Der Deutsche Jazzpreis ist ein internationaler Jazzpreis aus Deutschland, der erstmals 2021 von der Kulturstaatsministerin Monika Grütters insbesondere für besondere künstlerische Leistungen im Jazz oder zu dessen Förderung vergeben wurde und seit 2022 von ihrer Nachfolgerin Claudia Roth, seit 2025 von Wolfram Weimer weitergeführt wird. Ziel war es zunächst insbesondere, die Vielfalt des Jazzschaffens in Deutschland abzubilden und zu erhalten, die internationale Jazzszene in ihrer innovativen Kreativität und Leistung zu würdigen und eine tiefere Verankerung der Kunstform Jazz in der Gesellschaft zu etablieren. Von 2021 bis 2023 wurden Preisträger in 31 Kategorien bedacht; der Preis war mit jeweils 10.000 Euro dotiert. Seit 2024 wurden Preise in nur noch 22 Kategorien vergeben und das Preisgeld auf 12.000 € erhöht.
Preisverleihung Sowohl Musiker als auch Musikproduktionen (der letzten beiden Jahre), Kompositionen, Veranstaltungsorte und Festivals aber auch journalistische Leistungen wurden 2021 mit dem Deutschen Jazzpreis ausgezeichnet. Auch in den beiden nächsten Jahren konnten in elf Kategorien Bewerbungen eingereicht werden, in weiteren Kategorien erfolgten die Nominierungen direkt durch eine Fachjury. Aus dieser Vorauswahl von insgesamt 81 Nominierungen wählte eine Hauptjury die Preisträger aus. Zudem wählte die Hauptjury Jazzförderer, Einrichtungen und Journalisten aus, die mit Sonderpreisen, etwa für die Lebensleistung, bedacht wurden.
Preisverleihung 2021 Die Verleihung wurde am 3. Juni 2021 dezentral aus Hamburg, Berlin, München und Mannheim im Live-Streaming übertragen. Moderatorin in Hamburg war Pinar Atalay, die sich mit Ulf Drechsel (rbb), Ulrich Habersetzer (BR) und Nicole Köster (SWR) abwechselte; als Live-Act unterstützte in Hamburg Nils Landgren; in Mannheim, München und Berlin musizierten auch einige der Preisträger. Mit der Organisation von Juryverfahren und Preisverleihung wurde die gemeinnützige Initiative Musik, die als zentrale Fördereinrichtung der Bundesregierung für die Musikwirtschaft etabliert wurde, betraut. Die Presse lobte die Premiere, die als gelungener, musikalisch beeindruckend vielfältiger Live-Stream über die vier Bühnen gegangen sei.
Ziel der Feier war es überdies, die Vergabe des Deutschen Jazzpreises als jährlich wiederkehrende, kulturelle Leuchtturm-Veranstaltung vorzubereiten. Andreas Hilmer berichtete über die Premiere des Deutschen Jazzpreises in einem knapp vier-minütigen Fernsehbeitrag für die Tagesthemen: „31 Preisträger von leisem Gesang bis lauter Trompete werden prämiert. Die Szene ist frisch und hellwach UND: den typischen Jazz gibt es nicht, denn vielfältig war Jazz eigentlich immer schon.“ Der NDR urteilte, dass die strukturelle Neuaufstellung geglückt sei; die Neue Musikzeitung fand die Veranstaltung „ausgezeichnet,“ während Die Zeit die „Lobreden ohne Ende“ in einer beinahe endlos lang wirkenden Präsentation im TV-Format einer Gala kritisierte: „Bei der fernsehgerechten Übertragung der erstmaligen Verleihung des Deutschen Jazzpreises verhindert eine unsichtbare Regie, dass viel Jazz gespielt wird.“ Im Unterschied zum früheren Industriepreis Echo Jazz sei aber versucht worden, „das Klüngelwesen auszuschalten“. Bunt besetzte Vorjurys und die federführende Hauptjury hätten letztlich Musiker ausgewählt, „die in ihrer Vielfalt das Genre besser repräsentieren und im Einzelfall mit ihrem Mut und Einfallsreichtum auch voranbringen.“ Das Hamburger Abendblatt kam zu dem Fazit: „Auch wenn die erste Verleihung des Deutschen Jazzpreises Überlänge hat, sie ist ein Erfolg.“ Michael Rüsenberg kam zu dem Schluss: „In der Hauptsache aber, in der Auswahl von Preisträgern und Preisträgerinnen, setzt sich der Deutsche Jazzpreis geradezu radikal von seinem Echo-‚Vorgänger‘ ab.“
Preisverleihung 2022 Die Preisverleihung des Deutschen Jazzpreises fand 2022 im Vorfeld und in Kooperation mit der jazzahead! im Metropol Theater Bremen statt. Durch die rund 90-minütige Verleihung führten die Moderatoren Hadnet Tesfai und Götz Bühler. Musikalisch wurde die Veranstaltung neben einem Jazztrio, bestehend aus den Musikern Lucía Martínez (Schlagzeug), Daniel Erdmann (Saxophon) und Ronny Graupe (Gitarre), von zwei Live–Acts begleitet: Preisträger Gebhard Ullmann mit seinem Trio und der nominierten amerikanischen Harfenistin Brandee Younger. Die Auswahl der Nominierten und Preisträger traf wie im Vorjahr eine breit besetzte Fach- und Hauptjury aus deutschen sowie internationalen Akteuren des Jazz.
