Seide oder auch Teufelszwirn (Cuscuta) ist die einzige Gattung der Tribus Cuscuteae (früher auch deutsch CuscutenVgl. etwa George Engelmann: Bemerkungen über Cuscuten. In: Botanische Zeitung. Band 4, Nr. 16, 17. April 1846, S. 273–280. genannt) innerhalb der Pflanzenfamilie der Windengewächse (Convolvulaceae). Weitere deutsche Trivialnamen sind Jungfernhaar, Kletterhur, Schmarotzerseide und Hexenseide. Die über 200 Arten sind fast weltweit verbreitet, sie ernähren sich parasitisch von anderen Pflanzenarten. Die Textilfaser Seide ist eine tierische Faser und hat mit den Pflanzenarten dieser Gattung nur den Namen gemeinsam. Der lateinische Name cuscuta (ursprünglich für Flachs-Seide, daneben möglicherweise auch für andere Cuscuta-ArtenOtto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 176. („Cuscuta – fyltzkrut oder syde […] Cuscute – vlaßsyde, podagra des lines […] vlassyde“).) kommt wahrscheinlich aus dem Arabischen und ist verwandt mit griechisch kadytas (‚Schmarotzerpflanze‘).Vagn Jǿrgensen Brǿndegaard: Ethnobotanik. Pflanzen im Brauchtum, in der Geschichte und Volksmedizin. Berlin 1985 (= Beiträge zur Ethnomedizin, Ethnobotanik und Ethnozoologie, 6), S. 257
Beschreibung Vegetative Merkmale mini|links|Illustration der Nessel-Seide (Cuscuta europaea)
Die Arten der Gattung Seide (Cuscuta) wachsen als linkswindend kletternde und praktisch wurzellose, einjährige krautige Pflanzen. Sie sind Vollschmarotzer, die ohne Kontakt mit dem Boden auf den Wirtspflanzen wachsen. Über Haustorien, die sich entlang der schlingenden Sprossachse bilden, sind sie mit dem Wirt verbunden und entziehen ihm alle benötigten Nährstoffe. Ist der Wirt ausdauernd, können sie gelegentlich auch selbst ausdauernd wachsen. Die Stängel sind fadenartig und grünlich, gelb, orange oder rötlich gefärbt. Die eigentlich wechselständig stehenden Laubblätter sind so stark reduziert, dass sie meist nicht auszumachen oder nur als etwa 2 mm große Schuppen ausgeprägt sind.
Eine Wurzel besitzen die Pflanzen nicht. Lediglich nach dem Keimen des Samens wird noch eine reduzierte Wurzel ausgebildet. Nachdem der Keimling eine passende Wirtspflanze gefunden hat, verwelkt diese Wurzel aber. Findet der Keimling innerhalb seiner ersten Tage keine Wirtspflanze, so stirbt er.
mini|Untergattung Cuscuta: Quendel-Seide (Cuscuta epithymum)
Blütenstände und Blüten Meist sind die Blütenstände Zymen, die auch köpfchen- oder rispenförmig sein oder auch nur aus einer einzelnen Blüte bestehen können. Die Blütenstände können von bis zu drei Tragblättern begleitet werden.
Die Blüten sind zwittrig, radiärsymmetrisch und meist vier- oder fünfzählig. Die meist mehr oder weniger cremeweiß gefärbten Kelchblätter sind teilweise miteinander verwachsen, stehen aber auf 2/5 bis 3/5 der Länge frei voneinander. Die Krone ist meist mehr oder weniger weiß; die Kronröhre ist becherförmig bis zylindrisch und kann unterhalb der Kronzipfel mit einem Wulst oder horizontalen Rippen versehen sein. Der Kelch und oft auch die Krone sind an der Frucht beständig, wobei die Krone dann welkt.
Zwischen den Staubblättern befinden sich meist schuppenförmige Lappen, die aufrecht oder zurückgebogen sein können. Der Fruchtknoten ist oberständig, hat zwei Fruchtkammern mit je zwei Samenanlagen. Die zwei Griffel stehen meist frei voneinander und sind an der Frucht beständig, die zwei Narben sind meist kugelig geformt.
Früchte und Samen Die kugel- bis eiförmigen Kapselfrüchte springen nicht oder unregelmäßig auf oder öffnen sich nur selten über einen Ringriss nahe der Basis. Zwischen den Griffeln kann sich eine unauffällige Öffnung befinden, in diesem Bereich sind die Früchte oftmals verdickt und/oder erhaben. Die Früchte enthalten einen bis vier Samen. Die Samen haben, wenn sie gequollen sind, eine papillöse Oberfläche, die beim Trocknen honigwabenartig wird.
Taxonomie und Systematik Die Gattung Cuscuta wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum Band 1 Seite 124 aufgestellt.
