mini|Madame Gacon-Dufour, Frontispiz eines ihrer Werke, 1805 Marie Armande Jeanne Gacon-Dufour, in erster Ehe d’Humières, in zweiter Ehe Dufour de Saint-Pathus (* 1. Dezember 1753 in Paris; † 1. Juni 1835 ebenda) war eine französische Literatin und Ökonomin. Sie schrieb mehrere Werke zur Verteidigung der Frauenrechte, Romane, als Geschichtsschreiberin und Abhandlungen über Haus- und Agrarwirtschaft.
Biographie Über den Vater und die Mutter von Marie Armande Jeanne Gacon-Dufour ist nichts bekannt. Der Dichter François Gacon (1667–1725) war ihr Großonkel. Sie gab an, dass sie im Kloster von Montfort-l’Amaury aufgewachsen sei. Nach einer ersten Ehe war sie unter dem Namen Madame d’Humières bekannt. Sie soll am Hof von Ludwig XVI. als Vorleserin tätig gewesen sein. Zu Beginn der Revolution lebte sie in Nogent-sur-Marne. Um das Jahr III (1794–1795) heiratete sie Julien-Michel Dufour de Saint-Pathus, Jurist am Parlament von Paris, und lebte in Brie-Comte-Robert. Sie war schon vor der Revolution mit Sylvain Maréchal befreundet und half ihm, einige seiner letzten Werke zu schreiben und zu veröffentlichen. Sie war bei seinem Tod 1803 anwesend und schrieb die biographische Notiz, die 1807 am Anfang seines posthumen Werkes De la vertu veröffentlicht wurde. Sie verbrachte nach gesundheitlichen Problemen ihren Lebensabend bei einer Nichte, die sie bei sich aufgenommen hatte.
Werk Feminismus 1787 klagt Henri de Feucher Artaize in einem Text mit dem Titel Dégradation de l’homme en société, ou essai sur la décadence du goût, des arts et des sciences Frauen an: „In allen Nationen sah ich in den Anfängen, dass die Frauen fast nichts zählten; während ich sie immer als Beteiligte in den Unglücken und beim Verfall der Reiche fand […] Das immerwährende Zusammenfallen unseres Niedergangs mit ihrer Herrschaft ist unausweichlich.“Chez toutes les Nations qui commencent à s’illustrer, je voyais la femme comptée presque pour rien; tandis que je la trouvais toujours figurante dans les malheurs, et la décadence des empires […]. Cette éternelle union de notre décadence et de votre pouvoir est désespérante, zitiert nach: Gacon-Dufour publiziert eine Erwiderung, Mémoire pour le sexe féminin contre le sexe masculin. Sie antwortet auf die Vorwürfe, indem sie sich auf die Ideale von Jean-Jacques Rousseau beruft, als dessen Erbe sich der Chevalier de Feucher ausgibt: „Den Frauen den Ursprung des Übels zuzuschreiben, unter dem die menschlichen Gesellschaften leiden, bedeutet, Rousseaus Texte zu ignorieren und seinen Gedanken zu verraten. […] Wie ungerecht muss der Chevalier de Feucher sein, oder schwach in der Bildung, oder ein großer Verleumder, um solche Thesen aufzustellen, und sie einem großen Manne zuzuschreiben, um sich selbst mehr Gewicht zu verleihen.“Attribuer aux femmes l’origine du mal dont souffrent les sociétés humaines revient à ignorer les textes de Rousseau et à trahir sa pensée […] Combien il faut que le chevalier de Feucher soit injuste, ou faible d’instruction, ou grand déclamateur, pour avancer pareilles propositions, et pour les prêter à un grand homme afin de se donner plus de poids, zitiert nach Andererseits erklärt Gacon-Dufour, dass Frauen bereits in dem Moment, in dem sie in die Gesellschaft eintreten, zwangsweise ihrer eigentlichen Natur beraubt werden. Wenn dieser Sozialisationsprozess zu weiblicher Korruption führe, liege die Verantwortung bei den Männern: „Wenn wir verleitet werden, ist es die Schuld der Männer, die uns angreifen; es ist die Schuld unserer Ehemänner, die uns gegenüber nicht mehr dieselben sind und die uns verlassen […]; die Verderbnis unserer Sitten ist also allein die Schuld der Männer.“Si nous sommes séduites, c’est la faute de ces hommes qui nous attaquent; c’est la faute de nos maris, qui ne sont plus les mêmes à notre égard, qui nous abandonnent […]; la corruption de nos mœurs est donc la seule faute des hommes, zitiert nach
1801 veröffentlichte Sylvain Maréchal den „Gesetzesentwurf“ Projet d’une loi portant défense d’apprendre à lire aux femmes, einen Text, dessen Ziel es war, „die Frauen zurück in den privaten Raum des Haushalts zu bringen, indem er die Gefahr für die Moral und die öffentlichen Angelegenheiten beschwor, wenn Frauen sich um das Leben der Stadt kümmern“.[…] ramener les femmes dans l’espace privé de la maison en évoquant le danger pour les mœurs et pour la chose publique quand les femmes s’occupent de la vie de la cité, zitiert nach Als Reaktion auf dieses Projekt, das sie als „Scherz“ bezeichnete, veröffentlichte Gacon-Dufour Contre le projet de loi de S.M. portant défense d’apprendre à lire aux femmes par une femme qui ne se pique pas d’être une femme de lettres. („Gegen den Gesetzentwurf von S.M., der verbietet, dass Frauen von einer Frau das Lesen beigebracht wird, wenn sie nicht angeben, Literatin sein zu wollen.“) Sie räumt zunächst ein, dass Frauen ihren häuslichen Pflichten Vorrang einräumen müssen, bekräftigt dann aber die Bedeutung ihres Zugangs zu Wissen und ihres Rechts, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Im Widerspruch zu Maréchal behauptet Gacon Dufour, dass Unwissenheit für Frauen Unglück bedeutet, und hält das Lesen für notwendig, moralischen Tugenden zu entwickeln und die Frauen zu Bürgerinnen der Republik zu machen. Damit wandte sie sich gegen die allein religiöse Erziehung, die den Frauen während des Ancien Régime auferlegt wurde, und stellte sich auf die Seite der Revolution. Eine gebildete Frau im Haushalt würde auch die Söhne zu republikanischen Sitten und patriotischen Bürgern erziehen. Die Verteidigung der Rechte des weiblichen Geschlechts wurde von Albertine Clément-Hémery gelobt, Autorin einer anderen Antwort auf Sylvain Maréchals projet d’une loi, die sich mehr auf das Thema der egalitären Güter konzentriert.
