mini|Jack und Charmian London (1911) Die Insel Berande (engl. Adventure) ist der Titel eines 1911 publizierten Südsee-Abenteuerromans des US-amerikanischen Schriftstellers Jack London. In der aktionsreichen Geschichte über die Partnerschaft eines englischen Plantagenbesitzers und einer jungen Amerikanerin porträtiert der Autor die wirtschaftliche und soziale Situation auf den Salomon-Inseln zur Kolonialzeit und diskutiert neben der Emanzipationsfrage die Beziehung der Weißen zu den Insulanern. Die deutsche Übersetzung von Erwin Magnus erschien 1926.im Universitas Verlag Berlin

Überblick Haupthandlungsorte des 1909 spielenden Romans sind die „Berande-Plantage“an der Nordküste Guadalcanals zwischen den Flüssen Berande und Balesuna auf der Salomon-Insel Guadalcanal und das angrenzende Seegebiet mit den Florida-Inseln und Malaita. Der englische Plantagenbesitzer David Scheldon ist nach dem Untergang seines Handelsschiffes und dem Tod seines Kompagnons in finanziellen Schwierigkeiten und verhandelt über den Verkauf seines Betriebs. Da strandet die junge Amerikanerin Joan Lackland mit ihren tahitianischen Seeleuten an seiner Küste und bietet ihm an, seine Teilhaberin zu werden. Mit ihren modernen Vorstellungen von der Ungebundenheit und Gleichberechtigung der Frau, von der Führung der Arbeitskräfte und der Lösung der wirtschaftlichen Probleme sowie mit ihrer Kritik am Kolonialismus der Weißen stellt sie Scheldons Rollenverständnis in Frage, doch ist er von ihren erfolgreichen unkonventionellen Methoden beeindruckt. Eine Konfliktsituation entwickelt sich, als der Abenteurer John Tudor auf die Insel kommt, um Gold zu suchen, und mit David um Joan rivalisiert. Scheldon siegt im abschließenden Showdown und heiratet Joan. mini|Die Salomon-Inseln Kapitelübersicht 1. Auf David Scheldons Plantage sind viele schwarze Arbeiter an Ruhr erkrankt. Auch er ist durch Fieber geschwächt und wartet auf die Rückkehr seines Kompagnons mit neuen Arbeitern.

2. Der Untergang seines Schiffes und der Tod seines Teilhabers vergrößern die finanziellen Schwierigkeiten Davids. Die junge Amerikanerin Joan Lackland rettet sich nach einem Schiffbruch an seinen Strand und wird von ihm als Gast aufgenommen. Sie will auf einer der Inseln eine Plantage anlegen.

3. Die emanzipierte Amerikanerin reformiert Scheldons Plantagenbetrieb und diskutiert mit ihm über die Herrschaft der Weißen und eine menschliche Behandlung der Arbeiter.

4. Joan und David diskutieren über die Emanzipation der Frau. Sie lernt die Konflikte der weißen Plantagenbesitzer mit den schwarzen Arbeitern kennen.

5. Joan wird Teilhaberin der verschuldeten Plantage Davids und plant den Kauf eines Schiffes. Goldsucher Von Blix und John Tudor kommen auf die Insel und bereiten eine Expedition in die Berge vor.

6. Joan ersteigert den auf einem Riff festsitzenden Schoner „Martha“ und organisiert die Rettungsaktion.

7. Kapitän Munster erzählt David von den Aktionen Joans, die „Martha“ freizuziehen und Arbeiter auf Malaita anzuwerben.

8. David spricht mit Joan über seine Liebe zu ihr. Sie will jedoch nur eine geschäftliche Beziehung, weil sie die Dominanz eines Mannes fürchtet. Bei einer Untersuchung der Arbeiterunterkünfte werden versteckte Waffen gefunden. Einer der Diebe greift Joan bei einem Ausritt durch die Plantage an und flieht daraufhin mit seiner Gruppe in den Busch. Die Ausreißer werden verfolgt und z. T. wieder gefangen.

9. Die Goldsucher-Expedition ist von Buschleuten angegriffen worden. David und Joan gelingt mit einer Suchmannschaft in den Bergen die Rettung des kranken Tudor.

10. Auf der Suche nach weiteren Expeditionsmitgliedern finden sie in einem Kopfjäger-Dorf die Schädel der Goldsucher.

11. Nach Tudors Genesung bedrängt er Joan. Als sie ihn zurückweist, fordert er David aus Eifersucht zu einem abenteuerlichen Kampfspiel im Palmenwald. David besiegt ihn und heiratet Joan.

