Die Uferjäger oder Floßspinnen (Dolomedes) sind eine 102 Arten umfassende Gattung innerhalb der Familie der Fischerspinnen (Dolomedidae), die zur Ordnung der Webspinnen zählt. Die Gattung ist fast weltweit verbreitet und ihre Arten bewohnen bevorzugt Gewässer. In Mitteleuropa sind die Uferjäger mit zwei Arten, der Gerandeten (D. fimbriatus) und der Großen Jagdspinne (D. plantarius), vertreten. Beide Arten zählen zu den größten dort natürlich vorkommenden Spinnen.

Uferjäger sind mittel- bis sehr große Spinnen mit einer semiaquatischen (sowohl an Land als auch unter Wasser) Lebensweise. Sie sind in der Lage, sich auf der Wasseroberfläche anfzuhalten und fortzubewegen als auch unter Wasser zu tauchen und dort für Längere Zeit zu verweilen. Diese Biologie wird ihnen durch spezielle Setae (chitinisierte Haare) ermöglicht, die den Uferjägern einen Auftrieb auf der Wasseroberfläche verleihen. Gleichzeitig können mithilfe einzelner Setae Luftvorräte gespeichert werden und dieser in Form einer physikalischen Kieme die Spinnen unter Wasser mit Luft versorgen.

Das Wasser wird von den Uferjägern auch als häufiger Jagdgrund genutzt und sie erbeuten andere Gliederfüßer und größere Exemplare auch kleinere Wirbeltiere. Der Paarung geht ein für die Überfamilie der Lycosoidea typisch ausgeprägtes Balzverhalten voraus und das Weibchen betreibt eine intensive Brutpflege, indem es seinen Eikokon und seine Nachkommen für einige Zeit bewacht, ehe diese selbstständig über mehrere Fresshäute (Häutungsstadien) heranwachsen.

Merkmale mini|links|Männchen von Dolomedes aquaticus auf der Hand mini|Dorsalansicht eines männlichen Uferjägers Die Uferjäger erreichen eine gesamte Körperlänge von 6,6 bis zu 30,4 Millimetern, wobei die Individuen einiger Arten angeblich 35 Millimeter lang werden können. Damit handelt es sich um mittelgroße bis große Vertreter der Echten Webspinnen (Araneamorphae). Mit der Gerandeten (D. fimbriatus) und der Großen Jagdspinne (D. plantarius) gehören den Uferjägern zwei der größten Spinnen Mitteleuropas an. Allen Uferjägern ist der abgeflachte und melierte Körper sowie die langbeinige Gestalt gemeinsam. An der ventralen Körperfläche befinden sich, anscheinend mit hydrophoben (wasserabweisenden) Substanzen beschichtete Setae (chitinisierte Haare), die den Spinnen ihre Fähigkeit zum Auftrieb auf dem Wasser verleihen.

mini|Dorsale Detailansicht des Peltidium eines weiblichen Uferjägers mit den gut erkennbaren Augen Das Peltidium bzw. der Carapax, das Rückenschild des Prosomas, ist ziemlich einheitlich gebaut und länger als breit sowie mäßig erhöht. Der höchste Punkt des Carapax ist im Bereich der Fovea (an die Muskeln des Saugmagens ansetzende Einkerbung), die deutlich ausgeprägt ist. Die Ränder des Carapax sind dunkel und die submarginalen (am hinteren Rand gelegenen) Bänder sind, sofern vorhanden, dunkel gefärbt und mit kurzen, dichten Setae versehen. Am posterioren (hinteren) Rand ist der Carapax leicht bis ganz eingedrückt. Uferjäger besitzen wie die meisten Spinnen acht Augen, die je zu viert übereinander in zwei transversal verlaufenden Reihen angeordnet sind, von denen die untere Reihe deutlich schmaler als die obere ist. Die Augen der unteren Reihe sind geringfügig kleiner als die der oberen. Die untere Augenreihe ist geradlinig oder leicht vorgewölbt, während die obere stark vorgebogen ist. Das mediane (mittlere) Augenrechteck zwischen den Mittelaugen ist oben deutlich breiter. Das Basalsegment der Cheliceren (Kieferklauen) ist robust gebaut und die retromarginale (innen rückseitige) Fläche der Fangfurche besitzt je vier äquidistant (zueinander gleich weit entfernt) angeordnete Zahngebilde identischer Ausmaße, während sich promarginal (innen vorderseitig) an den Furchen je drei Zahngebilde befinden. Von diesen ist das distale (von der Körpermitte entfernt liegende) das kleinste, das mediane das größte. Das dritte dieser Gebilde ist proximal, also zur Körpermitte gelegen. Das Sternum (Brustschild des Prosomas) ist lanzettförmig, vorne abgeschnitten und hinten spitz zulaufend.

