Adolf Sproeck (* 5. März 1890 in Berlin; † 25. März 1978 ebenda) war ein sozialdemokratischer deutscher Arbeiteresperantist, Redakteur der Bundeszeitschrift des Deutschen Arbeiter-Esperanto-Bundes, Gründer der ersten Arbeiter-Esperanto-Gruppen in Berlin 1911 und Mitbegründer des Sozialistischen Esperanto-Bundes 1930. Er übersetzte deutschsprachige Liedertexte, Gedichte und andere literarische Werke ins Esperanto und veröffentlichte eigene humoristische Texte in Esperanto. Unter dem Kürzel ASO oder dem Pseudonym EZOKO (Hecht) erschienen seine Rezensionen zur Esperanto-Literatur.

1946 bis 1948 war er Bezirksverordneter der SPD in Berlin-Prenzlauer Berg.

Familie und Beruf Adolf Sproeck war Sohn des Schneidermeisters Johann Sproeck und dessen Frau Johanna, geborene Danziger. Er besuchte die Volksschule. Einige Zeit konnte er sich dem 1. Weltkrieg, den er verabscheute, entziehen, musste dann aber doch 1917 als Funksoldat an die Front.

Will man seinem humoristischen Lebenslauf Glauben schenken, so hat er sich erst als Schneider, dann als Zahnarzt versucht, bis er dann das Tapezierhandwerk erlernte.Adolf Sproeck: El mia vivo. In: Adolf Sproeck: La skurila libro. Torben Kehlet, Kopenhagen 1968.

Fakt ist, dass Sproeck 1925 seine Meisterprüfung als Tapeziermeister ablegte. Davon zeugt das Meisterprüfungs-Zeugnis im Nachlass. Ab 1938 besaß er in Teilhaberschaft eine Tapezier- und Polster-Werkstatt mit Laden in Berlin-Prenzlauer Berg, Gaudystraße 6. Dieses Geschäft war während des gesamten Krieges offen. Zum Kriegsdienst wurde Sproeck im 2. Weltkrieg nicht eingezogen, da er eine jüdische Mutter hatte, was ihm Beschimpfungen und Auseinandersetzungen mit seinem Teilhaber einbrachte.Landesarchiv Rep. 105, Nr. 22422. Polsterei Sproeck.Adolf Sproeck: Mein Lebenslauf. 5. Oktober 1965. Nachlass.

Nachdem Sproeck 1949 von Prenzlauer Berg nach Wilmersdorf umgezogen war, wurde sein Geschäft1952 aufgelöst, in Treuhandverwaltung übergeben und verkauft.Landesarchiv Rep. 105, Nr. 22422. Polsterei Sproeck. In Berlin-Charlottenburg, Gervinusstraße 8 eröffnete er eine neue Polsterei.

Ab 1965 stand er als Schiedsmann für die Schlichtung von Streitigkeiten zwischen Privatpersonen zur Verfügung.

Adolf Sproeck war verheiratet mit Elfriede Sproeck (1873–1973) und hatte einen Sohn.

Arbeiteresperantist 1907–1914 Esperanto-Kursleiter, Gründer und Vorsitzender der LEUB Sproeck lernte 1907 Esperanto. In Sachsen, wo er sich aus beruflichen Gründen aufhielt, leitete er seinen ersten Esperanto-Kurs. Aus den von ihm 1911 in Berlin geführten Esperanto-Kursen, gingen die ersten Arbeiter-Esperanto-Gruppen in der Stadt hervor (Zentrum, Moabit und Rixdorf), die am 11. August 1911 die Arbeiter-Esperanto-Vereinigung Berlin (Laborista Esperanto-Unuiĝo Berlino – LEUB) gründeten, deren Vorsitzender Sproeck war. Die LEUB schloss sich bald nach der Gründung dem Deutschen Arbeiter-Esperanto-Bund an, einer Kulturorganisation im Umfeld der SPD. Mitglied der SPD wurde Sproeck 1912.

In dieser Zeit befürwortete er ein Zusammengehen mit den bürgerlichen Esperanto-Gruppen.

1912 wurde der Esperanto-Verband Groß-Berlin gebildet, dem sich auch die Arbeiter-Esperanto-Gruppen anschlossen. Adolf Sproeck begründete das in der Bundeszeitschrift damit, dass man die Kursleiter benötige.Adolf Sproeck: Socialistaj kaj burĝaj Esperantistoj. In: Antaŭen 2/1912, S. 10. Er nannte auch die Bedingungen für den Zusammenschluss. 1. Die Propaganda der einzelnen Gruppen des Verbandes ist wirklich selbstständig. 2. Für die Verbandszusammenkünfte müssen Orte gewählt werden, die für Arbeiter zugänglich sind. 3. Unterlassung jeglicher monarchistischen Manifestationen (wie Kaisertelegramme, offizielle Teilnahme an patriotischen Festen und anderes).Adolf Sproeck: Pri kritika ĉirkaŭrigardo okaze de la jarfino. In: Antaŭen 1/1914, S. 6.

