mini|Wahrsageautomat zugunsten der Blinden, England um 1920 Ein Wahrsageautomat ist ein Automat, der dem Kunden suggeriert, ihm die Zukunft oder die Wahrheit weissagen zu können. In der Regel erfolgt die Voraussage gegen Geldeinwurf. Die Vorhersage der Zukunft ist in vielen Kulturen verankert, so dass es naheliegt, mit Wahrsageautomaten komfortabel Geld zu verdienen. Am üblichsten war bisher die Ausgabe der Prophezeiung als Text auf einem Kärtchen.

Bereits ab 1820 gab es erste dokumentierte Konstruktionen. Besonders beliebt waren die Automaten um die 1930er-Jahre in den USA, doch auch in Deutschland waren Geräte aufgestellt. Die technischen Funktionen und die optische Gestaltung unterliegen unentwegt Entwicklungen und Moden. Der Unterhaltungswert der Wahrsageautomaten zieht sich durch die Jahrzehnte, so sind sie auch heute noch zu finden.

Geschichte Kurz vor 1820 baute der Schweizer Jean-David Maillardet die Great Magician Clock (). Sie war wie eine Kaminuhr gestaltet, auf der oben eine Figur in Zauberkleidung saß. Es ließ sich ein kleines Tablett mit einer Frage einlegen, woraufhin die Figur aufstand, mit den Augen rollte und ihren Zauberstab bewegte. Türchen schwangen auf und zeigten die Antwort. 1867 ließ J. Parks eine ähnliche Konstruktion patentieren. Beide Maschinen waren sehr fehleranfällig und konnten nicht ohne Aufsicht laufen.

In den späten 1870er-Jahren gab es den Automaten Music Fairy (). Der Kunde wählte hier mit einem Zeiger eine vordefinierte Frage aus und warf anschließend Geld ein. Daraufhin erklang Musik und eine Feenfigur zeigte eine von drei möglichen Antworten, die hinter einer sich öffnenden Tür erschien. Über diese unpatentierte Erfindung sind Informationen nur schwer zu erhalten.

Glücksspiel und Wahrsagerei haben das Element des Glücks gemein. Auf frühen Jahrmärkten waren Glücksräder als Gewinnspiel ein fester Bestandteil. Im 19. Jh. hatten sie sich über Europa verbreitet. Daher ist es naheliegend, dass auch die ersten Wahrsageautomaten ein Rad zum Drehen hatten. Patente belegen, dass frühe Wahrsageautomaten mit kleinen Veränderungen zu Glücksspielautomaten umgebaut werden konnten. Das erste Patent einer Maschine, die in großem Maße produziert wurde, stammt von 1889. Auch diese Maschine war in zwei Versionen erhältlich: eine Version mit einer Art Glücksrad zum Glücksspiel und eine Version mit einem Bild einer „Zigeunerin“ als Wahrsageautomat.

Ein Buch beschreibt die historische Entwicklung der Wahrsageautomaten in England. Die frühesten Versionen von Wahrsageautomaten wurden demnach wohl an Bahnhöfen aufgestellt. Im frühen 19. Jh. standen ca. 170 Amüsierautomaten in London. Auch große Kaufhäuser wie Woolworth stellten Amüsierautomaten auf. Die Automaten wurden zu einer permanenten Einrichtung. Sie wurden als Beistand und Ratgeber angesehen, wie das Theater, Lesungen oder Museen.

1891 findet man erste Wahrsageautomaten, die Karten mit Weissagungen herausgaben. Es waren einfache Geräte, die an der Wand angebracht wurden. Die Karten lagen in einer Vielzahl von Schubladen. In den nächsten Jahren entstanden Hunderte von Variationen, die sich nur durch die Anzahl der Schubladen unterschieden. Bei fortgeschrittenen Modellen bewegten Figuren Hände oder Lippen beim Öffnen der Schubladen. Daraus entwickelten sich die Konstruktionen, in denen animierte Figuren selbst die Karten ausgaben.

In den Anfängen warben Hersteller noch damit, dass die Wahrsagungen der Automaten „garantiert zutreffen“. Nachdem dagegen Gefängnisstrafen ausgesprochen worden waren, wurden die Garantien zurückgezogen. So wurde aus der Werbezeile:

Drop in your penny I will tell you true what Fortune has in store for you

die Abwandlung:

To tell your fortune I do not pretend, but I’ll give you some fun if a penny you’ll spend Wirf deinen Penny ein Ich werde Dir die Wahrheit sagen, was das Schicksal für dich bereithält

Dir dein Schicksal zu sagen gebe ich nicht vor, aber ich gebe dir etwas Spaß wenn du einen Penny ausgibst

Vornehmlich in den 1930er-Jahren waren Wahrsageautomaten in den USA populär. Sie standen zum Beispiel auf Flaniermeilen, in Freizeitparks oder Restaurants. In diesen wirtschaftlich harten Zeiten boten die Automaten für eine Münze eine vorübergehende Abwechslung vom Alltag.

