. (englisch, mit Fotografien) Marala – Camper & Nicholsons. (englisch) superyachttimes.com: Marala. (englisch)

Literatur Alex H. Cherry: Yankee R.N. Jarrold’s Publishers, London 1951. Harold Taylor: A Captain’s Tale. Dalton, Lavenham 1984. ISBN 0-86138-031-2. Nigel Sharp: Marala Mutterschiff und Promi-Gastgeberin, in: Goose, Heft 61, Autumn 2026, S. 42–53 (deutsch, englisch)

Einzelnachweise

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