Josef Behmann (* 24., nicht 22. März 1880 in Schwarzach (Vorarlberg); † 5. März 1932 ebd.) war ein österreichischer Orgelbauer aus Schwarzach in Vorarlberg.
Leben Behmann war ein Sohn Anton und Maria Barbara Behmanns geb. Hammerer. Von 1895 bis 1898 erlernte er in der väterlichen Werkstatt das Tischler- und Orgelbauerhandwerk. Im Jahr 1898 setzte er seine Ausbildung bei Friedrich Weigle in Echterdingen fort – mit einem Hauptaugenmerk auf neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der pneumatischen Trakturen.
Ab 1901 war Behmann wieder bei seinem Vater tätig, seit 1907 als Werkmeister, und wuchs dort allmählich in die Führungsrolle hinein. 1911 ging die Firma durch Kauf ganz an ihn über und firmierte ab dann als Josef Behmann, vorm. Anton Behmann.
Unter Behmanns Leitung waren in dem Betrieb, dem auch eine Metallpfeifenwerkstatt angeschlossen war, in Spitzenzeiten bis zu 24 Mitarbeiter angestellt. Zu diesen gehörten auch seine beiden Brüder Ignaz und Alois. Nach dem Ersten Weltkrieg, als überwiegend nur noch Aufträge für Reparaturen und den Ersatz eingezogener Prospektpfeifen eingingen, schrumpfte die Anzahl der Beschäftigten vorübergehend auf fünf bis sechs.Behmann. Abgerufen am 4. Juli 2021. Von Frühjahr 1915 bis Spätjahr 1918 stand das Geschäft sogar gänzlich still, desgleichen waren die Werkstätten auch zwischen 1922 und 1924 an eine Tischlerei vermietet.
Behmann – ein guter Klavierspieler – blieb unverheiratet und kinderlos. Seine Firma bestand nach seinem Tod unter seinen Brüdern noch eine Zeit lang weiter und richtete vor dem Zweiten Weltkrieg ein Kooperationsangebot an den Konkurrenten Rieger Orgelbau. Dessen Leiter Josef von Glatter-Götz (1880–1948) kam nach der Vertreibung aus Jägerndorf (Krnov) 1945 darauf zurück, siedelte nach Schwarzach über und pachtete dort von 1946 bis zum Umzug in einen Neubau 1972 die damals schon leerstehenden Werkstätten.Rieger – vom k & k Hoflieferanten zur GmbH. Abgerufen am 4. Juli 2021. Das Firmenarchiv ging später an den österreichischen Denkmalpfleger Hans Nadler (siehe Literatur) über.Hans Nadler: Orgelbau in Vorarlberg und Liechtenstein, Bd. IV, o. O. o. J. (1985), nicht pag. [Autobiographischer Eintrag NADLER HANS relativ am Ende des Buchs, darin die 5. Seite unter der Überschrift SONSTIGES].
Besonderheiten im Werk In Neubauten verwendete Behmann gewöhnlich pneumatische Kegelladen, gelegentlich um Taschenladen ergänzt. Für größere Instrumente wählte er elektropneumatische Trakturen. Trotz seiner großen Affinität zu allem Technischen (Trakturen, Koppeln aller Art, Extensionen und Transmissionen) stand aber auch beim ihm, wie schon bei seinem Vater, die künstlerisch vollendete Intonation der Instrumente im Mittelpunkt. Konnte er Einfluss auf die Dispositionen der von ihm erbauten Orgeln nehmen, so griff er bereitwillig auf Anregungen der Elsässisch-Neudeutschen Orgelreform Albert Schweitzers und Emile Rupps zurück.
