Der inneranatolische Vulkanbogen bildet zwischen den Regionen Afyon (Afyon Karahisar) im Nordwesten, Karaman im Süden und Boğazlıyan im Nordosten den auffälligsten zentralen Sektor des neogenen und quartären zentralanatolischen Vulkanismus in der Türkei. Er ist eng mit der kontinentalen Kollision zwischen der afro-arabischen und der eurasischen Platte sowie mit einem komplexen System tektonischer Depressionen und Verwerfungen verbunden, die mit Krustendeformationen bei vorherrschender Horizontalbewegung und Extension im späten Miozän begann. Signifikant ist darin vor allem die linienhafte Konzentration auffälliger Vulkane und vulkanischer Landschaften. Dokumentiert ist diese „vulkanische Trasse“ auf den meisten türkischen sowie auch auf deutschen geologischen Karten, aber ebenso auf vergleichbaren morphologischen Karten sowie auf Darstellungen naturräumlicher Gliederung der Türkei.
Generelle Situation In den westlichen (phrygischen) und östlichen (kappadokischen) Teilen Zentralanatoliens entstanden in den dort weit verbreiteten Ignimbrit-Ablagerungen durch Erosion verschiedene vulkanische Landformen und Landschaften, wie Mesas (tafelartige Hochflächen), Klippen, Höhlen und Badlands, die u. a. auch die Entwicklung von Tuffkegeln begünstigten. Die meisten dieser Landschaften entwickelten sich in Vulkaniten des Miozäns, Pliozäns und in geringerem Maße des Pleistozäns. Der dortige Vulkanismus lässt sich in drei Haupt-Aktivitätsphasen gliedern, die durch größere erosive Perioden getrennt sind. Die erste Phase war von meist andesitischen Lavaergüssen geprägt. Die zweite Phase ist durch die Sedimentation dicker ignimbritischer Formationen gekennzeichnet, die sich in sieben Schichtpaketen über eine Fläche von bis zu 11.000 km² in noch mehr als 100 km Entfernung vom vermuteten Quellgebiet verteilen. Aufgrund geologischer und sedimentologischer Untersuchungen wurden der Melendiz Dağı und die Çiftlik-Caldera, ein 15 km weites Becken innerhalb des nördlichen Vulkankomplexes des Melendiz Dağı, als wahrscheinliche Quelle für diese Ignimbrite bestimmt. Während der dritten Periode entwickelten sich große andesitisch-basaltische Stratovulkane und eine Reihe von überwiegend sauren monogenen Ausbruchszentren. Bezüge der vulkanischen Aktivität lassen sich eindeutig zu den in Zentralanatolien vorhandenen Blattverschiebungs-Systemen herstellen. Die neogen-quartären vulkanischen Prozesse entwickelten sich überwiegend entlang der von NO nach SW verlaufenden Sivas-Karaman-Störungsscharung einerseits und dem von NW nach SO laufenden Schwarm der Akşehir-Karaman- bzw. Eskişehir-Tuz Gölü-Verwerfungen andererseits. Die meisten der Vulkane und vulkanischen Landschaften entwickelten sich an deren Schnittstellen. zentriert|mini|700x700px|Die kartographische Abbildung zeigt die wichtigsten geo-tektonischen Strukturen des inneranatolischen Volkanbogens zwischen Yazılıkaya-Plateau bei Afyon und Kappadokien.
Tektonischer Rahmen Anatolien und angrenzende Gebiete entstanden aus der kontinentalen Kollision zwischen den nordwärts wandernden afrikanisch-arabischen und den (quasi stationären) eurasischen Platten, was mit der Bildung von jungen tektonischen Vorgängen in Verbindung gebracht wird. Der erste Prozess basiert auf dem Ägäisch-Zyprischen Bogen (Zypernbogen), wo sich die afrikanische Platte unter die anatolische Platte schiebt und dort subduziert wird. Der zweite ist das Verwerfungs-System des Toten Meeres, das in der Türkei (Fortsetzung des Rotmeer-Jordan-Grabens, Amikebene-Maraşgraben; ostanatolische Störungszone) im Nordosten bis zur nordanatolischen Hauptverwerfung reicht und Bewegungen zwischen Afrika und Arabien ausgleicht. Dadurch wird Anatolien (anatolische Platte) gezwungen, nach Westen auszuweichen, so dass in den anatolischen Störungssystemen weitere intrakontinentale Verwerfungen entstehen.