Handlung Die Berande-Plantage Im ersten Kapitel wird David Scheldons schwierige Situation auf seiner Plantage beschrieben. Viele seiner 200 „Rekruten“, d. h. für einige Jahre angeworbene Kontraktarbeiter von der Insel Malaita, sind an Dysenterie erkrankt. Täglich sterben einige von ihnen und dies erschwert den Aufbau der Palmenpflanzungen, die erst nach sieben Jahren profitabel sind. Da er selbst Fieber hat und geschwächt ist, lässt David sich von einem als „zweibeiniges Pferd“ bezeichneten Schwarzen auf der Plantage herumtragen. Diese Situation nutzen einige Arbeiter zur Flucht in den Busch. Ihre Verfolgung und Rückführung übernimmt Seelee, der Häuptling des Nachbardorfes Balesuna, und erhält dafür eine Kiste Tabak, drei Faden Kaliko und ein Messer. Die Ausreißer werden hart bestraft: Weil sie den Vertrag gebrochen haben, lässt Scheldon sie öffentlich von anderen Insulanern auspeitschen und verurteilt sie zu einem Jahr zusätzlicher Arbeit auf der Plantage. Auf den Protest hin, diese Behandlung sei ungesetzlich, zwingt Scheldon sie mit seiner Pistole zur Ausführung des Befehls. Er weiß, dass jeder der Arbeiter ihm körperlich überlegen ist. Deshalb muss er die Herrschaft des Stärkeren täglich beweisen: „Hass, Mordgier und Rachedurst besaßen sie im Übermaß. Aber eines fehlt ihnen, eben das, was er besaß: den Zorn des Herrschenden, der nicht zu löschen war, der […] jederzeit bereit war, aufzulodern und sie zu vernichten.“ Der Erzähler kommentiert die Unterwerfung des schwarzen Arbeiters: „Unglücklicherweise kannte der das Wesen der Weißen nicht. Dieser merkwürdige Weiße belehrte ihn […] eines Besseren.“

Scheldon hofft auf die Rückkehr seines Teilhabers Hughie Drummond mit neuen Arbeitskräften auf ihrem Handelsschiff „Jessie“, um die angespannte Situation auf der verschuldeten Plantage zu entschärfen. Aber drei Tage nach der Auspeitschung kommt die nächste schlechte Nachricht. Das Schiff bringt an Schwarzfieber erkrankte Seeleute und Passagiere aus Malaita, viele sind bereits tot oder sterben bei der Ankunft, wie Drummond. (Kap. 2) Dieser Misserfolg steigert sich noch, als kurz darauf ein heftiger Sturm die „Jessie“ stranden lässt und Kapitän Olson und die Besatzung ertrinken. Der Verlust des Schiffes ist für David ein großer finanzieller Rückschlag, da er durch die Handelsfahrten Geld verdienen und damit Defizite der Plantagenwirtschaft ausgleichen konnte. Nun muss Scheldon mit zwei Kaufleuten, Morgan und Raff, über den Verkauf seines Betriebs verhandeln. Diese bieten allerdings viel weniger, als David bisher investiert hat (Kap. 5) und Scheldon nutzt andere Möglichkeiten, die sich mit der Ankunft einer jungen Amerikanerin ergeben.

Joan Lacklands Diskussion mit David Scheldon über ihre emanzipatorische Vorstellung und ihre Pläne Die Amerikanerin Joan Lackland ist mit ihrem Schiff „Miélé“ in einen Sturm geraten und auf einem Riff aufgelaufen. Sie und ihre tahitianischen Seeleute retten sich in einem Boot zu Scheldons Plantage.

Die 22-jährige Joan wurde 1887 auf Hawaii geboren, ist in den USA zur Schule gegangen und hat von ihrem unternehmungsfreudigen und Bankrott-erfahrenen Vater Kenntnisse in der Plantagenwirtschaft und der Seefahrt erworben. Auf ihrem Weg zu einem neuen Projekt in Polynesien starb der Vater und sie versucht nun, in einer Mischung aus Romantik und Abenteuer, eine eigene Plantage aufzubauen. (Kap. 3) Sie ist eine emanzipierte junge Frau, die sich nicht von Männern bevormunden lässt. Sie strebt keine Rolle als Ehefrau an, sondern möchte, wie sie es bei ihrem Vater gelernt hat, ihr Leben selbst bestimmen. David ist dagegen konservativ traditionell geprägt und durch die mit einer Pistole bewaffnete und mit polynesischen Seeleuten allein herumreisende Frau in seinen Rollenbildern verunsichert (Kap. 5). Aber er nimmt Joan bei sich auf, lässt sie ein Grashaus als Unterkunft bauen und seinen Plantagenbetrieb reformieren: Ihre Tahitianer errichten eine neue, saubere Krankenstation anstelle der alten, verseuchten. Sie stellt die einseitige, salzlose Kartoffelernährung um, indem sie das Angebot der Natur nutzt: wilde Tomaten, Kräuter, Fische, Muscheln, Enten, Tauben usw. (Kap. 3)

