mini|Ein in Kapstadt aufgestellter Grabstein für das Heidekrautgewächs Erica pyramidalis, stellvertretend für alle ausgestorbenen Pflanzen

Es sind weltweit mehr als 330.000 Pflanzenarten und etwa 140.000 Pilzarten bekannt.Bundesamt für Naturschutz, Artenzahlen der Tiere, Pflanzen und Pilze in Deutschland und weltweit Die Rote Liste der stark gefährdeten Arten der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN) listet im August 2026 aber nur 78.425 Pflanzen- bzw. 1.351 Pilzarten auf (also insgesamt 79.776 Arten), von denen immerhin in der Neuzeit, also seit dem Jahr 1500, schon 145 Arten als ausgestorben gelten (Datei:EX IUCN 3 1.svg – Extinct), 47 Arten als in der Wildnis ausgestorben (Datei:EW IUCN 3 1.svg – Extinct in the Wild) und 6.604 weitere Arten als vom Aussterben bedroht (Datei:CR IUCN 3 1.svg – Critically Endangered), davon 653 vom Aussterben bedroht, möglicherweise ausgestorben (Datei:CR IUCN 3 1.svg (PE) – Critically Endangered, Possible Extinct). 13.119 Arten gelten als stark gefährdet (Datei:EN IUCN 3 1.svg – Endangered). Bei 6.686 dieser insgesamt 79.776 Arten lautet der Gefährdungsstatus allerdings „zu wenig Daten vorhanden“ (Datei:DD IUCN 3 1.svg – Data Deficient) (Stand 9. August 2026).The IUCN Red List of Threatened Species

Die IUCN ist sehr vorsichtig mit der Einschätzung, ob eine Pflanzen- oder Pilzart ausgestorben ist oder nicht, was an ein paar Beispielen verdeutlicht werden soll:

Der in Ecuador endemische Strauch Siphocampylus loxensis konnte nur ein einziges Mal vor über 200 Jahren, also um 1800, von Alexander von Humboldt gesammelt werden, sein IUCN-Gefährdungsstatus ist aber nur Datei:CR IUCN 3 1.svg (PE), also vom Aussterben bedroht, möglicherweise ausgestorben und nicht endgültig ausgestorben. Von der in Kamerun endemischen Hülsenfrucht Rhynchosia ledermannii wurde nur ein einziges Exemplar im Jahr 1908 gefunden und im Berliner Herbarium gelagert, es ging aber wieder verloren. Sie gilt laut IUCN als vom Aussterben bedroht, wahrscheinlich ausgestorben (CR (PE)). Auch das ebenfalls in Ecuador beheimatete Pfeffergewächs Peperomia peploides ist laut IUCN seit Beginn des 19. Jahrhunderts, also um 1800, nicht mehr gesichtet worden, trotzdem ist sein Gefährdungsstatus nur Datei:CR IUCN 3 1.svg, also vom Aussterben bedroht. Das auf Madagaskar lebende Weiderichgewächs Ammannia calcicola hat laut IUCN lediglich den Gefährdungsstatus Datei:EN IUCN 3 1.svg – Endangered (also stark gefährdet), wurde aber im Jahr 1908 zuletzt gesichtet.

Dass der Gefährdungsstatus sogar für die IUCN schwer einzuschätzen ist, beweisen auch die folgenden drei Beispiele:

Das auf der philippinischen Insel Luzon endemische Mahagonigewächs Aglaia pyriformis hatte bis 2020 den Gefährdungsstatus gefährdet (Datei:VU IUCN 3 1.svg – Vulnerable), obwohl im Text zugegeben wird, dass die Art im Jahr 1916 zuletzt gesichtet wurde. Im Jahr 2020 stufte die IUCN die Art plötzlich als Datei:EN IUCN 3 1.svg – Endangered (also stark gefährdet) ein, dem nächstschlechteren Gefährdungsstatus, obwohl im Artikel plötzlich von einer Fotodokumentation aus dem Jahr 2007 die Rede ist. Das Myrtengewächs Syzygium phaeophyllum, das bis 2024 den Gefährdungsstatus Datei:CR IUCN 3 1.svg, also kritisch stark gefährdet hatte, hat ab 2024 den Gefährdungsstatus Datei:LC IUCN 3 1.svg, obwohl sich nichts daran geändert hat, dass diese Art zuletzt im Jahr 1934 gesichtet wurde und zugegeben wird, dass keine weiteren Informationen über die Gesamtpopulationsentwicklung vorliegt.The IUCN Red List of Threatened Species – Syzygium phaeophyllum – alte EinstufungThe IUCN Red List of Threatened Species – Syzygium phaeophyllum Auch die auf den Philippinen endemische Unterart Elaeocarpus submonoceras procerus gilt laut IUCN als gefährdet (Datei:VU IUCN 3 1.svg – Vulnerable), obwohl sie zuletzt im Jahr 1908 gesammelt werden konnte.

