Die Liste von Eisenbahnunfällen in Tschechien enthält eine chronologische Auflistung von Eisenbahnunfällen auf dem Staatsgebiet der heutigen Tschechischen Republik, bei denen der Verlust von Menschenleben zu beklagen war oder erheblicher Sachschaden verursacht wurde. Infolge der Unfälle wurden oft entscheidende Weiterentwicklungen zur Sicherung von Zugfahrten eingeführt. Gleisfreimeldeanlagen und Zugbeeinflussungen wie LS oder ETCS oder der Zugfunk wurden eingeführt, um Unfälle zu vermeiden.
Bis 1918 Branowitz – Auffahrunfall Am 7. Juli 1839 verkehrten anlässlich der Eröffnung der Strecke Lundenburg–Brünn der a. priv. Kaiser Ferdinands-Nordbahn (KFNB) vier Festzüge von Wien nach Brünn. Bei der Rückfahrt musste der Lokomotivführer des zweiten Zugs im Bahnhof Branowitz wegen eines Schadens an der Lokomotive halten. Der dritte Zug fuhr auf den zweiten Zug auf. 60 Menschen wurden verletzt.
mini|1868 fuhr in Cerhovice ein Zug auf eine steckengebliebene Komposition. Zwischen Hullein und Napajedl – Kesselzerknall Am 27. Juli 1848 zerknallte der Kessel der Lokomotive JASON der a. priv. Kaiser Ferdinands-Nordbahn (KFNB) auf der Bahnstrecke Wien–Krakau zwischen Hullein und Napajedl. Vier Personen wurden getötet und zwei verletzt.
Zerwitz – Auffahrunfall Am 10. November 1868 ereignete sich bei der heutigen Haltestelle Zerwitz auf Bahnstrecke Prag–Pilsen der k.k. priv. Böhmischen Westbahn (BWB) ein Auffahrunfall bei der Fahrt im Zeitabstand. Während eines Schneesturms fuhr ein Güterzug auf einen in einer Schneewehe feststeckenden Personenzug auf. 28 Menschen wurden getötet und 60 verletzt. Um solche Unfälle zu verhindern, wurden Zugfolgeabschnitte eingeführt.
mini|1869 stürzten bei Úvaly drei Reisezugwagen einen Bahndamm hinunter. Auval – Entgleisung Am 3. Februar 1869 entgleisten auf der Bahnstrecke Wien–Prag–Bodenbach der priv. Österreichisch-ungarischen Staatseisenbahngesellschaft (StEG) die letzten drei Wagen des Schnellzuges Wien–Prag zwischen den Stationen Auwal und Běchowitz. Zehn Personen wurden verletzt, der Schaffner starb später. Der Unfall wurde wahrscheinlich durch eine Spurerweiterung infolge verfaulter Schwellen verursacht.:Datei:Derailment Uvaly 1869.png auf Wikimedia
Oderberg – Kesselzerknall Am 23. März 1871 zerknallte der Kessel der Lokomotive GLAUCOS der a. priv. Kaiser Ferdinands-Nordbahn (KFNB) im Bahnhof Oderberg. Ursache war vermutlich die vergessene Wasserspeisung durch das Lokomotivpersonal und daraus folgender Wassermangel.
Tschertschan – Entgleisung Am 18. März 1889 entgleisten auf der Strecke Gmünd–Prag der k.k. priv. Kaiser Franz Josephs-Bahn (KFJB) zwischen dem Bahnhof Tschertschan und der heutigen Haltestelle Pyšely wegen eines Radbruchs sechs Reisezugwagen. Vier Personen verstarben, neun wurden verletzt.Nehody v minulosti – katastrofa u Čerčan 1889. Auf: koridory.cz, 4. November 2013.
mini|1890 stürzte bei Blovice ein Zug von einem durchnässten Bahndamm. Blowitz – Entgleisung Am 5. August 1890 entgleiste bei Blowitz auf Strecke Wien–Eger der k.k. priv. Kaiser Franz Josephs-Bahn (KFJB) bei der Überquerung einer Brücke ein Personenzug. Ein Teil des Zuges stürzte in einen Bach. Wegen starken Regens war der Bahndamm durchnässt und hielt dem Gewicht des Zuges nicht stand. Der Unfall forderte fünf Todesopfer und 42 Verletzte. Železniční neštěstí u Zdemyslic (Memento vom 23. Juli 2015 im Internet Archive)
Popowitz – Entgleisung Am 13. Oktober 1909 entgleiste die Lokomotive eines Güterzuges bei Popowitz auf der Strecke Brünn–Vlarapass der k.k. priv. Österreichisch-Ungarischen Staatseisenbahngesellschaft (StEG). Das Lokomotivpersonal kam ums Leben, zwei Zugbegleiter wurden schwer verletzt.
Uhersko – Frontalzusammenstoß Am 25. Dezember 1909 stieß auf der Bahnstrecke Wien–Prag der priv. Österreichisch-ungarischen Staatseisenbahngesellschaft (StEG) ein Schnellzug aus Prag frontal mit einem in der Station Uhersko wartenden Güterzug zusammen. 13 Menschen starben.