Die Behandlung der Plantagenarbeiter Joan diskutiert mit David über die Behandlung der schwarzen Arbeiter (Kap. 3). Sie kam bei den Hawaiianern und Polynesiern immer mit ihrer freundlichen Methode, mit Verständnis und Milde, gut zurecht und gewann ihr Vertrauen, auch durch gute Bezahlung. Ihre Leute bekommen 15 Dollar im Monat, während Davids Salomon-Insulaner den in dieser Region üblichen 30-Dollar-Jahreslohn erhalten. Joan kritisiert vor allem die Einstellung der weißen Plantagenbesitzer und bewertet das Recht des Stärkeren als Gesetzesverstoß und unnötige Grausamkeit.

David widerspricht ihr nicht prinzipiell, erklärt aber seine Haltung und die Situation auf der Plantage aus der Vergangenheit: Er hat aus Unkenntnis vom Vorbesitzer der Pflanzung viele Kriminelle übernommen, die auf der Flucht vor ihren Rächern von Anwerbern aufgelesen und den Plantagenbesitzern vermittelt worden sind. Am Anfang versuchte er es, wie Joan es vorschlägt, mit Freundlichkeit, doch musste er, um zu überleben, seine Methode auf Härte umstellen. Die Aufsässigkeit vieler Salomon-Insulaner sieht er als Beleidigung aller Weißen an. Deshalb statuiert er immer wieder ein Exempel und verprügelt aufsässige Arbeiter oder bedroht sie mit der Pistole, wenn sie sich nicht an die Regeln halten, z. B. wenn sie davonlaufen oder unangemeldet seinen eingezäunten Garten betreten. Er rechtfertigt dies mit der aggressiven Natur der Melanesier. Sie würden keine Dankbarkeit und Empathie kennen und wollten seine Widerstandskraft testen: Die Kannibalen legten jede Freundlichkeit als Schwäche und Angst aus und nutzten die Nachgiebigkeit, um die Herrschaft zu erobern und den Unterlegenen zu schlachten. (Kap. 3)

Joan sieht das Problem der Plantagenwirtschaft eher strukturell und kommentiert traurig: „[I]ch vermute, dass der Weiße nun einmal herrschen muss. […] Blindes Schicksal unserer Rasse. […] Wir Weiße sind seit Urzeiten Land- und Seeräuber gewesen. Ich vermute, dass es uns im Blut liegt und dass wir nicht davon loskommen können.“ (Kap. 3) In einem anderen Gespräch (Kap. 4) meint sie, dass die Weißen hier nie in der Lage sein werden, ohne Sklaven eine Plantage zu führen, weil sie in diesem Klima keine körperliche Arbeit verrichten können: „Und das bedeutet Sklaverei.“ David stimmt ihr zu, verbindet ihre Kritik jedoch mit seiner Bewertung der Insulaner: „[W]ie überall in den Tropen. Die Schwarzen, die Braunen und die Gelben müssen die Arbeit unter Aufsicht der Weißen verrichten. […] Die Arbeit der Schwarzen ist jedoch zu unergiebig, und wir werden bald chinesische und indische Kulis einführen müssen. […] Ich meinerseits habe die Schwarzen herzlich satt.“

Joans Erfahrungen mit der Realität der Salomon-Inseln mini|Salomoninsel-Krieger, Anfang des 20. Jhs. Joan lernt in Konfliktsituationen die angespannte Lage auf den Salomon-Inseln kennen. (Kap. 3) Als es eines Tages zu einer Auseinandersetzung mit den Arbeitern kommt, weil David zwei schwarze Köchinnen vor ihnen schützt, droht er einem starken Insulaner zu unterliegen. Joan schießt David frei und vertreibt damit die Demonstranten. Beide interpretieren den Zwischenfall unterschiedlich: David sieht ihn als Beispiel für die niedere Entwicklungsstufe der Schwarzen. Sie forderten die Herausgabe der beiden Frauen, um sie zu töten, denn diese „Marys“ hatten gegen eine Regel verstoßen: Als minderwertige, verachtete Wesen durften sie nicht in demselben Kessel baden wie die Männer. Joan wirft David vor, entsprechend seiner Disziplinierungsvorstellung die Auseinandersetzung mit einem Angriff begonnen zu haben und sie zu einem Schuss gezwungen zu haben, der den Schwarzen hätte töten können, was sie belastet.