mini|Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen, Kopie nach einem Gemälde von Joseph Karl Stieler, um 1810 Therese Charlotte Luise Friederike Amalie von Sachsen-Hildburghausen (auch Therese von Bayern; * 8. Juli 1792 in Seidingstadt; † 26. Oktober 1854 in München) war eine Prinzessin von Sachsen-Hildburghausen und durch ihre Heirat mit Ludwig I. seit 1825 Königin von Bayern.
Therese, evangelisch aufgewachsen in der „großzügigen, europäisch orientierten Gesellschaft des alten Reiches“,Hans und Marga Rall: Die Wittelsbacher – Von Otto I. bis Elisabeth I. Tosa Verlag 1996 heiratete 1810 den bayerischen Kronprinzen Ludwig. Trotz der Repressalien gegen die evangelische Kirche während des Ultramontanismus in ihrer neuen Heimat blieb sie bis zu ihrem Lebensende ihrer Konfession treu.
Aus Anlass ihrer Hochzeit begeht man bis heute das Oktoberfest auf der Theresienwiese. Die politisch kluge Therese war ihrem Mann und auch ihrem Lieblingssohn Otto, König von Griechenland, eine wichtige Ratgeberin. Idealisiert zur mustergültigen, fügsamen Gattin und guten Mutter sowie zur tugendhaften Königin, die sich der Wohlfahrt widmete, war Therese bei der bayerischen Bevölkerung äußerst beliebt.
Herkunft und Familie Therese stammt aus dem 1826 in Haus Sachsen-Altenburg umbenannten Haus der Herzöge von Sachsen-Hildburghausen, einer ernestinischen Nebenlinie der Wettiner. Diese hatten Hildburghausen 1680 zur Residenz gewählt und das Land in den kommenden vier Generationen finanziell so heruntergewirtschaftet, dass 1769 eine kaiserliche Debitkommission zur Untersuchung der Forderungen der Gläubiger und Regulierung der Einnahmen und Ausgaben gebildet werden musste. Als diese 1806, in Thereses vierzehntem Lebensjahr, ihre Arbeit beendete, waren die Verhältnisse immer noch nicht vollständig geordnet.Rudolf Armin Human: Chronik der Stadt Hildburghausen Hildburghausen 1886, S. 193.
Therese war das sechste Kind des Herzogs Friedrich von Sachsen-Hildburghausen (1763–1834) und dessen Ehefrau Prinzessin Charlotte (1769–1818), Tochter des Herzogs Karl II. von Mecklenburg-Strelitz. Über ihre Mutter war sie eine Nichte der Königinnen Luise von Preußen und Friederike von Hannover. Die nachmaligen Könige von Preußen Friedrich Wilhelm IV. und Wilhelm I., König Georg V. von Hannover sowie die Zarin Alexandra Fjodorowna waren Cousins und Cousine der Prinzessin.
Leben Kindheit und Jugend mini|Eintragung von Geburt und Taufe der Prinzessin Therese 1792 im Hofkirchenbuch 1776–1795 (Kirchgemeinde Hildburghausen) mini|Kinderschuhe, die Prinzessin Therese um 1800 bei einer Aufführung von Rotkäppchen im Hildburghäuser Theater trug (Stadtmuseum Hildburghausen)
Therese wurde auf dem Sommersitz des herzoglichen Hofes geboren – dem heute nicht mehr existierenden Jagdschloss Landséjour in Seidingstadt in der Nähe von Hildburghausen.Später im Besitz Thereses und ihres Bruders Eduard, Ende der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts nach einem Brand abgerissen Bei der Taufe am 13. Juli 1792 durch den Oberhofprediger Andreas Genßler erhielt die Prinzessin den Namen der Kaiserin Maria Theresia, da der Hof in jener Zeit den Habsburgern nahestand, was wohl auf das Wirken des Prinzen Joseph Friedrich von Sachsen-Hildburghausen zurückzuführen sein dürfte, der ein enger Freund der Kaiserin und Mentor von Thereses Vater gewesen war.H. P. Wulff-Woesten: Hildburghäuser Hoheiten – Dem Volk verbunden. Hildburghausen 1992, S. 20. Taufpaten der Prinzessin waren die Kaiserin Maria Theresia, die Herzogin von York, die Landgräfin Luise von Hessen-Darmstadt, die Herzogin Luise von Mecklenburg-Schwerin, der Erbprinz Karl Ludwig von Baden, „Prinz Frederique“Über Elisabeth Albertine von Sachsen-Hildburghausen war Therese mit dem englischen Königshaus verwandt sowie der Fürstbischof von Würzburg.Hofkirchenbuch der Kirchgemeinde Hildburghausen, o. V., Hildburghausen 1776–1795
Die Prinzessin wuchs mit ihren Geschwistern Charlotte, Joseph, Luise, Georg, Friedrich und Eduard im Schloss von Hildburghausen1945 durch amerikanischen Beschuss zerstört auf. Die Ehe ihrer Eltern galt als unglücklich. Als sich Thereses Urgroßmutter Prinzessin George 1792 in Hildburghausen aufhielt, bemerkte sie über Herzog Friedrich: „[…] der von seinen Pflichten lediglich die eheliche mit Eifer betreibt. Charlotte, die diesen Mann nie geliebt hat, ist unentwegt schwanger.“H. P. Wulff-Woesten: Hildburghäuser Hoheiten – Dem Volk verbunden. Hildburghausen 1992, S. 22. Schwanger war Charlotte zu jenem Zeitpunkt mit Therese.
