mini|Wappen der Gans Edle Herren zu Putlitz mini|Gans im Wappen der Stadt Putlitz Die noch heute bestehende Familie Gans Edle Herren zu Putlitz gehört zum märkischen Uradel. Seit dem Spätmittelalter war sie die einflussreichste Familie in der Prignitz. Sie wird erstmals in einer Urkunde von Friedrich Barbarossa erwähnt, wahrscheinlich aus dem Jahre 1178: Johannes Gans, „baro“ in der Wische.Monumenta Germaniae Historica (MGH), DD F.I.3., Urkunden Friedrich Barbarossa. Nr. 759. (1177–1180) März 1, wahrscheinlich 1178 Juni – August., Original in: Hauptstaatsarchiv Hannover. Edition Abbildungsverzeichnis der europäischen Kaiser- und Königsurkunden. Friedrich I. Barbarossa 1152–1190. Signatur DF.I.759-(1177–1180). Lagerort: Hannover-Edition - RI.In wessen Auftrag Johannes Gans in der Wische am Landesaufbau teilnahm. Vermutlich 1178: Friedrich Barbarossa befahl in diesem Diplom dem Archidiakon von Seehausen, allen Priestern in der Wische sowie Johannes Gans, einem Jo (oder Yo) und den übrigen Baronen (Iohanni Gans et Ioni ceterisque barronibus), dass sie sich dem Bistum Verden zugehörig zu betrachten … In: Wolfgang Neugebauer, Klaus Neitmann, Uwe Schaper: Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands (2011). Band 57 der Gesamtausgabe. De Gruyter Saur, München 2015, ISBN 978-3-11-023665-1, S. 3 ff.

Geschichte Im Ergebnis des Wendenkreuzzuges 1147 brachte der Ritter Johannes Gans das ganze Flussgebiet der zur Elbe fließenden Stepenitz unter seine Herrschaft. Er und seine Nachfahren bauten hier – wie im Süden der Prignitz die Edlen von Plotho – neben den Bischöfen von Havelberg einen ausgedehnten unabhängigen Herrschaftsbereich auf, der neben der terra Putlitz, über die der Bischof von Havelberg die Lehnshoheit ausübte, auch die terrae Perleberg, Wittenberge, Lenzen, Pritzwalk und Grabow umfasste.

mini|Kloster Marienfließ, gegründet 1231 In diesen Gebieten nahmen die „Gänse“ landesherrliche Rechte in Anspruch, leiteten das Besiedlungswerk der Lokatoren, gründeten Burgen und die Städte Perleberg, Wittenberge und Putlitz sowie als Abschluss ihres Kolonisationswerkes 1231 das Zisterzienserinnen-Nonnenkloster Marienfließ im äußersten Norden der Herrschaft Putlitz als Hauskloster und Grablege.

Die Gans gehörten als einzige der Prignitzer Familien bis in die Mitte des 13. Jahrhunderts dem Herrenstand an und waren in Verträgen und Beschlüssen fürstlichen und gräflichen Ständen gleichgestellt. Seit der Verleihung im Jahr 1373 besaß das Haus ununterbrochen die Reichserbmarschall-Würde der Kurfürsten von Brandenburg. Aus Stolz (und oft auch finanziellen Gründen) lehnten Teile der Familie die – oft gekaufte und dadurch desavouierte – Erhebung in den Freiherren- und Grafenstand bis in die jüngere Zeit ab; im Königreich Preußen wurden sie jedoch bis 1918 dem Freiherrenstand zugerechnet. Noch in der Deutschen Demokratischen Republik hielten Nachfahren ihren alten Titel „zu Putlitz“ aufrecht.

Heutige Familienmitglieder bemühen sich erfolgreich um die Restaurierung ehemaliger familiärer Kulturgüter, wie beispielsweise des barocken Schlosses Wolfshagen.

Aus der Altmark Wendenkreuzzug mini|Siegel Albrecht des Bären, Inschrift: Adelbertus Di. gra marchio Der Aufstieg der Familie Gans zu Putlitz ist verbunden mit der Eroberung der Mark Brandenburg durch den Askanier und ersten Markgrafen Albrecht der Bär und dem anschließenden Landesausbau.

Die ostelbische Prignitz zählt zu den ältesten Gebieten der Mark Brandenburg, die noch vor der Gründung der Mark im Jahr 1157 durch Albrecht unter die Herrschaft der Askanischen Dynastie kam. Von der benachbarten westelbischen Altmark, die zum Stammland der Askanier gehörte, führte Albrecht 1147 gemeinsam mit seinen Söhnen Otto I. und Hermann ein rund 60.000 Mann starkes Heer durch die heutige Prignitz Richtung Stettin gegen die Lutizen, einen Richtung Südosten ansässigen Slawenstamm. Zeitgleich zog Albrechts späterer Erzfeind Heinrich der Löwe mit rund 40.000 Mann nach Norden gegen die Abodriten.