Eine weit verbreitete Form von Wahrsageautomaten sind hölzerne Kästen, in denen hinter Glas Figuren sitzen, die die Zukunft vorhersagen. Vornehmlich waren es Puppen von ausstaffierten Frauen, aber es gab auch bärtige Männer. Sogar Figuren von Tieren kamen zum Einsatz. Diese Figuren waren entweder verkleinert mit dem ganzen Körper dargestellt oder nur deren Oberkörper in Lebensgröße. Die Konstruktionen waren überraschend lebensecht – für die damalige Zeit. Die Wahrsager zeigten verschiedene Bewegungen, Bewegung von Kopf und Händen, Nicken, Blinzeln, Atembewegungen und die Handhabung mystischer Objekte, Wahrsagekarten oder Teeblätter.

Während der Kriegsjahre war die Produktion von mechanischen Bauteilen nur für kriegsrelevante Branchen gestattet. Daher wurden viele der Automaten aus Teilen früherer Apparaturen zusammengebaut. Vor allem in den 1950er- und 1960er-Jahren kamen die altmodischen Wahrsageautomaten wieder in Mode. Die Geräte wurden erneut produziert. Die Puppen waren nun allerdings weniger detailreich.

Die Illusion hörte nicht bei den Figuren auf, sondern setzte sich beim technischen Prozess fort. Das zeigte sich u. a. bei einer vermeintlichen Auswahl von Sternzeichen, die jedoch das Ergebnis gar nicht beeinflusste, wie es beim Modell Zoltan beispielsweise der Fall war. Oder einige Automaten der Serie Gypsy Grandma () ab den 1940er-Jahren hatten einen Lautsprecher und ein Mikrophon in der oberen linken Ecke der Frontscheibe. Sie waren jedoch ohne technische Funktion und lediglich dafür gedacht, dem Kunden das Gefühl zu vermitteln, dass er mit der Großmutter sprechen könne.

Moderne Automaten sind mit mannigfaltigen Wahrsagecharakteren erhältlich, die Beispiele reichen vom Außerirdischen über Elvis bis zum Totenkopf mit Bildschirm.

Deutschland Über deutsche Modelle ist nicht sehr viel bekannt. Eines war der Orakelautomat von etwa 1930, der Hersteller ist nicht bekannt. Auf der Vorderseite des Orakelautomaten sah der Kunde eine Scheibe mit 16 Weissagungen, in deren Mitte ein Pfeil war. Im Inneren des Automaten hing eine Art Wasserrad aus Papier. Warf der Kunde nun eine 10-Pfennig-Münze ein, fiel sie in eines der Radfächer. Dieses Gewicht bewegte den Zeiger auf der Vorderseite und zeigte so dem Kunden seine Antwort. Viele jener Sprüche rankten sich um Liebe und Ehe, alle in einem kleinen Reim formuliert. Da las man zum Beispiel: „Sei nicht so offenherzig immer, sonst glückt dein schöner Plan Dir nimmer“ oder „Das Standesamt, oh hör mein Wort, das ist für Dich ein Schreckensort.“

Im Jahr 1933 erschien in der deutschen Fachzeitschrift Der Automat ein Artikel über Wahrsageautomaten. Einleitend wurde erklärt, dass die Anzahl der Wahrsageautomaten immer größer werde. Der Beitrag bemühte sich, die Seriosität und Nützlichkeit dieser Unterhaltungsautomaten herauszustellen. Die Wahrsagung sei so zu verstehen, stand dort, dass sie Möglichkeiten aufzeige, die dem Charakter der Kunden entsprächen.

Der Chiromantie-Automat zum Beispiel gab Kärtchen über „Geschick und Charakter“ des Kunden aus, deren Wahrheit der Kunde für sich erkunden musste. Damit gab der Automat vielen Menschen die erste Gelegenheit, einmal über sich selbst nachzudenken. Er regte dazu an, die Beziehung zwischen Körper und Seelenleben zu erkunden. Die Wahrsageautomaten böten im Grunde die gleichen Antworten wie ein menschlicher Wahrsager, der ja auch nur pauschale Aussagen mache. Die Aussagen träfen dann zu, wenn sich der Kunde die Mühe mache, sich weiterzuentwickeln. Selbst wenn sich ein Automat mal irrt, könne der Kunde daraus immer noch die Kraft für eine Veränderung ziehen. Nur weil das vielen Menschen zu beschwerlich sei, sagen sie, dass Wahrsageautomaten Schwindel wären. Laut einer Umfrage von 1939 glaubten 40 % der Frauen an die Weissagungen aus den Automaten.