Werke (Auswahl) Die Gesamtwerkliste der Firmen Anton Behmann (1873–1910) und Josef Behmann, vorm. Anton Behmann (1911–1932) enthält 151 Nummern, von denen Josef Behmann für die opp. 106–151 verantwortlich zeichnete. Keine der Orgeln von Josef Behmann überschreitet die Dreimanualigkeit. Der räumliche Schwerpunkt liegt auf Vorarlberg, Tirol und Südtirol.
mini|Josef-Behmann-Orgel von 1912 in Grän, Pfarrkirche Hl. Wendelin mini|Josef-Behmann-Orgel von 1913 in Katharinaberg, Pfarrkirche Hl. Katharina 1911: Welschellen (Rina) (I/7), op. 106, Erstlingswerk nach der Firmenübernahme 1911: Marling, Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt (II/24), op. 107 1912: Wahlen bei Toblach (I/6), op. 110 1912: Grän, Pfarrkirche Hl. Wendelin (II/12), op. 111 1912: Schlanders, Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt (II/20), op. 112 1912: Wolkenstein in Gröden, Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt (II/10), op. 113 1913: Eggental (II/18)Laut Behmann, Josef jedoch Eggen (II/17)., op. 116 1913: Petersberg bei Deutschnofen (II/10), op. 117 1913: Katharinaberg, Pfarrkirche Hl. Katharina (II/10), op. 118 1913: St. Anton im Montafon, Pfarrkirche Hl. Antonius der Einsiedler (I/9), op. 119, in neuromanischem Gehäuse, 1919 neue Zinkprospektpfeifen von Gebrüder Mayer, 1983 stillgelegt und durch ein Elektronium ersetzt, 1999 endgültig durch einen Neubau von Gebrüder Mayer ersetztHans Nadler: Orgelbau in Vorarlberg und Liechtenstein, Bd. I, o. O. o. J. (1985), S. 318–319. Die Quelle (und ihre drei weiteren Bände entsprechend) wird im Folgenden zu ‚Nadler I‛ abgekürzt.Nadler III, S. 626–629. 1914: St. Katharina in Graun im Vinschgau (II/22), op. 121 mini|rechts|Josef-Behmann-Orgel von 1914 in Bruneck, Pfarrkirche Unserer Lieben Frau Mariä Himmelfahrt 1914: Bruneck, Pfarrkirche Unserer Lieben Frau Mariä Himmelfahrt (II/42), op. 122, mit elektropneumatischer Traktur 1914: Afing, Pfarrkirche Hl. Nikolaus (II/17), op. 124 1915: Aufkirchen bei Toblach (II/17), op. 126 1916: Dornbirn, Hausorgel Katechet Beck (II/4), op. 128, 1937 in die St. Antoniuskapelle Lustenau-Hasenfeld transloziertNadler I, S. 270–271. 1920: Bregenz, Benediktinerkloster St. Gallusstift – Stiftskirche (jetzt: Kuppelsaal der Vorarlberger Landesbibliothek) (II/16), op. 131, 1993 von Martin Pflüger Orgelbau restauriertNadler I, S. 78–79.Helmut Binder: Die Orgel. In: Land Vorarlberg (Hrsg.): Vorarlberger Landesbibliothek. St. Gallusstift, Bregenz. Eröffnung des Kuppelsaales (ehemalige Stiftskirche) am 30. April 1993. Bregenz 1993, Verlag Land Vorarlberg, S. 55. In der dort vom Orgelbauer mitgeteilten Disposition fehlen versehentlich die Register Bourdon 16′ aus dem I. Manual, Vox celestis 8′ aus dem II. Manual und Bourdonbaß 16′ aus dem Pedal. Auch stimmen die Schreibweisen von einigen Registern sowie die Fußtonlage der Mixtur nicht mit dem Original überein.mini|Josef-Behmann-Orgel von 1920 in Bregenz, Benediktinerkloster St. Gallusstift – Stiftskirche(jetzt: Kuppelsaal der Vorarlberger Landesbibliothek) {| class="wikitable toptextcells" style="border-spacing: 4px; text-align: right; white-space: nowrap;" !colspan="3" | Disposition der Josef-Behmann-Orgel von 1920 in Bregenz,Benediktinerkloster St. Gallusstift – Stiftskirche(jetzt: Kuppelsaal der Vorarlberger Landesbibliothek)
