Der Da-Vinci-Globus, auch bekannt als Straußenei-Globus, ist ein Globus, von dem sein Besitzer behauptet, er bestehe aus Straußenei, stamme aus der Renaissance und sei von Leonardo da Vinci entworfen worden. Diese These wurde schon bald, nachdem sie in den 2010er Jahren aufgestellt worden war, von verschiedenen Seiten angezweifelt. Eine interdisziplinäre Gruppe anerkannter Wissenschaftler kam 2025 zu dem Schluss, dass es sich bei dem Globus zweifelsfrei um ein 1984–1985 entstandenes Replikat des in New York ausgestellten Hunt-Lenox-Globus handle. Zudem sei dieses mit großer Wahrscheinlichkeit nicht aus Straußeneiern hergestellt, sondern bestehe vermutlich aus Kunstharz.

Hintergrund

Der Besitzer des Globus, der Privatsammler Stefaan Missinne, gibt an, dass Leonardo da Vincis Zeichnung einer bislang unbekannten Weltkarte von 1503, die die Küste von Brasilien darstellt, eine Vorzeichnung für den Globus gewesen sei. Dies deute darauf hin, dass Leonardo von der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus gewusst habe. Sollte das Alter stimmen, wäre der Da-Vinci-Globus aus dem Jahr 1504 der älteste bekannte erhaltene Globus, der die Neue Welt darstellt.

Provenienz

Nach der 2025 veröffentlichten Studie einer internationalen, interdisziplinären Wissenschaftlergruppe um die österreichische Kunsthistorikerin Martina Pippal lassen sich die Besitzverhältnisse des „Da-Vinci-Globus“ bis etwa 1990 zurückverfolgen, als Tony Burgess († 2021), ein bekannter Sammler von Karten und Atlanten, ihn auf einem Flohmarkt kaufte. Möglicherweise behauptete bereits der unbekannte Verkäufer, das Material sei aus Straußenei. Burgess und zwei weitere namentlich bekannte Händler, die den Globus anschließend weiterverkauften, stellten diese Angabe nicht in Frage und maßen dem Objekt keine große Bedeutung bei. Der zweite dieser weiteren Händler, der britische Kartenexperte Philip Burden, überließ ihn auf der Londoner Map Fair 2012 seinem niederländischen, auf Globen spezialisierten Fachkollegen Paul Peters. Von Peters kaufte der in Österreich lebende Sammler Stefaan Missinne den Globus am 16. Juni 2012 für einen geringen Preis.

Beschreibung

Die hohle Kugel scheint aus zwei zusammengefügten Halbkugeln weißlicher Grundfarbe zu bestehen. In der unteren Hälfte des unteren Teils wurde Missinne zufolge ein mit Eiweiß verklebtes Gegengewicht aus Kalzium hinzugefügt, um den Globus aufrecht zu halten, da er keine Halterung besitzt. Die Beschriftung und Illustrationen sind schwarz.

Der Globus hat einen Durchmesser von etwa 11,2 cm und wiegt 134 g. Die Nord-Süd-Achse ist vertikal. Der aus dem 16. Jahrhundert stammende, aus einer Kupferlegierung bestehende Hunt-Lenox-Globus, der die Erde als das Zentrum einer Armillarsphäre darstellt und sich in der New York Public Library befindet, ist laut Missinne ein Abguss seines „Da-Vinci-Globus“.

Der „Da-Vinci-Globus“ zeigt wie auch der Hunt-Lenox-Globus zahlreiche Bildmotive, darunter Schiffe, einen Vulkan, Matrosen, ein hybrides Seeungeheuer, Meereswellen, kegelförmige Berge, Flüsse, Küstenlinien und ein dreieckiges Anagramm.

Material und Ursprung

Hypothesen des Besitzers

Missinne ließ den Globus von verschiedenen Laboren mit diversen Methoden untersuchen. Er schloss aus den Ergebnissen, dass der Globus tatsächlich aus Straußeneischalen bestehe, und zwar aus den unteren Hälften zweier Straußeneier, die aus der italienischen Stadt Pavia stammen sollten. Mithilfe einer wissenschaftlich in dieser Form nicht etablierten Methode, basierend auf einer Dichtebestimmung mittels Computertomographie, bestimmte er das Herkunftsdatum auf das Jahr 1504. Falls diese Datierung korrekt sein sollte, würde es sich um den ältesten bekannten Globus handeln, der die Neue Welt zeigt. Missinne postulierte, der „Da-Vinci-Globus“ sei die Vorlage für den Hunt-Lenox-Globus gewesen.

Die von Missinne präsentierten „Beweise“ für seine Theorie zur Zusammensetzung und Herkunft des Globus wurden von Journalisten und Historikern in Zweifel gezogen.

Missinne wurde 2024 aus der Internationalen Coronelli-Gesellschaft für Globenkunde ausgeschlossen, nachdem er Wissenschaftler verunglimpft hatte, die seinen Thesen widersprochen hatten.

Studie 2025

Eine interdisziplinäre Gruppe von Wissenschaftlern um die österreichische Kunsthistorikerin Martina Pippal veröffentlichte 2025 eine Studie, in der sie zu dem Schluss kam, dass der „Da-Vinci-Globus“ zweifellos nicht aus der Renaissance stamme, sondern dass es sich um das Nebenprodukt einer Aktion aus den Jahren 1984 und 1985 zur Anfertigung von Replikaten des Hunt-Lenox-Globus handle.

Zu diesem Schluss kamen die Wissenschaftler insbesondere aufgrund der Tatsache, dass der „Da-Vinci-Globus“ Details zeigen, die nachweislich aus Fehlern und Ergänzungen im Rahmen der Replikationsaktion von 1984/1985 stammten. Der „Da-Vinci-Globus“ ist demnach einer von vier bekannten Abgüssen aus einer Silikon-Negativform, die aus Kunstharz hergestellt wurden. Alle vier dieser „weißen Globen“ wurden auf europäischen Flohmärkten erworben, der erste davon 1985. Drei von ihnen standen den Forschern zur Untersuchung zur Verfügung, nicht jedoch der „Da-Vinci-Globus“. Von ihm waren allerdings Fotos und Röntgenbilder in einem von Missinne 2018 veröffentlichten Buch verfügbar.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

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