Problematisch ist auch, wenn man eine Art als Synonym einer anderen Art erkennt:

Der auf der Insel St. Helena endemische Korbblütler Commidendrum robustum hat laut IUCN den Erhaltungsgrad Datei:CR IUCN 3 1.svg, also kritisch stark gefährdet. Das Synonym dieser Art, Commidendrum gummiferum hat aber bei der IUCN einen eigenen Eintrag und gilt dort als ausgestorben.WORMS, World Register of Marine Species – Commidendrum gummiferum = Commidendrum robustum

Eine Art kann auch nach Jahrhunderten wiederentdeckt werden und danach sofort wieder unauffindbar sein:

Das auf Jamaika endemische Rötegewächs Stenostomum tomentosum wurde im Jahr 1780 entdeckt und danach bis 1975 nie mehr gefunden. Seit der Wiederentdeckung gibt es wiederum keine Sichtungen mehr. Die Art hat momentan den Gefährdungsstatus Datei:CR IUCN 3 1.svg, also Critically Endangered.

Die IUCN ist auch sehr vorsichtig mit ihren Gefährdungseinschätzungen:

Das in Ecuador endemische Nachtschattengewächs Solanum chrysophyllum konnte nur ein einziges Mal um 1802 von Alexander von Humboldt und Aimé Bonpland gesammelt werden. Trotzdem hat dieser Strauch den Gefährdungsstatus Datei:DD IUCN 3 1.svg, also Data Deficient (zu wenig Daten vorhanden).

Lange Zeit nicht gesichtet bedeutet aber nicht unbedingt, dass die Art ausgestorben sein muss:

Der Gefährdungsgrad von Gnidia hibbertioides aus Madagaskar wurde von der IUCN zwar noch nicht bestimmt, die Art wurde aber in den frühen 1800er-Jahren zuletzt gesammelt. Es wurde aber auch nicht nach dieser Art gesucht.A Revision of Malagasy Gnidia (Thymelaeaceae, Thymelaeoideae), S.349ff – Gnidia hibbertioides

Die IUCN liegt aber hie und da auch falsch, wie man an Adiantum lianxianense, einem aus der Volksrepublik China stammenden Saumfarngewächs, erkennen kann: Laut IUCN gilt die Art als ausgestorben, sie wurde aber im Jahr 2011 wiederentdeckt.Comparing and contrasting threat assessments of plant species at the global and sub-global level

Schwierig ist, abzuschätzen, wie es mit der Gefährdung des auf Hawaii endemischen Glockenblumengewächses Delissea subcordata aussieht. Laut IUCN gilt diese Art als ausgestorben und wurde zuletzt im Jahr 1934 gesichtet, laut NatureServe Explorer geht man davon aus, dass es noch bis zu 100 Exemplare dieser Art gibt. Deswegen stuft NatureServe den Gefährdungsstatus lediglich als Critically Imperiled, also kritisch stark gefährdet, ein. In dieser Liste taucht die Art auf, weil im Zweifelsfall der IUCN-Gefährdungsstatus gilt.NatureServe Explorer – Delissea subcordata

Es gibt noch einige weitere interessante Beispiele, bei denen sich die IUCN nachweislich irrt. Daher werden in dieser Liste wesentlich mehr Pflanzen und Pilze als neuzeitlich ausgestorben aufgelistet, als bei der IUCN angegeben.