1919–1938 Čelákovice – Frontalzusammenstoß Am 6. Dezember 1919 stieß bei Čelákovice auf der Bahnstrecke Lysá nad Labem–Praha ein Eilzug frontal mit einem verspäteten Personenzug zusammen. Vier Personen verloren ihr Leben, 120 wurden verletzt. Die Zugkreuzung sollte verlegt werden, aber der Fahrdienstleiter in Čelákovice wertete das Klingelsignal falsch aus.
Český Brod – Bremsversagen Am 27. Juni 1920 stieß auf der Strecke Česká Třebová–Prag ein Güterzug mit einem im Bahnhof Český Brod stehenden Personenzug zusammen. Unfallursache war das Überfahren eines Halt zeigenden Signals und das ungenügende Bremsvermögen des schweren und nicht mit Druckluftbremse ausgerüsteten Güterzugs. Sechs Menschen kamen ums Leben, 56 wurden verletzt.
mini|Der 1926 in Chotoviny entgleiste Güterzug blieb neben dem Bahngleis stehen. Chotoviny – Zug in Stichgleis geleitet Am 1. August 1926 wurde auf der Strecke České Velenice–Prag im Bahnhof Chotoviny ein Güterzug versehentlich in ein Stichgleis geleitet. Die Lokomotive rammte einen abgestellten Arbeitswagen, fuhr über das Stichgleis hinaus und blieb neben der Haupttrasse stehen. Der Unfall forderte ein Todesopfer und zwei Verletzte, der verantwortliche Fahrdienstleiter verübte Suizid.Nehody v minulosti – Chotoviny 1926. Auf: koridory.cz, 23. Januar 2015.
Brno – Frontalzusammenstoß Am 12. April 1927 kam es im Bahnhof Brno hlavní nádraží aufgrund falscher Anordnungen zu einem Frontalzusammenstoß eines Personenzuges mit einem Güterzug. Fünf Personen wurden getötet und 110 verletzt.
Včelná – Frontalzusammenstoß Am 1. August 1928 kam es auf der Strecke St. Valentin–Budweis im Bahnhof Včelná zu einem Zusammenstoß eines Schnellzuges mit einem Personenzug, der 17 Tote und 78 Verletzte forderte.Josef Schrötter: Železnice v srdci Evropy: 100 let našich drah. S. 172.
Zaječí – Entgleisung Am 9. September 1928 entgleiste ein Schnellzug im Bahnhof Zaječí auf der Strecke Břeclav–Brno und rammte einen im Nachbargleis stehenden Güterzug. 24 Menschen starben.
Vlašim – Frontalzusammenstoß Am 2. Juli 1932 stießen zwei Personenzüge auf der Strecke Benešov u Prahy–Dolní Kralovice bei Vlašim zusammen. Wegen einer Verspätung sollte die Zugkreuzung verlegt werden. Allerdings scheiterte die Verständigung der beiden Fahrdienstleiter, da ein heftiger Sturm die Telefonleitung zerrissen hatte. Neun Menschen starben und 80 wurden verletzt.
1939–1945 Mittelgrund – Entgleisung Am 15. Juni 1939 fuhr im Bahnhof Mittelgrund (heute: Prostřední Žleb) ein Schnellzug der Deutschen Reichsbahn mit Streckengeschwindigkeit in ein abzweigendes Gleis, entgleiste und fuhr in ein Stellwerksgebäude. Ursache war die Missachtung der Geschwindigkeitsbeschränkung des Einfahrsignals durch das Lokomotivpersonal. 14 Menschen starben, 26 wurden verletzt.
mini|Haltestelle Židenice nach dem Unfall vom 18. September 1941. Brno-Židenice – Schnellzug fährt in Personengruppe Am 18. September 1941 fuhr in Brno-Židenice auf der Bahnstrecke Brno–Praha ein Schnellzug in der morgendlichen Dunkelheit in eine Gruppe Pendler. Während ein Militärzug auf Gleis 2 die Haltestelle durchfuhr, wartete der nachfolgende Personenzug nach Adamov vor dem Einfahrsignal. Die Fahrgäste verwechselten den herannahenden Militärzug mit dem Personenzug und überquerten das Gleis 1, um den Zug zu besteigen. In diesem Moment nahte dort ein wegen der Kriegsverdunkelung schlecht sichtbarer Schnellzug und erfasste die Menschengruppe. 18 Reisende wurden getötet und 10 verletzt.Jana Soukupová: Od tragédie v Židenicích uplynulo 75 let. „Vlak smetl lidi jako kuželky“. In: Mladá fronta Dnes (online), 20. September 2016.
Praha-Kbely – Frontalzusammenstoß Am 20. Dezember 1943 kollidierten im Bahnhof Praha-Kbely auf Strecke Praha–Turnov zwei Personenzüge frontal wegen einer fehlerhaften Anordnung des Fahrdienstleiters. Je nach Quelle starben 35 oder 42 Personen, 91 beziehungsweise 100 wurden verletzt. An der Beisetzung der Opfer nahmen die damaligen Minister Richard Bienert und Emanuel Moravec teil und ein römisch-katholischer Priester.Zbyněk Česák: In: Mladá fronta Dnes (online), 23. März 2014.
