mini|Pelzcapes, Weißfuchsfell, Tüll u. a. (Daniel Kohavi, 2016)
Ein Pelzcape ist, entsprechend dem Cape der Textilbekleidung, ein ärmelloses Kleidungsstück aus Fell in Mantel- bis hin zu einer kurzen Jackenlänge, das um die Schultern gelegt wird. Vor allem historisch, dann meist mit Kapuze, wird es auch als Pelerine bezeichnet.Alfons Hofer: Textil- und Modelexikon. 7. Auflage. Band 2, Deutscher Fachverlag, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-87150-518-8, S. 660, Stichwort „Pelerine“. In der Mode wird unter einem Cape allgemein ein weiter, langer Umhang verstanden, ein ärmelloser Mantel. Insbesondere in der Pelzmode wird es auch für kleinere Umhangkragen (auch „Capekragen“) angewendet, von der Größe einer bloßen Schulterbedeckung bis zum langen Kleidungsstück. Meist waren dies in jüngerer Zeit Damencapes.Alfons Hofer: Textil- und Modelexikon. 7. Auflage. Band 1, Deutscher Fachverlag, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-87150-518-8, S. 126, Stichworte „Cape, Capekragen“.
Daneben besteht das textile Cape mit Pelzinnenfutter, historisch auch als „Pelz“ bezeichnet, oder mit unterschiedlich ausgeprägtem Pelzbesatz.
Längere Capes haben statt der Ärmel meist geschlitzte Armdurchgriffe. Ab einer gewissen Länge ist zudem eine großzügige Weite unabdingbar, um die Bewegungsmöglichkeit nicht zu sehr einzuschränken. Ein weiteres Kennzeichen des längeren Capes ist daher der eher großzügige bis üppig weite Fall. Der Bezeichnung zwischen dem Kurzcape und (dem kleinen Umhang-)Kragen ist fließend.
Entsprechend dem erweiterten Gebrauch des Begriffs Cape in der Pelzmode spricht man auch von Capeärmeln, zum Beispiel bei Jacken und Mänteln, bei Ärmeln, die mehr eine offene, wallende Form aufweisen Capeansatz, er stellt bei Jacken und Mänteln eine capeartige Erweiterung der Achselpartie über den eigentlichen Ärmeln dar Capeartiger Kragen, die kleinere oder größere Form eines Jacken- oder Mantelkragens Capeeffekt, wenn es sich nicht um ein Cape oder einen capeartigen Kragen handelt, also etwa nur die Form, die den Eindruck eines Capes erwecken soll Capemantel, sowohl für einen Pelz- oder Stoffmantel mit einem Capekragen, in der allgemeinen Mode auch vereinzelt für ein kleidlanges Cape.
Geschichte mini|Zweiteiliger Schaffellumhang der Moorleiche Frau von Huldremose (2. Jh. vor Chr.)
Je weiter man vom Mittelalter aus in die Vergangenheit zurückblickt, desto häufiger sind die ärmellosen Überkleider nicht in den Schultern ausgearbeitet, sie sind eher als Umhänge denn als Cape zu bezeichnen. Der pelzgefütterte Umhang, meist ebenfalls ohne erkennbare Schulterausformung, ist vor allem als männliches Standes- und Würdezeichen regelmäßig auf mittelalterlichen Gemälden bis in das 20. Jahrhundert zu sehen. Oft ist er auf dem Abgebildeten nicht umgelegt, er liegt nur neben ihm oder ist nur zu einem sehr kleinen Teil als Attribut zu sehen. Auch die Damen des Adels ließen sich in gleicher Art mit diesem Symbol ihres Standes porträtieren. Fast immer war die Abseite der meist samtenen roten, manchmal blauen Umhänge aus Hermelinfell.
Von den ersten, in der Vorzeit als Kleidung benutzten Pelzen, den Umhängen aus einem oder mehreren Fellen, unterscheidet sich das zuletzt als Pelzcape bezeichnete Kleidungsstück wesentlich durch seine dem Körper angepasste Form mit meist ausgearbeiteten Schultern. Dies verhindert beim in den Vorderteilen geöffneten Cape ein Herabrutschen des Kleidungsstückes. Andere Formen werden häufiger als Pelzstola, Pelztuch oder ähnlich bezeichnet.
Bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts gab es noch kaum mit dem Haar nach außen getragene Pelzkleidung, das Fell wurde als Pelzinnenfutter getragen. Nur an den Rändern der Textiljacken und -mäntel schaute es eventuell hervor, oft waren die Besätze und vielleicht die Manschetten aus Pelz. Unter einem Pelz wurde entsprechend ein mit Fell ausgefüttertes Kleidungsstück verstanden. Zusammen mit der Einführung der Pelznähmaschine um 1900 begann sich der Außenpelz jedoch bald in großem Ausmaß durchzusetzen. Der Maschineneinsatz ermöglichte den Übergang zur Pelzkonfektion.
Mittelalter bis 18. Jahrhundert Kurz zusammengefasst lässt sich über die Entwicklung der Pelzmode nach der Antike sagen: Im Mittelalter fütterte der Kürschner, im Rokoko besetzte er und seit dem 19. Jahrhundert bekleidet er. Bis zum Beginn der modernen Mode war ein Pelz in ganz besonderem Maß ein Teil der Männergarderobe, der mit dem Haar nach innen getragen wurde und meist zusätzlich pelzverbrämt war. Im gehobenen städtischen Bürgertum war der gefütterte Pelz ein wesentlicher Bestandteil zumindest der festlichen Garderobe. Weniger von den städtischen Modeentwicklungen abhängig war die eher ländliche, regionale Pelztracht.
Capeartig waren bis zu dieser Zeit, jedoch nicht nur, die repräsentativen Gewänder der Herrscher, beispielsweise das zumindest pelzverbrämte Gewand von Albert Friedrich von Brandenburg.Abbildung Albert Friedrich von Brandenburg. Insbesondere die europäischen Herrscher gaben teils enorme Summen für edles Pelzwerk aus. Unter den 26 Umhängen von Heinrich dem V. von England befanden sich sechs mit Fell gefütterte, dazu 16 weitere Pelzfutter und 55 andere Pelze. 1353 hinterließ die Mutter Edwards des III. von England 16 pelzgefütterte „Gowns“. Die capeartigen Gewänder wiesen zumeist in irgendeiner Form ein Armloch auf, im 15. und 16. Jahrhundert entstanden mannigfaltig geschnittene Männerversionen in langen oder hüftlangen Ausführungen.Elisabeth Ewing, S. 24. Für England werden für das goldene elisabethanische Zeitalter (1558 bis 1603) kurze, von beiden Geschlechtern getragene Capes erwähnt, mit Pelzkragen und mit Pelz gefüttert, die im täglichen Gebrauch waren.Elisabeth Ewing, S. 52.
Moderne mini|Kürschner und Kundin bei der Auswahl eines Fehwammen-Capes und ‑Stola (England, 1840)
Der ärmellose Herrenmantel, „der nach eigenem Geschmack und Gutdünken schwungvoll drapiert“ wurde, blieb in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts beliebt. Bei ihm befand sich der Pelzbesatz meist noch als Fortsetzung des Kragens an den Mantelrändern. Er gehörte zur Vervollständigung des Gesellschaftsanzuges und machte alle modischen Veränderungen mit. Als Mitte des Jahrhunderts Rock und Frack erheblich kürzer wurden, schrumpfte auch der Capemantel. Zehn Jahre später zeigten die Modezeitschriften ihn in verschiedenen Längen und ganz mit Pelz umrundet, mit einem kleinen Pelzkragen am Hals. Ein Facon, wie es bis in die 1860er Jahre charakteristisch blieb.
In den 1830er Jahren taucht ein, später „Havelock“ genannter, Mantel mit halblanger Pelerine auf, nachdem in den 1820er und 1830er Jahren bereits ein pelerinenartiger Schulterkragen in Mode gekommen war, einfach oder in mehrfacher Abstufung. Bevorzugt wurde er von „würdigen Herren vornehmlich gesetzten Alters“ und von Künstlern getragen. Als Kutschermantel lebte dieses Modell der Biedermeierzeit bis weit in das 20. Jahrhundert hinein fort. Es steht im Gegensatz zu dem bis heute gebräuchlichen, mit Pelz gefüttertem, eher schmalen Herrenmantel, der früher als „Gehpelz“ bezeichnet wurde. Der Kürschnermeister August Dietzsch konnte sich 1986 noch daran erinnern, dass die Kunden aus Hochfinanz und Adel ihre Kutscher mit schweren Fahrpelzen ausstatteten, „natürlich aus einfachen Fellen, die meist mit einer Pelerine und Mütze aus schwarzem amerikanischem Baribal vervollständigt waren“.Gisela Unrein: Ein Kürschnermeister erinnert sich. In: Brühl Nr. 6, Dezember/November 1986, VEB Fachbuchverlag Leipzig, S. 29.
Witgchouras oder Witzschoura(s) wurde ein mit Pelz gefütterter Damenmantel genannt, der etwa Anfang des 19. Jahrhunderts aktuell war. Unter der Bezeichnung finden sich sowohl ärmellose Capemäntel sowie Mäntel mit Ärmeln.