Es sind zwei dieser Störungs-Strukturen, die nahezu rechtwinklig zueinander verlaufen, die die zentralanatolische Region in Blöcke unterteilen und entlang ihrer Ausrichtung zur Ausbildung vulkanischer Landschaften des Inneranatolischen Vulkanbogens führten: Es ist zum einen das SW-NO-streichende Zentralanatolische Verwerfungssystem im Osten, das sich vom Nordanatolischen Verwerfungssystem (nordanatolische Hauptverwerfung) in der Nähe der Stadt Erzincan nach Südwesten abspaltet.
Es ist zum anderen die SO-NW-streichende Tuzgölü-Verwerfungszone bzw. die dazu parallel verlaufenden markanten inneranatolischen Strukturen der Eskişehir- und Akşehir-Störungszonen. Die nach NW weisende Akşehir-Verwerfungszone verläuft östlich der Isparta-Kurve zwischen den Städten Karaman und Afyon und begrenzt dabei mehr oder weniger den westlichen Teil des Taurus-Innenbogens. Die ca. 450 km lange Eskişehir-Störungszone ist ein nach NW bis WNW streichendes tektonisches Mega-Schersystem, das den Übergang zwischen einem tektonisch kontrahierenden Regime Inneranatoliens östlich des Tuz Gölü und einem sich ausdehnenden tektonischen Regime im Südwesten darstellt. Südöstlich von Sivrihisar fächert sich die Eskişehir-Störungszone in die Verwerfungszonen von Ilıca, Yeniceoba und Cihanbeyli auf. Die Ilıca-Verwerfungszone bildet den nördlichen Zweig dieses Systems. Die Yeniceoba-Zone ist der zentrale Zweig, und die Cihanbeyli -Verwerfungszone bildet den südöstlichen Zweig mit mehreren Störungen. Alle drei werden von der NNO-streichenden Konya-Altınekin-Verwerfungszone durchtrennt. Der südöstliche Teil der Eskişehir-Störungszone ist die Sultanhanı-Verwerfungszone. Alle diese Störungszonen folgen jeweils weitgehend dem westlichen bzw. östlichen Innenbogen des Mittleren Taurus und stoßen etwa zwischen Karaman und Niğde aufeinander.
Die Konvergenz des afro-arabischen Kontinents mit der eurasischen Platte seit dem späten Miozän ist somit verantwortlich für die Initialzündung der weit verbreiteten und intensiven kontinentalen Vulkanaktivität, die in Kappadokien vor 10 Mio. Jahren begann, wobei Abscherung und Absinken der unteren Kruste die vulkanische Aktivität auslösten, was letztendlich unter dem Einfluss tektonischer Ausdehnung das kappadokische Plateau mit zahlreichen großvolumigen Ignimbrit-Ablagerungen, quartären Stratovulkanen und monogenen Vulkanzentren bildete.
Vulkanische Einzellandschaften Im Westteil des inneranatolischen Vulkanbogens liegen die vulkanlandschaftlich auffälligsten Strukturen zweifellos entlang der Akşehir-Störungszone, die allerdings mit der Masse spektakulärer vulkanischer Erscheinungen im östlichen Teil, dem Zentralanatolischen Verwerfungssystem, auch an Ausdehnung nicht wirklich konkurrieren können.
Der Weststrang des inneranatolischen Vulkanbogens
Emir Dağları Die nördlichen Vulkanlandschaften im Westteil des Inneranatolischen Vulkanbogens beginnen bereits nördlich von Afyon mit den Emir Dağları und deren drei Teillandschaften: Türkmen Dağı (Yazılıkaya-Plateau) im Norden, Saphane Dağı (südlich anschließend) und Emir Dağı im Osten von Afyon. Alle weisen geologisch-geomorphologische Ähnlichkeiten auf. Ein großer Teil der Bergregionen ist mit vulkanischem, tertiärem Tuff bedeckt. Die Türkmen Dağları (wegen der dortigen phrygischen historischen Stätten (Yazılıkaya/Midasşehir) auch als Yazılıkaya-Plateau bekannt), die das Zentrum der phrygischen Bergregion nördlich von Afyon bilden, bestehen weitgehend aus Tuffen, aber auch aus Basalt, Tonstein, tonig-sandigen Kalksteinen. Die Masse ist im Allgemeinen neogenen Alters. links|mini|Die vulkanischen Tuffplateaus der Yazılıkaya Yaylası ähneln verblüffend den kappadokischen Tuffplateaus. mini|Die Landschaften des Yazılıkaya-Plateaus bei Midasşehri erinnern stark an vergleichbare Landschaften in Kappadokien. links|mini|Mit kappadokischen Höhlensiedlungen vergleichbare Strukturen bei Ayazini. mini|In manche