Die Liste historischer Staaten in Italien zählt die zahlreichen unabhängigen territorialen Einheiten auf, die auf dem Gebiet des heutigen Italien oder im angrenzenden italienischen Sprachraum existierten.

Das Konzept des Staates entwickelte sich im italienischen politischen Denken ab dem 15. Jahrhundert, dank der Arbeit von Literaten wie Niccolò Machiavelli, und fand erst nach der Französischen Revolution vollständige Anwendung. So kann man für die vorangegangenen Epochen nicht von Staaten im modernen Sinne sprechen. Vom 10. Jahrhundert bis zum napoleonischen Zeitalter waren beispielsweise fast alle Staaten Mittel- und Norditaliens formal Vasallen des Heiligen Römischen Reiches, auch wenn die meisten von ihnen faktisch unabhängig waren. Im Gegensatz dazu war der Kirchenstaat, der von Rechts wegen voll souverän war, vor dem 17. Jahrhundert nicht in der Lage, eine wirkliche und dauerhafte Kontrolle über sein gesamtes Gebiet auszuüben. Im Gegensatz dazu stand wiederum die Republik Venedig, die sich zunehmend von Byzanz unabhängig machte, zugleich aber in keiner Abhängigkeit vom Reich stand. Dementsprechend früh entwickelten sich dort staatliche Strukturen, wie sie Byzanz immer üblich waren.

Im Folgenden sind die Staaten nach Zeitepoche geordnet, von der Antike bis zur Einigung Italiens und darüber hinaus. In Klammern ist angegeben, wann diese existierten. Unter Umständen können einzelne Staaten mehrfach vorkommen, falls sie über mehrere Epochen hinweg bestanden.

Antike mini|Das Römische Reich um 180 Die Geschichte der Italienischen Halbinsel in der Antike ist vom Aufstieg der Stadt Rom zu einem mächtigen Reich geprägt. Dabei erlangten die Latiner die Vorherrschaft über die weiteren dort lebenden Völker, indem sie sich zuerst von der Herrschaft der Etrusker befreiten und anschließend nach und nach Gebiete eroberten.

Römisches Königreich (753 v. Chr. – 509 v. Chr., diese Jahreszahlen sind spekulativ) Römische Republik (509 v. Chr. – 27 v. Chr.) Römisches Reich (27 v. Chr. – 476 n. Chr.) Zu den Eroberungen gehören insbesondere die griechischen Kolonien von Magna Graecia im Süden, darunter als eine der bedeutendsten:

Syrakus (734 v. Chr. – 212 v. Chr.)

Weiterhin unterstanden Korsika, Sardinien und der Westen von Sizilien bis 238/39 dem Karthagischen Reich.

Nach dem Untergang des Weströmischen Reiches stand die Italienische Halbinsel formal unter der Oberhoheit der Ostkaiser, die an ihrer Stelle germanische Herrscher regieren ließen. Tatsächlich war diese Unterwerfung nur formal, und wie im übrigen römischen Westen bildeten sich auch in Italien römisch-germanische Königreiche: Reich des Odoaker (476–493) Ostgotenreich (493–553) Die Herrschaft über die Inseln sicherte sich das Reich der Vandalen:

Sardinen: 455–534 (Eroberung durch Byzanz) Sizilien: 468–476 (Verkauf an Odoaker) Korsika: 469–534 (Eroberung durch Byzanz)

Frühmittelalter mini|Zur Zeit des Langobardenreichs

Teilung der Halbinsel Nach dem Gotenkrieg kam die Halbinsel vollständig unter die Kontrolle des Byzantinischen Reiches, zuerst als Prätorianerpräfektur, danach als Exarchat. Kurze Zeit später fielen die Langobarden ein, denen es aber nicht gelang, die ganze Halbinsel zu erobern. Langobardenreich (568–774) Exarchat von Ravenna (584–751, zum Byzantinischen Reich) Exarchat von Karthago (584–698, zum Byzantinischen Reich) Herzogtum Rom (536–756, zum Exarchat von Ravenna)

In Erfüllung seines Beistandspaktes mit dem Papsttum eroberte der fränkische König Karl I. der Große 773/74 das Langobardenreich und nahm den Titel Gratia Dei rex Francorum et Langobardorum („Durch die Gnade Gottes König der Franken und Langobarden“) an. Er führte beide Reiche in Personalunion, wobei die Gesetze der Langobarden (Leges Langobardorum) weiter galten, ansonsten aber die fränkische Reichsorganisation.