mini|links|Lateralansicht eines männlichen Uferjägers mit gut erkennbaren Beinstrukturen Die vier Beinpaare haben im Regelfall die für Spinnen übliche Längenformel 4-1-2-3, absteigend von groß nach klein. Die Beine haben eine gelbliche oder rotbraune Grundfärbung, wobei die dorsalen (oberen) Flächen gelegentlich dunkle Längsbänder aufweisen. Das erste Beinpaar ist mit mehreren Makrosetae (längeren Setae) versehen. Davon befinden sich auf den Femora (Schenkeln) je drei auf dorsaler und drei bis fünf auf prolateraler (seitlich vorgelegter) sowie vier oder fünf auf retrolateraler (seitlich rückliegender) Fläche. Die Tibien (Schienen) besitzen jeweils zwei Makrosetae auf dorsaler, prolateraler und retrolateraler Fläche sowie zusätzlich je vier ventral (unten) angelegte Paare. Von den Basitarsen (Basisglieder der Tarsen bzw. Fersenglieder) besitzt ein einzelner drei pro- und retrolaterale und vier ventrale Paare Makrosetae, während sich am Ende der Ventralfläche noch eine einzelne Makroseta befindet. Bei Männchen können die Femora des vierten Beinpaares mit Setae bedeckte Tuberkel (Höcker) oder ventral eine Ansammlung steifer Setae aufweisen. Außerdem haben bei den Femora der Pedipalpen (umgewandelte Extremitäten im Kopfbereich) die Dorsalflächen jeweils sieben Stacheln.

mini|Rückansicht eines weiblichen Uferjägers mit den gut erkennbaren Zeichnungen auf dem Opisthosoma Das Opisthosoma (Hinterleib) der Uferjäger ist kräftig gebaut. Es zeichnet durch seine Gestalt aus, ist vorne abgeschnitten, im Zentrum am breitesten und verjüngt sich zum Ende hin. Es ist zumeist gesprenkelt, kann jedoch auch schwarz, weiß oder grau gestreift sein, wobei die Sprenkel und schwarzen Streifen simultan auftreten können. Am anterioren (vorderen) Abhang des Opisthosomas befindet sich eine Gruppe kräftiger, gebogener Setae. Beim Petiolus (dünne Verbindung zwischen Prosoma und Opisthosoma) ist das Lorum (längliches und dorsales Sklerit bzw. Hartteil) in vier Abschnitte gegliedert, von denen zwei median und zwei lateral (seitlich) angeordnet sind. Das Integument (äußere Körperhülle) des Opisthosomas ist mit einer Varietät von Setae bedeckt. Einige davon sind federartig gestaltet und befinden sich hauptsächlich in den weißen Bereichen des Opisthosomas.

Genitalmorphologische Merkmale mini|links|Laterale Detailansicht eines männlichen Uferjägers mit fehlenden Extremitäten. Gut erkennbar ist der letzte vorhandene der ursprünglich zwei Bulbi. Die Pedipalpen des Männchens sind mit den Tibien mindestens so lang wie breit. An den Spitzen der Tibien befindet sich jeweils eine ventral angelegte Apophyse (chitinisierter Fortsatz) sowie eine größere, kräftigere und retrolaterale Apophyse. Ein einzelner Bulbus (männliches Geschlechtsorgan) besitzt eine terminale (am Ende gelegene) Apophyse am Tegulum (zweites und mittleres Sklerit des Bulbus), die lang und schlank gebaut ist, dessen Spitze ist trogartig geformt und stützt den distalen Teil des Embolus (drittes und letztes Sklerit des Bulbus). Das Tegulum ist eher extern ausgelegt, der Embolus ist distal und ventral zugespitzt. Der Embolus entspringt distal am Bulbus und ist dorsoventral (rückseits in Richtung bauchseits) ausgerichtet. Die dort befindliche Medianapophyse ist länglich geformt und an der Basis schlank. Die Apophyse kann auch flach und distal erweitert ausgerichtet sein. Im Regelfall ist sie allerdings flexibel.

