Mariä Himmelfahrt ist eine römisch-katholische Pfarrkirche in Marwałd () in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren. Sie stammt in ihren Grundmauern aus dem frühen 15. Jahrhundert. Seit der Reformation bis 1945 war sie Gotteshaus für das evangelische Kirchspiel Marwalde in Ostpreußen.
Geographische Lage Marwałd liegt im Südwesten der Woiwodschaft Ermland-Masuren an der Woiwodschaftsstraße 537, die Lubawa (Löbau in Westpreußen) mit Pawłowo (Paulsgut) an der Schnellstraße 7 verbindet. Eine Bahnanbindung besteht nicht mehr.
Die Kirche steht im Ortszentrum an der Hauptstraße gegenüber der Einmündung einer von Dąbrówno (Gilgenburg) kommenden Nebenstraße. mini|Die Kirche im Ortszentrum von Marwałd
Kirchengebäude Die wohl bereits zu Anfang des 15. Jahrhunderts errichtete Kirche in Marwalde ist – ohne nähere Angaben – für das Jahr 1470 erstmals dokumentiert. 1656 wurde das Gotteshaus beim Tatareneinfall erheblich beschädigt. 1694 wurde es als aus verputztem Feldstein bestehend erneuert.Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen 1968, S. 137, Abb. 649–651 1766 traf das Gebäude ein Blitzeinschlag, der starke Beschädigungen verursachte. 1876 wurde der westliche Anbau errichtet, verbunden damit war eine gründliche Renovierung. Im Jahr 1905 entstand der massive Kirchturm bei gleichzeitigem Ausbau des Altarraums.
Den Kircheninnenraum überzieht im Mittelschiff ein Tonnengewölbe, während sich über den Seitenemporen flache Decken befinden. Der Altar und die Kanzel wurden aus Teilen aus der Zeit um 1730 zusammengesetzt und bildeten ein Ganzes. Erst nach 1945 wurden beide wieder getrennt. Aus dem frühen 18. Jahrhundert stammt ein Taufengel, und aus dem 17. Jahrhundert eine Messing-Taufschale.
Die Orgel wurde 1843 erbaut. Das Geläut der Kirche besteht aus zwei Glocken, die 1751 gegossen wurden.
In den 1930er Jahren wurde die Kirche renoviert und unter der Leitung des Kirchenarchitekten Maurer aus Rastenburg (polnisch Kętrzyn) neu ausgemalt.
Eine gründliche und den veränderten liturgischen Bräuchen entsprechende Restaurierung der Kirche fand nach 1945 statt, als das bisher evangelische Gotteshaus an die römisch-katholische Kirche übergeben wurde. Es trägt das Patrozinium der Himmelfahrt Mariens.
Kirchengemeinde Eine Kirche bestand in Marwalde seit dem 15. Jahrhundert.Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 500 Nach Einführung der Reformation in Ostpreußen im Jahr 1525 nahm die Gemeinde das evangelische Bekenntnis an.
Evangelisch Kirchengeschichte Marwalde gehörte früher zur Inspektion Saalfeld (polnisch Zalewo) und kam dann zur Inspektion Neidenburg (Nidzica).
1721 wurde die Kirche im Nachbarort Döhlau (Dylewo) Filialkirche von Marwalde.Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg 1968, S. 92 Das Kirchenpatronat war adlig. Es oblag den Rittergutsbesitzern in Klonau (Klonowo) und in Fiugaiken (Fiugajki).
1758 wurde die Nachbarkirche in Elgenau (Elgnowo) aus der Stadt Gilgenburg (Dąbrówno) nach Marwalde umgegliedert. Diese ging jedoch 1767 ein.
Im Jahre 1903 errichtete die Kirchengemeinde Marwalde das überregional bekannte Fürsorgeerziehungshaus „Zum Guten Hirten“, das bis 1945 bestand.
Anfang des 20. Jahrhunderts taten sich die Kirchengemeinden Marwalde, Döhlau und Marienfelde (Glaznoty) zusammen und bildeten „Vereinigte Kirchengemeinden“ mit dem Pfarrsitz in Marwalde. 1913 wurde in Marienfelde eine zweite Pfarrstelle errichtet. Die drei Gemeinden zählten im Jahre 1925 zusammen 5017 Gemeindeglieder, von denen 3150 zum Kirchspiel Marwalde, 1175 zum Kirchspiel Döhlau und 895 zum Kirchspiel Marienfelde gehörten. Bis 1945 waren die Gemeinden Teil des Superintendenturbezirks Osterode (Ostróda) im Kirchenkreis Osterode in Ostpreußen innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. mini|links|150px|Verwaiste Grabstellen auf dem alten evangelischen Friedhof Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung setzten in der Zeit nach 1945 der evangelischen Gemeinde in dem nun „Marwałd“ genannten Kirchdorf ein Ende. Das Gotteshaus übernahmen die sich hier neu ansiedelnden polnischen und fast ausnahmslos katholischen Bürger.
