Die Kaiserlichen Iranischen Landstreitkräfte oder auch Kaiserlich Iranische Armee (; englisch Imperial Iranian Ground Forces (IIGF)) bildeten von 1921 bis 1979 das Heer der Streitkräfte des Kaiserreichs Iran unter der Kadscharen und Pahlavi-Dynastie.

Die Landstreitkräfte stellten die erste einheitliche Armee Irans in der Neuzeit dar und bildeten die größte Teilstreitkraft der Kaiserlich Iranischen Streitkräfte. Obwohl die Armee mit der Gründung einer eigenen Luftwaffe 1923 und Marine 1932 ab 1955 ausschließlich das Heer umfasste, stand der Begriff Kaiserlich Iranische Armee in der allgemeinen Wahrnehmung oftmals für die gesamten iranischen Streitkräfte.

Die Kaiserlich Iranischen Landstreitkräfte galten – trotz erheblicher struktureller Mängel – bis zur Islamischen Revolution als die größte und schlagkräftigste Armee des Nahen Ostens und bildeten mit den beiden anderen Teilstreitkräften auf ihrem Höhepunkt die fünftgrößte Militärmacht der Welt.De Akan Malici, Stephen G. Walker: Role Theory and Role Conflict in U.S.-Iran Relations: Enemies of Our Own Making Berlin 2007, ISBN 978-1-315-52593-8, S. 107. Mit dem Sturz des letzten Schah Mohammad Reza Pahlavi und der Abschaffung der Monarchie 1979 wurden sie durch die Armee der Islamischen Republik Iran abgelöst und infolge der anschließenden revolutionären Unruhen mit Massendesertionen und -exekutionen sowie durch den späteren Ersten Golfkrieg (1980–1988) personell und materiell stark dezimiert.

Geschichte Entstehung Seit dem antiken Perserreich bestand in Iran eine nationale Armee. Sie existierte unter verschiedenen Bezeichnungen und war in ihrer Geschichte immer wieder einschneidenden Veränderungen und Umstrukturierungen unterworfen. Seit den letzten militärischen Eroberungen unter Nader Schah stellten sich keine militärischen Erfolge ein. Ab dem 18. Jahrhundert befand sich das iranische Militärwesen im steten Niedergang.

Nach den verlorenen Kriegen der Safawiden gegen das Osmanische Reich sowie den Russisch-Persischen Kriegen, die zu erheblichen Gebietsverlusten Persiens geführt haben, versuchte die nachfolgende Dynastie der Kadscharen im 18. und 19. Jahrhundert das iranische Heer nach westlichem Vorbild zu modernisieren. Diese Bemühungen erwiesen sich aber aufgrund zahlreicher innenpolitischer Widerstände als nur begrenzt erfolgreich.

Ein großes Erschwernis beim Angehen tiefgreifender Militärreformen bildeten die im Militärapparat weit verbreitete Korruption unter Beamten und Offizieren sowie die divergierenden strategischen Interessen der beiden angrenzenden Großmächte des Russischen Reiches sowie des britischen Weltreichs (Siehe Great Game). Iran spielte aufgrund seiner strategischen Lage und durch seine später entdeckenden Erdöl-Vorkommen für beide Mächte eine Schlüsselrolle in der Region. Mehrere Versuche, aus Iran ein britisches oder russisches Protektorat zu machen, scheiterten aber.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts befand sich das iranische Heer – trotz eingeleiteter Reformen – in einem desolaten Zustand. Während Iran in der Herrschaftszeit von Mozaffar ad-Din Schah insgesamt 150.000 Soldaten und 50.000 Reservisten nominell vorweisen konnte, war zu Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 nur ein Bruchteil dieser Truppen überhaupt einsatztauglich. Die wenigen verfügbaren Kräfte bildeten keine wirksame Streitmacht, die eine Invasion moderner und gut ausgerüsteter ausländischer Armeen hätte effektiv bekämpfen und abwehren können. Vielen iranischen Offizieren fehlten Kenntnisse über moderne Militärdoktrinen, die meisten Soldaten waren schlecht ausgebildet und diszipliniert und die Kampfmoral allgemein niedrig. Die militärische Ausrüstung des Heeres war größtenteils veraltet und von minderer Qualität. Ebenfalls wurden die bestehenden Waffenbestände schlecht verwaltet. Die letzten militärischen Akquisitionen waren österreichisch-ungarische Artilleriegeschütze, die 1898 an Iran geliefert worden waren. Neue Verhandlungen über weitere Käufe wurden 1901 geführt.

