mini|hochkant|Antonio Alexandre Bispo (2018) Antonio Alexandre Bispo (* 17. März 1949 in Brasilien) ist ein brasilianischer Kultur- und Musikwissenschaftler und Hochschulprofessor. Er lebt seit 1974 in Deutschland. Außerdem wirkte er als Vorsitzender des Instituts für Studien der Musikkultur des portugiesischen Sprachraumes (e.V. 1985)http://www.ismps.de/. Abgerufen am 29. Mai 2021. mit dessen Akademie für Kultur- und Wissenschaftswissenschaft.http://www.academia.brasil-europa.eu/deutsch-start.htm. Abgerufen am 29. Mai 2021.

Leben und Wirken Ausbildung und Studium Bispo ist der Sohn von Antonio Bispo (1923–2006) und Ermelinda do Rego (1927–2018), seine Familie ist portugiesischer Herkunft.D. Carlos I° (1863–1908) nos estudos histórico-culturais. http://www.revista.brasil-europa.eu/116/CarlosI.htm. Abgerufen am 29. Mai 2021. Er besuchte zunächst ein Gymnasium, ab 1964 das Colégio Bandeirantes (eine Oberschule naturwissenschaftlicher und technischer Ausrichtung)Zertifikat des Colégio Bandeirantes vom 24. März 1969 und ab 1967 eine staatliche Modellschule.

Von 1955 bis 1960 erhielt Bispo Klavier- und Theorieunterricht bei der polnischen Pianistin Palmira Santarski und dem Musiktheoretiker Antonio Carlos Ribeiro und trat 1959 trat ins Musikkonservatorium Oswaldo Cruz ein, wo er beim Komponisten und Dirigenten Andrelino Vieira Unterricht erhielt. 1966 schloss er das Konservatorium mit dem Musiklehrerdiplom ab. Seine Abschlussarbeiten galten der Problematik des Nationalen und des Universellen in der MusikUniversal/nacional na pesquisa e na interpretação: o caso do Cateretê. Abgerufen am 29. Mai 2021. sowie in Volkskunde den azorianischen Traditionen der Anbetung des Heiligen Geistes in Brasilien.Antonio Alexandre Bispo: O culto do Espírito e o espírito da cultura. In: Harald Hülskath (Hrsg.): Brasil-Europa & Musicologia, op. cit. ISMPS/ABE/IBEM, Köln 1999, S. 257–261.

Von 1968 bis 1972 studierte er Architektur, Geschichtswissenschaft und Geographie an der Universität São Paul sowie Komposition, Dirigieren und Musikerziehung an der Fakultät des Musikinstituts São Paulo (IMSP). Er schloss seine Studien als Diplom-Architekt sowie mit der Lizenziatur in Musikerziehung und Bachelor in Komposition und Dirigieren ab. Er nahm außerdem an den Internationalen Musikkursen von Paraná im Rahmen des Musikfestivals von Curitiba teil.

1966 initiierte Bispo mit Dozenten und Absolventen von Konservatorien eine Bewegung zur Erneuerung der Kultur- und Musikstudien sowie von Ansichten und Praxis der Kulturdiffusion, an der Intellektuelle, junge Musiker anderer Institutionen sowie Studenten und Dozenten der Universität São Paulo mitwirkten und die 1968 zur Gründung der Gesellschaft Nova Difusão führte.Programm der Gründungsfeier vom Oktober 1969. Siehe auch Antonio Alexandre Bispo: Difusão musical e pesquisa. In: Harald Hülskath (Hrsg.): Brasil-Europa & Musicologia, op. cit. ISMPS/ABE/IBEM, Köln 1999, S. 92–94. Sie verfolgte das Ziel, Denk- und Sichtweisen zu verbreiten, die Grenzen zwischen Kunst-, Volks- und Popularmusik in Theorie und Praxis und den entsprechenden Fachbereichen sowie von sozialen Sphären und Normen durch eine Orientierung der Aufmerksamkeit auf Prozesse zu überwinden und damit zu einer Änderung von mentalen und psychischen Dispositionen im Sinne transkultureller Einstellung beizutragen.Programm des Eröffnungskonzerts in São Paulo im Auditorium Maria Imaculada 1968, aufbewahrt im Archiv des ISMPS. Die Aktivisten suchten diese Ziele in Konzerten und Happenings voranzutreiben, die Visuelle Künste, Architektur, Theater und Bewegung einbezogen und dadurch Erneuerungstendenzen u. a. in der Theaterproduktion und im zeitgenössischen Tanz entsprachen.Ballett de Stuttgart e Márcia Haydée. 1968 na História Contemporânea das Relações Interculturais. Abgerufen am 29. Mai 2021. In diesem Rahmen wurde das erste Zentrum für musikwissenschaftliche Studien Brasiliens errichtet, das die Entwicklung einer kulturwissenschaftlich bzw. transkulturell orientierten Nova Musicologia anstrebte.Centro de Pesquisas em Musicologia in der Satzung der Sociedade Nova Difusão Musical, notariell eingetragen 1968.

