Der Alte jüdische Friedhof in Gemünden, einer Ortsgemeinde im Rhein-Hunsrück-Kreis in Rheinland-Pfalz, wurde vermutlich vom 18. bis ins frühe 19. Jahrhundert belegt. Der jüdische Friedhof liegt am steilen Nordhang des Schlossberges. 1984 waren noch mehrere, 1994 noch ein Grabstein aus dem Jahr 1814 vorhanden. Dieser gut erhaltene Grabstein aus Sandstein steht ca. fünf Meter den Abhang hinunter auf einem einen Meter breiten Absatz dicht an einer Schiefermauer.
Geschichte mini|Schloss Gemünden mit Nordhang Die ersten jüdischen Familien in Gemünden um das Jahr 1700 waren wohl Schutzjuden unter dem Schutz der Schenken von Schmidtburg. Die erste schriftliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1704. Aufstellungen über Schutzgeldzahlungen stammen aus dem 18. Jahrhundert. Nach diesen Listen lebten 15 Familien um das Jahr 1743 in Gemünden. Als Friedhof nutzten sie damals ein Areal am steilen Nordhang des Schlossberges über dem Simmerbach.
Mit dem Beginn der preußischen Herrschaft im Jahr 1817 wurden Begräbnisse auf diesem Platz untersagt. Die jüdische Gemeinde wurde aufgefordert, einen neuen Platz zu erwerben. Einige Familien weigerten sich, die Kosten für den neuen Friedhof zu übernehmen. Deshalb fragte der Landrat von Simmern in Koblenz an, ob die Kosten zwangsweise eingezogen werden sollten. In der Antwort vom 27. November 1819 forderte man ein Ultimatum von acht Tagen für eine positive Erklärung und eine Frist von vier Wochen für den Erwerb eines neuen Grundstücks. Nach erfolglosem Verstreichen der Fristen hätte es in Gemünden keinen jüdischen Begräbnisplatz mehr gegeben.
Der alte Friedhof verfiel danach. Der Lehrer Salomon, Vorbeter der jüdischen Gemeinde, berichtete 1860 in einer eigens verfassten Chronik: „Nach der mündlichen Tradition sowohl auch auf Grund der durch den Zahn der Zeit halb zerstörten Inschriften auf den Grabsteinen, die sich noch als Reste auf dem Schloßberg befindlichen früheren Gottesacker der Israeliten, von welchem der Bach einen großen Teil weggespült hat, befinden, lässt sich das Alter der Gemeinde auf mindestens 300 Jahre annehmen“.
1985 befand sich noch ein gut erhaltener Grabstein mit teilweise lesbarer Inschrift im Begräbnisplatz Schlossberg. Otto Böcher berichtete: „Für eine wörtliche Transkription und Übersetzung ist leider der rechte Rand nicht ganz lesbar. Gleichwohl kann ich genau sagen, wer hier beigesetzt worden ist. Es handelt sich um den – schon durch die beiden Hände als Priesterabkömmling (Kohen) gekennzeichneten – Joseph Herz, gestorben im Tammus des jüdischen Jahres 574, d.h. im Juni des christlichen Jahres 1814. Die Inschrift rühmt seine Tugenden und schließt mit dem abgekürzten Segensspruch „Seine Seele sei eingebunden ins Bündel des Lebens“.“
Literatur Gustav Schellack: Grabstein von 1814, letzter Zeuge auf dem alten jüdischen Friedhof bei Schloss Gemünden. In: Hunsrücker Heimatblätter 72 (1987), S. 53–54.
Siehe auch Neuer jüdischer Friedhof (Gemünden)
Weblinks Jüdische Friedhöfe in Gemünden bei Alemannia Judaica Alter jüdischer Friedhof Gemünden beim Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland
Einzelnachweise
Gemunden Kategorie:Gemünden (Hunsrück) Kategorie:Erbaut im 18. Jahrhundert Gemunden