mini|hochkant|Grace Raymond Hebard, 1934 Grace Raymond Hebard (* 2. Juli 1861 in Clinton, Iowa; † Oktober 1936 in Laramie, Wyoming) war eine US-amerikanische Universitätsleiterin, Professorin, Historikerin und Suffragette. Ihr Ansehen als Historikerin beruht zum Teil auf ihren jahrelangen Wanderungen durch die Hochebenen und Berge Wyomings auf der Suche nach Berichten aus erster Hand über die frühen Pioniere des US-Bundesstaats.

Insbesondere schuf sie ein stark von Western-Romantik geprägtes Bild von Sacajawea, der indigenen Teilnehmerin an der Lewis-und-Clark-Expedition. Hebard war lange die prägende Verwaltungsleiterin der University of Wyoming und die erste Frau in deren Kuratorium. Sie war im politischen Leben Wyomings aktiv, hielt Reden, organisierte historische Vereine, leitete Staatsbürgerschaftskurse für Einwanderer und beteiligte sich an der lokalen und nationalen Suffragettenbewegung.

Erste Jahre und Ausbildung mini|hochkant|(1) Alice Louise Reynolds, (2) Amy Brown Lyman, (3) Grace Raymond Hebard, (4) Fanny Maughan Vernon, (5) Ruth Moench Bell und (6) Susa Young Gates Grace Hebard wurde als Tochter von Reverend George Diah Alonzo Hebard (1831–1870) und Margaret Elizabeth Dominick Marvin (1830–1902) geboren. Ihre Familie zog bald nach Iowa City, wo ihr Vater, ein Missionar und späterer Territorial Legislator, eine neue presbyterianische Kirche baute. Hebard machte 1882 als erste Frau ihren Bachelor of Science im heutigen Bauingenieurwesen an der University of Iowa. In späteren Jahren reflektierte Hebard in einem Brief an einen Kollegen aus dem Jahr 1928 über ihre Erfahrungen als weibliche Ingenieurstudentin:

Später nahm Hebard ihr Studium als Fernstudium wieder auf und erwarb 1885 einen M.A. an der University of Iowa. Schließlich promovierte sie 1893 in Politikwissenschaft an der Illinois Wesleyan University, ebenfalls im Fernstudium.

Hebard machte sich 1882 auf den Weg in den Westen nach Wyoming, acht Jahre, bevor das Territorium 1890 zum US-Bundesstaat wurde. Hebard kam in der zukünftigen Hauptstadt Cheyenne in Begleitung ihrer Mutter, ihrer Brüder Frederick und Lockwood sowie ihrer Schwester Alice an. Sie wurde Teil der sozialen Szene mit anderen jungen Leuten im neu errichteten Cheyenne Club, wo Viehbarone, oft reiche Europäer, die Herrschaft über Cheyenne hatten. Rowdys, die in den Saloons Waffen trugen, und Prostituierte, die in den Bordellen offen ihrem Gewerbe nachgingen, sorgten für eine raue Atmosphäre. Die Bürger waren zudem dafür bekannt, ihre eigene Form von Gerechtigkeit zu üben, wenn die Dinge aus dem Ruder liefen. Zum Beispiel lynchte 1883 eine Menschenmenge einen beschuldigten Mörder und henkte ihn an einem Telefonmast in Cheyenne.

Hebards College-Ausbildung unterschied sie von solchen Einheimischen. Die junge Ingenieurin fand Arbeit im Büro des Generalvermessers, wo sie als einzige weibliche Zeichnerin in der Stadt arbeitete. Hebard stieg zur stellvertretenden Staatsingenieurin auf und berichtete zunächst an Elwood Mead. Mead machte sich einen Namen mit der Ausarbeitung von Wassergesetzen für das Wyoming-Territorium und später als Leiter des U.S. Bureau of Reclamation.

Doch das Ingenieurwesen sollte nicht Hebards Berufung sein. Nach neun Jahren in Cheyenne verließ sie ihre Familie und wagte sich 50 Meilen westlich über eine mit Felsbrocken übersäte Bergkette in die Eisenbahnstadt Laramie. Diese kleine Stadt im Südosten Wyomings, die Mitte der 1860er Jahre als Zeltstadt begann, beherbergte eine junge Universität, als Hebard 1891 ankam. Der schmuddelige Präriecampus von Laramie wurde zum Schauplatz, von dem aus Hebard eine beeindruckende Karriere im Hochschulwesen startete und mehr als 45 Jahre (1891–1936) der University of Wyoming widmete.

