mini|160px|Infotafel zur Römerstraßean deren Verlauf in Grünenbach mini|160px|Rekonstruktionsversuch eines spätantiken Straßenburgus Die Römerstraße Kempten–Bregenz war eine aus der römischen Kaiserzeit stammende Verbindungsstraße in der Provinz Raetia. Sie verband Rätiens ursprüngliche Hauptstadt Cambodunum, das heutige Kempten im Allgäu, mit der römischen Garnisons- und Hafenstadt Brigantium, dem heutigen Bregenz in Vorarlberg am Bodensee.„Römerstraße Kempten–Bregenz“ Flyer als PDF. auf der Website des Vereins „Regionalentwicklung Westallgäu-Bayerischer Bodensee e. V.“ Diese Römerstraße, deren lateinischer Name nicht überliefert wurde, war später ein Teilabschnitt der heute so bezeichneten Allgäustraße.
Der überwiegende Teil der historischen Trassenführung entspricht dem heutigen Straßenverlauf oder verläuft sehr nahe parallel zur aktuellen Straße. Viele Teilstücke des antiken Verkehrswegs wurden archäologisch erfasst und sind als Bodendenkmäler unter Schutz gestellt.
Entwicklung Die Eroberung des Voralpengebietes durch die römischen Feldherren Tiberius (14–37) und Drusus wurde im Jahr 15 v. Chr. in Gang gesetzt. Um die neu eroberten Gebiete wirtschaftlich und verkehrstechnisch rascher zu erschließen, wurde zwischen Kempten und Bregenz eine ganzjährig befahrbare Straße angelegt. Kempten hatte damals eine große Bedeutung als Straßenknotenpunkt. Von dort aus führten Straßen nach Bregenz, Augsburg, Epfach und Füssen. Auch in Bregenz kreuzten sich mehrere Römerstraßen und es besaß einen Handels- und Kriegshafen am Bodensee (Brigantinus Lacus). Die Stadt lag zudem an einer stark frequentierten Fernstraße, die von Italien über Chur nach Norden führte. Im Stadtgebiet wurden nicht weniger als vier Kastelle nachgewiesen. Schon bald nach ihrem Bau fristete sie zunächst ein Schattendasein, da man für schnelle Truppenbewegungen direkt verlaufende Straßen zwischen Augsburg, Mainz und Trier benötigten. Anders sah es dabei für den zivilen Bereich aus, denn die lokalen Wirtschaftstreibenden wussten sie sehr wohl zu ihrem Vorteil im regen Warenaustausch mit Gallien und Italien zu nutzen. In der Folgezeit sollte diese via militaris über 400 Jahre lang eine gewisse Rolle im römischen Fernstraßennetz dieser Region spielen. Ihre größte Bedeutung hatte sie von Anfang der römischen Okkupation bis in die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. und danach wieder gegen Ende der römischen Herrschaft über Raetien inne. Sie stellte die Verbindung zu den nördlich gelegenen Provinzen her, diente als Handelsroute und ermöglichte rasche Truppenbewegungen und Kurierdienste. Zur Absicherung und Überwachung entstanden in spätrömischer Zeit an diesen Streckenabschnitt, ab dem späten 3. Jahrhundert, Kleinkastelle und Wachtürme, sogenannte burgi. Hierzu wurden fünfzehn von ihnen als Beobachtungs- und Signaltürme errichtet. Zusätzlich dienten die Kleinkastelle als Etappenstationen für durchmarschierende römische Truppenverbände. Zum Erhalt der Straße mussten auch immer wieder Reparaturarbeiten durchgeführt werden. In Untereinöden gegenüber dem „Spitalhof“ steht heute die Kopie eines römischen Meilensteins. Seine Inschrift berichtet von der Wiederinstandsetzung der Straße unter Kaiser Septimius Severus (193–211) im Jahr 201 n. Chr. Nach Aufgabe des Limes im sogenannten Dekumatenland Mitte des 3. Jahrhunderts erlangte die Straße wieder ihre ursprüngliche Funktion als Limes- oder Grenzstraße zurück, als die kürzeren Strecken hinter der Linie der neu gezogenen Grenzlinie des Donau-Iller-Rhein-Limes für die römische Nutzung ausfielen. Die stärkere militärische Nutzung der Straße spiegelte auch die unruhigen Verhältnisse in Rätien wider, da immer häufiger germanische Plünderer tief ins Reichsgebiet vordrangen und auf seinen gut ausgebauten Straßentrassen mit ihrer Beute zügig (und oft auch völlig unbehelligt) in ihre Territorien nördlich der Donau zurückkehren konnten. Als ab 260 n. Chr. die Alemannen wiederholt ins römisch kontrollierte Territorium einfielen, wurde die Nordgrenze des römischen Reichs, die zuvor nördlich der Donau lag (Limes), endgültig nach Süden zurückgenommen und an der Linie Hochrhein – Bodensee – Iller – Donau festgelegt. Teile ihrer Trasse wurden noch über das Mittelalter hinaus von der örtlichen Bevölkerung benutzt. Im Lauf der Jahrhunderte entstanden an der ehemaligen Römerstraße zahlreiche neue Ortschaften.Infotafel Entlang der Römerstraße Kempten –Bregenz
Garnisonen, Burgi und sichtbare Bodenbefunde entlang der Römerstraße Die Tabelle benennt die durch die Römerstraße verbundenen Garnisonsstädte mit ihren Kastellen und listet die am Straßenverlauf errichteten Burgi sowie heute noch sichtbare Bodenmerkmale auf. Zur besseren Unterscheidung sind die Kastelle andersfarbig dargestellt.