Die Preisverleihung selbst unterschied sich zum Vorjahr in einer umfassenden Änderung der Struktur und der Dauer. So wurde, bis auf wenige Ausnahmen, auf längere Laudationen verzichtet.
Neben der Umstrukturierung und Straffung der Preisverleihung wurde unter anderem die Neubesetzung der Jurys gelobt. Oliver Hochkeppel urteilte im Allgemeinen: „Wenn alle Verbesserungen so schnell greifen würden wie beim Deutschen Jazzpreis, dann hätte die Szene ein paar Sorgen weniger.“ Über Show-Dramaturgie und Preisträger befand Hochkeppel, dass „die Höhepunkte des Abends dann auch wirklich welche (waren). Etwa die anekdotenreiche, auf exzellentem Deutsch gehaltene Grußbotschaft des aus Chicago zugeschalteten George E. Lewis beim Ehrenpreis für den Saxofonisten Ernst-Ludwig ‚Luten‘ Petrowsky, einer Schlüsselfigur für den Jazz in der DDR. Oder die pointierte Rede der ukrainischen Sängerin und Pianistin Tamara Lukasheva über die Aufgabe der Kunst unter den aktuellen Vorzeichen. Oder die Danksrede des französischen Sopransaxofonisten Émile Parisien in seinem lustigen Englisch.“ Bei den Preisträgern sei „die ganze Bandbreite des Jazz abgedeckt und tatsächlich die Relevanz im zu bewertenden Jahr ausgezeichnet“ worden. Im Anschluss an die Preisverleihung folgte ein Konzertabend mit vier Nominierten und Preisträgern der Edition 2022: Nubya Garcia (im Quartett), Fola Dada (im Quintett), Sylvie Courvoisier und die Jazzrausch Big-Band.
Preisverleihung 2023 Wie 2022 fand auch im Folgejahr die Preisverleihung zentral in Bremen statt, 2023 direkt im Vorfeld der internationalen Fachmesse Jazzahead. Mit großem Geschick verliehen die Moderatoren Hadnet Tesfai und Max Mutzke Preise in 31 Kategorien während der Gala im Metropol Theater Bremen innerhalb von zwei Stunden. Musikalisch untermalt wurde die Feier einerseits von einem Trio (Luise Volkmann, Phil Donkin, Max Andrzejewski) andererseits von zwei Konstellationen nominierter Musiker in etwas längeren Auftritten. Bemängelt wurde bei einigen Preisen sowohl das Votum der Fachjury, die für die meisten Kategorien die Vorauswahl traf, als auch die anschließende Auswahl der Hauptjury. Auch die verlesenen Begründungen der Jury wurden zum Teil wegen einer extrem aufgeblasenen Sprache kritisiert. Oliver Hochkeppel meinte sogar, dass die Besetzung der Jury dazu geführt habe, dass „offensichtlich“ fast nur „nach Proporz, Politik und Zeitgeist“ geurteilt worden und die Qualität der Musik auf der Strecke geblieben sei; ausgezeichnet worden seien nicht die, „an denen im vergangenen Jahr künstlerisch kein Vorbeikommen war“. Aufgrund von nach seiner Ansicht zahlreichen Pannen hielt er die Preisverleihung sogar für „desaströs“; ohnehin sei sie am Publikum vorbei gemacht worden. Georg Spindler hielt die Gala hingegen trotz einiger Fragezeichen für ein würdiges Ereignis.