mini|Ventralansicht eines weiblichen Uferjägers mit erkennbarer Epigyne Die Epigyne (weibliches Geschlechtsorgan) der Uferjäger besitzt eine große dreieckige Platte. Das mediane Septum (Trennwand) ist vergleichsweise groß und eiförmig oder elliptisch geformt. Außerdem kann es an den Flanken mit großen paarigen Hohlräumen versehen sein. Die Epigyne hat drei vorgelegte sowie zusätzlich zwei weitere laterale Erhebungen, mit dunklen medialen Rändern. Die Kopulationsöffnungen befinden sich im Regelfall an den Seiten des medianen Septums und sind nicht selten durch lange, gebogene und laterale Sklerite geschützt. Die Kopulationskanäle sind kurz und verlaufen gebogenen oder leicht gespult. Im Inneren der Epigyne befindet sich eine schmale und verjüngte Bursa copulatrix (Begattungstasche). Die Spermatheken (Samentaschen) sind dickwandig und eiförmig sowie vergleichsweise klein und leicht ausgedehnt. Die Befruchtungskanäle sind länger als die Kopulationskanäle und verlaufen oft deutlich stärker gespult.

Differenzierung von ähnlichen Spinnen Die Uferjäger ähneln besonders den Arten den zur Familie der Jagdspinnen (Pisauridae) zählenden Gattung Thalassius, die genauso eine semiaquatische (sowohl an Land als auch unter Wasser stattfindende) geprägte Lebensweise vollführen, jedoch weniger auf der Nordhalbkugel verbreitet sind. Die Uferjäger sind innerhalb der Familie jedoch durch die jeweils vier retromarginalen Zähne auf den Cheliceren charakterisiert. Außerdem sind für männliche Uferjäger der Beginn eines einzelnen Embolus am distalen Ende des jeweiligen Bulbus und die Basis eines Embolus mit flachem, abgerundetem Fortsatz typisch, während bei weiblichen Uferjägern die kurzen und gebogenen Kopulationskanäle sowie die für Jagdspinnen vergleichsweise langen Befruchtungskanäle charakteristisch sind. Die Cheliceren der Vertreter der Gattung Thalassius besitzen im Gegensatz dazu extern (außenseitig) je drei ungleich große und promarginal je drei gleich große Zähne, während bei den Männchen der Gattung die für Spinnen der Überfamilie der Lycosoidea üblichen Tibiaapophysen an den Pedipalpen zurückgebildet oder gar fehlend sind. Außerdem hat bei den Männchen ein Bulbus je eine große Medianapophyse und ein Fulcrum (Drehpunkt). Bei den Weibchen der Gattung Thalassius sind die Befruchtungskanäle entweder mit einer ventralen Aussackung oder mit einer dorsal platzierten Schlaufe versehen.

Insbesondere Männchen der Uferjäger ähneln stark denen der ebenfalls zur gleichen Familie zählenden Gattung Tasmomedes und können von diesen auch sicher anhand des Aufbaus der Geschlechtsorgane unterschieden werden. Bei den Männchen der Gattung Tasmomedes fallen jeweils das Cymbium (erstes und vorderstes Sklerit des Bulbus) und der Konduktor sowie das Fulcrum (Stütze) bei den beiden Bulbi länger aus. Die Spermatheken sind bei den Weibchen der Gattung Tasmomedes anders als bei denen der Uferjäger spiralförmig aufgebaut.

Große Ähnlichkeiten bestehen sowohl vom Habitus (Erscheinungsbild) als auch von der Lebensweise her zu den Arten der Gattung Ancylometes innerhalb der Familie der Kammspinnen (Ctenidae), was besonders den vergleichsweise kurzen und stämmigen Beinen der Vertreter beider Gattungen geschuldet ist. Außerdem haben die Männchen der Gattung Ancylometes ähnlich wie die der Uferjäger breite entweder weiß oder gelb gefärbte und marginale (am Rand gelegene) Bänder. Die Arten der Gattung Ancylometes unterscheiden sich von den Uferjägern insbesondere durch die für ihre Familie typische Augenstellung, nämlich dass die Augen in drei Reihen angegliedert sind, bei denen die oberste zwei, die mittlere vier und die untere wieder zwei Augen enthält.

Es kommt überdies gelegentlich zu Verwechslungen der Uferjäger mit den genauso auf dem Wasser lebenden, aber zur Familie der Wolfsspinnen (Lycosidae) zählenden Piratenspinnen (Pirata), die den Uferjägern ähnliche Zeichenmuster besitzen können. Allerdings bleiben die Piratenspinnen für gewöhnlich deutlich kleiner.

Verbreitung und Diversität der Lebensräume mini|Auf einem Stein bei einem Teich ruhender männlicher Uferjäger, gefunden im Nordosten Panamas.