Gemeinde Gemarkung Bemerkung Koordinaten Denkmalnummer Bild Kempten Kempten Cambodunumkaiserzeitliche Stadt und Garnison D-7-8227-2004 150px|zentriert|Modell von Cambodunum im 2. Jahrhundert n. Chr. Kempten Sankt MangCambidanumspätrömische Kastellsiedlung D-7-8227-0045 150px|zentriert|Burghalde Kempten, das römische Cambidanum Buchenberg Ahegg Burgus AheggSpätrömischer Burgus, ca. 860 m NNW der Straße auf einem Hügel im Rottachtal, etwas abseits des antiken Straßenverlaufs, er diente sowohl der Sicherung des spätrömischen Donau-Iller-Rhein-Limes als auch der Überwachung des Verkehrsweges D-7-8227-0014 150px|zentriert|Rekonstruktionszeichnung Burgus Ahegg Buchenberg Buchenberg Burgus Buchenberg → Siehe Liste der Kastelle am DIRLArchäologische Befunde unter der Christi-Ruh-Kapelle direkt an der Römerstraße; mutmaßlicher Standort eines römischen Wachturms. D-7-8327-0062 150px|zentriert|An der Stelle der Kapelle stand einst wohl ein römischer Wachturm Buchenberg–Klamm Buchenberg Antike Radgeleise über mehrere hundert Meter, in einem Hohlweg am höchsten Punkt der Römerstraße (921 m, an der Wasserscheide Donau/Rhein). 150px|zentriert|Antike Radgeleise bei Klamm Buchenberg–Kenels (Schwarzerd) Buchenberg Burgus Kenels, auch als „Burgus Wenk“ bezeichnet. Heute erinnert ein Gedenkstein auf einem kleinen Hügel an ihn. D-7-8327-0004Burgus Kenels im Denkmalatlas Bayern 150px|zentriert|Burgus Kenels Weitnau-Spitalhof Wengen, Untereinöden Kopie eines römischen Meilensteins, er berichtet von der Wiederinstandsetzung der Straße unter Kaiser Septimius Severus 201 n. Chr.Artikel von Ralf Lienert, Allgäuer Zeitung vom 8. Oktober 2010: Digitalisat. 150px|zentriert|Meilenstein an der Römerstraße Weitnau–Nellenbruck Wengen Burgus Nellenbruck → Siehe Liste der Kastelle am DIRLUngesicherter StandortDas Reiterkastell bei Isny lag circa 5–6 Kilometer nördlich des ursprünglichen Trassenverlaufs, der über den Schidel führte – dem Nordausläufer des Doppelberges Riedholzer Kugel / Iberger Kugel – welcher als Höhenrücken zwischen der Unteren Argen und dem Maierhöfener Bach liegt.Die Straße mit ihren Burgi war aber vom Kastell aus auf dem Talgrund der beiden Gewässer leicht zu erreichen, dort wo diese bei Nellenbruck im Osten und bei Maierhöfen im Westen die Straße querten. Isny im Allgäu–Burkwang Großholzleute Kastell VemaniaReiterkastell, nördlich der Römerstraße. Von hier aus erfolgte die Versorgung mehrerer Burgi mit Wachmannschaften und Gütern. 150px|zentriert|Kastell Vemania, Rekonstruktionsmodell (Ansicht von Norden)Der weitere Verlauf des alten Verkehrsweges in Richtung Westen ist ab Maierhöfen-Raschenberg (heutige Landesgrenze) bis Grünenbach als Bodendenkmal ausgewiesen (D-7-8326-0024 bis Eistobel, dann D-7-8326-0021).Zwischen Grünenbach und Röthenbach ist der Verlauf der antiken Straße bis heute nicht eindeutig geklärt. Auch für den weiteren Streckenabschnitt von Röthenbach bis zum Burgus Dreiheiligen wurden für die historische Trasse bisher noch keine archäologischen Nachweise erbracht. Röthenbach Röthenbach Burgus RöthenbachUngesicherter Standort,Nach der Geschichte Röthenbachs soll sich im Ortsgebiet ein Römischer Burgus befunden haben.Die Römer an Bodensee und Allgäu. S. 13–16, hier S. 14. In: Werner Dobras: Chronologie des Landkreises Lindau. Verlag W. Eppe, 1985, ISBN 3-89089-004-0. Röthenbach–Oberhäuser Oberhäuser Burgus Oberhäuser → Siehe