Die Volksabstimmung über die Ehebestimmung in der Verfassung Kroatiens () fand am 1. Dezember 2013 statt. Ausgelöst wurde die Abstimmung durch eine Volksinitiative der ultrakonservativen und christlich-fundamentalistischen Bürgerinitiative („Im Namen der Familie“).
Die Initiative zielte auf eine Änderung des Artikels 62 Absatz 2 der kroatischen Verfassung, der seinerzeit nur ganz allgemein feststellte, dass die Eheverhältnisse durch Gesetz geregelt werden. Der Vorschlag der Initiative sah eine Neuformulierung des Artikels vor, mit der die Ehe als bestimmt werden sollte. Dies entsprach der damals bereits geltenden Definition des kroatischen Ehegesetzes. Das erklärte Ziel der Verfassungsänderung war es, eine prinzipiell mögliche einfachgesetzliche Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe durch höherrangiges Recht zu verunmöglichen, wenngleich eine solche bis 2013 nie ernsthaft debattiert worden war.
Bei der Abstimmung sprach sich eine große Mehrheit von 65,9 % der Abstimmenden für die Verfassungsänderung aus. Sie trat noch am gleichen Tag in Kraft.
Der Weg zur Volksabstimmung Die Volksinitiative (formalrechtliche Bezeichnung , „Bürgerinitiative“) für die Volksabstimmung wurde von der kroatischen Bürgervereinigung „U ime obitelji“ () ins Leben gerufen. Maßgeblich unterstützt wurde sie von konservativen und rechtsgerichteten Parteien und Organisationen, als auch der römisch-katholischen Kirche in Kroatien befürwortet.
Die Initiative sammelte in der gesetzlichen vorgeschriebenen Frist von 14 Tagen, vom 12. bis 26. Mai 2013, insgesamt 749.316 Unterschriften, von denen 683.948 als gültig anerkannt wurden. Das geforderte Unterschriftenquorum von 10 % der Stimmberechtigten (~379.100 Personen) wurde damit sehr deutlich überschritten. Die Volksinitiative wurde am 14. Juni 2013 beim Sabor, dem kroatischen Parlament, eingereicht. Die kroatische Verfassung schreibt vor, dass auch bei erfolgreichen Volksinitiativen das Parlament die Abhaltung der Volksabstimmung ausdrücklich beschließen muss. Dies geschah am 8. November 2013 mit 104 zu 13 Stimmen.Datenbank und Suchmaschine für direkte Demokratie: Kroatien, 1. Dezember 2013 : Ehe nur für Mann und Frau.
Die Regierung Milanović legte im Anschluss gegen die Volksinitiative Beschwerde beim kroatischen Verfassungsgericht ein, dass jedoch mit Urteil vom 13. November 2013 die Volksinitiative für zulässig befand. Die Volksabstimmung wurde sodann auf den 1. Dezember 2013 festgesetzt.
Ergebnis Bei der Volksabstimmung am Sonntag, den 1. Dezember 2013 waren gut 3,79 Millionen Personen ab 18 Jahre stimmberechtigt. Hiervon beteiligten sich 1.436.835 (= 37,9 %). Es entschied die einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Die Abstimmungsfrage lautete:
Von den abgegebenen gültigen Stimmen sprach sich eine große Mehrheit von 946.433 (= 66,3 %) für die begehrte Verfassungsänderung aus. Dagegen stimmten hingegen 481.534 Personen (= 33,7 %). Die Zahl der ungültigen Stimmen fiel mit 0,6 % unauffällig aus.
Der Grad der Zustimmung und Ablehnung unterschied sich zwischen den verschiedenen Gespanschaften sehr stark. Während beispielsweise in Vukovar-Syrmien und Brod-Posavina über 80 % der gültig Abstimmenden die Änderung befürworteten, waren es in Međimurje und Zagreb nur etwa 55 %. In zwei Gespanschaften, Istrien und Primorje-Gorski kotar überwog mehrheitlich die Ablehnung (58,6 % beziehungsweise 53,6 % „Nein“-Stimmen).