Die instabile innenpolitische Lage nach der konstitutionellen Revolution von 1906 sowie der darauffolgende Erste Weltkrieg, in dem das neutrale Persien ab 1915 Kriegsschauplatz wurde und bis 1921 zeitweise von britischen, osmanischen und russischen Truppen besetzt war, rieben die iranische Armee in ihrer Mehrheit auf. Schließlich bestand am Ende des Krieges keine einheitliche Kommandostruktur mehr. Das iranische Heer umfasste 1918 noch 22.800 Mann und war in vier verschiedene (Teil)Streitkräfte, die jeweils unterschiedliche Interessen verfolgten, unterteilt:

die «Nationale Armee» der Kadscharen und der kaiserlichen Zentralregierung in Teheran (die reguläre iranische Armee) die Persische Kosakenbrigade (russisch dominiert, ca. 7.000 Soldaten (1918)) die South Persia Rifles (SPR) (britisch dominiert) die Persische Gendarmerie (unter schwedischem Kommando, ca. 12.000 Soldaten (1918))

Die Nationale Armee wurde zusätzlich noch von lokalen Provinz- und Stammeskräften unterstützt, deren Zuverlässigkeit im Ernstfall jedoch höchst fraglich war, da sie sich gegen jegliche Zentralisierung- und Vereinheitlichungsbemühungen der Zentralregierung in Teheran stellten.

Als Reza Shah am Putsch vom 21. Februar 1921 in Teheran teilnahm und Kriegsminister im Kabinett der Premierminister Hassan Mostofi und Hassan Pirnia wurde, gliederte er am 6. Dezember 1921, die Gendarmerie und die persischen Kosakenbrigade in die Nationale Armee ein und vereinigte sie zu einer einzigen Streitmacht. Die South Persia Rifles (SPR) waren bereits zwei Monate zuvor im Oktober 1921 von den Briten aufgelöst worden. Zahlreiche iranische Offiziere und Truppen der ehemaligen SPR traten in den Dienst der neuen „Kaiserlich Iranischen Armee“, die die Rechtsnachfolgerin der Nationalen Armee der Kadscharen wurde.

Aufbau eines modernen Heerwesens mini|Iranische Artillerietruppen (1931) 1922 war die Bildung einer einzigen einheitlichen iranischen Armee, die allein dem iranischen Staat verpflichtet war, abgeschlossen und damit eines der Hauptziele der konstitutionellen Bewegung erreicht.

Am 5. Januar 1922 wurde die Bildung von fünf Divisionen, die jeweils aus 10.000 Mann bestehen sollten, beschlossen. Das iranische Heer gliederte sich ab 1922 in fünf Divisionen und wuchs auf über 40.000 Mann an.

Mit der Machtübernahme der Pahlavi-Dynastie 1925 arrivierte die Aufrüstung und Modernisierung der iranischen Armee zum Hauptanliegen des neuen Herrschers Reza Shah Pahlavi.

Unter Reza Shah wurden moderne Kriegsmittel, wie britische Flugzeuge, italienische Kanonenboote und Zerstörer sowie Munition aus dem Deutschen Reich, Schweden und der Tschechoslowakei beschafft, ein modernes Kriegsministerium mit entsprechender Ministerialverwaltung in Teheran begründet sowie mit dem Aufbau einer eigenen Luftwaffe (1923 gegründet) und Marine (1932 gegründet) begonnen. Gleichzeitig wurde die Schaffung einer indigenen Rüstungsindustrie gefördert sowie der Bau von Rüstungsfabriken subventioniert. Die Ausbildung von Sicherheitskräften zur Sicherstellung der öffentlichen Ordnungen wurde ebenfalls angegangen und Stipendien für Militärkadetten, die zum Studium an europäischen Militärakademien ins Ausland geschickt wurden, vergeben.

Das rapide Wachstum der Armee bildete eine wichtige Grundvoraussetzung zur Wiedererlangung der iranischen Souveränität, die mit dem Ersten Weltkrieg teilweise verloren gegangen war. Als Teil seiner Gesellschaftsreformen entließ Reza Shah fast alle ausländischen Offiziere aus dem Armeedienst. Die wenigen, die danach noch in der iranischen Armee dienten, stammten entweder aus Schweden oder waren ehemals Offiziere der Kaiserlich Russischen Armee, die im Russischen Bürgerkrieg vor den Bolschewiki geflohen waren und die iranische Staatsbürgerschaft angenommen hatten.