Italien war zur Zeit der Karolinger und daran anschließend wie folgt aufgeteilt: Reichsitalien (774–1801, vom Heiligen Römischen Reich beansprucht) Kirchenstaat (756–1797) Herzogtum Benevent (577–1053) Herzogtum Spoleto (570–1203)

Byzantinische Oberhoheit Thema Sizilien (687–902) Herzogtum Gaeta (839–1140) Herzogtum Kalabrien Herzogtum Neapel (661–1137) Herzogtum Venedig (697–1148) Inseln Dalmatiens küstennahes Istrien Sardinien (nur nominell, faktisch autonom)

Sarazenen Die muslimischen Sarazenen besaßen im 9. und 10. Jahrhundert verschiedene militärische Stützpunkte entlang der Küste. Von diesen aus unternahmen sie Raubzüge ins Landesinnere, ehe sie 915 nach der Schlacht am Garigliano endgültig von der Halbinsel vertrieben wurden. Agropoli (882–915) Amantea (839–885) Brindisi (836–868) Capo Miseno Emirat von Bari (846–871) Emirat von Tarent (839–880) Fondi (846–847) Licosa (846) Ponza (813) Sepino Traetto (883–915) Vermutlich gab es in Ligurien zwischen Genua und Nizza noch weitere, schwer zu identifizierende und kleine Befestigungen. Sie waren eher temporäre Anlandungen, die im Laufe der Zeit mehrmals wiederverwendet wurden, oder kleine semi-permanente Stützpunkte. Es ist nicht davon auszugehen, dass es sich dabei um dauerhafte Siedlungen handelte.

Hochmittelalter mini|Italien um das Jahr 1000 mini|Süditalien im Jahr 1112 Im Hochmittelalter unterstanden zahlreiche Territorien in Nord- und Mittelitalien nominell der Herrschaft des Heiligen Römischen Reiches, waren aber faktisch weitestgehend unabhängig. Dasselbe gilt auch für Süditalien, wo sich verschiedene Kleinstaaten allmählich vollständig von der byzantinischen Oberhoheit lösten.

Territorien des Heiligen Römischen Reiches Reichsitalien (774–1801) Herzogtum Spoleto (570–1203) Markgrafschaft Ceva (1125–1535) Markgrafschaft Finale (967–1797) Markgrafschaft Incisa (1161–1548) Markgrafschaft Ivrea (891–1014) Markgrafschaft Montferrat (961–1574) Markgrafschaft Ostligurien (961–1193) Markgrafschaft Saluzzo (1142–1548) Markgrafschaft Turin (941–1060) Markgrafschaft Tuscien (797–1197) Markgrafschaft Verona (952–1167) Grafschaft Civitella Ranieri (1078–1817) Grafschaft Görz (1127–1365) Grafschaft Nizza (1388–1860) Grafschaft Savoyen (1003–1416) Grafschaft Sovana (1274–1293) Fürstbistum Brixen (1027–1803) Fürstbistum Trient (1027–1803) Patriarchat von Aquileia (1077–1420, mit den Markgrafschaften Friaul und Istrien) Grafschaft Urbino (1213–1443)

Territorien in Süditalien Grafschaft Sizilien (1071–1130) dann: Königreich Sizilien (1130–1816) Herzogtum Amalfi (958–1137) Herzogtum Benevent (577–1053) Herzogtum Gaeta (839–1140, zum Königreich Sizilien) Herzogtum Neapel (661–1137, zum Königreich Sizilien) Herzogtum Sorrent (839–1137, zum Königreich Sizilien) Fürstentum Capua (900–1139/56, zum Königreich Sizilien) Fürstentum Salerno (851–1077, zur Grafschaft Apulien und Kalabrien) Fürstentum Tarent (1088–1465) Emirat von Sizilien (831–1091) Katepanat Italien (965–1071, zum Byzantinischen Reich) Grafschaft Apulien (1043–1059) dann: Grafschaft Apulien und Kalabrien (1059–1130, Vereinigung mit der Grafschaft Sizilien zum Königreich Sizilien) Grafschaft Ariano (10. Jahrhundert – 1498) Grafschaft Aversa (1049–1078, Teil des Fürstentums Capua)

Judikate auf Sardinien mini|Judikate Sardiniens Die Judikate waren Territorien auf Sardinien, die zwar nominell dem Byzantinischen Reich unterstanden, faktisch aber weitestgehend unabhängig waren und jeweils von einem Richter (sardisch: judike) regiert wurden. Ihre Unabhängigkeit endete mit der Eroberung durch Aragonien. Judikat Arborea (9. Jahrhundert – 1420) Judikat Cagliari (1020–1258) Judikat Gallura (10. Jahrhundert – 1296) Judikat Torres (10. Jahrhundert – 1259)

Weitere Staaten Kirchenstaat (756–1797) Herzogtum Venedig (697–1148) Grafschaft der Marser (859–1150, unter dem Kirchenstaat und dem Fürstentum Capua) Republik Ancona (11. Jahrhundert – 1532) Republik Asti (1095–1342) Republik Florenz (1115–1569) Republik Lucca (1160–1799) Republik Noli (1192–1797) Republik Pisa (ca. 1000–1406) Republik San Marino (möglicherweise unabhängig seit dem 9. Jahrhundert) Republik Siena (1125–1555)

Spätmittelalter und Renaissance mini|Italien im Jahr 1454 (nach dem Frieden von Lodi) mini|Italien im Jahr 1494, kurz vor den Italienischen Kriegen Das Heilige Römische Reich war im ausgehenden Mittelalter immer weniger in der Lage, seine Herrschaft durchzusetzen, weshalb das Gebiet Reichsitaliens in zahlreiche Lehen zerfiel. Allerdings behielt das Reich zumindest nominell die Oberhoheit bei. Die eigentliche Macht lag bei lokalen Adelsgeschlechtern, während in den zahlreichen Kommunen Ober- und Mittelitaliens die Signorie regierten.