Endergebnis der Volksabstimmung über die Ehebestimmung in der Verfassung Kroatiens vom 1. Dezember 2013Državno izborno povjerenstvo (Hrsg.): Ergebnisse des Referendums, auf data.europa.eu. Gebiet Stimmberechtigte(a) Abstimmende(b) gültigeStimmen (c) ungültigeStimmen Ja Nein Anzahl Anzahl Anteil(an a) Anzahl Anteil(an b) Anzahl Anteil(an b) Anzahl Anteil(an c) Anzahl Anteil(an c) Zagreb (Gespanschaft) 271.178 107.814 39,76 % 107.201 99,43 % 564 0,52 % 75.274 70,22 % 31.927 29,78 % Krapina-Zagorje 109.529 33.129 30,25 % 32.901 99,31 % 225 0,68 % 23.754 72,20 % 9.147 27,80 % Sisak-Moslavina 155.929 46.749 29,98 % 46.459 99,38 % 282 0,60 % 32.046 68,98 % 14.413 31,02 % Karlovac 117.383 41.658 35,49 % 41.366 99,30 % 286 0,69 % 28.633 69,22 % 12.733 30,78 % Varaždin 146.011 50.222 34,40 % 49.870 99,29 % 337 0,67 % 30.885 61,93 % 18.985 38,07 % Koprivnica-Križevci 95.272 30.944 32,48 % 30.784 99,48 % 160 0,52 % 21.232 68,97 % 9.552 31,03 % Bjelovar-Bilogora 101.963 32.102 31,48 % 31.916 99,42 % 183 0,57 % 22.539 70,62 % 9.377 29,38 % Primorje-Gorski kotar 268.981 95.735 35,59 % 95.206 99,45 % 502 0,52 % 44.178 46,40 % 51.028 53,60 % Lika-Senj 47.645 12.005 25,20 % 11.923 99,32 % 82 0,68 % 9.544 80,05 % 2.379 19,95 % Virovitica-Podravina 73.296 23.337 31,84 % 23.186 99,35 % 148 0,63 % 17.380 74,96 % 5.806 25,04 % Požega-Slawonien 68.364 23.879 34,93 % 23.714 99,31 % 165 0,69 % 18.828 79,40 % 4.886 20,60 % Brod-Posavina 141.318 46.880 33,17 % 46.592 99,39 % 274 0,58 % 37.409 80,29 % 9.183 19,71 % Zadar 165.572 55.922 33,78 % 55.511 99,27 % 408 0,73 % 42.342 76,28 % 13.169 23,72 % Osijek-Baranja 263.073 89.991 34,21 % 89.515 99,47 % 440 0,49 % 64.078 71,58 % 24.437 28,42 % Šibenik-Knin 106.405 35.360 33,23 % 35.131 99,35 % 219 0,62 % 26.216 74,62 % 8.915 25,38 % Vukovar-Syrmien 160.278 49.670 30,99 % 49.354 99,36 % 301 0,61 % 40.128 81,31 % 9.226 18,69 % Split-Dalmatien 405.274 176.712 43,60 % 175.624 99,38 % 1.015 0,57 % 137.281 78,17 % 38.343 21,83 % Istrien 188.445 59.483 31,50 % 59.061 99,29 % 402 0,68 % 24.427 41,36 % 34.634 58,64 % Dubrovnik-Neretva 108.560 44.461 40,96 % 44.146 99,29 % 309 0,69 % 34.286 77,67 % 9.860 22,33 % Međimurje 95.996 29.657 30,89 % 29.467 99,36 % 184 0,62 % 16.138 54,77 % 13.329 45,23 % Zagreb (Stadt) 686.446 337.639 49,17 % 335.616 99,40 % 1.661 0,49 % 188.757 56,24 % 146.859 43,76 % Ausland –Die Gesamtzahl der im Ausland lebenden Stimmberechtigte ist unbekannt, diese müssen sich selbst aktiv in das Stimmverzeichnis eintragen lassen. 13.482 – 13.424 99,57 % 49 0,36 % 11.078 82,52 % 2.346 17,48 % 3.791.000Inklusive der 13.482 in das Stimmverzeichnis eingetragenen Stimmberechtigten im Ausland. 1.436.835 37,90 % 1.427.967 99,38 % 8.196 0,57 % 946.433 66,28 % 481.534 33,72 %
Folgen Das Ergebnis der Volksabstimmung wurde sehr gemischt aufgenommen. Während sich die Bürgerinitiative U ime obitelji sehr zufrieden zeigte und weitere Volksinitiativen ankündigte, nannte Premierminister Zoran Milanović das Ergebnis . Die Abstimmung zog auch international viel Aufmerksamkeit auf sich. Angesichts ähnlicher Plebiszite und Initiativen in anderen mittel- und osteuropäischen Staaten, wie beispielsweise in Slowenien 2012, während im westlichen Europa mehr und mehr Staaten die gleichgeschlechtliche Ehe ausdrücklich zuließen, sprachen manche Beobachter von einem kulturellen Graben innerhalb Europas.
Siehe auch Homosexualität in Kroatien
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
Kroatien 2013 Kroatien #2013 Kategorie:Ehe Kategorie:Familienrecht Kategorie:Kroatische Geschichte (21. Jahrhundert) Kategorie:Recht (Kroatien) Kroatien 2013