Die Tour de Suisse 2023 war die 86. Austragung des Schweizer Etappenrennens. Das Radrennen fand vom 11. bis zum 18. Juni im Rahmen von sieben Etappen statt und war Teil der UCI WorldTour 2023. Im Jahr 2023 überschnitt sich die Rundfahrt mit dem Critérium du Dauphiné, das ebenfalls als wichtiges Vorbereitungsrennen für die Tour de France gilt.
Überschattet wurde die Veranstaltung vom Tod des Schweizers Gino Mäder, der auf der 5. Etappe bei der Abfahrt vom Albulapass zu Sturz kam, eine Schlucht hinabstürzte und am Folgetag im Krankenhaus seinen Verletzungen erlag. Daraufhin stiegen drei komplette Teams (Bahrain Victorious, Tudor Pro Cycling Team und Intermarché-Circus-Wanty) und 17 Fahrer aus anderen Teams vor der 7. Etappe aus.
Die Gesamtwertung sicherte sich Mattias Skjelmose Jensen (Trek-Segafredo) mit einem Vorsprung von 9 Sekunden auf Juan Ayuso (UAE Team Emirates). Platz drei ging an den Weltmeister Remco Evenepoel (Soudal Quick-Step), der einen Rückstand von 45 Sekunden aufwies. Die Punktewertung ging an Wout van Aert (Jumbo-Visma) und die Bergwertung an Pascal Eenkhoorn (Lotto Dstny). Die Mannschaftswertung sicherte sich das AG2R Citroën Team.
Streckenführung Insgesamt legten die Fahrer auf sieben Etappen 882,1 Kilometer zurück. Es standen zwei hüglige Etappen und drei Bergetappen sowie zwei Einzelzeitfahren auf dem Programm. Die Rundfahrt begann mit einem Einzelzeitfahren in Einsiedeln. Die zweite Etappe führte von Beromünster durch das hüglige Mittelland nach Nottwil, ehe die Fahrer die Alpen der Romandie erreichten. Dort fanden Bergankünfte in Villars-sur-Ollon und Leukerbad statt. Die fünfte Etappe führte über den Furkapass (2436 m), Oberalppass (2046 m) und Albulapass (2315 m) in Richtung Osten nach La Punt. Die siebte Etappe fand auf einem hügligen Parcours nahe des Bodensees statt, ehe die Rundfahrt mit einem Einzelzeitfahren von St. Gallen nach Abtwil endete. Der höchste Punkt der Rundfahrt war der Furkapass mit 2436 Metern Seehöhe. EtappeDatumStreckeTypkm1So, 11. Juni 2023Einsiedeln – EinsiedelnEinzelzeitfahren12,72Mo, 12. Juni 2023Beromünster – NottwilMittelgebirgsetappe173,73Di, 13. Juni 2023Tafers – Villars-sur-OllonHochgebirgsetappe143,84Mi, 14. Juni 2023Monthey – LeukerbadHochgebirgsetappe152,55Do, 15. Juni 2023Fiesch – La PuntHochgebirgsetappe2116Fr, 16. Juni 2023La Punt – Oberwil-LieliMittelgebirgsetappe215,37Sa, 17. Juni 2023Tübach – WeinfeldenMittelgebirgsetappe162,78So, 18. Juni 2023St.Gallen – AbtwilEinzelzeitfahren25,7Gesamtdistanz:1097,4
Reglement Im Rahmen der 86. Auflage wurden Trikots für die Gesamtwertung (gelb), Punktewertung (schwarz), Bergwertung (rot) und Nachwuchswertung (weiss) vergeben. Für die Teamwertung wurden die Zeiten der drei besten Fahrer pro Etappe zusammengezählt. Während der Etappen gab es die Möglichkeit, Zeitbonifikationen zu gewinnen, um sich in der Gesamtwertung zu verbessern. Die genaue Vergabe der Punkte für die Punkte- und Bergwertung wird in der folgenden Tabelle erklärt: 1.2.3.4.5.PlatzPunktewertungZielankunft128642Punkte2. Zwischensprint1064BergwertungHC-Kategorie201510641. Kategorie1286423. Kategorie321BonussekundenZielankunft1064Sekunden1. Zwischensprint (Tissot Kilometer)321321
Teilnehmende Mannschaften und Fahrer Neben den 18 UCI WorldTeams nahmen auch 5 UCI ProTeams an der Rundfahrt teil. Für jedes Team waren sieben Fahrer startberechtigt. Von den 161 Startern erreichten 110 Fahrer das Ziel der letzten Etappe.
Mit dem Weltmeister Remco Evenepoel (Soudal Quick-Step), Juan Ayuso, Jay Vine (beide UAE Team Emirates), Wilco Kelderman (Jumbo-Visma), Sergio Higuita, Cian Uijtdebroeks (beide Bora-hansgrohe), Romain Bardet (DSM), Mattias Skjelmose Jensen (Trek-Segafredo), Gino Mäder (bis 5. Etappe), Pello Bilbao (beide Bahrain Victorious), Rigoberto Urán (EF Education-EasyPost), Thomas Pidcock (Ineos Grenadiers), Ion Izagirre (Cofidis), Rui Costa (Intermarché-Circus-Wanty), Alexei Luzenko (Astana Qazaqstan) und Felix Gall (AG2R Citroën) nahmen mehrere Rundfahrt-Spezialisten an der 86. Austragung teil.