Liste der Kastelle am DIRLUngesicherter Standort Heimenkirch–Dreiheiligen Heimenkirch, Feldflur „Schloßbühl“ Burgus Dreiheiligen D-7-8325-0038Burgus Dreiheiligen im Denkmalatlas Bayern 150px|zentriert|Gedenkstein am Burgus Dreiheiligen Heimenkirch Kirchplatz Heimenkirch Burgus HeimenkirchAuf dem Gelände des Burgus wurde die Pfarrkirche St. Margareta errichtet. Im Ortsbereich konnte in den Jahren 1909 bis 1910 die Römerstraße unterhalb der heutigen Bundesstraße nachgewiesen werden. Sie war teilweise mit Rundhölzern befestigt und mit einer 40 Zentimeter dicken Auflage aus Schotter versehen. D-7-8325-0016Burgus Heimenkirch im Denkmalatlas Bayern 150px|zentriert|Burgus Heimenkirch, heute Kirchplatz/Friedhof Heimenkirch–Kappen, Biesenberg 3 Heimenkirch Burgus Kappen (häufig als Burgus Meckatz bezeichnet)Turm mit quadratischem Grundriss, 11,8 × 12 m, seine Mauern waren noch bis zu Anfang des 19. Jahrhunderts sichtbar. D-7-8325-0017Burgus Kappen im Denkmalatlas Bayern 150px|zentriert|Befunde und Rekonstruktion Burgus Kappen/Meckatz Opfenbach–Mellatz Opfenbach Burgus MellatzDie Lourdeskapelle steht auf den Fundamenten des Wachturms im Mittelpunkt des Burgus D-7-8325-0002Burgus Mellatz im Denkmalatlas Bayern 150px|zentriert|Burgus Mellatz unter der Lourdeskapelle Opfenbach Opfenbach Burgus Opfenbach → Siehe Liste der Kastelle am DIRLUngesicherter Standort, möglicherweise der Bereich der Pfarrkirche St. Nikolaus. Die Römerstraße querte im Bereich der heutigen Bruggmühle den Opfenbach. Es ist allerdings unklar, ob der Bach über eine Brücke oder durch eine Furt überquert wurde. 150px|zentriert|Kirchenareal St. Nikolaus → möglicherweise „Burgus Opfenbach“ Sigmarszell–Umgangs Niederstaufen Römersiedlung Umgangs.Grenzt an seiner Ostseite unmittelbar an den Trassenverlauf der Römerstraße.Möglicherweise Burgus D-7-8324-0005Römersiedlung Umgangs im Denkmalatlas Bayern Sigmarszell–Niederstaufen Niederstaufen, Waldbergweg Burgus Waldberg (Waldburg?) → Siehe Liste der Kastelle am DIRLUngesicherter Standort, nach der Geschichte Niederstaufens soll sich der Burgus auf dem Burgstall Kreuzberg befunden haben.Dorfgeschichte Niederstaufens bei www.heimatpfleglerniederstaufen.de; private Website der Heimatpfleg(l)er Niederstaufen von Wolfgang B. Sutter D-7-8324-0003Nummer für das Bodendenkmal Kreuzberg.Ein römischer Burgus ist für diese Stelle archäologisch nicht bestätigt 150px|zentriert|Burgstall Kreuzberg → möglicherweise „Burgus Waldburg“ Sigmarszell–Burgstall Niederstaufen Burgus Burgstallmit Gedenkstein D-7-8424-0003Burgus Burgstall im Denkmalatlas Bayern Hohenweiler–Gmünd Hohenweiler Burgus HohenweilerOrtsteil Gmünd, wurde beim Gasthaus Gmündmühle ergraben.Der Turm hatte einen annähernd quadratischen Grundriss und maß 10 × 12 m. 150px|zentriert|Gasthaus Gmündmühle am Burgus Hohenweiler–Gwiggen Hohenweiler Burgus Gwiggen → Siehe Liste der Kastelle am DIRL.Ungesicherter Standort, wohl einer der Höfe an der Allgäustraße beim Kloster Gwiggen Hörbranz–Leonhards Hörbranz (Parzelle Erlach am Betzentobel) Burgus Hörbranzauch Burgus Erlach genanntWehranlage/befestigte Siedlung der Römischen Kaiserzeit ObjektID: 130336 70px|Burgus Erlach bei Hörbranz – Befunde der Grabung von 1932 Bregenz Bregenz Brigantium; Sammelname für mehrere Kastelle im römischen Bregenz 150px|zentriert|Römisches Bregenz
Als Bodendenkmal (Bayern) ausgewiesene Streckenabschnitte