mini|Steinbruch Schevenhütte (April 2026) Der Steinbruch Schevenhütte ist ein ehemaliger Schiefersteinbruch in Stolberg-Schevenhütte. In diesem wurde vermutlich seit dem Mittelalter bis in das Jahr 2008 einzigartiger Schevenhütter Naturstein gebrochen. Im 20. Jahrhundert bis zur Stilllegung trug der Betrieb den Namen „Steinbruch Kaspar Müller I“. Er liegt am nördlichen Rand der Eifel am südlichen Ortsausgang von Schevenhütte. Geologisch ist er damit Teil des äußersten Ausläufers des Venn-Sattels und schließt dort sehr altes Gestein aus dem tiefsten Ordovizium auf. Als Besonderheit fallen die sogenannten „Schevenhütter Schichten“ im Steinbruchgelände sehr flach ein und waren damit abbauwürdig. Gefördert wurde „Schevenhütter Naturstein“ vornehmlich in zwei Varianten, einer grünlichen und einer roten Variante. Grundsätzlich wurde das Gestein aus der mittleren und oberen Wehebachschicht grob vor Ort verarbeitet und verkauft. Der „Schevenhütter Schiefer“ wurde überregional vielfältig verwendet, unter anderem als Zier- und Grobbaumaterial aber auch als Gehplatten und als Grabsteine.

Nach der Stilllegung im Jahre 2008, wurde bis in die Mitte des Jahres 2012 noch auf Lager befindliche Platten abverkauft. Nach dieser Zeit wurde das Gelände sich selbst überlassen. Der Hau wurde weder renaturiert, noch zurückgebaut oder die Hangstabilität hergestellt. Mit dem Ende der Sümpfung im Abbaukessel entstand über die Zeit ein endorheischer kleiner See und die offene Abbauflanke im Osten leidet stark unter dem fehlende Stützgestein, wodurch es immer wieder zu Felsabbrüche, Hangrutschungen und Massenbewegungen kommt.

Heute ist der Steinbruch aufgrund seiner herausragenden Rolle als Lehr- und Forschungsobjekt eingetragenes Bodendenkmal der Kupferstadt Stolberg. Das Werksgelände ist im Besitz der Laufenburg GmbH und darf aufgrund der akuten Lebensgefahr durch die Felsabbrüche nicht betreten werden. Das Gelände ist eingezäunt.

Geologische Einordnung Schevenhütte liegt im Grenzbereich der Ardennen und der Nordeifel im Tal des Wehebachs, eines etwa 42 km langen Baches, welcher in die nördlich anschließende Indemulde entwässert. Schevenhütte liegt genau am Nordostende des markanten Vennsattels des Ardennen-Antiklinoriums, eines der beiden Großsättel. Im Großsattel von Stavelot-Venn steht altes Gestein an. Als älteste Schichten werden die Deville-Schichten des Unterkambriums aufgeschlossen, gefolgt von Revin-Schichten des Mittel- und Oberkambriums und anschließend von „Salm“-Gesteinen aus dem untersten Ordovizium. Die geförderten Schiefersteine stammen aus dem „Salm 2“ (Sm2), den heutigen mittleren und oberen Wehebachschichten. Damit ist der ehemalige Steinbruch heute der Ort mit den ältesten abgebauten Gesteinsschichten in NRW. Das Alter liegt bei 490 Mio. Jahren, wobei die Bestimmung durch das Fossil der Graptolithenart „Dictyonema flabelliforme“ relativ genau bestimmt werden kann.

Innerhalb der Schichten des Sm2 findet sich der abgebaute Siltsteine in zwei verschiedenen vorherrschenden Formen, die sich vornehmlich durch den Sandsteingehalt unterscheiden. Die grünlichere Variante wird auch als Bänderschiefer bezeichnet und ist durch feinsand- und schluffgestreifte Tonsteine dominiert, in denen teilweise Sandsteinbänke zu finden sind. Daneben steht eine rötlichere, mehr tonige Variante ohne Sandsteine an. mini|Luftbild des Sattels von Stavelot. Deutlich an der Bewaldung zu erkennen. Die tonige Variante nimmt nach oben hin zu und damit wird auch die Rotfärbung stärker. Diese Schichten des oberen Salms treten noch einmal südlicher an Quellgebiet des Thönbachs (einem Zufluss der Wehebachtalsperre) auf. Damit beschränkt sich das Vorkommen in dieser Form auf die Synklinorien der Wehe und des Thönbachs. Die Rotfärbung des Gesteins ist nicht gänzlich geklärt, auch wenn vieles auf eine stärkere Hämatit- und Manganoxidgehalt hindeutet, da die Lösung aus der überlagernden bunten Gedinne-Schicht heute nicht mehr als wahrscheinlich gilt.