Begleitet wurde der Artikel von einer Werbeanzeige für den Horoskop Verkaufs Automaten von TH. Bergmann & Co. aus Hamburg-Altona. Das Aussehen des Standgerätes sei hochwertig und es sei „unverwüstlich“ gearbeitet, so dass er auch unter freiem Himmel funktioniere. Der Kunde konnte am Handrad seinen Geburtstag einstellen und erhielt eine Karte mit dem Horoskop. Der Automat enthielt 1200 Horoskope, die „in ernsthafter, individuellen Art von Dr. Rühlemann, Hamburg“ formuliert worden waren. Für den Aufsteller versprach er Einnahmen von 100 Reichsmark pro Tag. Den Kunden lockte das Gerät mit Symbolen der Tierkreiszeichen, versprach in der Geräteaufschrift „Ausführungen über Charakter & Schicksal“ und empfahl, auch gleich die Horoskope für die Angehörigen zu prüfen. Die ADE Automaten und Schnellwagenfabrik GmbH aus Berlin-Reinickendorf hatte noch ein Verkaufsargument: Sie empfahl dem Aufsteller einen Wahrsageautomaten als „Ersatz für die verbotenen Spiel-Automaten!“

Gestaltungsarten

Die Präsentationsmethoden der Wahrsageautomaten waren von Beginn an vielfältig: Glücksrad, Wählscheibe, Kartenausgabe, animierte Figuren.

Automaten ohne Figuren am Beispiel The Wizard Fortune Teller

Die schlichteren Versionen von Wahrsageautomaten sind ohne mechanische Figuren gestaltet. Diese Automaten boten zum Beispiel vorformulierte Fragen, von denen der Kunde eine auswählen konnte. Die Fragen lauteten beispielsweise „Sieht meine Zukunft strahlend aus?“ oder „Kann ich meiner Liebe trauen?“. Der Automat lieferte als Antwort die Anzeige Ja oder Nein.

Der Automat The Wizard Fortune Teller () war da schon etwas dezidierter. Die erste Version dieses Wahrsageautomaten wurde von 1904 bis 1910 von Mills Novelty Co. angefertigt. Diese Version war schlicht gestaltet und hatte noch einen Kasten aus Holz. Von 1919 bis 1927 folgte eine Version mit Metallgehäuse, die dekorativ verziert war, um mehr Aufmerksamkeit zu erregen. Die metallene Ausführung zeigte in ihrer Außengestaltung ein Herz mit verliebten Eulen und versprach dazu, den zukünftigen Ehepartner erkennen zu lassen. Die Dekorationselemente waren als Flachrelief mit Farbverzierungen in Rot und Grün gestaltet. Dargestellt wurden ebenfalls ein Zauberer mit Zauberstab, ein Räuchergefäß, aus dem roter Dampf aufstieg, eine weitere Eule und Abbildungen der Sternzeichen.

Der Kunde konnte mit einem Pfeil eine vorformulierte Frage auswählen. Zur Auswahl standen insgesamt sechs Fragen. Die Scheibe mit den Fragen und jene mit den Antworten konnten vom Aufsteller ausgetauscht werden. Dazu befand sich im Inneren des Gehäuses eine Anleitung. Manche Fragen waren nur für Frauen und andere nur für Männer gedacht. Eine Frage nach dem zukünftigen Ehepartner war nicht zwangsläufig enthalten. Nach dem Einwurf einer 1-Cent-Münze hieß es, einen Knopf an der Seite zu drücken. Dadurch wurde im Inneren eine Scheibe mit den möglichen Antworten in Gang gesetzt, ähnlich einem Glücksrad. Auf der Vorderseite, oberhalb der Fragen, wurde dann in einem kleinen Fenster die erdrehte Antwort angezeigt. Eine Frage lautete zum Beispiel: „Habe ich versteckte Feinde?“ Die mögliche Antwort: „Nein, jeder mag dich.“ Die Antworten waren nicht nur in Textform, sondern eventuell als kleine Zeichnungen dargestellt. Als Antwort für die an Frauen gerichtete Frage „Wie werde ich in der Zukunft aussehen?“ erschien eine zeitgemäße Zeichnung einer stilvollen älteren Dame.

Automaten mit Figuren am Beispiel Prinzessin Doraldina