Die Galopprennbahn Gelsenkirchen-Horst war eine etwa 80 Hektar umfassende Anlage im Gelsenkirchener Stadtteil Horst.

Lage Die Anlage befand sich nordöstlich der Straße An der Rennbahn nördlich des Rhein-Herne-Kanals. Auf dem auseinanderlaufenden Oval mit Bögen unterschiedlicher Radien wurde im Rechtskurs (im Uhrzeigersinn) gelaufen. Es gab eine Flachbahn und eine Jagdbahn mit Diagonalen. Die Gesamtlänge der Großen Bahn betrug circa 2.320 Meter. Mit einem Schlussbogenradius von 200 Metern war dieser der größte in Europa, die Zielgerade hatte eine Gesamtlänge von annähernd 700 Metern. Die östlich gelegenen Industrieanlagen der Gelsenberg-Benzin AG bildeten die markante Kulisse der Rennbahn.

Geschichte

Vor dem Ersten Weltkrieg Die Begeisterung für den Galopprennsport des Schlossherrn Reichsfreiherr Maximilian von Fürstenberg-Borbeck führte am 20. April 1895 zur Gründung des Emscherthaler Reiter- und Rennvereins, dessen Geschäftsführung von 1896 Rudolf Rose übernahm. In den Gründerjahren hatten die Rennen lokalen Charakter und wurden auf den Viehweiden von Schloss Horst ausgetragen.

1903 wurde der erste Große Preis ausgetragen, der zunächst als Jagdrennen gelaufen wurde und mit 10.000 Mark dotiert gewesen war. 1909 erfolgte ein Umbau, sodass am 22. Mai 1910 die ersten Rennen auf der neuen Anlage stattfinden konnten. Das Areal verfügte jetzt über ein Waagegebäude mit einer zur Rennbahn gerichteten Tribüne. Zusätzlich gab es zwei überdachte Haupttribünen und Totalisatorgebäude. Ein Jahr später wurde eine elektrische Straßenbahn bis zur Rennbahn gebaut, um den Besuchern die Anreise zu erleichtern. Im August wurde zum ersten Mal das Horster Criterium, ein Zweijährigen-Rennen über die Renndistanz von 1000 Metern gelaufen. Die Reichsbahn setzte nun Sonderzüge ein, die Besucher aus dem Rheinland sowie aus Dortmund nach Horst brachten. Dem wettenden Publikum wurde in jenen Tagen Wetten auf Sieg und auf Platz angeboten, die Berechnung der Gewinnquoten erfolgte im Dezimalsystem, also auf der Grundlage von zehn Mark Einsatz. Der Abschlusstag des Dreitagemeetings am Sonntag, den 14. Juni 1914, war vorerst der letzte Renntag am Horster Schloss. Im jetzt mit 20.000 Mark dotierten Großen Preis von Horst siegte die von A. Glaiser gerittene Stute Livadia. Der Verein trug mittlerweile den Namen Essen – Horster Rennverein e.V. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs am 1. August gab es auf den deutschen Rennbahnen vorerst keine Rennen mehr.

Erster Weltkrieg Im Jahr 1915 bewilligte die preußische Regierung dem Kartell Westdeutscher Rennvereine, dem auch der Essen – Horster Rennverein angehörte, die Durchführung von sechs Renntagen. Diese wurden sämtlich auf der Galopprennbahn Neuss durchgeführt. 1915 fanden am Horster Schloss keine Rennen statt. Im Jahr 1916 wurden dem Kartell insgesamt 33 Renntage zugebilligt, an welche auch Horst beteiligt wurde. Die für das Jahr 1918 vom Kartell bewilligten fünf Renntage wurden gänzlich in Horst durchgeführt.

Vor dem Zweiten Weltkrieg Die Renntage nach dem Ersten Weltkrieg konnten nur unter großen Schwierigkeiten stattfinden. Die politische und wirtschaftliche Situation trug maßgeblich hierzu bei.

