mini|Porträt Roger Rigorth, 2017 Roger Rigorth (* 1965 in Saanen, Schweiz) ist ein deutsch-schweizerischer Bildhauer, der für seine Installationen aus vergänglichen Naturmaterialien in der Landschaft bekannt ist (siehe Naturkunst).
Leben und Werk Von 1987 bis 1990 machte Rigorth eine Ausbildung zum Holzbildhauer an der Berufsfachschule Michelstadt. Seit 1991 arbeitet er freischaffend als Künstler. Studienaufenthalte führten ihn 1992 nach Krakau, Polen, und 1993 nach Galway, Irland. Seit 1996 nahm Rigorth regelmäßig an Bildhauersymposien teil, so in Australien, Dänemark, Namibia, Süd-Korea, Finnland, Frankreich, Italien, Belgien, Holland, USA, Tschechische Republik, China, Taiwan und Schweden. Dabei entstanden Installationen und künstlerische Interventionen in der Landschaft - etwa geflochtene „Körbe“ oder Nester in Bäumen oder auf Stelzen -, die Kokons nicht unähnlich sehen. Rigorth verwendet für sie neben Holz gern Kokosfasern. In ihrer Verbindung mit der Natur und der Landschaft spiegelt sich die Verwurzelung des Menschen in der Natur ebenso wider, wie der Wunsch nach Geborgenheit und der ökologische Aspekt zum Ausdruck kommen.Yvette Sánchez: Roger Rigorth - 1. Preis: Erdzeichen, 7. Triennale für Skulpturen, Bad Ragaz, 2018 Rigorth selbst spricht von vorgestellten neuen Lebens- und Kulturformen.Roger Rigorth | Kerstvloed 1717. De Verhalen van Groningen, YouTube, 28. Juli 2017
Im Forst bei Darmstadt schuf Rigorth anlässlich des 2. Internationalen Waldkunstpfads 2004 ein U-Boot aus Holz, das wirkt, als sei es gerade aus dem Waldboden aufgetaucht. Das etwa 20 m lange U-Boot, mit begehbarem Turm, begeisterte die Kinder so sehr, dass es dank vieler Spenden 2020 an gleicher Stelle ein zweites Mal gebaut wurde, nachdem die erste Version von 2004 wegen Witterungsschäden hatte abgebaut werden müssen.Roger Rigorth (D): »U-Boot«, Waldkunstpfad 2020, Film von Hans-Peter Wollmann, YouTube, 11. September 2020Warum im Darmstädter Wald ein Holz-U-Boot steht. Von Annette Krämer-Alig, Darmstädter Echo, 6. August 2020 Auch in weiteren absurden Objekten wie beispielsweise schwebenden Booten, fliegenden Löffeln, tanzenden Flügel-Mobilen oder überdimensionierten Richtmikrofonen ("Lauscher") beschäftigt sich Rigorth mit utopischen Bewegungsformen.
Bei seinem Observatorium (2010) anlässlich des Symposium Holland verband Rigorth das erste Mal Skulptur mit Architektur: die 6,50 m hohe Skulptur, für die fast 500 kg Schnur, Stroh und Heu verarbeitet wurden, steht auf dem Fundament einer ehemaligen Windmühle. Im Kokon gibt es eine Öffnung, durch die man in den Himmel schauen kann: der Blick in den Kosmos führt gleichsam von der regenerativen Energiegewinnung im Gestern (Windmühle) zu der Frage, wie die Energiegewinnung der Zukunft auf der Erde aussehen kann.Roger Rigorth. Hrsg. Roger Rigorth und Verein für Internationale Waldkunst Darmstadt, Kerber Verlag, 2014, S. 8
Für das Symposium International Forest Art 2015 in Chengdu, China, schuf Rigorth Barnacle - zwei 2 m hohe, mit Steinen befüllte Bambusgeflechte, die die Form kleiner Seepocken, wie man sie am Meer auf kleinen Steinen oder Muscheln findet, annehmen. Wie die kleinen Krebstiere scheinen sie mit der Außenwelt nur über die kleine Öffnung an der Spitze der Kuppel zu kommunizieren. Die Installation befindet sich oben an einem Berg, im Wald.Roger Rigorth – Sense of belonging. Hrsg. Theo Schneider, Vera Neff, Verlag Publistampa Edicioni, Pergine Valsugana / Trentino, 2017, S. 100