Auch über den Streit mit Maréchal hinaus, war Gacon Dufour die Bildung der Frauen ein wichtiges Anliegen. 1805 veröffentlichte sie ein Werk mit dem Titel De la nécessité de l’instruction pour les femmes, in dem sie sagt, dass sie überzeugt ist, dass „eine wahrhaft gebildete Frau sich nicht dem Spott aussetzen wird, als ‚gelehrte Frau‘ erscheinen zu wollen; dass sie sich eher mit denen auf eine Stufe stellen wird, die nicht das Glück hatten, die gleiche Ausbildung zu erhalten.“[…] une femme véritablement instruite n’encourra point le ridicule de vouloir passer pour une »femme savante«, qu’elle aura même le bon esprit de se mettre de niveau avec celles qui n’auront point eu le bonheur de recevoir la même éduction, zitiert nach
Geschichtsschreibung Francesco Schiariti zufolge war Gacon-Dufour auch eine Geschichtsschreiberin, die entschlossen war, ihr Werk zu einer perfekten Rekonstruktion der Geschichte zu machen, vor allem durch die Korrespondenzen, die sie herausgab. Zwei der wichtigsten sind Correspondance de la Duchesse de Châteauroux (1806) und Plusieurs illustres personnages de la cour de Louis XIV (1808). Gacon-Dufour gibt jedoch zu, dass diese Korrespondenzen apokryph und aus Anekdoten erfunden sind, die sie während ihres Aufenthalts am Hof gehört hatte, was durch die Verwendung von Ausdrücken bestätigt wird, die zu der Zeit, in der diese Briefe geschrieben worden sein sollen, ungebräuchlich waren.
Romane Gacon-Dufour verfasste etwa fünfzehn erfolgreiche Sittenromane. Sylvain Maréchal charakterisiert ihre Arbeit mit diesen Worten:
Im Vorwort zu ihrem Roman Les Dangers de la Prévention vertritt Gacon-Dufour die These, dass Romane einen gewissen Nutzen für die Gesellschaft haben sollten, und nimmt als Beispiel die Komödie, die die Moral durch Lachen korrigieren sollte. So behauptet sie, dass ihre Romane alle auf dieses Ziel hingearbeitet hätten:
Das Dictionnaire universel des créatrices definiert ihren Stil „attach[ant] à décrire les dangers de la passion et la vertu des âmes sensibles“ („liebenswert die Gefahren der Leidenschaft und die Tugend der sensiblen Seelen beschreibend“).
Haus- und Agrarwirtschaft Gacon-Dufour lebte einen großen Teil ihres Lebens auf ihrem Anwesen auf dem Land. Anfangs kümmerte sie sich aus Spaß um ihr Gut, bevor sie ein echtes Interesse an Landwirtschaft entwickelte. Als Mitglied mehrerer gelehrter Gesellschaften für Landwirtschaft beschäftigte sie sich mit den Problemen der landwirtschaftlichen Praxis. Sie widmete dem Thema eine Denkschrift, die sie an die Société Royale d’Agriculture schickte, die ihre Empfehlungen veröffentlichte.
Außerdem beteiligte sie sich zusammen mit Charles-Nicolas-Sigisbert Sonnini de Manoncourt mehrere Jahre lang an der Redaktion der Bibliothèque physico-économique. Ab 1804 schrieb sie zahlreiche Bücher und Erlebnisberichte zur Land- und Hauswirtschaft, darunter einen Beitrag zu Armand Havets Dictionnaire des ménages von 1822 oder das Manuels-Roret sur l’agriculture, l’économie domestique et l’industrie von Nicolas Roret.
Basierend auf ihrer praktischen Erfahrung und ihren Experimenten und Forschungen bietet sie dem Leser eine Reihe von Empfehlungen zum Anbau, zur Zucht und zur Verarbeitung der Produkte, um einen maximalen Ertrag aus den Gütern zu erhalten. Sie verstand diese Werke als im Wesentlichen praktisch, für die Landwirte bestimmt, und aus diesem Grund verzichtete sie auf jeglichen wissenschaftlichen Stil. Ihr primäres Ziel war es, das Los der Landarbeiter und der Hausfrauen zu verbessern, wie diese Passage aus einem ihrer Werke zeigt:
Diese Unterordnung der Wissenschaft unter das Wohl des Individuums veranlasst Erica Joy Mannucci zu der Aussage, dass Gacon-Dufour eine Erbin der Aufklärung war, die den revolutionären Prinzipien treu blieb.
Rezeption Ein Aufstellung ihrer Werke findet sich in der Bibliothèque nationale de France.
Ihr Feminismus, zusammen mit der Fülle ihrer Schriften zu vielen Themen und einem ausgeprägten Hang zur Philosophie, zog zahlreiche herablassenden Kritiken von Schriftstellern und Journalisten auf sich. Einer von ihnen erklärte zum Beispiel:
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