Regionen und Dörfern in den engen Tälern des Yazılıkaya-Plateaus, wie Ayazini im Kreis İhsaniye auf dem Weg von Afyon zum islamischen Kloster- und Pilgerort Seyitgazi, hat man den Eindruck, in Kappadokien zu sein. links|mini|Blick vom Köroğlu-Pass auf die Vulkane der Köroğlu-Caldera im Saphanı Dağı. Bekannt sind dort als Alternative zu Landschaften in Kappadokien (siehe unten) innerhalb der von der Provinzverwaltung Afyons geschaffenen „Tourismuszone“ vergleichbare Tuffkegellandschaften (sogenannte „Feenkamine“) auf dem Yazılıkaya-Plateau in einer weiten Verbreitung, die von Seyçiler im Bezirk İscehisar bis nach Döğer im Bezirk İhsaniye reicht, besonders eindrucksvoll in den Bezirken İhsaniye, İscehisar und Bayat. Die wichtigsten vulkanischen Formationen, in denen sich diese Tuffkegel entwickeln, sind saure Tuffe (normalerweise Rhyolith und Dazit), Ignimbrite und Basalte, die fast überall anstehen. Die Sedimentation entwickelte sich im frühen Miozän mit Beginn einer dominanten Dehnungs-Tektonik, vor allem aber im späten Miozän. Kalk-alkalische saure Pyroklasten, die die frühen Aktivitäten des Turkmen-Dağı-Vulkanismus widerspiegeln, trennen die Beşsaray- und Cevizli-Sequenzen. Es sind rhyolithische Pyroklasten der Köroğlu-Caldera im Osten von Afyon (Saphane Dağı), Ascheschutt-Tuffe einer frühen plinianischen Eruptionen vor der Calderabildung, die sich vor 18,6 Mio. Jahren je nach Entfernung vom vulkanischen Zentrum mit unterschiedlicher Sedimentationsgeschwindigkeit ablagerten und die sogenannte „Seyitgazi-Sedimentation“ beendeten. Die „Kırka-Sedimentgruppe“, die ihre Entwicklung bis zum Beginn des mittleren Miozäns im Kırka-Becken fortsetzte, ist die zweite und letzte dortige Sedimentsequenz im frühen Miozän. Sie bedeckt als Gemiç-Formation ungleichmäßig die Sedimente der Seyitgazi-Gruppe und die Seyildi-Ignimbrite. Die alkalischen „Kayapınar-Vulkanite“, die letzten Produkte des neogenen Vulkanismus in der Region, wurden lokal auf ein Alter von 15,7 Mio. Jahre datiert.
Der Emir Dağı mit seinen drei Hauptgipfeln Hodulbaba Tepesi (1547 m) im Norden, Emirdede Tepesi (2064 m) und Başyurt Tepesi (2281 m) im Süden bildet im Osten von Afyon südlich von Emirdağ ein eigenes kleineres Vulkanmassiv. Auch hier gibt es am Fuße des Berges ähnliche Tuffkegel-Formationen. Eine lokale Rarität dort bilden allerdings Restbestände der Libanonzeder (Cedrus libani). Der Emir Dağı ist die nördlichste Stelle, an der diese Bäume vorkommen und wo auf einer Fläche von 260 Hektar ein durchgehender Zedernbestand wächst.
Kumalar Dağı mini|Blick auf den imposanten Trachytkegel des Burgbergs von Afyonkarahisar, den nördlichsten Ausläufer des vulkanischen Kumalar Dağı. Unmittelbar südlich von Afyon erhebt sich als relativ hoher Gebirgsstock der 50–60 km lange und 30–35 km breite Kumalar Dağı, ein N-S-streichendes vulkanisches Massiv. Grundgebirgsgesteine treten hier weniger in Erscheinung, während mesozoische und alttertiäre Sedimente und vor allem vulkanische Decken weite Verbreitung finden. Der Vulkanismus begann im Oberen Miozän in der Nähe von Kumalar im Norden des Distrikts Dinar und breitete sich bis zum Ende des Pliozäns auf die Umgebung aus. Als Ergebnis tektonischer Bewegungen, die im Neogen in und um die Şuhut-Ebene begannen, traten aus Brüchen und Rissen der in der Region bestehenden paläozoischen, mesozoischen und tertiären Formationen vulkanische Materialien aus, aus denen sich das Massiv des Kumalar Dağı (2245 m) aufbaute. Die nördlichsten Ausläufer bilden den 225 m über der Stadt Afyon aufragenden markanten trachytischen Burgfelsen. Während des unteren Pliozän hatte sich im Umfeld des Eruptionszentrums aufgrund vulkanischer Abriegelung ein flacher See gebildet, in dem sich neogene Kalksteine ablagerten, die noch immer den Osten und Norden der Şuhut-Ebene bedecken, während der Kumular Dağı im Westen seine vulkanische Aktivität mit Ascheproduktion weiterführte.