Die Schichten wurden bereits in der kalendonischen Gebirgsbildung im Silur verformt und anschließend, deutlich sichtbar durch tektonische Strukturen, noch einmal während der variszischen Gebirgsbildung im Karbon. Die Tektonischen Verformungen sind besonders gut entlang der Steilkante der L25 in Schevenhütte, etwa 300 m lang nördlich des Steinbruchs zu erkennen. Auch dieser Gesteinszug ist ein eingetragenes Bodendenkmal. Vornehmlich sind dort nordvergente Falten und Aufschiebungen, die nach Süden einfallen zu finden. Die Faltenachsen verlaufen von West nach Ost, das geschieferte Gestein der Wehebachschichten fällt dort nach Süd ein. Der nur etwa 30 Meter höher gelegene Steinbruch ist deutlich weniger verfaltet. Die hier vorzufindenden Schichten aus Siltstein und Bänderschiefer zeigen hier schwache Verbiegungen ihrer Schichtflächen im Gegensatz zu den Schiefer-Sandstein-Folgen an der Straße.

Entlang des Osthanges des Wehetals streicht das anstehende Gestein regelmäßig aus. Die Bodenbildung ist bedingt der Lage nicht sehr stark und die Bedeckung geringmächtig. Oberhalb der Abbruchkante des Steinbruchs beträgt die Bodenmächtigkeit höchstens 30 cm.

Betrieb des Steinbruchs Historische Entwicklung der engeren Region

Das Gebiet der Wehe wird spätestens zu Römerzeiten, vermutlich sogar früher, besiedelt und bergmännisch genutzt. Bereits 1122 wird das Kloster Wenau gegründet. Der Name zeigt die damals schon verwendete Bezeichnung für die Wehe. Im Bereich der Roten und Weißen Wehe südlich von Schevenhütte wurde vermutlich schon in vorrömischer, aber mit Sicherheit zur römischen Zeit, Eisen gewonnen. Durch Schevenhütte lief zudem eine alte Römerstraße von Kornelimünster kommend, durchs Wehetal zum heute noch vorhandenen Rennweg Richtung Düren hoch. Mit dem Ende der Römerzeit ruht auch die Eisenverarbeitung. Diese flammt erneut stark durch die Kupfermeister auf, welche an der Wehe reihenweise ansiedelten. In dieser Zeit ist auch die Köhlerei sehr stark und die Hänge des Wehetales nahezu gänzlich gerodet. In Schevenhütte waren die Bedingungen durch die Wasserkraft des Wehebachs, die Wälder der Eifel und dem Erz- und Steinvorkommen sehr gut. Die Industrie kam erst Mitte des 19. Jahrhunderts zum Erliegen. Der Abbau des Ziersteines aus dem Steinbruch Schevenhütte sollte danach erst im großen Rahmen beginnen, jedoch finden sich am Osthang des Wehetales heute noch viele kleinere Stellen, in denen schon im Mittelalter Gesteinsabbau betrieben wurde.

Geschichte des Abbaus mini|a = Tranchotkarte, b = Pr. Uraufnahme, c = Pr. Neuaufnahme, d = TK25 (1936–1945). Alle Karten sind genordet, Maßstab stets 1:10.000 Bereits auf der „Tranchotkarte“, der Aufnahme der Rheinlande durch die Franzosen um 1805 herum, ist ein Steinbruchbetrieb an der heutigen Stelle erkennbar. Die Beschriftung, welche auf der Karte zu erkennen ist, ist definitiv falsch, da der Wittberg deutlich weiter nördlich liegt, die sonstigen Lokationen stimmen allerdings. Auf der Preußischen Uraufnahme ist der Steinbruch nicht zu sehen, allerdings ist diese auch qualitativ etwas weniger gelungen. Auf der Preußischen Neuaufnahme und der TK25 von 1936–1945 ist der Steinbruchbetrieb schon deutlich zu erkennen.