Gleichzeitig wurden viele Kadetten ins Ausland geschickt, hauptsächlich an französische Militärakademien. Infolgedessen waren die entstehenden militärischen Institutionen der iranischen Armee stark von dem in Frankreich vorherrschenden Stil und der Organisation beeinflusst. Der Madschles (Parlament) ermächtigte den Kriegsminister erstmals 1922, 60 Kandidaten an französische Militärakademien zu entsenden.

Zusätzlich wurden ernsthafte Versuche unternommen, mit der Armee im Rahmen des «nation-building» ein nationales Modell zur politischen Integration zu schaffen. Die neue und westlich geprägte bewaffnete Macht sollte in ihrer Tradition an das vorislamische Iran anknüpfen. 1936 wurden nach westlichem Vorbild neue Regelungen zu Beförderungen, Gehältern, Renten, Versicherungen und dem Ruhestand eingeführt und alle Namen und Bezeichnungen in der Armee „iranisiert“.

In weniger als zwei Jahrzehnten wurde der Bestand an Gewehren und Artilleriegeschützen verzehnfacht, wobei sich die Maschinengewehrbestände um etwa das 120-fache erhöhten. Vor Beginn des Zweiten Weltkriegs besaß Iran ungefähr 300.000 Gewehre, 350 Artilleriegeschütze (hauptsächlich leichte und mittlere Kaliber, einige davon motorisiert) sowie 6000 schwere und leichte Maschinengewehre. Die meisten Einheiten der iranischen Armee waren mit modernen Gewehren und Maschinengewehren ausgerüstet. Obwohl Iran unter Reza Schah den Großteil aller Waffen aus dem Ausland importierte, stieg der Anteil der Ausrüstung, der aus iranischer Eigenproduktion stammte, bis 1941 stetig an.

In der Zeit von 1922 bis 1941 gelang es Iran auch, nach europäischem Vorbild moderne Panzertruppen aus Panzern und Kampffahrzeugen aufzustellen. Die ersten Panzer, die 1925 nach Iran kamen, waren die französischen leichten Panzer Renault FT sowie der aus US-amerikanischer Produktion stammende leichte Panzer der Marke Marmon-Herrington.

Zu Beginn der anglo-sowjetischen Invasion am 25. August 1941 verfügte Iran über eine Streitmacht von 200 Panzern. Die modernsten Panzer waren zu dieser Zeit die leichten Panzer ČKD-Praga AH-IV und ČKD-Praga TNH, die ab 1937 von der Tschechoslowakei an Iran geliefert wurden und sich als äußerst populär in iranischen Fachkreisen erwiesen. Die Panzertruppen wurden durch 102 gepanzerte Fahrzeuge, darunter durch mit Vickers-Maschinengewehren bewaffnete Panzerwagen der britischen Marke Rolls-Royce aus Britisch-Indien sowie durch das leistungsstärkere, aus den USA stammende, Modell LaFrance TK-6, unterstützt.

Trotz der Schaffung eines Panzerkorps war die iranische Armee für schnelle Angriffe und Manöver weiterhin auf ihre Kavallerie angewiesen, was vor allem an der fehlenden Kampferfahrung des iranischen Panzerkorps lag. Zwar gab es in Iran eine Reihe qualifizierter Offiziere, die in der europäischen Tradition der Panzerkriegsführung geschult worden waren, diese konnten oftmals nicht in höheren Befehlsebenen aufsteigen. Auch blieb die Artillerie veraltet und setzte Ausrüstung wie die schwedische Bofors 75 mm Modell 1929-Flugabwehr und französische Canon de 75 mm modèle 1912 Schneider-Feldgeschütze ein.

1926 und 1938 wurden die Wehrpflicht und das Rekrutierungssystem ausgeweitet, womit die Personenstärke des Heeres bis 1930 schrittweise auf rund 85.000 Mann erhöht werden konnte. Die Armee wurde zusätzlich durch eine neu errichtete Kaiserlich Iranische Gendarmerie unterstützt, die die Nachfolge der 1921 aufgelösten Persischen Gendarmerie antrat und anfangs rund 12.000 Soldaten zählte. Sie bestand bis 1979 (bzw. bis 1991).

1937 zählte die Kaiserliche Armee rund 105.000 Soldaten.

Zweiter Weltkrieg mini|Iranische Soldaten in der Nähe von Kermānschāh (August 1942) Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs stellte die iranische Armee insgesamt 16 Divisionen auf, die sich aus 126.000 aktiven Soldaten zusammensetzten. Hinzu kamen noch 400.000 Reservisten. Die iranische Armee war damit fünfmal so groß wie ursprünglich und galt allgemein als gut ausgebildet und ausgerüstet.