alternativtext=Necati Öziri auf der Frankfurter Buchmesse 2023|mini|hochkant|Necati Öziri auf der Frankfurter Buchmesse 2023 Necati Öziri (* 2. Dezember 1988 in Datteln, Nordrhein-Westfalen) ist ein deutscher Schriftsteller und Dramaturg. Er trat zunächst als Autor von Theatertexten hervor, die unter anderem am Berliner Maxim Gorki Theater und am Schauspielhaus Zürich aufgeführt wurden. Mit seinem Debütroman Vatermal stand er 2023 auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises.

Leben Necati Öziri, Sohn türkischer Eltern, wuchs mit seiner alleinerziehenden Mutter im Ruhrgebiet auf.Wie viel Gewalt muss man zeigen, um über Gewalt zu sprechen? Tages-Anzeiger, 3. April 2019. Nach dem Abitur studierte er als Stipendiat der Heinrich-Böll-Stiftung Germanistik, Neuere Deutsche Literatur und Philosophie in Bochum, Istanbul, Olsztyn und Berlin. Zeitweise unterrichtete er formale Logik an der Ruhr-Universität Bochum.Necati Öziri. Maxim-Gorki-Theater, abgerufen am 12. Juni 2021. In Berlin-Kreuzberg kam er 2010 mit Akteuren des Ballhauses Naunynstraße in Berührung, was sein Interesse für das Theater entfachte. Ihm gefiel, dass dort Charaktere auf der Bühne standen, die seine eigene Lebensrealität teilten.Necati Öziri, Welche Welt bedeuten diese Bretter? Nachtkritik, 1. November 2017. Er entschloss sich zu einer Dramaturgie-Ausbildung an der Akademie der Autodidakten, einer Berliner Talentschmiede für Migranten der zweiten Generation, und begann in Literaturzeitschriften zu veröffentlichen.

2013 erhielt Öziri das Angebot, als Dramaturgieassistent am Maxim-Gorki-Theater zu arbeiten, das sich von dieser Zeit an unter der Leitung von Shermin Langhoff und Jens Hillje mit transkulturellen Fragen auseinandersetzte. Von 2014 bis 2017 gehörte er der Dramaturgie des Gorki-Theaters an, zwei Jahre davon als Leiter der Experimentierbühne (Studio Я). Während dieser Zeit wurde am Ballhaus Naunynstraße sein erstes Stück, Vorhaut, uraufgeführt; weitere dramatische Arbeiten folgten in den nächsten Jahren. Von 2018 bis 2022 wirkte er als Dramaturg beim Theatertreffen der Berliner Festspiele und künstlerischer Leiter des Internationalen Forums. In der Spielzeit 2020/21 war er außerdem Hausautor am Nationaltheater Mannheim.Necati Öziri. Hausautor Spielzeit 2020/21. Nationaltheater Mannheim, abgerufen am 12. Juni 2021. Neben seiner Tätigkeit als Autor und Dramaturg formulierte Öziri in Vorträgen und Interviews seine Vorstellungen von einem zeitgenössischen politischen Theater. Im Oktober 2017 sagte er im Rahmen der 45. Römerberggespräche:

2021 wurde Öziri von der Jurorin Insa Wilke zu den 45. Tagen der deutschsprachigen Literatur (Ingeborg-Bachmann-Preis) eingeladen, wo er seinen Prosatext Morgen wache ich auf und dann beginnt das Leben las.Necati Öziri. Bachmannpreis/ORF, abgerufen am 11. Juni 2021. Er gewann dort den Kelag-Preis und den Publikumspreis.Bachmannpreis für Nava Ebrahimi. Bachmannpreis/ORF, 20. Juni 2021.

Vor dem Hintergrund des 10. Jahrestages der Selbstenttarnung des NSU und im Rahmen des bundesweiten, dezentralen Theaterprojekts „Kein Schlussstrich!“ kuratierte Öziri im Oktober 2021 gemeinsam mit der Regisseurin Antje Schupp die zweitägige Veranstaltungsreihe „Deutschkunde 2021“ in Jena.Deutschkunde in Jena zum NSU-Themenjahr. Ostthüringer Zeitung, 27. Oktober 2021.