Aufgrund der hügligen Etappen gingen mit Tim Merlier (Soudal Quick-Step), Arnaud Démare (Groupama-FDJ), Kaden Groves (Alpecin-Deceuninck), Bryan Coquard (Cofidis) und Jordi Meeus (Bora-hansgrohe) nur wenige reine Sprinter an den Start. Hinzu kamen Fahrer wie Wout van Aert (Jumbo-Visma), Thomas Pidcock, Biniam Girmay (Intermarché-Circus-Wanty), Iván García Cortina (Movistar), Peter Sagan (TotalEnergies), Søren Kragh Andersen (Alpecin-Deceuninck) und Marc Hirschi (UAE Team Emirates), die neben ihrer Endschnelligkeit auch mit hügligem Terrain zurechtkamen.
In den beiden Zeitfahren galten Wout van Aert, Remco Evenepoel, Magnus Sheffield (Ineos Grenadiers), Stefan Küng (Groupama-FDJ), Stefan Bissegger (EF Education-EasyPost) und Matteo Sobrero (Jayco AlUla) als mögliche Siegesanwärter. UCI WorldTeamsUCI ProTeamsACTGFCDSMIPTADCIGDJAYLTDASTICWTFSQ36TBVTJVUADTENBOHMOVTUDCOFSOQEFEARK
Rennverlauf und Ergebnisse Im Zeitfahren der ersten Etappe setzte sich der Schweizer Stefan Küng (Groupama-FDJ) vor Remco Evenepoel (Soudal Quick-Step) und Wout van Aert (Jumbo-Visma) durch, die Rückstände von sechs bzw. zehn Sekunden aufwiesen. Mit Mattias Skjelmose Jensen (Trek-Segafredo) und Juan Ayuso (UAE Team Emirates) belegten zwei weitere Gesamtklassement-Fahrer Plätze in den ersten zehn und lagen weniger als 30 Sekunden hinter dem Etappensieger zurück. Jay Vine (UAE Team Emirates), Alexei Luzenko (Astana Qazaqstan), Pello Bilbao (Bahrain Victorious) und Romain Bardet (DSM) verloren rund eine halbe Minute, während Rigoberto Urán (EF Education-EasyPost), Thomas Pidcock (Ineos Grenadiers), Wilco Kelderman (Jumbo-Visma) und Gino Mäder (Bahrain Victorious) ebenfalls unter der Ein-Minuten-Marke blieben. Sergio Higuita und Cian Uijtdebroeks (beide Bora-hansgrohe) wiesen nach der ersten Etappe bereits einen Rückstand von über einer Minute auf.
Die zweite Etappe endete in einem Massensprint, in dem sich Biniam Girmay (Intermarché-Circus-Wanty) vor Arnaud Démare (Groupama-FDJ) und Wout van Aert durchsetzte. Stefan Küng erreichte das Ziel in der Hauptgruppe und verteidigte das Gelbe Trikot. Der Schweizer verlor etwas von seinem Vorsprung, da sich Remco Evenepoel und Wout van Aert beim ersten Zwischensprint und beim Zielsprint Zeitbonifikationen sicherten. Küng lag nun fünf Sekunden vor Remco Evenepoel und sechs Sekunden vor Wout van Aert.
Mit der dritten Etappe erreichten die Fahrer die Alpen und den Regen. Im Schlussanstieg zur Bergankunft in Villars-sur-Ollon griff Remco Evenepoel rund sechs Kilometer vor dem Ziel an und setzte sich gemeinsam mit Mattias Skjelmose Jensen und Felix Gall (AG2R Citroën) von den anderen Favoriten ab. Während sich dahinter mehrere kleine Gruppen formierten, war es Gall, der das Tempo 2,5 Kilometer vor dem Ziel erneut forcierte. Remco Evenepoel konnte der Attacke des Österreichers nicht folgen und wurde kurz darauf auch von Mattias Skjelmose Jensen distanziert. Der Däne schloss auf dem letzten Kilometer zu Felix Gall auf und setzte kurz darauf die entscheidende Attacke. Mattias Skjelmose Jensen gewann mit einem Vorsprung von drei Sekunden vor Felix Gall, ehe Juan Ayuso das Ziel mit einem Rückstand von 12 Sekunden als Dritter erreichte. Remco Evenepoel überquerte die Ziellinie als Vierter gemeinsam mit Cian Uijtdebroeks, Pello Bilbao, Wilco Kelderman und Rigoberto Uran, die allesamt 21 Sekunden verloren. Sergio Higuita und Wout van Aert verloren mehrere Minuten und spielten in der Gesamtwertung keine Rolle mehr. In der Gesamtwertung übernahm Mattias Skjelmose Jensen das Gelbe Trikot von Stefan Küng und lag nun 17 Sekunden vor Remco Evenepoel und 24 Sekunden vor Juan Ayuso.