Die Installation Water Core (2015) ist eine Gruppe aus flaschenartigen Strukturen aus gespaltenem Bambus und Sisal, unverkleideten Gerippen gleich, im flachen Wasser. Sie entstand für das Cheng Long Wetlands International Environmental Art Project „Fragile - Handle with Care“ im Westen von Taiwan an der Formosastraße zwischen China und Taiwan. Das Cheng Long Feuchtgebiet entstand auf dem ohnehin schon niedrig gelegenen Gebiet der Gemeinde Kouhu durch langjährige Überbeanspruchung durch Grundwasserentnahme sowie durch die Öl- und Gasförderung vor der Küste, was zu einer Landabsenkung und in der Folge zu häufigen Überflutungen bei Taifunen führte, so dass die Küstenlinie sich landeinwärts verlagerte und das Land für Landwirtschaft unbenutzbar wurde.Chenglong Wetlands, Southwest Coast National Scenic Area Administration, Tourismusbüro Taiwan Die Menschen dort waren und sind aber angewiesen auf dieses Ökosystem für ihren Auskommen. Das Artist in Residence Programm des Kunstprojekts lädt seit 2010 Künstler aus der ganzen Welt ein, vor Ort ortsspezifische Skulpturen und Installationen zu schaffen, die sich der Umwelt widmen und die Menschen vor Ort miteinbeziehen.Cheng Long Wetlands International Environmental Art Project, Transartists.orgCheng-Long Wetlands International Environmental Art Project Rigorth selbst sagt über das 7 m hohe Kunstwerk: »Die Idee ist ein Apfel, von dem alles gegessen wurde und nur das Kerngehäuse übrig ist. Im Gehäuse bleibt immer noch das Wichtigste zurück, die Samenkerne. Dieser Apfel ist meine Metapher für unseren Planeten, von dem viele glauben, wir hätten immer noch den ganzen Apfel. Für mich fühlt es sich eher an, als sei nicht so viel mehr denn dieses Kerngehäuse übrig. Wie auch immer, die Samenkerne sind die Hoffnung in diesem Bild, und ich habe mich entschieden, diese Gehäuse für das Wasser zu bauen, in denen die Seele des Wassers wohnt.«Roger Rigorth – Sense of belonging. Hrsg. Theo Schneider, Vera Neff, Verlag Publistampa Edicioni, Pergine Valsugana / Trentino, 2017, S. 109Water Core - Roger Rigorth, Projektbericht, 2015 Cheng Long Wetlands International Environmental Art Project “Fragile - Handle with Care”
Rigorth lebt und arbeitet in Altheim (Münster), Kreis Darmstadt-Dieburg. Seit 2015 ist er Mitglied der Darmstädter Sezession.
Auszeichnungen und Preise 1. Preis Skulpturen im Park, Mörfelden-Walldorf, 2003 Erster Preis „Kunst vor Ort“, Kreis Offenbach, 2006 Pressepreis „Horizon“ Sancy, Frankreich, 2009Edition 2009, Horizon Sancy, Arts-Nature en Sancy „Arte Laguna“, Venedig (2016)Arte Laguna Prize, Artistic Foundry Battaglia, Mailand, Italien 1. Schweizer Skulpturenpreis anlässlich der 7. Triennale für Skulpturen in Bad Ragaz 2018Roger Rigorth gewinnt 1. Schweizer Skulpturenpreis. Liechtensteiner Vaterland, Vaduzer Medienhaus, 19. August 20181. Schweizer Skulpturenpreis