1914–1918 Verfechter einer „reinen Arbeiterorganisation“, Redakteur der Zeitschrift La Rondiranto Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges änderte er seine Haltung. In der Zeitschrift La Rondiranto reagierte er 1917 auf eine Artikelserie von Theodor Richter, in der dieser als Arbeiteresperantist den Bund mit den bürgerlichen Esperantisten in Berlin verteidigte und dafür plädierte, ihn nach dem Kriege fortzuführen.Theodor Richter: Nia Ligo kun la burĝaj esperantistoj (Unser Bund mit den bürgerlichen Esperantisten). In: La Rondiranto 4 und 5/1916, 6/1917.

Sproeck hebt in seiner Replik „die Neigung der Bürgerlichen zum Nationalismus“ hervor und mahnt, nicht zu vergessen, dass „wir Sozialdemokraten sind“ und „es unser Ziel ist, Esperanto in der Arbeiterschaft zu verbreiten.“ „Das können wir am besten machen, wenn wir eine reine Arbeiter-Organisation sind und bleiben, ohne irgendeinen Zusammenschluss mit den Bürgerlichen.“Adolf Sproeck: Ni kaj la Burĝoj, Respondo al kdo Richter (Wir und die Bürgerlichen. Antwort an Genosse Richter). In: La Rondiranto. Nr. 6/1917.

In einem weiteren Beitrag schilderte Sproeck ein Erlebnis, das er am 30. Juli 1914 bei einem Esperantistentreffen auf der Terrasse des Gartenrestaurants In den Zelten hatte, als Auslöser für seine Meinungsänderung. Ausländische Teilnehmer des Treffens waren auf der Durchreise zum Esperanto-Weltkongress nach Paris, erfuhren nun aber, dass sich Deutschland im Kriegszustand befindet und sie schleunigst das Land verlassen müssen. Im Garten wurden patriotische Lieder intoniert und Sproeck meinte, „seinen Ohren nicht zu trauen“, als Esperantisten mitsangen Lieb Vaterland magst ruhig sein.

Sproeck schreibt empört: „Es störte sie nicht die Anwesenheit der Ausländer. Es störten sie nicht die Russen, die möglichen Feinde von morgen. Sie sangen und sangen. Adieu Esperantismus!“ Sproeck vermerkt weiter: „Die anwesenden Arbeiteresperantisten protestierten gegen diese chauvinistische Handlung und verließen das Restaurant. An diesem Tag zweifelten unsere Genossen zum ersten Mal an der Möglichkeit einer weiteren gemeinsamen Arbeit mit den bürgerlichen Gruppen.“Adolf Sproeck: El la historio de nia Unuiĝo. Malgranda epizodo. (Aus der Geschichte unserer Vereinigung. Eine kleine Episode.) In: La Rondiranto. Nr. 7/1917. Tatsächlich wird es solch einen organisatorischen Zusammenschluss von Arbeiteresperantisten und bürgerlichen Esperantisten wie vor dem Krieg nach 1918 nicht mehr geben.

Die Zeitschrift La Rondiranto (Der Rundgänger), deren Redakteur Sproeck war, erschien während des Ersten Weltkrieges in Berlin mit originalen und übersetzten Esperanto-Beiträgen von Arbeiteresperantisten. Von dieser handgeschriebenen, eigenhändig mit Tinte illustrierten, beschnittenen und geklebten Zeitschrift fanden sich in Sproecks Nachlass 6 Hefte aus den Jahren 1916 bis 1917 und Artikel für ein Heft von 1919. Wie es der Name nahelegt, wurde die Zeitschrift nicht vervielfältigt, sondern von Hand zu Hand weitergegeben. Adolf Sproeck, Theodor Richter, Willy Nötzold, Reinhold Grabsch. Joh. Burda, F. Wiesender. Robert Schäfer und Theodor Müller verfassten bzw. übersetzten Aufsätze, Berichte, Gedichte, Satiren, Erzählungen, Scherze und Rätsel. Willy Nötzold zeichnete die Illustrationen. Diese Zeitschrift vermittelt ein authentisches Bild davon, wie diese Arbeiteresperantisten das Leben und die Ereignisse im Krieg sahen. Gemeinsam ist ihnen die Abscheu vor dem Krieg, die Sehnsucht nach Frieden und nach einer gerechteren Welt.Fritz Wollenberg: La Rondiranto (Der Rundgänger) – eine Berliner Esperanto-Zeitschrift aus dem 1. Weltkrieg spiegelt Meinungen zu Krieg und Frieden. In Fritz Wollenberg (Red.): Esperanto. Sprache und Kultur in Berlin und Brandenburg. 111 Jahre, Jubiläumsbuch 1903–2014, Esperanto-Verband Berlin-Brandenburg (Hrsg.), Mondial, New York – Berlin 2017 (Beiträge in Deutsch und Esperanto), ISBN 978-1-59569-340-2, S. 182–211.