Aufnahme in die Liste mini|Hyophorbe amaricaulis, die letzte Palme ihrer Art, von der nur noch ein einziges Exemplar weltweit auf Mauritius existiert In dieser Liste werden diejenigen Pflanzen- und Pilzarten und -unterarten aufgenommen, deren IUCN-Gefährdungsstatus Datei:EX IUCN 3 1.svg oder Datei:CR IUCN 3 1.svg (PE) lautet und somit offiziell ausgestorben oder möglicherweise ausgestorben (Possibly Extinct) sind. Weiters, weil die IUCN-Liste offensichtlich nicht vollständig ist, werden auch Pflanzen- und Pilzarten aufgenommen, die nach anderen Quellen ausgestorben oder zumindest verschollen sind.

Das richtige Aussterbejahr ist meistens nicht bekannt, in der Literatur werden deswegen auch unterschiedliche Angaben gemacht, die sich durchaus um Jahrzehnte unterscheiden können. Es wird in dieser Liste in der Regel das bei der IUCN angegebene Aussterbejahr angegeben (zum Beispiel beim auf Maui endemischen Rautengewächs Melicope balloui, welches laut der IUCN im Jahr 1927 zuletzt gesammelt wurde, laut NatureServe Explorer aber zuletzt irgendwann zwischen 1982 und 1997 gesammelt werden konnteNatureServe Explorer – Melicope balloui; das auf Kauaʻi endemische Rautengewächs Melicope macropusi wurde laut der IUCN im Jahr 1995 zuletzt gesammelt, laut NatureServe Explorer wurde die Art aber zuletzt um das Jahr 1900 gesammelt und extra darauf hingewiesen, dass neuere Sammlungen irrtümlicherweise dieser Art zugeschrieben werdenNatureServe Explorer – Melicope macropus). Oft werden auch Synonyme erwähnt, weil in diversen Quellen ein und dieselbe Art mit verschiedenen wissenschaftlichen Namen benannt wird, obwohl es sich um dieselbe Art handelt. Es muss auch zwischen der letzten Sammlung und der letzten Sichtung unterschieden werden (zum Beispiel wurde der auf Kauaʻi endemische Strauch Cyanea dolichopoda laut IUCN und NatureServe Explorer ein einziges Mal im Jahr 1990 gesammelt, aber im Jahr 1992 zuletzt gesichtetNatureServe Explorer – Cyanea dolichopoda).

In dieser Liste wird von einem Worst-Case-Szenario ausgegangen: wenn eine Art mehrere Jahre nicht mehr gesichtet oder gesammelt wurde (und in einer der oben angegebenen Quellen auftaucht), wird angenommen, dass sie ausgestorben ist. Dies kann zwei Ursachen haben: entweder sind tatsächlich mehrere Wiederentdeckungs-Versuche gescheitert (dann kann davon ausgegangen werden, dass die Art tatsächlich ausgestorben ist), oder es wurde einfach nicht nach dieser Art gesucht (dann ist die Art zumindest verschollen). Von einer Art, die sehr häufig ist und die von einem Jahr auf das andere plötzlich verschwindet kann man eher behaupten, dass sie ausgestorben ist, als von einer Art, die man schon immer nur alle paar Jahre einmal beobachten konnte, also schon immer selten war (wie zum Beispiel bei der weiter oben schon erwähnten Art Stenostomum tomentosum, die zwischen 1780 und 1975 kein einziges Mal gesichtet wurde und auch danach nicht mehr gefunden werden konnte). Ob eine Art mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit endgültig ausgestorben ist oder nicht, kann man in der Regel nicht beantworten. Selbst wenn man von einer Art das exakte Datum kennt, an dem die letzte Pflanze (meistens in Gefangenschaft) ausgestorben ist, kann man sich nicht ganz sicher sein, ob nicht doch irgendwann wieder ein Exemplar in freier Wildbahn auftaucht, auch wenn es äußerst unwahrscheinlich ist. Dass die Frage, ob eine Art ausgestorben ist oder nicht, eine schwer zu beantwortende ist, zeigt auch das folgende Beispiel: bei NatureServe Explorer gilt das Glockenblumengewächs Cyanea truncata seit 1983 als ausgestorben, die IUCN stuft den Gefährdungsstatus nur als kritisch stark gefährdet ein, deswegen wurde diese Art nicht in diese Liste aufgenommen, obwohl es handfeste Beweise gibt, dass sie ausgestorben ist.NatureServe Explorer – Cyanea truncata5-Year Review, Summary and Evaluation – Cyanea truncata