Einzelausstellungen (Auswahl) Zu den mit «K» gekennzeichneten Ausstellungen erschien ein Katalog. 1999: Roger Rigorth: 1992–1998. Galerie Kunstpunkt, DarmstadtK 2001: Studio-Kunsthalle Darmstadt 2003: Kommunale Galerie Mörfelden-Walldorf 2006: Paul-Ernst-Willke-Atelier, Bremerhaven; Schlosspark, Jagdschloss Kranichstein, DarmstadtRoger Rigorth - Skulpturen, Schlosspark Kranichstein, gg-online.de, 2006 2008: Galerie Artcore, Los Angeles, USA; Museum für Moderne Kunst, Gelsenkirchen 2009: Gravitation und Nomadismus: Roger Rigorth. 7. Juli bis 20. August 2009, Regionalgalerie Südhessen im Regierungspräsidium DarmstadtK 2011: Hauptkirche St. Jacobi, Hamburg; Kunsthaus Frankenthal, Frankenthal 2013: Kunstmuseum, Alingsas, Schweden 2016: Battaglia, Mailand, Italien 2017: Castel Pergine, Pergine Valsugana, Trento, ItalienK
Werke (Auswahl) Fossil (2020). Das Kunstwerk am Besucherzentrum der Grube Messel entstand anlässlich der Kunstbiennale Internationaler Waldkunstpfad und ist ein Kooperationsprojekt des Besucherzentrums Weltnaturerbe Grube Messel, des GEO Naturpark Bergstraße/Odenwald und des Vereins für Internationale Waldkunst Darmstadt. Die 6,50 m hohe Skulptur stilisiert eine Wirbelsäule. Die korbartigen Elemente wurden von Rigorth und seinen Helfern vor Ort aus rund 800 m Sisal-Tauwerk an die stählerne Rippenstruktur geflochten.Kunstwerke für Grube Messel: Stele aus Münster fast fertig. op-online.de, 10. September 2020 (mit Fotos vom Aufbau der Skulptur Fossil) Kerstvloed 1717. In Erinnerung an die Sturmflut zu Weihnachten 1717 wurde entlang des Groninger Watts, Provinz Groningen, 2017 eine Kunstroute angelegt.Roger Rigorth | Kerstvloed 1717 De Verhalen van Groningen, YouTube, 28. Juli 2017 Sphäre (2016), Esche, 9 m hoch. Schloss Freudenfeld, Wiesbaden. Entstanden in einer Begegnungswerkstatt mit Jugendlichen aus sieben Ländern am Hofgut Oberfeld, Darmstadt Green Revolution / Schwebende Archive (2010), Eichenholz, Sisal. Skulpturengarten KunstHaus am Schüberg, AmmersbekRoger Rigorth: Green Revolution. Kunst @ SH Dona Nobis Pacem (Schenke uns Frieden) (2006). Alter Fähranleger, Klein-Krotzenburg. In dieser Arbeit beschäftigt sich Rigorth mit der Wahrnehmung von Veränderungen über große Zeiträume hinwegRoger Rigorth: Dona Nobis Pacem (2006), Skulpturen am Main, Welt der Form Boot (2004), Eichenholz, Stahlseile. Skulpturengarten KunstHaus am Schüberg, AmmersbekRoger Rigorth: Boot. Kunst @ SH U-Boot (2004/2020), Darmstädter Forst, anlässlich des 2. Internationalen Waldkunstpfads 2004 Lauscher (2003). Standort: Bürgerhaus Mörfelden, Mörfelden-Walldorf. Rigorth wurde mit dieser Arbeit Preisträger des Wettbewerbs Skulpturen im Park 2003 Skulptur im Kreisverkehr Hohebergstraße Ecke Schillerstraße, Heusenstamm / Landkreis Offenbach, Auftrag der Stadt Heusenstamm
Literatur Roger Rigorth. Hrsg. Roger Rigorth und Verein für Internationale Waldkunst Darmstadt, Kerber Verlag, 2014, mit Texten u. a. von John Grande [Hardcover, 152 Seiten, zweisprachig: Deutsch und Englisch, ISBN 978-3-86678-963-0]Roger Rigorth, Kerber Verlag, 2014 Roger Rigorth – Sense of belonging. Hrsg. Theo Schneider, Vera Neff, Verlag Publistampa Edicioni, Pergine Valsugana / Trentino, 2017, ISBN 978-88-96014-92-9
Weblinks
roger-rigorth.de - Website des Künstlers Roger Rigorth. Künstlerporträt bei der Darmstädter Sezession Roger Rigorth - Bildhauer. Film von Rainer Lind, vimeo, 2013
Einzelnachweise
Kategorie:Bildhauer (Deutschland) Kategorie:Künstler (Land Art) Kategorie:Deutscher Kategorie:Schweizer Kategorie:Geboren 1965 Kategorie:Mann