Universitätsverwaltung mini|500px|University of Wyoming, ein isolierter Campus, der an die Prärie am östlichen Rand von Laramie grenzte, 1908. Im Jahr 1891 wurde Hebard mit Empfehlung des Senators Joseph M. Carey aus Cheyenne, den sie seit ihrer Kindheit kannte, vom amtierenden Gouverneur Amos Barber zur angestellten Sekretärin und zum Mitglied des Kuratoriums der University of Wyoming ernannt. Sie fand sich in der von Männern dominierten Welt der Universitätsverwaltung zurecht und nahm ihre Position mit beträchtlicher Durchsetzungskraft wahr und hatte erheblichen Einfluss. Sie war bis 1903 im Kuratorium, blieb aber bis 1908 als Sekretärin tätig.

Ihr Aufgabenspektrum umfasste Festlegungen zur Universitätspolitik bis zur Verwaltung der Finanzen. Hebard leitete die Finanzen der Universität nahezu unabhängig und im Tagesgeschäft selbständig, mit Ausnahme einer jährlichen Überprüfung. Hebard bemerkte später: „the Trustees gave me a great deal of power, and I used it“.

Die Universität kämpfte während der Rezessionsjahre Mitte der 1890er Jahre mit finanziellen Problemen. Die sechs High Schools im dünn besiedelten Wyoming konnten 1894 nur acht Absolventen vorweisen, aus denen die Universität versuchen konnte, Studienanfänger zu immatrikulieren. Die unterfinanzierte Universität war daher auf staatliche Forschungszuschüsse für ihre landwirtschaftliche Versuchsstation angewiesen. Der Präsident des Kuratoriums, mit Hebard als Sekretärin, leitete diesen wichtigen Arm der Universität.

Der Einfluss, den Hebard auf die Finanzen der Universität, ihren Präsidenten und den Lehrkörper ausübte, war somit beträchtlich. Es kamen Gerüchte auf, dass ein Konflikt mit Hebard und ihrer Aufsicht über die Ernennungen der Fakultät den Präsidenten A. A. Johnson zum Rücktritt veranlassten. Ihre „eiserne Herrschaft“ über den Campus drehte sich immer um ihre Autorität über die Finanzen, einschließlich der Ausgaben von Bundeszuschüssen. Fragen über die Verwendung und den möglichen Missbrauch von Bundesgeldern kamen auf, was zu einer verstärkten Überprüfung durch das vollständig mit Republikanern besetzte Kuratorium führte. Die Demokraten lancierten 1907 in der Presse wegen des „republikanischen Regimes“ an der Universität Anschuldigungen wegen Bestechung und parteiischer Vergabe von Druckaufträgen für die Universität sowie unsachgemäßer Verwendung von Bundeszuschüssen und eine heftige Kritik an Hebards Herrschaft. Ein scharf formulierter Bericht behauptete: „It's a standing remark in Laramie that no professor or employee of the institution can hold his job without being branded 'OK' by Miss Secretary Hebard, and whenever she decrees it the president's head will fall in the basket“. Doch trotz des Aufruhrs fand eine vom Gouverneur eingesetzte Untersuchungskommission, „that there had been no interference by Miss Hebard“. Trotzdem, immer noch von der Presse und intern an der Universität angegriffen, trat Hebard als Sekretärin des Kuratoriums schließlich zurück.

Das Ende von Hebards universitärer Verwaltungskarriere im Jahr 1908 markierte den Beginn einer neuen Phase mit Lehre, Schreiben und Feldforschung. Im Jahr 1908 ernannte dasselbe Kuratorium sie zur ordentlichen Professorin. Hebard hielt den Posten bis zu ihrem Tod 28 Jahre später.

Wissenschaftliche Aktivitäten Hebard wurde 1894 ohne Bezahlung die erste Bibliothekarin der Universität. Sie richtete die erste Bibliothek mit den Büchern ein, die sie in einem kleinen verschlossenen Raum der Universität fand. 1908 wurde sie zur ersten offiziellen Bibliothekarin der Universität ernannt. Die katalogisierte Büchersammlung wuchs bis zum Ende ihrer Amtszeit 1919 auf 42.000 Bände an. 1906 erhielt sie die Ernennung als Leiterin der Abteilung für politische Ökonomie der Universität.

Hebard weitete ihre akademischen Aktivitäten aus, indem sie im Beirat der Wyoming Historical Association mitarbeitete. Diese Zugehörigkeit half ihr, sich auf ihr neues Forschungsziel zu konzentrieren: die Suche nach Trails in Wyoming, für den Oregon Trail wie für andere Pionierrouten. Zu Hebards Arbeit gehörte die Kartierung alter Wege in Wyoming. Sie leistete jedoch mehr als nur Kartografie. Hebard begann, historische Dokumente und andere Materialien zur Geschichte Wyomings zu sammeln.