Äußere Systematik Cuscuta ist die einzige parasitische Gattung in der Familie der Windengewächse. Frühere Bearbeiter haben das Taxon daher zum Teil in eine eigene Familie Seidengewächse (Cuscutaceae) gestellt. Nach der Systematik der Angiosperm Phylogeny Group wird Cuscuta weiterhin innerhalb der Convolvulaceae geführt. Untersuchungen mit Hilfe molekulargenetischer Methoden bestätigen diese Klassifizierung. Cuscuta ist die einzige Gattung der Tribus Cuscuteae innerhalb der Familie der Convolvulaceae.
Innere Systematik Zur Gattung Seide (Cuscuta) gehören über 200 Arten, die in drei Untergattungen eingeteilt werden. Die etwa 25 Arten der Untergattung Cuscuta charakterisieren sich durch zwei Griffel gleicher Länge, die vollständig frei voneinander stehen und konisch in langgestreckte Narben übergehen. Die größte Artenanzahl weist die Untergattung Grammica mit mindestens 135 bis 140 Arten auf. Die Arten besitzen zwei frei voneinander stehende, unterschiedlich lange Griffel, die in kurzen, oftmals kugelförmigen Narben enden. Die etwa neun Arten der Untergattung Monogyna besitzen teilweise oder komplett verwachsene Griffel mit kugelförmigen oder langgestreckten Narben. Die folgende Liste basiert auf der World Checklist of Selected Plant Families, Saša Stefanović und Mihai Costea 2008 sowie Miguel A. Garciá und María P. Martín 2007, Abweichungen und Ergänzungen dazu sind mit Einzelnachweisen gekennzeichnet.
mini|Untergattung Cuscuta: Cuscuta approximata mini|Untergattung Cuscuta: Quendel-Seide (Cuscuta epithymum) miniatur|Untergattung Cuscuta: Nessel-Seide (Cuscuta europaea) miniatur|Untergattung Monogyna: Cuscuta japonica miniatur|Untergattung Monogyna: Pappel-Seide (Cuscuta lupuliformis) miniatur|Untergattung Grammica: Cuscuta australis miniatur|Untergattung Grammica: Nordamerikanische Seide (Cuscuta campestris) mini|Untergattung Grammica: Cuscuta chilensis miniatur|Untergattung Grammica: Cuscuta chinensis miniatur|Untergattung Grammica: Cuscuta sandwichiana mini|Cuscuta pacifica Untergattung Cuscuta Sektion Pachystigma Cuscuta africana : Sie kommt in der Capensis vor. Cuscuta angulata : Sie kommt von der Kapprovinz bis KwaZulu-Natal vor. Cuscuta natalensis : Sie kommt im südlichen Afrika vor. Cuscuta nitida ex : Sie kommt von der Kapprovinz bis KwaZulu-Natal vor.
Sektion Cleistococca Cuscuta capitata : Sie kommt vom südlichen europäischen Russland bis zum Altai und zum westlichen Himalaja vor.
Sektion Epistigma Cuscuta haussknechtii : Sie kommt im südwestlichen Iran vor. Cuscuta kotschyana : Sie kommt von der Türkei bis Zentralasien und Pakistan vor. Cuscuta pedicellata : Sie ist in Nordafrika, Mittel- sowie Westasien und im südöstlichen Russland verbreitet. Cuscuta pulchella : Sie kommt im Irak und in Afghanistan vor.
Sektion Cuscuta Cuscuta abyssinica : Sie kommt im nordöstlichen tropischen Afrika vor. Cuscuta approximata (Syn.: Cuscuta rhodesiana ): Sie kommt in Makaronesien, vom Mittelmeergebiet bis Sibirien und Indochina, von Eritrea bis Sambia, auf der Arabischen Halbinsel, in Nordamerika und in der Karibik vor. Cuscuta atrans : Sie kommt in Kreta vor. Cuscuta babylonica ex : Sie kommt von der Türkei bis Zentralasien und Afghanistan vor. Cuscuta balansae & ex : Sie kommt von den Inseln der Ägäis bis Westasien und der Arabischen Halbinsel, in Angola und auf Sokotra vor. Cuscuta brevistyla ex : Sie kommt von den Kanarischen Inseln bis Tibet vor. Cuscuta castroviejoi : Sie kommt in Äthiopien und vielleicht auch in Somalia vor. Flachs-Seide (Cuscuta epilinum ): Sie kommt ursprünglich vom Iran bis Zentralasien vor. Quendel-Seide (Cuscuta epithymum ): Sie kommt von Europa bis ins nordwestliche China und im Makaronesien vor. Nessel-Seide (Cuscuta europaea ): Sie kommt von den gemäßigten Zonen Eurasiens bis ins nördliche Indien vor. Cuscuta kurdica : Sie kommt von der östlichen Türkei bis Afghanistan vor. Cuscuta nivea : Sie kommt in Spanien, Algerien und vielleicht auch in Marokko vor. Cuscuta palaestina : Sie kommt vom östlichen Mittelmeergebiet bis zum westlichen Iran vor. Cuscuta pellucida : Sie kommt vom südlichen europäischen Russland bis Zentralasien vor. Cuscuta planiflora (Syn.: Cuscuta pretoriana ): Sie kommt vom Mittelmeergebiet bis ins nordwestliche Indien, in Makaronesien, von Eritrea bis in südliche Afrika und in Madagaskar vor. Cuscuta rausii : Sie kommt auf Karpathos vor. Cuscuta somaliensis : Sie kommt vom nordöstlichen tropischen Afrika bis Simbabwe und im Jemen vor. Cuscuta triumvirati : Sie kommt in Marokko, Algerien und in der spanischen Sierra Nevada vor.
