mini|Sicht auf die Haupttreppe (2013) mini|hochkant|Professor im Lehrstuhl bei der Vorlesung, Holzschnitt im Kleinen Destillierbuch von Hieronymus Brunschwig aus dem Jahr 1500 Das Eberhard-Ludwigs-Gymnasium (kurz: „Ebelu“) ist ein Gymnasium in Stuttgart. Es geht zurück auf das 1686 gegründete Gymnasium illustre.

Profil Das Eberhard-Ludwigs-Gymnasium wurde als humanistisches Gymnasium gegründet, Latein ist heute noch von der 5. bis zur 10. Klasse Pflichtfach. 1969 wurde Musik als Profilfach eingeführt. Ab der 8. Klasse werden die Profilfächer Altgriechisch, Französisch und Musik angeboten. Seit 2006 können Schülerinnen und Schüler das Zertifikat „Europäisches Gymnasium“ erwerben.

Für Schülerinnen und Schüler mit geringen Sprachkenntnissen gibt es eine spezielle Vorbereitungsklasse. Zudem ist das Ebelu Mitglied im Schulnetzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“.

Musikgymnasium Seit 2013 gibt es am „Ebelu“, zusätzlich zum Sprach- und dem regulären Musikzug, das Musikgymnasium. Darin wird musikalisch hochbegabten Schülern zusätzlich zum Regelunterricht besondere Unterstützung in musikbezogenen Fächern angeboten: Korrepetition, Stimmbildung, Gesang, Gehörbildung, Musiktheorie und Komposition. Das Projekt ist eine Kooperation mit der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart und der Stuttgarter Musikschule. Für das Musikgymnasium muss eine individuelle Aufnahmeprüfung bestanden werden. ebelu.de

Das Ebelu verfügt über einen Konzertsaal mit 380 Sitzplätzen, einen Konzertflügel, Bühnentechnik, sowie über einige Übungsräume.

Geschichte Vorgeschichte Das Eberhard-Ludwigs-Gymnasium hat seine Wurzeln in der schon im 14. Jahrhundert bezeugten Lateinschule Stuttgarts, die ihre Schüler auf einen geistlichen Beruf oder ein späteres Studium an einer Universität vorbereitete. Ihr Standort war beim kleinen Törlein in der Schulgasse 14. Seit 1452 übte die Stadt Stuttgart die Patronatsrechte über die Schule aus. Der Schulmeister musste seinen Amtseid aber dem Grafen Ulrich V. schwören.

Unter dem Rektor Alexander Märklin hielt ab 1525 der humanistische Geist in der Schule Einzug. Es wurde nun neben dem klassischen Latein auch Griechisch und Hebräisch unterrichtet.

1535 wurde das Schulgebäude von Herzog Ulrich in das Beginenhaus in der Turnieracker-Vorstadt, heute Gymnasiumstraße, verlegt und der Schulbetrieb weiter ausgebaut. Der Pädagogarch war von nun an auch für die Schulaufsicht der übrigen Lateinschulen in Württemberg unter der Staig verantwortlich.

Bereits 1558 wurde die vier Klassen führende Schule um eine fünfte Klasse erweitert. Die Schule erfüllte die Ansprüche eines Pädagogiums. Sie wurde 1559 in der Großen Kirchenordnung als Musteranstalt des Herzogtums bestätigt, der Pädagogarch behielt die Visitationspflicht und die Schulaufsicht. Von nun an fanden hier die Landexamina für den Eintritt in die Klosterschulen des Landes statt.

Gründung des Gymnasium illustre mini|hochkant|Schulgebäude des „Gymnasium Illustre“ ab 1686 Nach dem Niedergang des Pädagogiums während des Dreißigjährigen Krieges entfalteten sich um 1660 Bestrebungen, die darniederliegende Schule wieder aufzurichten und sie als universitätsvorbereitende Anstalt nicht nur für Theologen, sondern auch für andere Fakultäten – Juristen, Mediziner, Philologen etc. – zu öffnen. Mit diesem Ziel wurde im Jahr 1686 das Gymnasium illustre gegründet, ebelu.de eine höhere Lehranstalt mit sieben Klassen, die in einem neuen Gebäude, neben dem des alten Pädagogiums, eingerichtet wurde. Die unteren fünf Klassen führten weiterhin den Namen Pädagogium, lediglich die oberen zwei Jahrgänge, in denen der Unterricht fast ausschließlich durch Vorlesungen von Professoren gestaltet wurde, galten als gymnasiale Unterrichtsklassen. Der Fächerkanon wurde um Naturwissenschaften, Geschichte und die französische Sprache erweitert.

18. und 19. Jahrhundert mini|Umgebautes und erweitertes Schulgebäude Ecke Kronprinz- und Gymnasiumstraße, ab 1840 Im 18. Jahrhundert setzte sich allmählich der Gebrauch der Muttersprache im Anfangsunterricht durch. Nach der Schließung der Hohen Karlsschule 1794 gingen die rationalistisch gefärbten Grundströmungen mit den Lehrern auch an das Gymnasium illustre über. 1818 wurde dieser „reale“ Zug mit der Friedrich-Eugens-Realschule abgespalten und gleichzeitig die Organisation des Gymnasiums gründlich reformiert: Das Eintrittsalter wurde auf 8 Jahre angehoben, die Klassen auf zehn (3 untere, 3 mittlere, 4 obere Klassen) aufgestockt.