1920er Jahre Aufgrund der stetig steigenden Geldentwertung schlossen sich zu Beginn des Jahres 1923 das Kartell Westdeutscher Rennvereine und der Verein Westdeutscher Rennstallbesitzer zu einer Notgemeinschaft zusammen. Zur Einsparung der Beförderungskosten mit der Eisenbahn wurden die Renntermine so gelegt, dass die Pferde fußläufig die nächste Austragungsstätte erreichen konnten. Infolge der Ruhrbesetzung kam es zur erneuten Schließung der Rennbahn am Horster Schloss, sodass die Rennen auf der Galopprennbahn Köln ausgetragen werden mussten. In dieser Zeit erreichten die Rennpreise infolge der Inflation astronomische Summen. Daher wurden die Rennen zu einem Grundpreis ausgeschrieben und dann durch einen Multiplikator der jeweilige Tagesrennpreis ermittelt, um den Wertverfall des Geldes auszugleichen. So errechnete sich am 15. April der Tagespreis mit dem Multiplikator 200, am 11. November mit dem Multiplikator 250 Millionen. Erst mit Einführung der Rentenmark und nach Abzug der Besatzungstruppen konnte 1924 wieder ein geregelter Betrieb aufgenommen werden. Durch den Anschluss von Horst ans Stadtgebiet von Gelsenkirchen am 1. April 1928 bekam die Stadt Gelsenkirchen neben der Trabrennbahn (heute GelsentrabPark) eine zweite Pferderennbahn hinzu. Im August wurde der große Preis als Grosser Preis von Horst erstmals über die flache Bahn ausgetragen. Sieger wurde Lampos unter Jockey Otto Schmidt. Der Tribünenbrand auf der Galopprennbahn Mülheim führte dazu, dass der Mülheim Duisburger Renn-Verein zwei seiner Veranstaltungstage der Saison 1928 in Gelsenkirchen-Horst abhielt.

1930er Jahre Nach dem Tod von Rudolf Rose im August 1931 trat sein Bruder Paul an dessen Stelle. Auf den Galopprennbahnen etablierte sich die Doppelwette, bei welcher die Sieger zweier Rennen vorhergesagt werden mussten. An die Verbundenheit des Gelsenkirchener Unternehmers Ernst Bischoff mit dem Rennsport in Horst wurde nach dessen Tod ab 1934 durch das Ernst-Bischoff-Rennen erinnert. Ernst Bischoff war unter anderem Züchter von Grubenpferden. An Renntagen wurde eine zusätzliche Autobusverbindung vom Essener Hauptbahnhof geschaffen, um die Verkehrsverbindungen zur Rennbahn zu verbessern. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurden die Rennen in Horst mit stets steigendem Erfolg weitergeführt. Vermutlich wurde in dieser Zeit die Einlaufwette (heute Zweierwette) eingeführt. Die lukrativen Quoten ließen die neue Wettart schnell zum Erfolg werden. Der Mindesteinsatz betrug 5 RM (Reichsmark). Zur Saisoneröffnung am 12. März 1939 gab es für den Einlauf Sandmann – Imme damals sensationelle 13640:10. Zum Vergleich: Der Leistungslohn (Gedinge) eines Hauers Unter Tage betrug in jener Zeit etwa 8 RM pro Arbeitsschicht. Die Doppelwette wurde durch die Einlaufwette verdrängt.

Zweiter Weltkrieg Durch die zahlreichen Bombenangriffe durch alliierte Bomberverbände auf Gelsenkirchen, insbesondere durch die direkte Nachbarschaft zur Gelsenberg-Benzin A.G., erlitten die Anlagen massive Schäden, sodass die Rennbahn am 4. Juni 1942 geschlossen werden musste. 1943 wurde der Große Preis von Horst auf der Galopprennbahn Köln, 1944 auf der Galopprennbahn Düsseldorf ausgetragen. 1945 – 1948 fiel das Rennen aus.