Untergattung Monogyna Cuscuta japonica : Sie kommt von Indochina bis Ostasien vor. Cuscuta lehmanniana : Sie kommt vom nordöstlichen Iran bis Zentralasien und dem nordwestlichen China vor. Pappel-Seide (Cuscuta lupuliformis ): Sie kommt von Europa bis Pakistan und zur Mongolei vor. Cuscuta monogyna : Sie kommt von Europa bis Pakistan und zur Mongolei und im nordwestlichen Afrika vor.
Untergattung Grammica Cuscuta acuta : Sie kommt im westlichen Südamerika in Ecuador inklusive Galapagos und im westlichen Peru vor. Cuscuta australis Cuscuta bifurcata : Sie kommt im südlichen Afrika vor. Cuscuta boldinghii : Sie kommt von Mexiko bis Costa Rica und von Florida bis zu den Inseln der Karibik vor. Cuscuta burrellii : Sie kommt in Brasilien vor. Cuscuta californica & : Sie kommt in drei Varietäten von den Vereinigten Staaten bis ins nordwestliche Mexiko vor. Nordamerikanische Seide (Cuscuta campestris ) Cuscuta ceanothi (Syn.: Cuscuta subinclusa & ): Sie kommt Von Oregon bis ins nordwestliche Mexiko vor. Cuscuta cephalanthi : Sie kommt in Nordamerika vor. Cuscuta chapalana : Sie kommt im südwestlichen Mexiko vor. Cuscuta chilensis : Sie kommt von Argentinien bis Chile vor. Cuscuta chinensis (Syn.: Cuscuta applanata ): Sie kommt in zwei Varietäten im tropischen Afrika, in Madagaskar, von Asien bis Australien und von den USA bis Mexiko vor. Cuscuta cockerellii : Sie kommt in Peru vor. Cuscuta colombiana (Syn.: Cuscuta aristeguietae ) Cuscuta compacta ex : Sie kommt in den zentralen und östlichen Vereinigten Staaten vor. Cuscuta corniculata : Sie kommt in Kolumbien, Venezuela und Brasilien vor. Cuscuta coryli : Sie kommt in Kanada und in den USA vor. Cuscuta corymbosa & : Sie kommt von Mexiko bis Venezuela und Bolivien vor. Cuscuta costaricensis : Sie kommt von Mexiko bis Costa Rica und in Venezuela vor. Cuscuta cotijana & : Sie kommt nur in Mexiko vor. Cuscuta cozumeliensis : Sie kommt vom südöstlichen Mexiko bis Guatemala vor. Cuscuta cristata : Sie kommt vom südlichen Brasilien bis ins nördliche Argentinien vor. Cuscuta cuspidata & : Sie kommt in den USA vor. Cuscuta decipiens : Sie kommt in Mexiko vor. Cuscuta deltoidea (Syn.: Cuscuta serruloba ): Sie kommt im südwestlichen Mexiko vor. Cuscuta denticulata : Westliche USA und nordwestliches Mexiko. Cuscuta desmouliniana : Nordwestliches Mexiko. Cuscuta erosa : Arizona bis nordwestliches Mexiko. Cuscuta foetida : Sie kommt in zwei Varietäten im westlichen Südamerika vor. Cuscuta friesii : Argentinien. Cuscuta glabrior : New Mexico bis Oklahoma und nordöstliches Mexiko. Cuscuta globiflora : Peru bis nordwestliches Argentinien. Cuscuta globulosa : Mexiko und Karibik. Cuscuta glomerata : Zentrale und östliche USA. Cuscuta gracillima : Mexiko bis Costa Rica. Cuscuta grandiflora : Von den Anden bis ins nordwestliche Argentinien. Cuscuta gronovii ex : Sie kommt ursprünglich in drei Varietäten in Kanada, den USA und auf Hispaniola vor. Cuscuta gymnocarpa : Galapagos-Inseln. Cuscuta harperi : Nordwestliches Alabama. Cuscuta haughtii : Ecuador bis Peru. Cuscuta howelliana : Kalifornien. Cuscuta hyalina ex : Äthiopien bis südliches Afrika, Kapverden, Türkei und Afghanistan bis zum indischen Subkontinent.