Povrly – Frontalzusammenstoß Am 15. Juni 1945 kam es im Bahnhof Povrly an der Strecke Praha–Děčín zu einem Frontalzusammenstoß eines Personenzugs mit einem Krankenwagenzug. Die zweigleisige Strecke wurde während des Unfalls nur eingleisig betrieben. 46 Menschen wurden getötet und 42 verletzt.
Rynoltice – Entlaufene Wagen entgleisen Am 24. Dezember 1945 entliefen im Bahnhof Křižany auf der Bahnstrecke Řetenice–Liberec beim Rangieren acht mit Kriegsheimkehrern besetzte Reisezugwagen. Kurz vor Rynoltice entgleisten die Wagen mit einer Geschwindigkeit von fast 100 km/h. Drei Frauen starben auf der Unfallstelle, 25 Reisende wurden verletzt.Ivana Bernáthová: Před 68 lety se u Rynoltic stalo vlakové neštěstí. Zázrakem ho přežil kojenec. In: Český rozhlas (online), 23. Dezember 2013.
1946–1959 Lčovice – Frontalkollision mit Zusatzzug Am 1. Januar 1946 kollidierte zwischen Lčovice und Čkyně auf der Strecke Strakonice–Volary ein Zusatzzug frontal mit einem entgegenkommenden fahrplanmäßigen Personenzug. Der Lokomotivführer des Zusatzzugs war der einzige, der von der Zusatzleistung wusste. Er wartete in Lčovice den Gegenzug nicht ab. Vier Fahrgäste und ein Heizer starben, 66 Passagiere und acht Eisenbahner wurden verletzt. Der Unfall hat zur Verbesserung der veralteten Fahrdienstvorschrift beigetragen.Na Šumavě připomněli 75 let od srážky vlaků, kdy zemřelo pět lidí. In: Budějcká Drbna (online), 1. Januar 2021.
Prag – Kollision in Tunnel Am 7. Juni 1947 stieß am Rande des zweiten Vinohrady-Tunnel ein Zug mit einer Lokomotive zusammen. Der Unfall forderte 7 Menschenleben, 56 wurden verletzt. Eine der Hauptursachen für die Kollision war die Außerbetriebnahme der Sicherheitseinrichtungen.Vinohradské tunely poprvé. Auf: koridory.cz, 11. September 2016.
mini|Bei Kolštejn entgleiste Lokomotive 623.008 Kolštejn – Bremsversagen Am 6. Oktober 1947 entgleiste auf der Strecke Hanušovice–Głuchołazy vor dem Bahnhof Kolštejn (heute Branná) die Lokomotive 623.008 eines Güterzuges nach einem Bremsversagen. Dabei verlor der Lokomotivführer sein Leben, der Heizer wurde verletzt.Miroslav Kozmin: Historické okénko: Železniční nehoda u Kolštejna. In: Šumperský a jesenický deník (online), 13. Mai 2020.
Senohraby – Personenzug fährt in Kohlewagen Am 12. Oktober 1947 kollidierte in Senohraby auf der Strecke České Velenice–Prag ein Personenzug mit Kohlewagen, deren Bremsen sich spontan gelöst hatten. Acht Menschen kamen ums Leben, 25 wurden verletzt.Nehody v minulosti – Senohraby 1947. Auf: koridory.cz, 11. Juli 2014.
Podivín – Schnellzug erfasst Autobus Am 21. Dezember 1950 erfasste bei Podivín an der Strecke Břeclav–Bünn ein Schnellzug einen Autobus. Der ČSAD-Bus hielt vor dem Bahnübergang an den gesenkten Schranken und ein Personenzug passierte. Anschließend wurden die Schranken gehoben, obwohl der Schnellzug von Bratislava nach Brünn nahte. Der Zug halbierte den Bus, 34 Personen wurden getötet und 56 verletzt.
mini|Der Triebwagen der Reihe M 131.1 bot den Fahrgästen bei dem Zusammenstoß von Stvolínky keinen Schutz. Stvolínky – Frontalkollision an schwer zugänglicher Unfallstelle Am 30. März 1952 kollidierte in Stvolínky auf der Nordböhmischen Transversalbahn ein Dieseltriebwagen der Baureihe M 131.1 mit Beiwagen frontal mit einer allein verkehrenden Lokomotive der Reihe 313.4. An der schwer zugänglichen Unfallstelle mussten 12 Tote und 34 Verletzte geborgen werden. Unfallursache war eine unsorgfältig geplante Verlegung der Zugkreuzung.
Suchdol nad Odrou – Entgleisung wegen defekten Signals Am 26. August 1952 entgleiste in Suchdol nad Odrou an der Strecke Přerov–Bohumín in einer Kurve ein Schnellzug mit etwa 100 km/h, entgleiste und kippte um. Am Signal, das die Geschwindigkeitsreduktion hätte anzeigen sollen, hat nur eine statt zwei grüner Lampen geleuchtet. 12 Menschen fanden den Tod, 108 wurden verletzt.
mini|Gedenktafel in Šakvice