Außerdem bereiste sie den Staat, suchte Interviews mit Pionieren des Alten Westens und verbrachte mehrere Sommer unter den Shoshonen von Wyoming. Ihre oft romantisierte Sicht auf den Alten Westen prägte die Bücher, die sie über die Geschichte Wyomings schrieb. Zu Hebards veröffentlichten Werken gehören: The Government of Wyoming (1904) The Pathbreakers from River to Ocean (1911) The Bozeman Trail (1922), in einer ausschließlich über Briefe geführten Zusammenarbeit mit E. A. Brinninstooly Washakie (1930) Sacajawea (1933)

Krankheit und schließlich ihr Tod beendeten die Arbeit an dem, was Hebards letztes Buch gewesen wäre, ein Bericht über den Pony-Express. Der berühmte Grenzgänger und Expeditionsfotograf William Henry Jackson arbeitete in den Jahren 1933 und 1934 als Illustrator mit Hebard zusammen. Er lieferte Aquarelle und Skizzen für ihr unveröffentlichtes Manuskript. Hebards Zusammenarbeit mit Jackson begann 1920, als ihre Recherchen zu einer Anfrage nach einer Kopie eines Fotos von Häuptling Washakie führten, das Jackson während der Hayden Geological Survey gemacht hatte.

Mythenbildnerin Das U.S. Census Bureau erklärte im Census von 1890, dass es keine kontinentale westliche Grenze mehr gebe. Das war acht Jahre nach Hebards Ankunft in Cheyenne im Alter von 21 Jahren. Doch für Hebard war die große Weite des mythischen Westens weit offen für Interpretationen, was dazu führte, dass Hebard ihre Forschungsobjekte in einem „stark romantisierten Westen“ verortete.

Kritiker wie der Autor Mike Mackey behaupten, dass „Hebards «Geschichten» in Wyoming zu vielen Interpretationen vergangener Ereignisse geführt haben, die nie stattgefunden haben, aber nun von vielen in diesem Staat als Fakten angesehen werden“. Er fügt hinzu, dass „oft, wenn die Fakten ihre These nicht stützten, Hebard ihre eigenen «Fakten» erfand“.

Insbesondere Hebards 30-jährige Forschung zu Sacajawea, die zu der 1933 erschienenen Biografie führte, wird von Kritikern in Frage gestellt. Hebard präsentiert eine tapfere Frau in einer Biografie, die „unbestreitbar viel Romantik und wenig harte Beweise enthält und an einer Sentimentalisierung der indianischen Kultur leidet“. Hebard entwirft ein Bild von Sacajawea als einem rastlosen, den Westen durchreisenden Geist, einer Person, die nach den von Hebard gesammelten Zeugenaussagen von den Weißen so verehrt wurde, dass sie kostenlos Postkutschen fuhr, und die den Shoshonen den Ackerbau nahebrachte.

Hebard offenbart ihre Sichtweise während eines Besuchs 1915 an Sacajaweas angeblichem Grab im abgelegenen Zentral-Wyoming: „Im August 1915 unternahm die Autorin eine Pilgerfahrt zum Friedhof der Wind River Reservation, um Sacajawea eine bescheidene Ehre zu erweisen. […] Ein gut ausgetretener Pfad vom hölzernen Pfahl zu Sacajaweas Grab macht keinen Wegweiserposten notwendig. Jährlich reisen Tausende von Menschen zu dieser letzten Ruhestätte.“

Rückblickend wird Hebards Ruf als Historikerin dadurch geschmälert, dass sie sich auf unbewiesene mündliche Erzählungen von amerikanischen Ureinwohnern verließ. Nichtsdestotrotz stand Hebard fest zu ihren Sacajawea-Funden. Sie hielt an ihrem Standpunkt fest, dass sie „ohne jeden Zweifel“ die wahre Identität von Sacajawea nachgewiesen hätte.

Nach Ansicht des Historikers Phil Roberts ist Hebard trotz ihrer Forschungsmängel eine wichtige Figur. Roberts merkt an, dass Hebard „sich der Notwendigkeit bewusst war, die Geschichte Wyomings aufzuzeichnen, solange viele der Akteure noch am Leben waren. Unglücklicherweise wurde sie durch die gleichen Probleme eingeschränkt, mit denen alle Historiker konfrontiert sind. Ohne verlässliches Quellenmaterial kann man falsche Annahmen treffen, die möglicherweise nicht dem historischen Verlauf entsprechen“.

Spurensucherin mini|hochkant|Die Wyoming Oregon Trail Commission stellte in enger Zusammenarbeit mit Grace Hebard und H. G. Nickerson zwischen 1913 und 1915 mindestens 31 Markierungen in ganz Wyoming auf.