Aus der Zeit vor 1945 ist der evangelische Friedhof noch vorhanden. Er ist äußerst ungepflegt und besteht fast nur aus verwachsenen und verwaisten Grabstellen.
Kirchspielorte Zum Kirchspiel der evangelischen Gemeinde in Marwalde gehörten vor 1945 die Ortschaften und Dörfer:Der * kennzeichnet einen Schulort Deutscher Name Polnischer Name Deutscher Name Polnischer Name Altstadt Stare Miasto Klonau Klonowo Elgenau(bis 1767 mit eigener Kirche) Elgnowo Marwalde Marwałd Fiugaiken Fiugajki Odmy Odmy Folungen Folągi Radomken(1938–1945 Kurzbachmühle) Radomki Georgenthal Wólka Klonowska Taulensee Tułodziad Güntlau Giętlewo Vierzighufen Wierzbica Hedwigshöhe Klonówko Zielonka(1938–1945 Finkenhorst) Zielonka Ketzwalde Jagodziny
Pfarrer Bis 1945 amtierten als evangelische Geistliche an der Kirche in Marwalde die Pfarrer: Johannes Pietroschka, 1579–1593 Jakob Rutkowski, 1593–1630 Johann Hieronymus, ab 1630 Simon Gleinigen, 1713–1717 Jacob Radzcki, 1717–1720 Georg Krebs, 1721–1725 Wilhelm Gottfried Müller, 1726–1730 Jacob Mrozek, 1730–1732 Christian Haberkandt, 1732–1736 Christian Link, 1739–1767 Bartholomäus Mrongovius, 1767–1800Bartholomäus Mrongovius ist der Vater des evangelischen Theologen, Schriftstellers und Sprachwissenschaftlers Christoph Cölestin Mrongovius (1764–1855), der der Namensgeber der polnischen Stadt Mrągowo (bis 1945: Sensburg) wurde, vgl. ostpreussen.net: Johann Glaß, 1801–1802 Christian Benjamin Bock, 1803–1817 Johann Heinrich Sinogowitz, 1817–1820 Johann Heinrich Nadrowski, 1820–1822 Johann Ferdinand Biehan, 1822–1829 Friedrich Eduard Triebensee, 1832–1847 Michael Glomp, 1847–1873 Gustav Samuel Zacharias, 1873–1886 Heinrich Conrad Skowronski, 1886–1910 Hermann Pilzecker, 1902–1903 Robert Paul Sczesny, 1909–1912 Karl Paul Ernst Gettwart, 1912–1918 Otto Walther, 1919–1945 Die Pfarrer der zweiten Pfarrstelle Marwaldes, die ihren Sitz in Marienfelde hatten, werden dort zu nennen sein.
Römisch-katholisch Vor 1945 waren die römisch-katholischen Einwohner von Marwalde und Umgebung in die Pfarrgemeinde in Pronikau (bis 1866 Prontnitza, polnisch Prątnica) eingegliedert. Nach 1945 siedelten sich hier zahlreiche polnische Neubürger an, die fast ausnahmslos römisch-katholischer Konfession waren. Sie reklamierten die bisher evangelische Kirche für sich und bildeten in Marwałd eine Gemeinde. Mit dem 22. Februar 1972 wurde hier eine eigene Pfarrei errichtet,Erzbistum Ermland: Parafia Marwałd der nun auch die Kirche in Elgnowo (Elgenau) zugeordnet ist. Die Pfarrei gehört zum Dekanat Grunwald (Grünfelde) im Erzbistum Ermland, das seinen Sitz in Olsztyn (Allenstein) hat.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Erbaut im 15. Jahrhundert Kategorie:Feldsteinkirche Kategorie:Umgewidmetes Kirchengebäude Kategorie:Mariä-Himmelfahrt-Kirche Kategorie:Kirchengebäude des Erzbistums Ermland Kategorie:Kirchengebäude in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Kulturdenkmal in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Gmina Dąbrówno Marwald