Johann Jakob Wilhelm Schwerzmann (* 22. Juni 1877 in Zug, Bürgerort Cham; † 7. Juni 1966 in Orselina, Tessin) war ein Schweizer Bildhauer, Plastiker und Gestalter von Marionetten. Zu seinen Lebzeiten galt er als einer der bedeutendsten Brunnenplastiker der Schweiz.
Leben und Ausbildung alternativtext=Die Brunnenanlage im Davoser Kurgarten wurde ursprünglich von Wilhelm Schwerzmann (1877–1966) zusammen mit den Granitwerken Andeer für die Landesausstellung 1914 in Bern geschaffen. Der ursprünglich ohne Schmuck gestaltete Brunnen erhielt 1940–41 die drei Figuren (Bär, Steinbock, Wolf), welche auch von Wilhelm Schwerzmann hergestellt wurden.|mini|Brunnenanlage im Kurgarten von Davos Wilhelm Schwerzmann war der Sohn eines aus dem Entlebuch stammenden Schuhmachers. Nachdem er die katholisch geführten Schulen in Zug besucht hatte, was bei ihm zu einer lebenslangen Antipathie gegen den Klerus führte, absolvierte er in Luzern eine sechsmonatige Bildhauerlehre bei Karl Ringler (* 1864). Anschliessend besuchte er die Kunstgewerbeschule Luzern, später die Gewerbeschule Basel. Diese musste er 1894 wieder verlassen, da er eine falsche Religionszugehörigkeit angegeben hatte. In der Folge ging er nach München, wo er an der Akademie der Bildenden Künste im Umfeld von Adolf von Hildebrand neue künstlerische Impulse erhielt. Wieder in der Schweiz, war er in Zollikon Schüler von Adolf Meyer (1867–1940) und schloss seine Bildhauerlehre zwischen 1904 und 1905 ab.
Aus gesundheitlichen Gründen verlegte Schwerzmann 1915 seinen Wohnsitz ins Tessin nach Minusio, wo er mehr als 50 Jahre lang bis lebte und arbeitete.
Wilhelm Schwerzmann starb am 7. Juni 1966 zwei Wochen vor Vollendung seines 89. Lebensjahres in Orselina.
Werk Schwerzmann gestaltete vor allem Kunst für den öffentlichen Raum, insbesondere Brunnenanlagen, Skulpturen mit Genreszenen und Tiermotiven, aber auch zahlreiche Bauplastiken, Ornamente und Reliefs für repräsentative Bank- und Hotelgebäude.Bubenbrunnen in Davos, doi:10.5169/seals-15893#816. In: Das Werk: Architektur und Kunst, abgerufen am 3. November 2021. Ein Großteil seines Lebenswerkes entstand in Graubünden, dort insbesondere im Bereich Davos. Auch in Zürich, in St. Gallen und in seinem Wohnort Minusio ist er mit zahlreichen Werken in öffentlichen Raum vertreten.
Der Künstler arbeitete vorwiegend mit Sandstein, gefärbtem Kunststein oder Marmor, schuf aber auch Schnitzarbeiten aus Arvenholz.
Für die Schweizerische Landesausstellung 1914 schuf Schwerzmann folgende Werke: für das vom Architekten Karl Indermühle entworfene Wirtshaus des Heimatschutzes «Zum Röseligarten» eine aufwändig geschnitzte Innenausstattung eine Brunnenanlage, die Davos 1915 erwarb und die im Kurgarten unterhalb der Promenade aufgestellt wurde; die ebenfalls von Schwerzmann geschaffenen markanten Tierfiguren «Wolf» (1939), «Steinbock» (1940) und «Bär» (1941) auf diesem Brunnen wurden erst nachträglich ergänzt eine «Mariensäule», die ihren Platz vor der Liebfrauenkirche in Rapperswil fand den «Hofbrunnen» (auch «Dörflibrunnen»), der heute in St. Gallen-St. Fiden stehtFotografien des Hofbrunnens an der Schweizerischen Landesausstellung 1914, abgerufen am 13. Juni 2021.
Zu Schwerzmanns bekannten Werken zählen der «Bubenbrunnen» (1928) im «Bubenbrunnenpark» am Postplatz in Davos Platz sowie der gemeinsam mit seinem Freund, dem Architekten Rudolf Gaberel, gebaute «Skistürzebrunnen» (1936) in der Dorfstrasse von Davos. Auf dem Davoser Waldfriedhof und auf dem Friedhof Davos-Dorf befinden sich einige Grabsteine, die Schwerzmann geschaffen hat. Im Kirchner Museum Davos befindet sich ein Selbstporträt des Künstlers, das er aus gefärbtem Gips geschaffen hat.