1969 spezialisierte sich Bispo in Volkskunde (Folklore) am Museu de Artes e Técnicas Populares (Museu de Folclore) der Brasilianischen Gesellschaft für Folklore, und wurde der Assistent von dessen Leiter Rossini Tavares de Lima (1915–1987). Als Mitarbeiter des Museums und Dozent wirkte er in der Ausbildung von Volkskundlern sowie in Forschungsprojekten und Veranstaltungen der Brasilianischen Gesellschaft für Volkskunde mit.Bescheinigungen von Rossini Tavares de Lima vom 29. April und 1. Mai 1975. In Zusammenarbeit mit der Fakultät für Architektur der Universität São Paulo lenkte er die Aufmerksamkeit der empirischen Forschung im Sinne einer prozessorientierten Kulturwissenschaft auf Kulturprozesse in der Metropole und in urbanen Kontexten des Hinterlandes.Ciência da cultura – culturologia. Abgerufen am 29. Mai 2021. Mit ihm und Julieta de Andrade († 2018) führte er die Alltagskulturforschung in der Ausbildung von Volkskundlern ein.Deklaration von Rossini Tavares de Lima, São Paulo 1974. Aufbewahrt im Archiv des ISMPS. Er wirkte bei der Debatte um Erneuerung der Auffassungen der Volkskunde als Erfordernis der von der Massenkommunikation geprägten Gesellschaft mit dem eigenen Ansatz prozessorientierter Forschung mit, die die Trennungen zwischen „echter“ Volksmusik und Popularmusik durchlässig machte.Enio Squeff: Folclore, um apelo ao que o homem tem de mais profundo - sua expressão espontanea. In: O Estado de São Paulo.Suplemento Literário. Jahrgang XVII, Nr. 797, 5. November 1972.

Musikalische Aktivitäten 1967 begann seine Zusammenarbeit mit Paulo Affonso de Moura Ferreira (1940–1999),A história da música contemporânea na Europa após a Primeira Guerra nas suas implicações para o Brasil em diálogos com Paulo Affonso de Moura Ferreira. Momentos das reflexões no congresso pelo centenário de Villa-Lobos (1887-1959) em lembrança à sua estadia em Munique. Abgerufen am 29. Mai 2021. der sich der Verbreitung zeitgenössischer Musik in Brasilien widmete.68: Música contemporânea e difusão cultural em relações bilaterais. Paulo Affonso de Moura Ferreira. http://www.revista.brasil-europa.eu/116/1968-Paulo-Affonso.html. A Sociedade Brasileira de Música Contemporânea no „Ano Villa Lobos“ (1987). Excertos de comunicação de Paulo Affonso de Moura Ferreira ao I Congresso Brasileiro de Musicologia pelo centenário de H. Villa-Lobos (1887-1959). http://revista.brasil-europa.eu/169/Villa_Lobos_na_Musica_Contemporanea.html. Abgerufen am 29. Mai 2021. Bispo wirkte bei Konzerten und Vorträgen am Museum Zeitgenössischer Kunst der Universität São Paulo (Museu de Arte Contemporânea)Concerto de Música Contemporânea. Museu de Arte Contemporânea da Universidade de São Paulo, 19. November 1968. Música Polonesa Contemporânea. Museu de Arte Contemporânea da Universidade de São Paulo, 30. September 1969. sowie am Theater Anchieta/SESCKonzertprogramme vom 12. August 1969 und 20. August 1969. und an Musikhochschulen mit, bei denen Werke der Avantgarde uraufgeführt wurden.Programme des Konzerts an der Musikfakultät Santa Marcelina, aufbewahrt im Archiv des ISMPS.

Als Vorsitzender der Nova Difusão initiierte und leitete er zusammen mit Olivier Toni (1926–2017) 1969 das Barock-Festival in São Paulo, das mit Unterstützung des Kulturamtes São Paulo und in Zusammenarbeit mit der Fakultät für Geschichte der Universität São Paulo neue Ansätze für die Auseinandersetzung mit dem Barock und der Kolonialmusik zur Diskussion stellte.Programm des Barock-Festivals Nova Difusão. Kulturamt der Stadt São Paulo. 16. – 20. Dezember 1968. Im selben Jahr leitete er mit Unterstützung des Kulturamtes von São Paulo das urbanologisch orientierte Herbstfestival in Institutionen, auf Plätzen und in Stadtvierteln São Paulos.Eingesehen: Konzertprogramme vom 12. Juni, 19. Juni, 24. Mai, 31. Mai, 27. Mai, 3. Juni, 5. Juni, 7. Juni, 14. Juni 1970.