In der Folge dieses sogenannten Wendenkreuzzuges setzten sich laut Albrecht-Biograf Lutz Partenheimer „unter dem Zeichen des Kreuzes auch kleinere Dynastien auf dem ostelbischen Boden der Nordmark fest […]. Die Erkenntnis, daß er diese angesichts der vielen anderen am slawischen Gebiet interessierten Mächte auf Dauer wohl nicht würde allein behaupten können, dürfte durch den Slawenfeldzug bei Albrecht dem Bären gefördert worden sein.“

Johannes Gans Einer der Ritter, die den Wendenkreuzzug zum Gebietsgewinn nutzten, war Johannes Gans, der ebenfalls aus der Altmark kam und am Flusslauf der Stepenitz die Adelsdynastie Gans zu Putlitz begründete.

In einem Brief vom Januar 2005 teilt ein Nachfahre, Gebhard zu Putlitz, als „historisch belegte Herkunft des Namens“ mit: In der Folge des Landesausbaus „wurde die Prignitz vom Bischof von Havelberg und kleineren Territorialherren“ eingenommen. Unter diesen war ein Ritter Johannes, der nach seinem Besitz in der Altmark, der Gänseburg bei Pollitz, zwischen Wittenberge und Schnackenburg gelegen, den Übernamen »Gans« trug und auf seine Nachfahren weiter vererbte. In seinem Wappen führte er auf rotem Schild eine auffliegende silberne Gans auf grünem Dreihügel. Die Herkunftsburg, die Gänseburg bei Pollitz, dürfte ein größerer befestigter Hof gewesen sein, in dem die großbäuerliche Familie sehr wahrscheinlich eine erfolgreiche Gänsezucht betrieben hatte, die ihr nach vorhandenen Belegen einiges Ansehen und Zugang zu „höheren Kreisen“ eingebracht hatte. Von der Gänseburg existiert heute nur noch ein großer mit Bäumen bewachsener Erdhügel.

Die Nachfahren des Johannes nannten sich je nach ihren Besitzungen Gans von Wittenberge, Gans von Perleberg oder Gans zu Putlitz. Alle drei Städte sind Gründungen der Familie, die in Teilen ihrer Gebiete vorübergehend landesherrliche Rechte in Anspruch nahm (in der terra Putlitz unter der Lehnshoheit des Bischofs von Havelberg) und die Besiedlung der Gebiete leitete. Der bis heute bestehende Familienzweig sind die „Gans, Edle Herren zu Putlitz“.

Die Gänse zu Perleberg Im Zuge der deutschen Besiedlung nach der Eroberung der ostelbischen Gebiete der späteren Mark Brandenburg wurde Perleberg unter Obhut der Familie Gans gegründet und erhielt am 29. Oktober 1239 das Salzwedeler Stadtrecht verliehen. Die älteste urkundliche Erwähnung stammt allerdings vom März 1239, als Johann Gans den Schuhmachern das Privileg erteilt. Nach der Schlacht bei Bornhöved (1227), bei der die Familie Gans die Dänen gegen die Grafen von Schwerin und die Brandenburger Markgrafen unterstützt hatte, fiel die terra Perleberg an die Grafschaft Schwerin. Das Gebiet nahm Johann Gans, der Stadtherr Perlebergs, von den Grafen zu Lehen. 1275 erwarben die Söhne Ottos III. von Brandenburg die Lehnsherrlichkeit über Perleberg von den Grafen von Schwerin. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts erlischt mit dem Tode Johann Gans’ die Linie der Gänse, Herren zu Perleberg. Perleberg fiel als erledigtes Lehen an die Markgrafen und wurde zu einer Immediatstadt.Johannes Schultze: Die Prignitz. Aus der Geschichte einer märkischen Landschaft (= Mitteldeutsche Forschungen. Band 8). Böhlau Verlag, Köln/Graz 1956, S. 60 f.

Die Gänse zu Wittenberge Wittenberge wird als Wittemberg am 22. Juli 1300 urkundlich erwähnt, als der Stadtherr Otto I. Gans die Rechte Wittenberges als Stadt bestätigt. Die Gänse erhoben hier ursprünglich den Elbezoll. Den Zweig Wittenberge konnte die Familie zwar bis zum Verkauf im Jahr 1781 bewahren, er gewann aber nicht die Bedeutung des Putlitzer Zweiges.