Nachkriegszeit 1940er Jahre Nach der Stunde Null war das Gelände der Rennbahn völlig zerstört. Erst 1947 kam der Rennbetrieb des Hoster Rennvereins wieder in Schwung. Der erste Renntag wurde allerdings nicht in Gelsenkirchen, sondern auf der Galopprennbahn Mülheim durchgeführt. Am 27. April wurde um 14 Uhr, mit dem mit 8000 Mark dotierten Preis von Hugenpoet, der Rennbetrieb wieder aufgenommen. Der Rennverein Horst-Emscher veranstaltete in dieser ersten Nachkriegssaison bereits 6 Renntage. Die Rennen wiesen in dieser Zeit im Regelfall nur kleine Starterfelder (etwa 5 bis 8 Pferde) auf. Die Kriegswirren hatten den Galopprennsport arg getroffen. Am 1. Mai 1949 wurde der Rennbetrieb nach siebenjähriger Pause wieder auf die Rennbahn am Hoster Schloss zurückverlegt. Bereits einen Monat später gab es wieder einen Preis von Horst. Es siegte Honved unter Jockey Hein Bollow. Im August siegte Bollow mit Alexios im Horster Criterium und lag mit einer Rennzeit von 59,5 Sekunden erstmals in diesem Rennen unter einer Minute. Mit Verlust des Wettmonopols erwuchs dem Galopprennsport Konkurrenz durch das staatliche Fußballtoto. Es drohten Verluste in den Wettpools. Die parallel hierzu auf den westdeutschen Galopprennbahnen eingeführte Serienwette hielt auch in Gelsenkirchen-Horst Einzug.

1950er Jahre Im Mai 1950 wurde das Henckel-Rennen (ursprünglich auf der Galopprennbahn Hoppegarten gelaufen) erstmals in Gelsenkirchen ausgetragen. 1951 wurde die Serienwette durch das neu eingeführte Pferdetoto ersetzt. Das eventuell größte Starterfeld, welches je in Gelsenkirchen-Horst an den Start kam, fand sich am 23. November 1952 zusammen, als im Schlosspark-Ausgleich 22 Pferde unter Starter’s Order kamen. Zu dieser Zeit wurden die Rennen noch mit Startbändern (australische Startmaschine) oder mittels Flagge gestartet. Zum Saisonauftakt am 7. März 1954 gab es am Totalisator auf die Außenseiterstute Magnesia eine Rekordplatzquote von 685:10. Im selben Jahr wurde der Große Preis von Horst erstmals als Großer Preis der Stadt Gelsenkirchen ausgetragen. Im Mai 1955 wurde das Jahresprogramm um einen weiteren Höhepunkt erweitert. Das für dreijährige Stuten ausgeschriebene Nereide-Rennen wurde am Tag des Henckel-Rennens ins Programm aufgenommen. Es siegte Lustige unter Jockey Oskar Langner. Nereide selbst war während ihrer Rennlaufbahn nie in Gelsenkirchen an den Start gegangen. Durch die Einführung des Zahlenlottos 6 aus 49 erwuchs den Rennvereinen weitere Konkurrenz. Innovationen wurden gesucht, um den Besucher an die Rennbahn zu binden. 1956 kam das Underberg-Jagdrennen, ein Amateurreiten hinzu, welches zunächst (nur) über die Distanz von 4.000 Meter führte.

Auf Initiative von Oswald Heske, welcher seinerzeit Werbeleiter der BV-Aral AG in Bochum und ein großer Anhänger des Rennsports war, wurde ein weiteres Großereignis für Gelsenkirchen geschaffen. Am 18. August 1957 wurde erstmals der ARAL-Pokal gestartet. Dieser sollte fortan als Jahreshauptereignis in Gelsenkirchen bekannt werden. Alfred Lommatzsch war Jockey der Stunde und siegte auf der Stute Thila. Am Samstag, den 7. Juni 1958 wurde dem wettenden Publikum im 4. Rennen zum ersten Mal die Dreierwette angeboten. In jener Zeit wurden im Bereich des Waagegebäudes umfangreiche Umbauarbeiten durchgeführt. Ein stufenförmiger, terrassenartiger Ausbau des Geländes zwischen Waagetribüne und dem Geläuf sowie ein Umbau der Tribüne mit einer Verlängerung des Tribünenvordachs schafften die Möglichkeit, hier Tische und Stühle für die Bewirtung der Gäste aufzustellen. Das neue Areal bot nun Sitzplätze für etwa 600 Personen an. Die Umbaumaßnahmen konnten vermutlich erst 1959 abgeschlossen werden. Im Zuge dieser Maßnahmen entstand auch der Gedanke, die Räumlichkeiten unterhalb der Tribüne 2 anderweitig zu nutzen und diese für Restaurationszwecke zur Verfügung zu stellen. Die zu diesem Zeitpunkt hier noch untergebrachten Pferdeboxen mussten weichen.

1960er Jahre