Feudalherrschaften Reichsitalien (774–1801, nur formell) Königreich Neapel (1302–1799) Königreich Sardinien (1324–1861) Königreich Sizilien (1130–1816) Herzogtum Mailand (1395–1447, 1450–1796) Herzogtum Ferrara (1471–1598) Herzogtum Latera (408–1668) Herzogtum Massa und Carrara (1473–1829) Herzogtum Modena und Reggio (1452–1796) Herzogtum Savoyen (1416–1792) Herzogtum Sora (1443–1796) Herzogtum Urbino (1443–1625) Markgrafschaft Ceva (1125–1535) Markgrafschaft Dolceacqua (1276–1797) Markgrafschaft Finale (967–1797) Markgrafschaft Fosdinovo (1355–1797) Markgrafschaft Incisa (1161–1548) Markgrafschaft Mantua (1433–1530) Markgrafschaft Monte Santa Maria (1250–1797) Markgrafschaft Montferrat (961–1574) Markgrafschaft Oristano (1410–1478) Markgrafschaft Petrella (1456–1806) Markgrafschaft Saluzzo (1142–1548) Markgrafschaft Sorbello (1416–1815) Markgrafschaft Tresana (1355–1797) Markgrafschaft Zibello (1459–1802) Markgrafschaft Zuccarello (1397–1624) Fürstentum Oneglia (1488–1576) Fürstentum Tarent (1088–1465) Grafschaft Carpegna (12. Jahrhundert – 1819) Grafschaft Castell’Ottieri (1381–1616) Grafschaft Civitella Ranieri (1078–1817) Grafschaft Desana (1411–1510) Gefürstete Grafschaft Görz (1365–1754, Teil der habsburgischen Länder) Grafschaft Montechiarugolo (1428–1612) Grafschaft Nizza (1388–1860) Grafschaft Novellara und Bagnolo (1371–1737) Grafschaft Pitigliano (1336–1604) Grafschaft Rolo (1380–1766) Grafschaft San Secondo (1365–1817) Grafschaft Santa Fiora (1274–1806) Grafschaft Tenda (1258–1581) Herrschaft Carpi (1336–1527) Herrschaft Ferrara (1208–1471) Herrschaft Loano (1263–1505) Herrschaft Mirandola (1310–1619) Herrschaft Monaco (1297–1612) Herrschaft Piombino (1398–1594) Herrschaft Rimini (1295–1500)

Stadtstaaten Goldene Ambrosianische Republik (1447–1450) Republik Ancona (11. Jahrhundert – 1532) Republik Cospaia (1441–1826) Republik Florenz (1115–1569) Republik Genua (1099–1797) Republik Lucca (1160–1799) Republik Massa (1225–1336) Republik Noli (1192–1797) Republik Pisa (ca. 1000–1406) Republik Poglizza (1207–1807, Protektorat) Republik Ragusa (1358–1808) Republik San Marino (de facto unabhängig seit 1291) Republik Senarica (1343–1797) Republik Siena (1125–1555) Republik Venedig (1148–1797)

Kirchliche Territorien Kirchenstaat (756–1797) Deutschordensballei An der Etsch und im Gebirge (1260–1805, Territorium des Heiligen Römischen Reiches) Fürstbistum Brixen (1027–1803, Territorium des Heiligen Römischen Reiches) Fürstbistum Trient (1027–1803, Territorium des Heiligen Römischen Reiches) Patriarchat von Aquileia (1077–1420)

Weitere Gebiete Reichsunmittelbare Stadt Triest und ihr Gebiet (1382–1809, Teil der habsburgischen Länder) Sieben Gemeinden (1310–1807)

Nach den Italienischen Kriegen mini|Italien im Jahr 1559 nach dem Frieden von Cateau-Cambrésis Gemäß den Bedingungen des Friedens von Cateau-Cambrésis im Jahr 1559, am Ende der seit 1494 andauernden Italienischen Kriege, standen Sardinien, das Königreich Sizilien, das Königreich Neapel (einschließlich des Stato dei Presidi) und das Herzogtum Mailand unter direkter Kontrolle des habsburgischen Spaniens. Damit wurde das Haus Habsburg zur wichtigsten ausländischen Macht auf der Italienischen Halbinsel.

Bedeutende Staaten Reichsitalien (774–1801, nur formell) Kirchenstaat (754–1797)