Nach dem Bergsturz in Fidaz 1939 erhielt Schwerzmann von einem türkischen Unternehmer, dessen Sohn bei diesem Unglück auch ums Leben gekommen war, den Auftrag für eine Gedenkstele. Für diese nutzte Schwerzmann die Bronzefigur eines Knaben, die er schon 1925 geschaffen hatte, und platzierte sie auf dem beschrifteten Sockel.
Schwerzmann nahm an den Schweizerischen Nationalausstellungen von 1908, 1919, 1925 und 1931 sowie bei den Turnusausstellungen des Schweizer Kunstvereins (SKV), 1923, 1924, 1929, 1932 und 1934 teil.Kataloge der Turnusausstellungen des Schweizerischen Kunstvereins. In: Sikart, abgerufen am 13. Juni 2021.
Als Kontrast zu Hermann Hallers Hans-Waldmann-Denkmal in Zürich hat Schwerzmann ein anderes Denkmal modelliert. Dieses wurde jedoch nie ausgeführt.Peter Meyer: Ein anderes Waldmann-Denkmal von W. Schwerzmann. In: Das Werk: Architektur und Kunst = L’oeuvre: architecture et art, Band 24, Heft 5, 1937, ca. S. 160. Abgerufen in E-Periodica der ETH Zürich am 14. Juli 2024 (mit Abbildung von Schwerzmanns Modell).
Werke im öffentlichen Raum (Auswahl) in Davos Brunnenanlage (1914), Kurgarten Davos Bubenbrunnen (1928), Davos Platz Skistürzebrunnen (1936), Davos Dorfstrasse 5 Holzreliefs in der Grossen Stube im Rathaus Grabsteine auf dem Waldfriedhof und in Davos-Dorf in anderen Orten St. Mauritius im Hochwasser (Mauritiusbrunnen) (1910), St. Moritz Wolfsrelief am «Geschäftshaus Wolfsberg», Bederstrasse 109, Zürich-Enge (1910) Steinbockbrunnen am Majoranplatz in Chur (1912) Dörfli-Brunnen, St. Gallen (1914) Skulptur am Soldatendenkmal auf dem Friedhof Langenthal (1921)Der Soldatentag in Langenthal. Sonntag den 12. Juni 1921. In: Burgdorfer Tagblatt. Band 91, Nr. 137, 16. Juni 1921, S. 2 (online). Gedenkstele, Fidaz (1925) Geschnitzter Eckpfosten der «Villa Waldwinkel», Arosa Tierli-Brunnen beim Schulhaus Kirchbühl I in Cham Mariensäule bei der Liebfrauenkapelle in RapperswilLiebfrauenkapelle Rapperswil, krj.ch, abgerufen am 15. Mai 2021, .pdf Duonna Lupa-Brunnen, Tschlin (1960)
Ausstellungen (Auswahl) zu Lebzeiten 1908: Schweizerische Nationale Kunstausstellung 1914: Schweizerische Landesausstellung, Bern 1919: Schweizerische Nationale Kunstausstellung 1923: Turnusausstellung des Schweizerischen Kunstvereins 1924: Turnusausstellung des Schweizerischen Kunstvereins, Zürich 1925: Schweizerische Nationale Kunstausstellung 1929: Turnusausstellung des Schweizerischen Kunstvereins 1931: Schweizerische Nationale Kunstausstellung, Genf 1932: Turnusausstellung des Schweizerischen Kunstvereins, Zürich 1934: Turnusausstellung des Schweizerischen Kunstvereins 1939: Schweizerische Nationale Kunstausstellung, Zürich posthum 2003/2004: Il confronto con la modernità, 1914-1953, Museo civico di belle arti, Lugano 2010: 1922. Le Origini, Museo comunale d’arte moderna, Ascona 2014/2015: Wilhelm Schwerzmann (1877-1966). Pittura e scultura nel Locarnese, Centro culturale e museo Elisarion, Minusio
Literatur
Bildergalerie
Weblinks
Wilhelm Schwerzmann im e-museum des Museums für Gestaltung Zürich Wilhelm Schwerzmann in mural.ch Schwerzmann Wilhelm in chamapedia.ch
Einzelnachweise
Kategorie:Bildhauer (Schweiz) Kategorie:Künstler (Kunst am Bau) Kategorie:Person (Kanton Graubünden) Kategorie:Schweizer Kategorie:Geboren 1877 Kategorie:Gestorben 1966 Kategorie:Mann