Im Wintersemester 2024/25 übernahm Necati Öziri die gemeinsame Poetikdozentur der Hochschule RheinMain und des Kulturamts der Landeshauptstadt Wiesbaden.25 Jahre Poetikdozentur: Necati Öziri übernimmt Jubiläumsausgabe, wiesbaden.de, abgerufen am 14. Juli 2024.

2026 inszenierte Öziri an den Münchner Kammerspielen den Roman Das Ereignis von Annie Ernaux, in dessen Mittelpunkt ein illegaler Schwangerschaftsabbruch im Frankreich des Jahres 1964 steht. Er debütierte damit als Theaterregisseur.Ich will nichts verschleiern, Nachtkritik, 30. Mai 2026.

Werk Mit dem Drama Vorhaut griffen Necati Öziri und seine Co-Autoren Tunçay Kulaoğlu und Miraz Bezar in die Debatte um die männliche Beschneidung aus religiösen und kulturellen Gründen ein. Das Stück, das „ohne Rücksicht auf Befindlichkeiten oder Schamgrenzen die Vorhaut-Frage aufrollt“,Der letzte Schutzwall. In: Der Tagesspiegel, 21. Dezember 2014. bedient sich satirischer und grotesker Mittel.

Öziris erste eigenständige Arbeit Get Deutsch or Die Tryin’ entstand in einer von Maxi Obexer und Sasha Marianna Salzmann geleiteten Schreibwerkstatt und hatte im Mai 2017 auf der Hauptbühne des Maxim-Gorki-Theaters Premiere. Das Stück enthält wie bei einem Musikalbum eine A- und eine B-Seite. Im ersten Teil zeichnet es, getrieben von einem Hip-Hop-Rhythmus, ein Generationenporträt von zugehörigkeitslosen Jugendlichen mit Migrationsgeschichte, während sich im zweiten Teil einer der Protagonisten, der junge Türke Arda (in Berlin gespielt von Dimitrij Schaad), in deutlich langsamerem Tempo direkt an den abwesenden Vater wendet und die Geschichte seiner Eltern erzählt. Die von Sebastian Nübling geleitete Inszenierung erhielt durchweg sehr gute Kritiken.Auf der B-Seite gerockt. Nachtkritik, 20. Mai 2017. Sie wurde zum Heidelberger Stückemarkt 2018 eingeladen.

2019 wurde Öziris Arbeit Die Verlobung in St. Domingo – Ein Widerspruch, nach der gleichnamigen Novelle von Heinrich von Kleist, am Schauspielhaus Zürich uraufgeführt. Öziri erklärte, „deutsche, männliche Klassiker“ korrigieren zu wollen:Interview mit Necati Öziri – Dramaturg und Dramatiker. Neues Wiener Theater, 12. August 2020.

„Als Zuschauerin“ bleibe man auch dran, urteilte Alexandra Kedves für den Tages-Anzeiger, wenn es „arg kompliziert“ würde und „arg viel versucht“ werde.Tages-Anzeiger, 6. April 2019. Die Neue Zürcher Zeitung hingegen bezeichnete die Inszenierung, für die wiederum Sebastian Nübling verantwortlich zeichnete, als „Wunder der Leichtigkeit“, als „elegant und undogmatisch“.Neue Zürcher Zeitung, 7. April 2019.

Eine Fortsetzung der kritischen Auseinandersetzung mit dem Werk Kleists, insbesondere mit den Konstruktionen von Männlichkeit, sollte mit Öziris Stück Gott Vater Einzeltäter bereits im Januar 2021 am Nationaltheater Mannheim stattfinden, doch wurde die Uraufführung coronabedingt auf Juni 2022 verschoben.Gott Vater Einzeltäter. Operation Kleist von Necati Öziri. Nationaltheater Mannheim, abgerufen am 12. Juni 2021.Terror ist männlich – Das Theaterstück „Gott Vater Einzeltäter – Operation Kleist“ am Nationaltheater Mannheim. SWR, 2. Juni 2022.

2022 inszenierte Christopher Rüping am Schauspielhaus Zürich Öziris Theaterstück "Der Ring des Nibelungen", bei dem er selbst mitspielte. Der Text sei "oft sehr lustig, sehr genau beobachtet, mit einem satirischen Witz ganz aus dem Alltag gegriffen, und das bitterböse zurechtgerückt."