Preisverleihung 2024 Die vierte Verleihung des Deutschen Jazzpreises fand am 18. April 2024 im E-Werk in Köln statt. Anders als im Vorjahr kam die Veranstaltung diesmal beim anwesenden Publikum gut an. Routiniert, aber zugleich lässig haben die Moderatoren Hadnet Tesfai und Götz Bühler die Preise verliehen. Die musikalischen Beiträge des Abends mit Angelika Niescier (Gewinnerin in „Holzblasinstrumente“) im Duo mit dem Pianisten Alexander Hawkins, dem Trio von Omer Klein (nominiert als „Live-Act des Jahres“) und dem amerikanischen Pianisten Kenny Barron (Gewinner als „Künstler des Jahres international“) standen alle im Zusammenhang mit der Veranstaltung. Die Fachwelt verzeichnete vor allem „deutlich weniger fragwürdige Ehrungen als im vergangenen Jahr.“ Hinterfragt wurde vor allem die Zusammenlegung mancher Kategorien; so wurden in der Vorauswahl der Fachjury etwa bei „Saiteninstrumente“ nur noch Bassisten nominiert, weder Gitarristen noch Geiger. Auch die „Klischees über Jazz als musikalische Begleitung für Demokratie und Freiheit“ im Grußwort von Staatsministerin Claudia Roth fanden wenig Gegenliebe. Kritisiert wurde auch die in der Zeremonie durchgängig gepflegte Ideologie, „Demokratie zeige sich in modellhafter Form, wenn unterschiedliche MusikerInnen auf der Bühne stehen.“
Preisverleihung 2025 Wiederum im E-Werk in Köln war die vierte Verleihung des Deutschen Jazzpreises am 13. Juni 2025. Wie im Vorjahr wurde die Feier von Hadnet Tesfai und Götz Bühler moderiert, diesmal von Live-Acts wie Nduduzo Makhathini und Ludwig Wandinger/Philo Tsoungui umrahmt; sie „hatte einen dezenten, aber ubiquitären Dauerlächel- und Glamour-Appeal“ und funktionierte als „Spiegel des Soziotops, dem die Preise zugutekommen, und der Jury, die über die Preisvergabe beschließt.“ Dennoch habe die Preisverleihung „nach fünf Jahren noch immer nicht zu einer Dramaturgie gefunden hat, die über die Zeit trägt.“
Allerdings wurde als peinlich bewertet, dass die Dankesrede der Berliner Band Sonic Interventions rhetorisch durchchoreographiert war und von Sängerin Astan Ka, in ein Palästinensertuch eingehüllt, unwidersprochen mit „Stop this Genocide“ beendet wurde. Erst ganz am Ende der Veranstaltung reagierte Götz Bühler mit den Worten: „Diese Bühne steht für künstlerische Freiheit, für Meinungsvielfalt, beides ist essentiell für den Jazz und für unsere Gesellschaft. Wir stehen solidarisch auf der Seite aller zivilen Opfer dieses Konflikts, auch der israelischen Geiseln. Das Leid der Zivilbevölkerung in Gaza und darüber hinaus ist schrecklich und bewegt uns sehr.“ Diese Erklärung ist für Hagalil symptomatisch für den selbstgewählten Fokus der Veranstaltung „auf Identitätspolitik und selbstproklamierte Vielfalt“; kritisiert wurde „eine deutliche antisemitische Schlagseite“ der Gala und ihres Publikums. Kritisch wurde auch vermerkt, dass das auf der Veranstaltung gezeichnete Jazzbild „ein historisch nicht ganz korrektes“ sei. Mit den Preisen werde keinesfalls „die Jazzszene in ihrer ganzen Breite repräsentiert: Vertreter*innen mit populärem Repertoire fehlen ebenso wie Interpreten der Freien Musik oder folkloristisch geprägte Künstler*innen wie aus dem Flamenco, Jazz Manouche oder östlichen Spielarten, die allesamt auch in der Mitte Europas lebendig sind, nicht nur in ihren Herkunftsländern.“
Preisverleihung 2026 Am 25. April 2026, dem Schlusstag der Jazzahead in Bremen, fand in deren Rahmen in insgesamt 22 Kategorien die sechste Verleihung des Preises statt. Der Festakt wurde im Hörfunk auf Bremen Zwei und im Internet über ardjazz.de live übertragen. Das Preisgeld betrug wiederum jeweils 12.000 € und 4.000 Euro gingen an die nominierten Acts in den jeweiligen Kategorien.
Die dreistündige Gala wurde von Thelma Buabeng und Götz Bühler wenig abgestimmt moderiert. Aus der Politik wohnten ihr Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (mit einer beachtenswerten Rede) und in Vertretung des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien dessen Amtsleiter Konrad Schmidt-Werthern bei. Es wurde kritisiert, dass Wolfram Weimer in Person auch dieses Jahr der Preisverleihung fernblieb.
Die Jazzjournalistin Sarah Seidel meinte, dass für den Festakt weiterhin eine geeignete Form fehle, wobei sie nicht einfach zu konzipieren und umzusetzen sei. Die ausgezeichneten Musikerinnen und Musiker seien in puncto Sichtbarkeit und Möglichkeit zur Danksagung bei dieser Ausgabe der Preisverleihung schlicht zu kurz gekommen; die blockweise zusammengefassten Lobreden hätten zudem häufig dazu geführt, dass für die Zuhörenden nicht mehr klar gewesen wäre, von wem gerade gesprochen wurde.
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