I. Manual C–g3 1. Bourdon 16′ 2. Principal 8′ 3. Gamba 8′ 4. Gedeckt 8′ 5. Octav 4′ 6. Kleingedeckt 4′ 7. Mixtur III–IV ′ | II. Manual C–g3 8. Geigenprincipal 8′ 9. Salicional 8′ 10. Aeoline 8′ 11. Vox celestis 8′ 12. Flöte 4′ 13. Waldflöte 2′ Tremolo | Pedal C–f1 14. Subbaß 16′ 15. Bourdonbaß 16′ 16. Cello 8′ |} Koppeln: Normalkoppeln: II/I, I/P, II/P Superoktavkoppeln (ausgebaut): I/I, II/II Suboktavkoppel: II/I Diskantmelodiekoppel: II/I Spielhilfen: Druckknöpfe: 5 feste Kombinationen (p, mf, f, Pleno, Tutti), Auslöser mini|Josef-Behmann-Orgel von 1924 in Sexten-St. Veit, Pfarrkirche St. Petrus und Paulus 1924: Sexten-St. Veit, Pfarrkirche St. Petrus und Paulus (II/26), op. 132, mit elektropneumatischer TrakturAlfred Reichling: Die Behmann-Orgel von Sexten. In: Ars Organi 27 (1979), S. 584–589. 1924: Spittal an der Drau, Ev. Martin-Luther-Kirche (II/14), op. 133, nicht erhalten 1925: Meiningen, Pfarrkirche Hl. Agatha (I/9), op. deest, Orgel von Anton Behmann aus dem Jahr 1890, von Behmann umgebaut, 1962 von Edmund Hohn mit der 1937 von Gebrüder Mayer erbauten Orgel aus der Alten Pfarrkirche Hl. Michael Feldkirch-Tisis zu einem Neubau (II/12) zusammengefügtNadler I, S. 278–279; Nadler III, S. 469–477. 1926: Hörbranz, Pfarrkirche Hl. Martin (II/16), op. 134, in neugotischem Gehäuse, ersetzt eine von Anton Behmann 1877 umgebaute Orgel von Remigius Haaser aus dem Jahr 1837 (II/12), 1957 von Edmund Hohn generalüberholt und dispositionell verändert, 1983 durch einen Neubau von Martin Pflüger Orgelbau ersetztNadler I, S. 208–209; Nadler III, S. 212–231. mini|rechts|Josef-Behmann-Orgel von 1926 in Moos, Filialkirche Hl. Joseph 1926: Moos, Filialkirche Hl. Joseph (II/26), op. 135 1926: Kennelbach, Pfarrkirche Hl. Josef (II/16), op. 136, Orgel von Anton Behmann aus dem Jahr 1897, von Behmann technisch umfangreich verändert, 1956 neugotischer durch Freipfeifenprospekt ersetzt, 1957 von Edmund Hohn dispositionell verändert, vor 2008 von Gebrüder Mayer Orgelbau nach originalen Plänen Anton Behmanns rekonstruiertNadler I, S. 224–225; Nadler III, S. 293–302.Restaurierung von Orgeln. Abgerufen am 23. März 2025. 1926: Schnifis, Pfarrkirche Hl. Johannes der Täufer (II/18), op. 137, Orgel von Anton Behmann aus dem Jahr 1894 (II/14), von Behmann auf pneumatische Traktur umgestellt und dispositionell verändert, 1971 durch einen Brand vernichtetNadler I, S. 332–333; Nadler III, S. 671–678. mini|Josef-Behmann-Orgel von 1927–28 in Dornbirn, Stadtpfarrkirche St. Martin 1927–28: Dornbirn, Stadtpfarrkirche St. Martin (III/67), op. 140, Prospektentwurf von Thomas Mennel, elektropneumatische Kegelladen, 1928 von Behmann selber auf Schleifladen fünf Hochdruckregister hinzugefügt (III/72), größte Orgel Vorarlbergs und größte von Behmann jemals erbaute Orgel, 1986 von Orgelbau Kuhn restauriertDornbirn. Abgerufen am 4. Juli 2021. und 2020–21 von demselben generalsaniertOrgelrevision. Abgerufen am 4. Juli 2021., unverändert erhaltenNadler I, S. 102–105; Nadler II, S. 57–608.Orgel: Dornbirn – St. Martin Haupt- und Chororgel. Abgerufen am 7. Februar 2022.Friedrich Jakob: Probleme bei der Restaurierung pneumatischer und elektrischer Orgeln. Gedanken zur 1986 erfolgten Restaurierung der Behmann-Orgel von 1927/28 in der Stadtpfarrkirche St. Martin zu Dornbirn/Vorarlberg. In: Acta Organologica 22 (1991), S. 299–308.Stadtpfarrkirche St. Martin Dornbirn, Registervorstellung. Abgerufen am 4. Juli 2021.