Ab 1969 wirkte Bispo im Ensemble Paraphernália für alte Musik als Cembalist und Spieler alter Blasinstrumente,Unterlagen und Konzertprogramme im Archiv des ISMPS das in zahlreichen Konzerten in São Paulo,Unterlagen und Konzertprogramme im Archiv des ISMPS in Städten des Hinterlandes und in anderen Bundesstaaten Brasiliens auftrat.Unterlagen und Konzertprogramme im Archiv des ISMPS Damit näherte er sich dem Kreis der Pró Arte, deren freiem Musikseminar und dem Grêmio Bela Bartók.Bela Bartók. O Estado de São Paulo, 12. April 1970. Konzertprogramm vom 23. Oktober 1971. Siehe auch 68: Música popular e música para cravo na renovação do repertório. Paulo Herculano e Samuel Kerr. http://www.revista.brasil-europa.eu/116/1968-Gremio-Bela-Bartok.htm. Abgerufen am 29. Mai 2021. Er wirkte u. a. bei der Veranstaltungsreihe Präsenz von São Paulo in Brasilia mit,Paraphernália no Martins Penna. Correio Braziliense, Brasilia 28. Juli 1971. bei Konzerten am Museu de Arte von São Paulo,Festino. O Estado de São Paulo 30. August 1970. Konzertprogramm vom 7. November 1972. Siehe auch 68: Filosofia, História da Música e Difusão Musical. Walter Lourenção. http://www.revista.brasil-europa.eu/116/1968-Walter-Lourencao.htm. Abgerufen am 29. Mai 2021. in verschiedenen FakultätenConjunto Paraphernalia na F.A.A.P.. Colégio Musical da Fundação Armando Álvares Penteado, São Paulo, 31. August 1970. O Estado de São Paulo, 30. August 1970. und Fernsehprogrammen.TV 2 Cultura. Programa Nydia Licia. O Estado de São Paulo, São Paulo 31. März 1970 und 12. April 1970. TV Cultura SESC, 22. März 1971. Die Studien und die praktische Auseinandersetzung mit alten Musikinstrumenten bedeuteten den Beginn der kulturwissenschaftlichen Beschäftigung mit der Organologie68: Das „raízes cravistas“ do piano aos estudos culturais. http://www.revista.brasil-europa.eu/116/1968-Estelinha-Epstein.htm. Abgerufen am 29. Mai 2021. und der sozial- und kulturwissenschaftlich orientierten Aufführungspraxis,Pesquisa e execução da música antiga no Brasil. http://www.academia.brasil-europa.eu/Materiais-abe-26.htm; http://www.revista.brasil-europa.eu/116/1968-Gremio-Bela-Bartok.htm. Abgerufen am 29. Mai 2021. was die bisherigen Auffassungen über die Klassifikation von Musikinstrumente in Frage stellteAntonio Alexandre Bispo: Pesquisa e execução da música antiga no Brasil. In: Harald Hülskath (Hrsg.): Brasil-Europa & Musicologia, op. cit. ISMPS/ABE/IBEM, Köln 1999, S. 102-103. A.A.Bispo: Tradição, expressão espontânea e prática de execução In: Harald Hülskath (Hrsg.): Brasil-Europa & Musicologia, op. cit. ISMPS/ABE/IBEM, Köln 1999, S. 114–118. Karl Gustav Izikowitz (1982). Migração de bens culturais e sistemática organológica. http://www.academia.brasil-europa.eu/Materiais-abe-83.htm. Abgerufen am 29. Mai 2021. und später die wissenschaftliche Diskussion in Deutschland prägen sollte.Questões de instrumentos no início do programa de estudos em primeira visita a Berlim dividido em 1975. http://revista.brasil-europa.eu/147/Brasil-em-Berlim_1975.html. Abgerufen am 29. Mai 2021.

1971 wirkte er in der vom Kulturtheoretiker Rogério Duprat (1932–2006) entworfenen Bühnen-Show Build Up mit, die sich als ein Lehrstück für Massenkommunikation in der Konsumgesellschaft verstand und unter Teilnahme mehrerer brasilianischer Popularmusiker die Konstruktion eines Stars, nämlich der Rocksängerin Rita Lee (1947–2023), verwirklichen wollte.Build Up Electronic Fashion Show. In: Diário da Noite. Rio de Janeiro 18. August 1970, 1. Heft, S. 5.

Lehrtätigkeit