Seit dem Ausgang des 18. Jahrhunderts erfreuten sich kleine Teile aus Pelz, teils als Pelzgarnitur aus mehreren Teilen bestehend, ganz außerordentlicher Beliebtheit. Dazu gehörten die „auf das reizvollste variierten“ zahlreichen Kragen und Umhänge mit Pelzverbrämung. Teils in Stolaform oder pelzbesetztem Schal, „vom kleinen Halskragen zur Schulterpelerine und schwellen zu Gebilden an, die eine Kombination von Stola und Pelerine darstellen“. Wie ihre Vorgänger im 18. Jahrhundert werden sie je nach Umfang als Pelerine, Mantelet, Schal oder Mantille bezeichnet, im Englischen meist sogar als cloak (Mantel). In der Enzyklopädie von Krünitz hieß es 1806:
„In dem beinahe verflossenen Winter haben die Londoner Pelzläden vornehmlich durch reiche und große Palatinen die Käuferinnen angezogen. Die Schalmanufakturen könnten sich sehr über den Eingriff beschweren, der hierdurch in ihr Gebiet gemacht wird. Bis vor kurzem waren die Palatinen bloße Pelzstreifen von wenigem Belange und geringen Kosten; jetzt aber haben sie die Form der Halstücher angenommen, und setzen, besonders bei reichen Frauen, viele tausend Schals außer Umlauf. Da sie etwas neues sind und den ganzen oberen Körper wider die Kälte schützen, so finden sie außerordentlichen. Beifall; und die großen Kürschnergewölbe denken so fleißig auf Vorrat, Mannigfaltigkeit und Stufenfolge in den Preisen, dass man glauben sollte, sie hätten Bestellungen für ganze Regimenter von Frauen aus allen Ständen. Die besten Palatinen sind wie die gangbarsten Müffe aus Bärfellen und kosten vier bis sechs Guineen. - Der Luxus des weißen Pelzwerks, welcher in England nur einige Jahre alt ist und bisher ziemlich beschränkt war, scheint diesen Winter sehr um sich zu greifen. Die Gewölbe der großen Kürschner und der Modenhändler sind voll von weißen Palatinen, Müffen (doch kommen Müffe sehr schnell aus der Mode) und Kleidergarnierungen. Diese Waren sind ungemein teuer und verkostbaren den Winterstaat der Frauen sehr, denn selbst die Mittelstände müssen nun zweierlei Pelzwerk haben. Zur gewöhnlichen Tracht sind Palatinen und Müffe aus schwärzlichem Pelzwerk: nur wenige tragen auf der Straße weiße Müffe und Palatinen, weil der Londoner Kohlenrauch sie bald schwärzt. Aber wenn man in Abendpartien und auf Bälle und Konzerte geht, muss beides ganz weiß sein, so wie auch weissatlasne Kleider bloß mit weißem Pelzwerk besetzt werden.“Johann Georg Krünitz: Oeconomische Encyclopädie, Band 108, 1806, Stichwort „Pelz“.
Modisch und beliebt waren auch capeartige Umhänge verschiedener Länge und Weite, oft mit einer angeschnittenen Kapuze. In den Jahrzehnten vor und nach der Mitte des 19. Jahrhunderts trug die Dame zum Reifrock gern einen meist dreiviertellangen Mantel mit Armschlitzen, an den Rändern ein schmaler Pelzbesatz. Der verbrämte Capemantel begleitete die Krinolinenmode bis auf ihren Höhepunkt. Das pelzverbrämte Cape bestand nicht nur zusammen mit den umfangreichen Gewandformen der Krinoline und dem Cul de Paris, es wurde halb- oder dreiviertellang auch über der schlanken Linie der 1890er Jahre getragen, besonders aber als pelzgefütterter Abendmantel über dem dekolletierten Gesellschaftskleid. Auch kleine verbrämte oder ganz aus Pelz gefertigte Schulterkragen sah man in dieser Zeit. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden immer mehr preisgünstige Pelze gekauft; die bis zu den Ellenbogen reichende schlichte Pelerine aus Pelz wurde häufig mit einem Muff kombiniert. Daneben gab es bereits kleine Capes, bei denen verschiedene Fellarten kombiniert wurden, beispielsweise moiriertes flaches Astrachan mit langhaarigem Skunkfell, abgebildet in einem italienischen Modekatalog Anfang 1898. Dieselbe Zeitschrift zeigte zwei Jahre später eine zierliche Pelzgarnitur aus Chinchilla, bestehend aus einem winzigen Abendtäschchen, einer fellverbrämten Kappe und einem kurzen Cape mit Stehkragen, die Felle an der unteren Kante jeweils bogenförmig gerundet.
20. Jahrhundert bis Gegenwart mini|hochkant|Sealskin-Cape - der Beginn der Pelzmode (1880, Worthing Museum and Art Gallery)