Auf der vierten Etappe eröffnete die AG2R-Citroen-Mannschaft das Finale bereits 20 Kilometer vor dem Ziel. Am Fusse der stufenartigen Auffahrt nach Leukerbad griff Felix Gall an und setzte sich von den anderen Gesamtklassement-Fahrern ab. Der Österreicher konnte seinen Vorsprung stetig ausbauen und erreichte das Ziel mit einem Vorsprung von einer Minute und zwei Sekunden. Platz zwei sicherte sich Remco Evenepoel, der das Ziel eine Sekunde vor dem gesamtführenden Mattias Skjelmose Jensen erreichte. Wenige Sekunden später folgten auch Cian Uijtdebroeks, Wilco Kelderman, Pello Bilbao, Romain Bardet und Sylvain Moniquet (Lotto Dstny), während die weiteren Mitfavoriten grosse Zeitabstände aufwiesen. So verlor der Gesamtdritte des Vortages, Juan Ayuso, knappe zwei Minuten auf Felix Gall, der sich neben dem Tagessieg auch das Gelbe Trikot sicherte. In der Gesamtwertung lag er nun zwei Sekunden vor Mattias Skjelmose Jensen und 16 Sekunden vor Remco Evenepoel.
Auf der fünften Etappe setzte sich Juan Ayuso im Schlussanstieg des Albulapasses von der Favoritengruppe ab. Der Spanier überquerte die Passhöhe mit einem Vorsprung von rund einer Minute vor dem Gesamtführenden, ehe er die rund zehn Kilometer lange Abfahrt nach La Punt in Angriff nahm. Dahinter formierte sich eine acht Fahrer umfassende Verfolgergruppe, in der auch der Träger des Gelben Trikots vertreten war. Juan Ayuso gewann die Etappe 54 Sekunden vor Mattias Skjelmose Jensen, der die Gesamtwertung von Felix Gall übernahm, weil dieser auf den letzten Metern wenige Sekunden auf den Dänen verlor. Remco Evenepoel erreichte das Ziel als Zehnter mit einem Rückstand von 1 Minute und 20 Sekunden.
In der Abfahrt vom Albulapass kam Gino Mäder (Bahrain Victorious) bei hoher Geschwindigkeit von der Strasse ab und stürzte schwer. Der Schweizer musste noch an der Unfallstelle reanimiert werden, ehe er ins Kantonsspital Graubünden in Chur gebracht wurde, wo er einen Tag später starb.
Die sechste Etappe wurde abgesagt, und die Fahrer absolvierten die letzten 20 Kilometer der geplanten Strecke in Gedenken an Gino Mäder.
Nach Absprache mit den Angehörigen von Gino Mäder wurde die siebte Etappe gestartet, wobei die Mannschaften Bahrain Victorious, Intermarché-Circus-Wanty und Tudor sowie mehrere weitere Fahrer die Rundfahrt verliessen. Die Zeitnahme für die Gesamtwertung erfolgte 25 Kilometer vor dem Ziel. Danach blieb den Fahrern die Entscheidung, auf Etappensieg zu fahren. Remco Evenepoel setzte sich rund 18 Kilometer vor dem Ziel ab und kam als Solist in Weinfelden an. Dahinter setzte sich Wout van Aert im Sprint vor Bryan Coquard (Cofidis) durch. Vor dem Abschlusszeitfahren lag Mattias Skjelmose Jensen acht Sekunden vor Felix Gall und 18 Sekunden vor Juan Ayuso. Remco Evenepoel wies als Gesamtvierter einen Rückstand von 46 Sekunden auf.
Im Abschlusszeitfahren verteidigte Mattias Skjelmose Jensen mit Platz drei die Gesamtführung. Der Däne verlor neun Sekunden auf den Tagessieger Juan Ayuso und nur eine Sekunde auf Remco Evenepoel. Felix Gall rutschte mit einem Rückstand von fast dreieinhalb Minuten auf den achten Gesamtrang ab. Schliesslich gewann Mattias Skjelmose Jensen die 86. Austragung der Tour de Suisse mit einem Vorsprung von neun Sekunden vor Juan Ayuso und 45 Sekunden vor Remco Evenepoel.
Etappe 1: Einsiedeln – Einsiedeln (12,7 km)
Die erste Etappe wurde im Rahmen eines Einzelzeitfahrens ausgetragen, das in Einsiedeln startete und endete. Der Start der flachen Strecke erfolgte vor dem Kloster Einsiedeln, ehe die Strecke über das Willerzeller Viadukt führte. In Willerzell bogen die Fahrer links ab und umfuhren den Sihlsee gegen den Uhrzeigersinn. Nach der Sihlsee-Sperre verliessen die Fahrer die Uferstrasse und gelangten ins Zentrum von Einsiedeln. Nachdem der Ortskern umfahren worden war, erreichten sie das Ziel neben dem Kloster. Ergebnis 1. Etappe