Die Gänse zu Putlitz Am einflussreichsten war der – bis heute blühende – Putlitzer Familienzweig. Stammsitz des Familienzweiges zu Putlitz war die Burg Putlitz in der heutigen gleichnamigen Stadt. Der Turm der späteren mittelalterlichen Burg ist noch vorhanden. Der Namenszusatz zu Putlitz ist der Stadt entlehnt und geht nicht auf die Gänseburg Pollitz in der Altmark zurück. Bereits 946 fand in einer Urkunde des Bistums Havelberg die Burg Pochlustim Erwähnung, deren Name mit unklarer Etymologie wahrscheinlich aus dem Slawischen kommt.

Chronologie Johann Gans zu Putlitz mini|hochkant|Johann Gans zu Putlitz,Büste in der Siegesallee, Berlin, Denkmalgruppe 3. Dargestellt mit Modell der Klosterkirche Marienfließ und Stiftungsurkunde. mini|Kirche Kloster Marienfließ

Das Kolonisationswerk des Putlitzer Familienzweigs brachte der Ritter Johann Gans zu Putlitz, der auf der Burg Putlitz residierte, 1231 mit der Stiftung des Zisterzienserinnen Klosters Marienfließ im äußersten Norden der Prignitz zum Abschluss. Diese Klostergründung hatte zudem eine innerdeutsche Funktion zur Grenzsicherung gegen die Mecklenburger und Schweriner Grafen.

Ihre ursprüngliche Territorialhoheit über ausgedehnte Gebiete der Prignitz mussten die Edlen Gans zu Beginn des 13. Jahrhunderts zugunsten der Markgrafen von Brandenburg aufgeben, die nach Ausdehnung ihrer landesherrlichen Gewalt strebten. Infolge dieser Entwicklung sowie der Ergebnisse der brandenburgisch-dänischen Kämpfe von 1214 um die Vorherrschaft im Ostseeraum geriet Johann Gans zwischen die Fronten der großen Mächte und suchte das Weiterbestehen seiner Herrschaft durch ein Bündnis mit Dänemark zu sichern. Er verlor zwar im Ergebnis dieses Krieges die terrae Grabow an die Grafen von Schwerin, die terrae Pritzwalk und Lenzen an Markgraf Albrecht II. von Brandenburg und musste die terra Putlitz der Lehnshoheit der Havelberger Kirche unterstellen. Dagegen behielt er Perleberg und Wittenberge und konnte trotz aller Verluste die Unabhängigkeit seiner Stellung und den Weiterbestand der eigenen Herrschaft zunächst sichern. Nach der Säkularisation des Bistums Havelberg ging auch für die terra Putlitz, die Ende des 15. Jahrhunderts noch 35 Dörfer umfasste, die Lehnsherrschaft an den Kurfürsten über.

Johann Gans zu Putlitz hatte sich zum Ende des 12. Jahrhunderts eng mit dem Enkel von Albrecht dem Bären, dem Markgrafen Otto II. (1184–1205), verbunden, an dessen Seite ihm zu Ehren um 1900 in der ehemaligen Berliner Siegesallee eine Büste als Seitendenkmal errichtet wurde. Zwar musste er bereits zu Beginn des 13. Jahrhunderts die Landeshoheit einiger Gebiete zugunsten des askanischen Landesherren aufgeben und verlor nach zeitweiliger Anlehnung an die dänische Seite nach der Schlacht bei Bornhöved am 27. Juli 1227 das Land Grabow an die Schweriner Grafen sowie die Länder Pritzwalk und Lenzen an Ottos Bruder und Nachfolger Albrecht II. (1205–1220), jedoch behielt er die Herrschaft im Kerngebiet Putlitz, unter der bischöflichen Havelberger Lehnshoheit, und die Familie Gans konnte diese über Jahrhunderte sichern (siehe Kloster Marienfließ). Die Städte Putlitz und zu diesem Zeitpunkt auch noch Wittenberge blieben im Gegensatz zu der sich im 14. Jahrhundert herausbildenden Autonomie der sogenannten Immediatstädte (unmittelbar) als Mediatstädte (mittelbar) unter der Kontrolle, Gerichtsbarkeit und Außenvertretung derer zu Putlitz.

Säkularisation und Stein-Hardenbergsche Reformen Mit der Säkularisation des Bistums Havelberg im Zuge der Reformation ging die Lehnsherrschaft an die Hohenzollern über, die seit 1415 als Kurfürsten über die Mark Brandenburg herrschten. Die allmähliche Umwandlung zur gutsherrlichen Eigenwirtschaft im 16. Jahrhundert führte zur Konzentration der Besitzungen auf kleinere Einheiten mit den drei Zentren Putlitz, Wolfshagen und Nettelbeck (heute Ortsteil von Putlitz).