{| class="wikitable toptextcells" style="text-align: right; white-space: nowrap;" !colspan="4" | Disposition der Josef-Behmann-Orgel von 1927–28 in Dornbirn, Stadtpfarrkirche St. Martin
I Hochdruckwerk C–a3 (200 mm Winddruck) 1. Seraphon Prinzipal 8′ 2. Seraphon Violine 8′ 3. Seraphon Gedeckt 8′ 4. Tuba mirabilis 8′ I Hauptwerk C–a3 (85 mm Winddruck) 5. Prinzipal mayor 16′ 6. Flauto amabile 16′ 7. Prinzipal primo 8′ 8. Prinzipal piano 8′ 9. Doppelgedeckt 8′ 10. Viola baritona 8′ 11. Flöte harmonique 8′ 12. Salicional 8′ 13. Großquinte ′ 14. Oktave 4′ 15. Hohlflöte 4′ 16. Dolce 4′ 17. Quinte ′ 18. Superoktave 2′ 19. Septim ′ 20. Cornet IV–V 8′ 21. Mixtur VI ′ 22. Trompete 8′ 23. Clairon 4′ | II Schwellwerk C–a3 (80 mm Winddruck) 24. Bourdon 16′ 25. Prinzipal secundo 8′ 26. Tibia 8′ 27. Gedeckt 8′ 28. Gamba 8′ 29. Quintatön 8′ 30. Gemshorn 8′ 31. Aeoline 8′ 32. Vox cölestis 8′ 33. Geigenprinzipal 4′ 34. Traversflöte 4′ 35. Viola d’amour 4′ 36. Piccolo 2′ 37. Harmonia ätherea III ′ 38. Mixtur minor IV–V 2′ 39. Trompete harmonique 8′ 40. Klarinette 8′ 41. Glockenspiel (d–d2) | III Schwellwerk C–a3 (75 mm Winddruck) 42. Quintatön 16′ 43. Geigenprinzipal 8′ 44. Bordun 8′ 45. Viola di alta 8′ 46. Konzertflöte 8′ 47. Unda maris 8′ 48. Dulciana 8′ 49. Fugara 4′ 50. Rohrflöte 4′ 51. Flageolet 2′ 52. Terzflöte ′ 53. Vogelsang 1′ 54. Cymbalo III–IV 2′ 55. Oboe 8′ 56. Vox humana 8′ Tremolo Tremolo für Vogelsangund Vox humana | Pedal Hochdruckwerk C–f1 (200 mm Winddruck) 57. Bombarde 16′ Pedal C–f1 (85 mm Winddruck) 58. Mayorbaß (aus Nrn. 59 u. 64) 32′ 59. Prinzipalbaß 16′ 60. Subbaß 16′ 61. Violonbaß 16′ 62. Harmonikabaß 16′ 63. Echobaß 16′ 64. Quintbaß ′ 65. Oktavbaß 8′ 66. Cello 8′ 67. Gedecktbaß 8′ 68. Choralbaß 4′ 69. Großtuba 32′ 70. Posaune 16′ 71. Baßtuba 8′ 72. Baßtrompete 4′ |} Koppeln: Normalkoppeln: II/I, III/I, III/II, I/II, I/P, II/P, III/P Superoktavkoppeln (ausgebaut): II/I, III/I, III/II, I/I, II/II, III/III, II/P, III/P Suboktavkoppeln: II/I, III/I, III/II Quintkoppel: III/P Diskantmelodiekoppeln: I/II, II/III Bassmelodiekoppel: P/I Spielhilfen: Druckknöpfe: 7 feste Kombinationen (pp, p, mf, f, ff, Pleno, Tutti [ohne Hochdruckwerk]), 3 freie Kombinationen (I, II, III), Auslöser Balanziertritte: Crescendo, Schweller II, Schweller III