Die reduzierte Zivilliste der kaiserlichen Zwangsverwaltung von Herzog Friedrich bedeutete für Therese und ihre Geschwister eine eher entbehrungsreiche Kindheit. Fleisch gab es nur selten, im Hofwaschhaus fehlte es an Seife, und ein Hofball musste einmal vorzeitig beendet werden, weil die ausgebrannten Kerzen nicht erneuert werden konnten.Rudolf Armin Human: Chronik der Stadt Hildburghausen Hildburghausen 1886, S. 247. Als Thereses Tante Luise zusammen mit ihrem Mann, König Friedrich Wilhelm III. von Preußen, erstmalsLuise hatte bereits von 1792 bis 1793 auf der Flucht vor französischen Truppen bei ihrer Schwester in Hildburghausen Zuflucht genommen 1803 zu Besuch in Hildburghausen weilte, wurde von den Verwaltern ein Geldbetrag bewilligt, um Wege auszubessern und die „Meubles“ in den Schlosszimmern zu erneuern.Rudolf Armin Human: Chronik der Stadt Hildburghausen Hildburghausen 1886, S. 238.
Thereses Mutter, die kunstsinnige und intelligente Herzogin Charlotte, verstand es jedoch, das geistige Leben der Residenz zu fördern. Sie lockerte die Etikettevorschriften und holte Musiker, Maler und Dichter an den Hof, unter anderem den Schriftsteller Jean Paul, dem sie 1799 den Titel eines Legationsrates verliehGunther de Bruyn: Das Leben des Jean Paul Friedrich Richter. Halle-Leipzig 1975, S. 210. und der sich mit einer ihrer Hofdamen verlobte.Karoline von Feuchtersleben, Tochter des Generaladjutanten von Herzog Friedrich von Sachsen-Hildburghausen Hildburghausen wurde zu Charlottes Zeiten auch in Anspielung auf die Weimarer Klassik als „Klein-Weimar“ bezeichnet.Hildburghausen auf religio.de Zu den Dichtern, die dem Ruf der Herzogin nach Hildburghausen gefolgt waren, gehörte auch Friedrich Rückert, der Therese und ihren Schwestern Charlotte und Luise sein Gedicht Mit drei Moosrosen widmete,Rudolf Armin Human: Chronik der Stadt Hildburghausen. Hildburghausen 1886, S. 242. das mit folgenden Zeilen beginnt: Drey Schwesterblüten, einer Wiege Kinder, Entstammend eines Mutterschoßes Moosen, Bring' ich, dazu erwählter Kränzewinder, Drey thaugesäugte, duftgenährte Rosen, Als Bilder jener Dreye, die nicht minder Zusammenblüh’nd in schwesterlichen Loosen, Den Rosen selber zuviel Ehr' erweißen, Wenn sie sich lassen ihres Gleichen heißen.
Erzogen wurde Therese im evangelisch-lutherischen Glauben hauptsächlich von Johanna Nonne (1760–1837)Mutter von Ludwig Nonne (1785–1854), Leiter des Schulwesens im Herzogtum Sachsen-Meiningen und Generalsuperintendent sowie dem Hofprediger Heinrich Kühner (1772–1827). Ihre Jugendjahre verbrachte die Prinzessin in einem kultivierten und liberalen Zuhause, das trotz der Schwierigkeiten der elterlichen Ehe von einem liebevollen Familienleben mit sich nahestehenden Geschwistern geprägt war. Sie wurde in deutscher Literatur der Klassik und der französischen Sprache geschult. Malunterricht erhielt sie vom Hofmaler Carl August Keßler, und Klavier lehrte Johann Peter Heuschkel, der auch Carl Maria von Weber Unterricht erteilte.Hans Rall: Führer durch die Fürstengrüfte. Wittelsbacher Lebensbilder von Kaiser Ludwig bis zur Gegenwart. München o. J., S. 133.