Sproeck veröffentlichte in der Zeitschrift eine Artikelserie zur Geschichte der LEUB mit seinen Erinnerungen an den umstrittenen Gründer von Arbeiter-Esperanto-Gruppen Leopold Schlaf, an erste Esperanto-Kurse und Gruppen für Arbeiter in Berlin, die Gründung der LEUB und des Esperanto-Verbands Groß-Berlin sowie dem Verhältnis zu den bürgerlichen Esperanto-Gruppen, weiterhin seine Antwort auf die Artikel Theodor Richters über das Verhältnis zu den bürgerlichen Esperantisten, die Esperanto-Übersetzung der Gedichte Die Lotosblume und Belsazar von Heinrich Heine und ein eigenes Gedicht in Esperanto Revo (Ein Traum), in dem er ein Ende des Blutvergießens und der Kulturzerstörung herbeisehnt, Frieden und ein brüderliches Zusammenleben der Nationen. Im Heft VII (Mai 1917) kündigte er an, dass er wegen seiner Einberufung die Herausgabe des Rondiranto nicht fortsetzen kann.

Für ein Nachkriegsheft schrieb er den Beitrag Estu ni fratoj! (Seien wir Brüder!). Pathetisch schreibt er: „Wir wollen die Brüderlichkeit unter den Völkern propagieren und verwirklichen… Wer zu uns Arbeiter-Esperantisten kommt, sollte erkennen, dass die innere Idee des Esperanto die Liebe zu jeglichem menschlichen Wesen ist“.

Interessanterweise spielen Zamenhofs innere Idee des Esperanto und der Text der Esperanto-Hymne mit seinen Gedanken der Völkerversöhnung in dieser Arbeiteresperantisten-Zeitschrift eine wichtige Rolle.

1922–1927 Redakteur der Bundeszeitschrift des DAEB, Herausgeber eines Liederbuchs des DAEB 1922 wurde Sproeck Redakteur der Bundeszeitschrift des DAEB Der Arbeiter-Esperantist. In der Ausgabe 7/1922 schreibt er Zum Geleit „Ein neuer Name – ein neuer Inhalt.“ Und kündigt an, dass die Zeitschrift „dreierlei bringen“ wird: „Mitteilungen der Bundesinstanzen und der Gruppen… Artikel von propagandistischem Wert, auch Anregungen für die Gruppen… Übungen für Anfänger und Abhandlungen über sprachliche Fragen. Für diesen letzten Teil kommen auch kurze Artikel oder Übersetzungen in Esperanto in Frage.“ Das war sein ambitioniertes Programm, und er forderte, was seiner Meinung nach bisher gefehlt hatte, die Mitarbeit anderer. Auf den folgenden Bundestagen wird er damit als Redakteur mehrmals wiedergewählt.Adolf Sproeck: Zum Geleit. In: Der Arbeiter-Esperantist 7/1922, S. 1.

Einige Leitartikel zu grundsätzlichen Fragen verfasste Sproeck selbst, so 1924 über die „sogenannte“ innere Idee des Esperanto. Er erläutert, dass die innere Idee des Esperanto, das heißt die Überzeugung, mit der Verbreitung des Esperanto unmittelbar Frieden und Verständigung zu fördern, für Zamenhof und die frühen Esperantisten eine wichtige Motivation war und ihren Zusammenhalt förderte, dass sich aber mehr und mehr die Erkenntnis verbreitete, dass Esperanto ein Mittel ist, das sich für viele Zwecke verwenden lässt bis hin zum Nationalismus. So kommt es dazu, „dass auch die Arbeiter, die internationalen Sozialisten, Kommunisten und Anarchisten, Esperanto für ihre Ziele gebrauchen wollen und dementsprechend eigene Organisationen und eigene Zeitungen gründen.“Adolf Sproeck: Über die sogenannte „innere Idee“ des Esperanto. In: Der Arbeiter-Esperantist, 7/1924, S. 1–2.

Unter dem Titel „Nie wieder Völkermorden“ erinnerte er an den Ausbruch des Ersten Weltkrieges und machte die Profitgier des Kapitalismus und die „überall gezüchtete Militärkaste“ für den Krieg verantwortlich, wobei er einen neuen noch schrecklicheren Krieg befürchtet, begünstigt durch die Sprachbarrieren. Eine gemeinsame Sprache der Proletarier hält er für wichtig, damit die Internationale nicht nur „ein Bund der Führer“ bleibt.Adolf Sproeck: Nie wieder Völkermorden! In: Der Arbeiter-Esperantist, 8/1924, S. 1.