Im Herbst 2023 veröffentlichte Öziri den Roman Vatermal, der den Stoff des Theaterstücks Get Deutsch or Die Tryin’ aufgreift. Im Zentrum steht die Auseinandersetzung eines Sohnes mit dem abwesenden Vater, der seine Familie in Deutschland verlassen hat und in der Türkei eine neue Familie gründet. Der Roman wurde auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises 2023 gewählt.Sechs Romane im Finale. Deutscher Buchpreis, 19. September 2023. Eine Dramatisierung des Romans hatte 2025 am Theater Dortmund Premiere."Vatermal" - Eine Familiengeschichte • Nach dem Roman von Necati Öziri - Schauspiel Dortmund, Theaterkompass, 22. März 2025.

Veröffentlichungen (Auswahl) Theaterstücke Vorhaut, 2014, Regie: Miraz Bezar, Ballhaus Naunynstraße, Berlin Get Deutsch or Die Tryin’, 2017, Regie: Sebastian Nübling, Maxim-Gorki-Theater, Berlin Die Verlobung in St. Domingo – Ein Widerspruch, 2019, Regie: Sebastian Nübling, Schauspielhaus Zürich Gott Vater Einzeltäter, Uraufführung 2022, Regie: Sapir Heller, Nationaltheater Mannheim Der Ring des Nibelungen, Uraufführung 2022, Regie: Christopher Rüping, Schauspielhaus Zürich

Prosa / Essayistik Da kommt er. In: entwürfe. Zeitschrift für Literatur, Nr. 71, Zürich 2012. Zu zweit. In: Lichtungen. Zeitschrift für Literatur, Kunst und Zeitkritik, Nr. 142, Graz 2015. Die Laus in Schillers Locken. In: Christian Holtzhauser und Juliane Hendes (Hrsg.): Immer noch Barbaren? Neue Briefe „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“, inspiriert von Schiller, Heidelberg 2019, S. 139–143. Vatermal. Roman, Claassen, Berlin 2023, ISBN 978-3-546-10061-8. Türkische Übersetzung von Gül Gürtunca: Baba Izi. Holden Kitap 2025, ISBN 9786255539113

Hörspiel Get deutsch or die tryin’ – vom Aufwachsen ohne Zugehörigkeit (Funkbearbeitung seines Theaterstücks). Technische Realisierung und Regie: Volkan T error. WDR 2018.

Auszeichnungen 2018: Einladung zum Heidelberger Stückemarkt mit Get Deutsch Or Die Tryin’ 2018: Nominierung von Get deutsch or die tryin’ (Funkbearbeitung) für den Deutschen Hörspielpreis der ARD 2020/2021: Stipendium und Hausautorenschaft am Nationaltheater Mannheim 2021/2021: Aufenthaltsstipendium der Akademie Schloss Solitude 2021: Kelag-Preis und BKS-Bank-Publikumspreis beim Ingeborg-Bachmann-Preis 2021: Aufenthaltsstipendium der Kulturakademie TarabyaKulturakademie Tarabya in Istanbul. Goethe-Institut, Mai 2021, abgerufen am 12. Juni 2021. 2023: Shortlist des Deutschen Buchpreises mit Vatermal 2024: Hauptpreis Literaturpreis Ruhr für Vatermal 2025: Förderpreis zum Friedrich-Hölderlin-Preis (Bad Homburg) für Vatermal

Weblinks

Welche Welt bedeuten diese Bretter? Vortrag von Necati Öziri zum Thema der Zukunft des Stadttheaters, gehalten im Herbst 2017 bei den Römerberggesprächen in Frankfurt am Main, wiedergegeben auf nachtkritik.de, 1. November 2017. Video-Interview mit Necati Öziri, Literaturfest Textland, 2018. Ausführliches Interview mit Necati Öziri, Website des Vereins Neues Wiener Theater, 12. August 2020. Necati Öziri auf den Seiten des Ingeborg-Bachmann-Preises 2021

Einzelnachweise

Kategorie:Autor Kategorie:Hörspielautor Kategorie:Dramaturg Kategorie:Literatur (21. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Drama Kategorie:Essay Kategorie:Schriftsteller (Berlin) Kategorie:Stipendiat der Heinrich-Böll-Stiftung Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1988 Kategorie:Mann Kategorie:Türke