Ehekandidatin Von ihrer Familie ursprünglich als Gemahlin ihres Onkels Georg vorgesehen,Martha Schad: Bayerns Königinnen. Piper 2005, S. 103. stand Therese auf der Liste der Prinzessinnen, die sich Napoleon 1809 hatte zusammenstellen lassen, um als selbsternannter Kaiser in ein altes europäisches Fürstenhaus einzuheiraten.Bayern, Adalbert von: Max I. Joseph von Bayern. Pfalzgraf, Kurfürst und König. München 1957, S. 594.
mini|Ludwig von Bayern in seiner Kronprinzenzeit, Ölgemälde von Angelika Kauffmann, 1807, Sammlung Neue Pinakothek, München
Doch hatte sich Kronprinz Ludwig von Bayern schneller für Therese entschieden. Zum einen fürchtete der Prinz, ähnlich wie seine Schwester Auguste von Napoleon eine Heirat aufgezwungen zu bekommen: „Ich muss unbedingt heiraten. Ist das einmal geschehen, können solche Anschläge auf meine Freiheit von Paris her nicht mehr gemacht werden.“Hans und Marga Rall: Die Wittelsbacher – Von Otto I. bis Elisabeth I. Tosa Verlag 1996, S. 326 Zum anderen riet ihm sein Vater Maximilian I. zu der sächsischen Prinzessin aus Hildburghausen: „[…] eine Prinzessin von Hildburghausen […] sei lieb, freundlich und gütig und könnte eine ausgezeichnete Frau abgeben. Freilich, viel Geld und Gut wird sie nicht in die Ehe bringen können, die Kleinheit des in den Rheinbund hineingezwungenen Landes macht aber die Heirat politisch unbedenklich.“
Vom 21. bis zum 24. Dezember 1809 besuchte Ludwig die herzogliche Residenz in Hildburghausen. Seine Eltern folgten zu dieser Zeit einer Einladung Napoleons nach Paris. Der Kronprinz war im Glauben, dass sie mit dem Kaiser über seine Verheiratung mit einer französischen Prinzessin verhandelten. Bei der Wahl zwischen den Prinzessinnen Therese und Luise entschied er sich für Therese, obwohl ihre Schwester die hübschere der beiden gewesen sein soll.Hans und Marga Rall: Die Wittelsbacher – Von Otto I. bis Elisabeth I. Tosa Verlag 1996, S. 327. Im Januar 1810 gab Ludwigs Vater von Paris aus seine Zustimmung zur Wahl seines Sohnes und ließ durchblicken, dass Napoleon selbst entschlossen gewesen war, Prinzessin Therese zu heiraten: „In dem Publicum ging acht Tage lang die Rede, der Kaiser würde Deine zukünftige Frau heirathen. Stelle Dir meine Angst vor, auch wie er mir auf einem Ball bey Savari selbst davon anfing zu sprechen.“Martha Schad: Bayerns Königinnen. Piper 2005, S. 104.
Am 12. Februar 1810 erfolgte die Verlobung in Hildburghausen, während sich Ludwigs Eltern immer noch in Paris aufhielten. Spätestens beim Verlobungsball, so kann man dem regen Briefverkehr von Braut und Bräutigam entnehmen, schien sich der leicht entflammbare Ludwig vollends in Therese verliebt zu haben. Die von ihm gewünschte schnelle Eheschließung verzögerte sich jedoch, da noch ein detaillierter Ehevertrag ausgehandelt werden musste, was hauptsächlich in der verschiedenen Konfession der Verlobten und dem Unwillen Thereses zum Glaubenswechsel begründet war.
Zur feierlichen Anwerbung der Braut erschien der bayerische Gesandte Freiherr Karl Ludwig von Keßling in Hildburghausen. Am 23. Juni 1810 erfolgte die offizielle Werbung bei Hof und Therese erhielt als Brautgeschenk ein mit Brillanten besetztes Porträt des Bräutigams.Heinrich Ferdinand Schoeppl: Die Herzoge von Sachsen-Altenburg. Bozen 1917, Neudruck Altenburg 1992, S. 170. Die Prinzessin reiste mit ihren Eltern und ihrer Schwester am 6. Oktober nach München ab.Rudolf Armin Human: Chronik der Stadt Hildburghausen Hildburghausen 1886, S. 151. Therese wurde in Hildburghausen festlich verabschiedet. Friedrich Rückert verfasste zu diesem Anlass das Hochzeits- und Abschiedsgedicht An eine fürstliche Braut. Aus Anlass dieser feierlichen Verabschiedung wird seit Anfang der 1990er Jahre in Hildburghausen jährlich das Theresienfest gefeiert, welches sich inzwischen zum größten Volksfest Südthüringens entwickelt hat.Theresienfest.de