Die Pacht- und Nutzungsverhältnisse in der über 200 Jahre dauernden Periode sind nicht lückenlos geklärt. Als sicher gilt die Verwendung der Abbaustelle zur Beschaffung des Baumaterials für das ab 1852 errichtete Forsthaus (heute Nideggenerstraße 99) bei Helenasruh. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts bestand der Bruch aus zwei kleineren Brüchen. Mit dem Bau der Pfarrkirche St. Josef in Schevenhütte um 1890 wurde so viel Material gebrochen, dass der trennende Gesteinsriegel verschwand und das Gelände als einzelner Bruch betrieben werden konnte. Aus dem Jahr 1894 ist die Förderung großer Steinplatten durch einen heimischen Steinmetz durch den Pfarrer Schevenhüttes belegt; um die Jahrhundertwende betrieb ein neuer Pächter den Hau mit jeweils zwei Knechten und zwei Pferden. Die geförderten Platten wurden bis nach Aachen Rothe Erde nachweislich geliefert. 1911 kaufte der Stolberger Unternehmer Hans Prym den umliegenden Wald und damit auch das Eigentum des Steinbruchs. Bis zum Ersten Weltkrieg wurden weiter Platten für Gehwege und ähnliches in das Aachener Umland exportiert. Nach dem Krieg ruhte der Steinbruch bis etwa 1935 als durch die Familie Prym ein neuer Pächter gefunden wurde. Dieser beschäftigte bis zu 15 Arbeiter. Der Abraum des Steinbruchs wurde im Rahmen des Westwallbaus durch Pioniere als Unterbau für die Straße nach Düren eingesetzt. Durch Arbeitsmangel kam der Abbau um das Jahr 1940 erneut zum Erliegen.

Auch der Verlauf und die Besitzverhältnisse nach dem Zweiten Weltkrieg sind nicht eindeutig. Vermutlich übernahm Kaspar Müller um die 1950er Jahre den Steinbruchbetrieb. Zu Beginn der 1980er Jahre kaufte er das Steinbruchgelände schließlich von der Laufenburg GmbH. In den 1960er waren bis zu 60 Mitarbeiter beschäftigt und es wurden 600–900 t Material pro Monat gebrochen; in den 1950er Jahren waren es noch nur etwa 30 Mitarbeiter und 400–450 t. Der Abbau wurde immer weiter motorisiert und auch die Ansprüche an die Produkte wechselten mehrmals mit den Jahren (s. u.), doch am 30. Juni 2008 endete der aktive Betrieb im Steinbruch Kaspar Müller I. Der Lagervorrat an Steinplatten wurde noch bis zum August 2011 weitergeführt.

Das Gelände ist nicht sauber hinterlassen worden: weder gab es Renaturierungsmaßnahmen, noch wurden die Betriebsgebäude entfernt. Die Abbaustrossen blieben exakt so, wie sie gegen Ende genutzt wurden und die Sümpfungsmaßnahmen im etwa 10 m tiefer liegenden Kessel wurden eingestellt. Seit dieser Zeit ist ein See dort entstanden, welcher schon mehrmals drohte überzulaufen. Aufgrund fehlender Hangsicherungsmaßnahmen entstehen Risse in der Ostwand und immer wieder brechen Gesteinsmassive ins Wasser. Das Gelände ist heute oft Ort für Vandalismus und die eigentlich reiche Naturwelt wird durch ständige Störungen immer weiter zurückgedrängt.

Bestrebungen um andere Steinbruchbetriebe In den 1950er Jahren wurde eine neue Abbaustelle Steinbruch Kaspar Müller II erschlossen, um eine größere Unabhängigkeit vom Pachtverhältnis des Muttersteinbruchs zu erlangen. Aufgrund schlechter Gesteinseigenschaften kam es nie zur wirtschaftlichen Förderung und der Abbau ruhte wenige Jahre später wieder. Durch die Wehebachtalsperre liegt der Bereich am ehemaligen Zusammenfluss der Roten- und Weißen Wehe heute im Überflutungsbereich.

Ein weiterer Versuch der Erweiterung ereignete sich etwa zeitgleich in der Nähe der heutigen Wasseraufbereitung der Wehebachtalsperre in Form des Steinbruch Schwontzen. Auch hier führte sowohl die Unwirtschaftlichkeit als auch die unzureichende Gesteinsqualität zur raschen Aufgabe.

Förderung mini|Blick von Norden Hauptsächlich wurde an der Nord-Süd-Achse des Bruchs abgebaut. Dadurch ist die heute so prägnante Ostseite mit den einzelnen Schichten aufgeschlossen worden. Begonnen wurde an der Südseite und im Strossenbauverfahren etwa 100 m weit an der Gesteinsoberkante abgebaut und an der unteren Sohle nur etwa 47 m. An der Nord- und bedingt auch an der Westseite sind die einzelnen Strossen noch erkennbar.

Durch die nahezu horizontale Lagerung der Schichten ließen sich große Blöcke aus dem Gestein fördern. Dafür wurden bis zu 8 m tiefe Bohrlöcher vorgetrieben und anschließend durch „Schießen“ (Sprengungen) aus dem umgebenden Verband gelöst.Karl-Heinz Schumacher: Schevenhütter Schiefer. Bunte Natursteine aus dem Ordovizium Nordrhein-Westfalens. In: Eifelverein e. V. (Hg.): Eifeljahrbuch 2018. Meckenheim: DCM Druck Center Meckenheim (MMM) (Eifeljahrbücher), S. 101–115. Die Explosionen waren im Dorf deutlich zu spüren.