Nach dem Abriss des Gebäudes des Pädagogiums 1838 entstand ein Neubau an gleicher Stelle. 1867 wurde eine reformierte realistische Abteilung unter Dillmann angegliedert, die 1871 selbständig wurde.

Wegen der enormen Schülerzahl (allein 1879 waren es 1050 Schüler) wurde unter König Karl 1881 ein zweites humanistisches Gymnasium in Stuttgart gegründet, das Karls-Gymnasium. Dieses übernahm 18 Klassen der 39 Klassen des überfüllten Gymnasiums. Zur Unterscheidung wurde das Gymnasium illustre nach dem bei der Grundsteinlegung 1685/86 offiziell regierenden, aber noch unmündigen Herzog Eberhard Ludwig benannt.

1898 publizierte der am Eberhard-Ludwigs-Gymnasium wirkende Turnlehrer Karl Planck im Kohlhammer Verlag eine Streitschrift gegen das neumodische Fußballspielen mit dem Titel Fusslümmelei: Über Stauchballspiel und englische Krankheit. Er argumentierte, dass die „Anglomanie“ und das „Nachäffen“ rauer, fremder Spielsitten der Deutschen nicht würdig sei.Titelseite der Streitschrift Fusslümmelei von Karl Planck, Reprint als unveränderte 3. Auflage, Lit Verlag, Münster 2004.Karl Planck: Fusslümmelei. Über Stauchballspiel und englische Krankheit. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1898. Zitiert nach S. A. Warwitz: Lust und Frust beim Fußballspiel. Mit Gefühlen umgehen lernen. In: Sache-Wort-Zahl 125 (2012), S. 6.

20. und 21. Jahrhundert mini|Drittes Schulgebäude in der Holzgartenstraße, ab 1903 mini|Seit 1957 ist das „Ebelu“ im Schulgebäude im Herdweg untergebracht (Foto von 2009) Da das Gebäude im Grunde immer noch das alte von 1686 war, entsprach es weder architektonisch noch räumlich noch technisch den Anforderungen der modernen Welt. 1903 entstand deshalb ein repräsentativer Neubau in der Holzgartenstraße, am Standort der heutigen Universitätsmensa Stuttgart-Mitte.

In der Nacht vom 12. auf den 13. September 1944 wurde das Gebäude in der Holzgartenstraße durch einen Bombenangriff zerstört. Teile der Schule wurden bis Kriegsende nach Biberach ausgelagert. Der Unterricht begann wieder im Oktober 1945, zunächst im Gebäude des Schickardt-Gymnasiums, später im Gebäude des Zeppelin-Gymnasiums. Am 6. April 1957 konnte der Neubau am Herdweg, auf dem Gelände der ehemaligen Villa des Grafen von Zeppelin, eingeweiht werden. Das neue Gebäude entstand unter der Leitung des Architekten Hans Bregler, eines ehemaligen Schülers des Abiturjahrgangs 1941. Dieses Gebäude wurde wegen seiner preisgekrönten Architektur (Paul-Bonatz-Preis, 1959) unter Denkmalschutz gestellt.

Im Schuljahr 2013/14 wurde mit der Einführung eines zusätzlichen Zugs für musikalisch hochbegabte Schüler begonnen. Aufgrund des geplanten Zuwachses um rund 120 Schüler wurde das Schulgebäude von 2019 bis 2026 erweitert und umgebaut. Zu den Erweiterungsarbeiten gehörte eine Vergrößerung der existierenden Schulfläche von 3.100 m² auf 4.500 m². Im Zuge der Erweiterung wurden neben zahlreichen anderen Renovierungsmaßnahmen ein komplett neuer Gebäudeteil für die Naturwissenschaften mit Sporthalle, ein Veranstaltungs- und Konzertsaal, eine Schulbibliothek, Proberäume und eine größere Mensa realisiert. Auch die Außenanlagen inklusive des historischen Amphitheaters wurden grundlegend erneuert. Im September 2026 wurde das Schulgebäude im Herdweg nach sieben Jahren wieder bezogen.

Schulleiter Karl Ludwig Roth (1850–1858) Theodor Oesterlen (ca. 1880–1900) Lorenz Wilhelm Straub (1900–1912) Herrmann Binder (1920–1944) Paul Würthle (1944–1945) Rudolf Griesinger (1947–1950) Walther Sontheimer (1950–1957) Walter Haussmann (1958–1973) Frank Weidauer (1973–1989) Peter Mommsen (1990–2002) Ulrich Kernen (2002–2010) Karin Winkler (2010–2019) Burkard Miller (2019–2020) Mario Zecher (2020–)

Bekannte Schüler Zu den bekanntesten ehemaligen Schülern zählen der Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel, der Theologe und Schriftsteller Gustav Schwab, der Dichter und Pfarrer Eduard Mörike, der Nobelpreisträger Hans Spemann, die Widerstandskämpfer Claus Schenk Graf von Stauffenberg und Kurt Huber, der Jurist Fritz Bauer und der Humorist Loriot. Hier eine Liste weiterer bekannter Schüler: