mini|hochkant|Carl Zeiß um 1850 mini|hochkant|Carl Zeiß Carl Zeiß, später meist Carl Zeiss geschrieben, (* 11. September 1816 in Weimar; † 3. Dezember 1888 in Jena) war ein deutscher Mechaniker und Unternehmer. Er gründete das Unternehmen Carl Zeiss.

Leben Familie Carl Zeiß wurde am 11. September 1816 im Haus Marktstraße 13 in Weimar als fünftes von zwölf Kindern geboren, von denen allerdings sechs früh starben.

Seine Mutter Johanna Antoinette Friederike (1786–1856) war die jüngste Tochter des Hofadvokaten Johann Heinrich Schmith, Stadtvogt von Buttstädt, einer kleinen, nördlich von Weimar gelegenen Bezirkshauptstadt. Unter ihren Vorfahren finden sich besonders viele Juristen und Theologen. Zu ihrer Ahnengemeinschaft gehörten u. a. Goethes Ehefrau Christiane Vulpius, der Arzt Christoph Wilhelm Hufeland, der Dichter Jean Paul sowie in späteren Generationen der Maler Max Slevogt.

Der Vater Johann Gottfried August Zeiß (1785–1849) stammte aus Rastenberg, wo die handwerklich ausgerichteten väterlichen Vorfahren seit über 100 Jahren ansässig waren. Von dort zog er mit seinen Eltern in das sechs Kilometer entfernte Buttstädt und heiratete dort. Während sein Bruder am Ort blieb und die väterliche Werkstatt übernahm, ging August Zeiß nach Weimar, in die Hauptstadt des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach. Hier wurde er ein hochangesehener Kunstdrechslermeister, der Perlmutt, Bernstein, Elfenbein und andere kostbare Rohstoffe mit z. T. neuartigen Maschinen zu Luxusartikeln verarbeitete, die sich nur wohlhabende Kunden leisten konnten. So kam er auch mit dem Erbprinzen und späteren Großherzog Carl Friedrich von Sachsen-Weimar-Eisenach (1783–1853) in Kontakt, dem Sohn und Nachfolger von Goethes Freund Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach (1757–1828). Da sich Carl Friedrich gern handwerklich betätigte und das Kunstdrechslerhandwerk erlernen wollte, suchte er einen entsprechenden Lehrmeister und fand ihn in August Zeiß. Das führte zu einer freundschaftlichen Beziehung zwischen den beiden, die 40 Jahre andauern sollte.

Als der Familie Zeiß am 11. September 1816 ein Sohn geboren wurde, übernahm der Erbprinz die Patenschaft, und der Neugeborene wurde Carl Friedrich getauft, also auf den Namen des Thronfolgers. Von den Geschwistern erreichten drei Schwestern und zwei Brüder das Erwachsenenalter.

Die Schreibweise des Familiennamens war noch zu Lebzeiten von Carl Zeiß nicht eindeutig festgelegt. Es finden sich auch Zeis, Zeyesz, Zeiss und Zeus. Um dieser Unsicherheit ein Ende zu bereiten, einigten sich sein Sohn Roderich und Ernst Abbe erst um das Jahr 1885 für das Unternehmen auf die Schreibweise Zeiss.

Ausbildung mini|Gedenktafel am Haus Kaufstraße 1 in Weimar Weil ein gesellschaftlicher Aufstieg nur durch eine bessere Bildung möglich war, schickte Vater Zeiß seine Söhne aufs Gymnasium. Die beiden ältesten studierten anschließend Philologie und Geschichte und gingen in den Schuldienst, wo sie zu hohen Ehren kamen. Carl dagegen hatte sich einen Leistenbruch zugezogen und musste ständig ein Bruchband tragen. Deswegen sollte er nach Ansicht des Vaters möglichst keine längere sitzende Tätigkeit am Schreibtisch ausüben. So besuchte er das Wilhelm-Ernst-Gymnasium Weimar nur bis zur vorletzten Klasse. Dort legte er eine besondere Abiturprüfung ab, die es ihm erlaubte, bestimmte Fächer – in erster Linie naturwissenschaftliche – an einer Universität zu studieren. Früh war sein Interesse an technischen Dingen erwacht, so dass er bereits während der Schulzeit nebenbei die Lektionen an der großherzoglichen Gewerbeschule in Weimar besuchte und sich schließlich entschloss, Mechaniker zu werden.

Carl Zeiß ging dazu nach Jena, wo er Ostern 1834 bei dem Hofmechanikus und Privatdozenten an der Universität Jena, Friedrich Körner (1778–1847), eine Lehre aufnahm. Sein Lehrmeister war weit über seinen Wohnort hinaus bekannt und in seiner Werkstatt wurden bereits Geräte für Goethe gebaut und repariert.

Zeiß blieb vier Jahre lang als Lehrling bei Körner und durfte vom zweiten Lehrjahr an pro Semester eine mathematische oder naturwissenschaftliche Vorlesung an der Universität hörenEingeschrieben als „Car. Zeiss“ am 21. Mai 1835 (Matrikel der Universität Jena 1835, S. 267)., wozu ihm sein Abgangszeugnis des Weimarer Gymnasiums die Berechtigung gab. Im Wintersemester 1836/1837 trat er dem Akademischen Singverein Paulus bei.Gerhard Kunze: Die Sängerschaft zu St. Pauli in Jena 1828–1928. Hundert Jahre einer Idee und ihrer Wirklichkeit. Mit einem Verzeichnis der Mitglieder, bearbeitet von Friedrich Mann. Jena 1928, S. 313. Zeiß beendete 1838 seine Lehrzeit und erhielt eine wohlwollende Beurteilung von Körner sowie ein Abgangszeugnis von der Universität, in dem alle Vorlesungen aufgeführt waren, die er belegt hatte.Verzeichniß der Studirenden im Winter-Semester 1837/38, Nr. 376.

Es war eine Zeit, in der Dampfmaschinen und Lokomotiven auf junge Menschen eine große Anziehungskraft ausübten. Carl Zeiß widmete nach der Lehre seine besondere Aufmerksamkeit zunächst dem Maschinenbau. Er ging auf Wanderschaft, die von 1838 bis 1845 dauerte und ihn nach Stuttgart, Darmstadt, Wien und Berlin führte. Während über den Stuttgarter Aufenthalt nichts Näheres bekannt ist, scheint Zeiß in Darmstadt bei Hektor Rößler gearbeitet zu haben. Als wichtigster Ort des Maschinenbaus in Mitteleuropa galt damals Wien. Deshalb arbeitete Zeiß im Jahr 1843 in der dortigen Maschinenfabrik von Rollé und Schwilqué. Seinen Aufenthalt in Wien nutzte er auch, um jeden Sonntag die Vorlesungen über populäre Mechanik an der technischen Abteilung des k. k. Polytechnischen Instituts zu hören. Er machte dort eine Abschlussprüfung, die er mit Auszeichnung bestand. Das letzte Jahr seiner Wanderschaft verbrachte Zeiß in Berlin bei einem Mechaniker. Somit konzentrierte er sich in der Fremde auf die Mechanik und beachtete die Optik höchstens am Rand.

Gründung einer Werkstatt für Feinmechanik und Optik Nach langen Überlegungen kam Zeiß zu dem Schluss, doch wieder in seinem ursprünglichen Fach, dem wissenschaftlichen Apparatebau, zu arbeiten und sich nach Beendigung seiner Wanderjahre als Mechaniker selbstständig zu machen. Häufig findet sich die Behauptung, dass Zeiß dafür zunächst seine Heimatstadt Weimar auswählte und ein entsprechender Antrag dort mit dem Hinweis auf zwei bestehende Werkstätten und den fehlenden Bedarf für zusätzliche Kapazitäten abgelehnt wurde. Dies wird heute für unwahrscheinlich gehalten, vielmehr suchte Zeiß wohl bewusst die Nähe zur Jenaer Universität und dem Botaniker Matthias Jacob Schleiden, der sein Interesse an der Optik mitbegründet hatte und ihn auch auf den Bedarf an hochwertigen Mikroskopen hinwies. Zudem leitete sein Bruder Eduard bereits seit 1842 die Jenaer Bürgerschule und hielt ihn vermutlich über die Entwicklungen in der Stadt auf dem Laufenden.

Zur Umsetzung seines Plans benötigte er bei der damaligen Bürokratie jedoch erst einmal viel Geduld. Vor allem war eine Aufenthaltsgenehmigung für die Stadt erforderlich. Die war am einfachsten zu erhalten, wenn man sich als Student ausgab. Zeiß immatrikulierte sich an der Universität und hörte ab November 1845 mathematische und chemische Vorlesungen. Daneben arbeitete er in dem von mehreren Professoren gegründeten physiologischen Privatinstitut als Praktikant und baute verschiedene Apparate. Zu dieser Zeit bestanden in Jena bereits zwei einschlägige Werkstätten, und zwar neben der Körnerschen noch die des Mechanikers Braunau (1810–1860), der ebenfalls bei Körner gelernt hatte.

Schließlich richtete Zeiß am 10. Mai 1846 an die Landesdirektion in Weimar ein Gesuch um Erteilung einer Konzession zur Errichtung eines mechanischen Ateliers in Jena. Er verweist darin auf den steigenden Bedarf an mechanischen Geräten und begründet seinen Wunsch nach einer Niederlassung in der Universitätsstadt damit, dass für ihn die enge Verbindung mit den Wissenschaften wichtig sei.

Trotz der Befürwortung angesehener Professoren der Universität Jena ließ man sich in Weimar viel Zeit mit der Bearbeitung des Antrags. Zeiß musste aber nicht nur eine lange Wartezeit absitzen, sondern sich auch einer vorgeschriebenen Prüfung vor der großherzoglichen Oberbaubehörde unterziehen, zu der er erst im Juli geladen wurde und die er im August erfolgreich ablegte. Bei der Trägheit des Behördenapparats wurde es schließlich November, bis Zeiß endlich seine Konzession zur Fertigung und zum Verkauf mechanischer und optischer Instrumente sowie zur Errichtung eines Ateliers für Mechanik in Jena in den Händen hielt. Außerdem erlangte er gegen Bezahlung einer Gebühr und nach Leistung eines feierlichen Eides das Ortsbürgerrecht von Jena.

Zeiß eröffnete seinen Betrieb am 17. November 1846 mit einem Startkapital von 100 Talern, das der ebenfalls in Jena lebende Bruder Eduard vorgestreckt hatte und später von Vater August Zeiß erstattet wurde. Carl Zeiß arbeitete zunächst allein, konstruierte, baute und reparierte alle möglichen physikalischen und chemischen Instrumente, von denen die Lupen, die er aus Spiegelglas schliff, am Anfang besonderen Anklang fanden. Daneben wurden in einem kleinen Laden Brillen, Fernrohre, Mikroskope, Reißzeuge, Thermometer, Barometer, Waagen, Lötrohrzubehör und andere Geräte verkauft, die Zeiß von auswärtigen Herstellern bezog.

Im Jahr 1847 nahm er die Produktion einfacher Mikroskope auf, die sich schon bald als ein ganz besonderer Verkaufsschlager erweisen sollten. Sie behaupteten sich so gut gegenüber der Konkurrenz von Vincent Chevalier (Paris), Simon Plössl (Wien) sowie selbst seinem Lehrmeister Körner, weil sie nicht nur billiger, sondern auch besser waren. Denn bei den von Zeiß gelieferten Geräten erfolgte die Scharfeinstellung nicht wie bei der Konkurrenz durch Verstellen des Objekttisches, sondern durch Verstellen der Säule, die die Optik trug, was von den Benutzern besonders gelobt wurde.

Die Geschäfte ließen sich so gut an, dass bereits im Frühjahr 1847 ein Gehilfe eingestellt werden konnte und am 1. Juli 1847 eine größere Werkstatt bezogen wurde. Im August 1847 nahm Carl Zeiß den ersten Lehrling auf, nämlich den damals 17-jährigen August Löber (1830–1912), der sich in der Folgezeit zum wichtigsten Mitarbeiter besonders in der Optikfertigung entwickeln sollte und der dann auch am Gewinn beteiligt war. Insgesamt wurden in diesem Jahr 27 einfache Mikroskope ins Ausland geliefert, also an Kunden, die jenseits der Grenzen des Großherzogtums wohnten. Aber auf den schnellen Aufstieg folgte ebenso schnell eine Krise, bedingt durch die Missernten der Jahre 1845 und 1846, die Handelskrise 1847 und die Revolution von 1848/49. Trotz dieser wirtschaftlichen Schwierigkeiten hatte sich Zeiß mit seinen Produkten binnen weniger Jahre einen so guten Ruf erworben, dass ihm im Jahr 1850 von der preußischen Universität Greifswald ein interessantes Angebot unterbreitet wurde. Der dortige Universitätsmechaniker Nobert war nämlich nach Barth gezogen, und um die entstandene Lücke zu füllen, wurde Zeiß von mehreren Professoren der philosophischen Fakultät aufgefordert, den Posten eines Kustos des physikalischen Kabinetts bei einem Gehalt von 200 Talern zu übernehmen. Aber daraus wurde nichts, denn der einflussreiche Mathematiker Johann August Grunert erreichte, dass besagter Posten nicht mit einem „Ausländer“ wie Zeiß besetzt wurde.

mini|hochkant|Großes Mikroskop von Carl Zeiß (1879)